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Berit

Aachener Weinsommer

10. September 2015 | von

Kurz nach Beginn der Reit-EM, die dieses Jahr in Aachen stattfindet, startete auch der Aachener Weinsommer. Ich hab’s zwar leider nicht zum eigentlichen „Weinsommer“ auf den Katschhof geschafft, dafür stand aber eine Weinprobe in dem Weinladen in der Neupforte an.

Weinprobe, hört sich erst mal so fancy an. Und eigentlich bin ich ja auch eher die Bier als Weintrinkerin. Und Ahnung hab ich von Wein ja schon mal gar nicht. Das einzige was ich vor der Weinprobe so richtig wusste war, dass ich eher Rot- als Weißweintrinkerin war und dass da auch mal der 2 €-Wein aus dem Supermarkt ausreicht.

Bei der Weinprobe ging es dann mit Weißwein los, zu meiner Überraschung schmeckten mir die ersten beiden Weißweine direkt richtig gut. Also erste Erkenntnis des Abends: Ich mag Weißwein, nur da darf es halt nicht der für 2€ aus dem Supermarkt sein. Es kamen noch 4 weitere Weißweine, von denen mir noch ein weiterer richtig gut schmeckte. Nachdem wir mit der ersten Hälfte der Weine (den Weißweinen) durch waren, bekamen wir auch eine Liste mit allen Weinen der Weinprobe, außerdem erfuhren wir, dass alle Weine, die wir probierten bei ca. 5-12 € die Flasche lagen, also wirklich bezahlbar. Also direkt die zweite Erkenntnis des Abends: Guter Wein ist gar nicht unbedingt unbezahlbar und es lohnt sich vielleicht wirklich mal in den Weinladen anstatt in den Supermarkt zu gehen, weil man beraten wird und sicherlich auch das bekommt was auf der Flasche steht. Weiter ging es dann mit den Rotweinen. Und obwohl ich mich ja vorher noch als Rotweintrinkerin bekannt hatte, schmeckte mir hier nur ein Wein richtig gut, die anderen waren mir oft zu schwer oder zu kräftig. Bei jedem Wein den wir probierten sollten wir sagen was wir meinten raus zu schmecken bzw. an was uns der Geschmack erinnerte. Zur Hilfe gab es dabei so eine Art „Aromenkreise“ mit den wildesten Vorschlägen von verschiedenen Früchten und Gemüsen (ok das mag noch einleuchten) aber auch Teer, Gras und Papier waren dabei. Zu jedem Wein gab es Anekdoten zu seiner Herkunft, dem Anbaugebiet, der Herstellung und den Besonderheiten. Ich habe echt einige Dinge gelernt, die ich so überhaupt nicht wusste z.B. dass es nur noch sehr wenige Wurzelechte Reben gibt, d.h. das Wurzel und Rebe von Anfang an zusammengehören, sondern dass die meisten Reben auf (ich meine) amerikanische Wurzeln gesetzt werden, weil diese widerstandsfähiger sind. Am Abschluss des Abends waren wir also um einige Kenntnisse reicher und hatten 11 verschiedene Weine probiert, von denen 4 sehr nach meinem Geschmack waren (und davon wie gesagt 3 Weißweine – schon allein für diese Erkenntnis hat sich der Abend gelohnt).

Und für mich steht eins fest, das nächste Mal wenn ich Lust auf Wein habe, geh ich in den Weinladen, denn es ist wirklich nicht viel teurer als im Supermarkt, dafür kann man sich aber sicherer sein, dass einem der Tropfen auch schmeckt und man das bekommt was man möchte.

Ein Tag in Belgien – Oostende

06. September 2015 | von

Wie ich ja in einem früheren Post (Ein Tag in Frankfurt) schon mal erwähnt habe, verschenke ich am liebsten Zeit in Form einer besonderen Unternehmung. So bekam auch eine Freundin von einer anderen Freundin und mir zum Geburtstat einen Ausflug nach Oostende, einer Stadt an der belgischen Küste. Diesen Trip wollten wir eigentlich schon seit über einem Jahr mal gemacht haben, aber entweder stimmte dann das Wetter nicht oder irgendjemand hatte doch keine Zeit. Also wurde das Ganze schließlich als Geschenk verpackt, so dass wir keine andere Wahl mehr hatten, als auch wirklich mal zu fahren.
Ich wusste zwar irgendwie schon länger, dass Zug fahren in Belgien relativ günstig ist, wie günstig es aber wirklich ist, dass wurde mir erst klar, als ich mich vor anderthalb Jahren mal näher damit beschäftigte, weil ich einen Tag in Brügge verbrachte. Für Personen unter 26 Jahren gibt es in Belgien den sogenannten GoPass, mit dem kann man jede beliebige Strecke in Belgien für 6 Euro fahren und das sogar im IC. Der Bus nach Eupen kostet allerdings gute 3 €, selbst mit Studententicket und wenn man sagt, dass man erst ab der Grenze bezahlen möchte. Es gibt aber auch den GoPass Aachen, der kostet dann zwar 8 € dafür kann man aber ab Aachen fahren. Für uns ging es dann auch in Aachen los, bis nach Welkenraedt und da konnten wir dann in den IC steigen, der bis nach Oostende fährt.
Leider war der Tag auch erst mal ziemlich bewölkt und wir hatten wirklich Angst, dass sich die Sonne gar nicht mehr zeigen würde. In Oostende angekommen liefen wir erst mal am Hafen entlang und kamen dann auch direkt zur Strandpromenade. Der Strand war trotz des nicht ganz so optimalen Wetters relativ voll und es waren auch überraschend viele Menschen im Wasser. Wir haben und dann auch an den Strand gelegt und ich hab’s dann sogar noch zu einem kleinen Sonnenbrand geschafft, weil das Wetter sich am Meer ja doch recht schnell ändern kann und die Sonne dann doch noch raus kam. Zu einem Tag in Belgien gehören natürlich auch Pommes und Waffeln, alles wunderbar an der Strandpromenade zu bekommen. Wenn man dort lang schlendert muss man lediglich aufpassen, dass man nicht von Fahrrädern oder sonstigen Tretgefährten, für die ich grad keinen Namen hab, umgefahren wird. Auch die Innenstadt von Oostende ist einen kleinen Schlenker durchaus wert.
Den Rückweg sollte man allerdings nicht zu spät antreten, denn zum einen dauert die Fahrt doch gute drei Stunden und zum anderen fährt der letzte Zug nach Eupen um 18.40 Uhr und der letzte Zug mit Umstieg in Welkenraedt nach Aachen um 17.40 Uhr. Hatten wir auf der Hinfahrt noch die Zuverlässigkeit der belgischen Bahn gelobt, kam auf der Rückfahrt schon 10 Minuten hinter Oostende die Durchsage, dass es ein Problem mit der Lokomotive gäbe und dass sich die Weiterfahrt erst mal verzögere. Gut, nach 10 Minuten war eine neue Lok da und es ging weiter. Beim nächsten Stopp (Brügge) musste dann aber noch mal was an der Lok getan werden und als es schließlich weiter ging, hatte sich die Verspätung auf 40 Minuten ausgebaut. Das war’s dann wohl mit Umsteigen in Welkenraedt – den letzten Zug nach Aachen würden wir definitiv nicht mehr bekommen. Dazu kommt, dass man auf der Strecke von Oostende nach Eupen sowohl durch den vlämischen, als auch den wallonischen und den deutschensprachigen Teil Belgiens fährt. Die Durchsagen sind nicht auf allen Sprachen – NEIN nur in der jeweiligen Sprache der Region, durch die man grade fährt. Aber trotzdem bekamen wir irgendwann mit, dass der Zug wohl nur bis Welkenraedt gehen würde. Wir hätten auch gerne einen Schaffner gefragt, wie wir dann am besten weiter nach Aachen kämen, aber der hatte sich schön in Luft aufgelöst. Angekommen in Welkenraedt löste sich das Problem dann aber ziemlich schnell in Luft aus. Denn es standen schon Taxis bereit, die die Leute mit Endziel Aachen zum Aachener HBF fuhren. Und das ohne irgendwas vorstrecken zu müssen und sich dann um Papierkram zu kümmern. Also war unser Lob der belgischen Bahn doch berechtigt.
Abschließend kann ich nur sagen, dass sich Oostende, Brügge oder Brüssel bestimmt für einen spontanen Tagesausflug lohnen, am besten natürlich bei gutem Wetter.

Be Buddy

04. September 2015 | von

In Brasilien hatte ich ja das Glück einen Padrinho (= Buddy) an die Seite gestellt zu bekommen. Und das schon einige Monate bevor es losging. Misael hat auch auf jede Mail mit den Tausend Fragen die ich hatte geduldig geantwortet und hat sich dafür entschuldigt, dass er in der Woche, in der ich in Brasilien angekommen bin selbst nicht in Florianópolis war und mich nicht vom Flughafen abholen konnte. Und das obwohl das gar nicht unbedingt zu den Aufgaben der Buddies gehört. Er hat dann aber tatsächlich dafür gesorgt, dass einer seiner besten Freunde, der sogar perfekt Deutsch gesprochen hat, mich vom Flughafen abgeholt und zu meinem neuen Zuhause gefahren hat. Und auch später hat er mir bei der ganzen Bürokratie unglaublich geholfen. Insgesamt war es einfach nur super toll, dass die UFSC sich darum gekümmert hat, dass jeder Internationale Student einen Buddy bekommen hat.

Um das was ich in Brasilien erfahren habe zurückzugeben, habe ich mich zurück in Aachen auch direkt zur Be-Buddy-Schulung des International Office angemeldet. Diese Schulung gibt es mehrere Male im Semester und meistens sind es 2 Stunden an 3 Tagen. Die Schulung selbst macht super viel Spaß, man lernt nochmal einiges über Unterschiede in Kulturen und auch über Deutschland und außerdem ist es nochmal eine tolle Möglichkeit neue Leute kennenzulernen. Hat man die Schulung erledigt, muss man noch ein Formular ausfüllen, in denen man ein paar Angaben zu sich selbst macht, aber auch angeben kann, ob man einen Buddy aus einem bestimmten Land oder mit einer bestimmten Muttersprache etc. präferieren würde. Dann heißt es erst mal ein bisschen warten, aber bei mir hat es bis zum ersten Vorschlag gar nicht lange gedauert und nun werde ich ab Ende August/Anfang Dezember Buddy von einer Brasilianerin werden. Ich konnte ihr auch direkt bei ein paar Fragen weiterhelfen und freue mich schon darauf, sie dann bald persönlich kennen zu lernen.

Das mein Buddy aus Brasilien kommt, ist für mich natürlich besonders cool, da ich so die Chance habe mein Portugiesisch hin und wieder mal ein bisschen zu üben. Weil es ist doch erschreckend, wie schnell man Sachen wieder vergisst, wenn man ein paar Monate nicht redet, sondern wenn mal mit den Leuten aus Brasilien schreibt.

Ich kann jedem, der sich für andere Länder, Kulturen und Menschen interessiert, empfehlen ebenfalls am Be-Buddy-Programm teilzunehmen (oder einem der vielen anderen Programme bei denen man mit neuen Leuten in Kontakt kommt, da gibt’s ja auch noch Sprachtandems etc.).

Wenn mein Buddy dann in Aachen angekommen ist, werde ich bestimmt nochmal über das Programm und die neuen Erfahrungen berichten.

Alle Jahre wieder…. – Prinzessinnentag

02. September 2015 | von

Es soll ja Leute geben, die ihren Geburtstag nicht besonders feiern, denen ihr Geburtstag nicht besonders wichtig ist oder die ihren Geburtstag gar so verbringen wie jeden anderen Tag im Jahr auch. Zu diesen Leuten habe ich noch nie gehört und werde ich wohl auch niemals gehören. Geburtstage sind für mich Ehrentage (auch wenn man in Grunde genommen nichts anderes gemacht hat als auf die Welt zu kommen und die Ehre wohl eigentlich eher der Mutter gebühren sollte, die dafür ganz schöne Qualen und Schmerzen auf sich genommen hat – aber egal) und dementsprechend sollen sie auch gefeiert werden. Das mir Geburtstage so überhaupt nicht egal sind, liegt sicherlich an meiner Familie. Bei uns hieß Geburtstag haben: mit Geburtstagsliedern geweckt werden, Frühstück und Geschenke ans Bett gebracht bekommen, Nachmittags Kaffee und Kuchen mit der ganzen Verwandtschaft und am Wochenende dann Kindergeburtstag mit vielen selbst ausgedachten Spielen bzw. Party mit den Freunden als ich dann älter wurde. Ja Geburtstag haben war einfach immer toll.
Und dann kam ich nach Aachen. Da ich am gleichen Tag wie Harry Potter Geburtstag habe, liegt mein Geburtstag eigentlich immer in der Klausurphase. Unglücklicherweise habe ich auch – mit Ausnahme von diesem Jahr – natürlich auch immer ein oder zwei Tage nach meinem Geburtstag eine Klausur schreiben müssen, so dass ich ihn am Anfang gezwungenermaßen, später dann freiwillig immer in Aachen gefeiert habe. Das hieß dann also erst mal kein Wecken mit Geburtstagsliedern und Frühstück ans Bett mehr, so dass eine neue Art der Zelebration her musste. Ich weiß gar nicht mehr genau wie es dazu kam, doch seit meinem ersten Geburtstag in Aachen hat es sich so eingebürgert, dass ich den ganzen Tag (pünktlich ab 00.00 Uhr) mit einem rosa Krönchen, das bei Bedarf auch blinken kann, durch die Gegend laufe. Manche mögen das peinlich oder albern finden, aber es hat sich halt irgendwie so eingespielt und solange ich meinen Geburtstag in Aachen feier, wird sich das wohl nicht mehr ändern (letztes Jahr habe ich sogar meine Bachelor-Arbeit an meinem Geburtstag abgegeben – bin also mitsamt Krönchen ins ZPA und zum betreuendem Professor spaziert – unvergesslich). Auch wenn es kein Geburtstagsfrühstück ans Bett mehr gibt, meine Familie rückt trotzdem noch jedes Jahr zu Kaffee und Kuchen an. Und irgendwie sind Geburtstage seit ich in Aachen bin noch besonderer geworden, denn als ich noch zu Hause gewohnt habe, habe ich meine Familie ja ständig um mich rum gehabt, jetzt sehe ich sie vereinzelt mal alle paar Monate und noch seltener alle zusammen. (Fast) alle einem wichtigen Menschen um sich zu haben, ist doch eigentlich das wundertollste Geburtstaggeschenk, was einem Familie und Freunde machen können – und wenn’s dabei noch Kuchen gibt, umso besser.

Das obligatorische Bild mit Krönchen

Das obligatorische Bild mit Krönchen

„Sie rechnen ständig – aber nie mit Liebe“

31. August 2015 | von

so oder zumindest so ähnlich betitelte eine Zeitung letztens einen Artikel in dem es unter anderem um das Männer-/Frauen-Verhältnis und die Aussichtslosigkeit eines Maschi- oder Informatiker-Daseins (bezogen auf die Liebe) hier bei uns in Aachen ging. Demnach könnten die Studenten der technischen Studiengänge ihre Hoffnung auf Liebe hier direkt aufgeben, denn zum einen gäbe es ja viel zu wenig Frauen bzw. viel zu viele Männer und zum anderen wüssten die Kerle ja auch nicht wie man mit den vorhandenen Frauen umgehen müsste. Der Artikel ist sicherlich etwas überspitzt und teilweise nicht ganz so ernst zu nehmen, aber was steckt eigentlich dahinter?

Auch ich wurde gewarnt bevor ich nach Aachen ging „Da sind doch nur Männer – und zwar „nerdige“ Männer“ oder eine Bekannte meiner Mutter sagte mir „Wie sagt man noch mal? Wenn deine Tochter keinen Mann findet, dann schick sie nach Aachen, da wird sie schon einer nehmen“ – sehr erbauend. Auf was hatte ich mich da eingelassen? Dann in Aachen angekommen, fand ich es eigentlich gar nicht soooo schlimm und schon gar nicht so schlimm wie angekündigt. Gut, ich studiere weder Maschinenbau, Informatik oder Elektrotechnik, sondern Georessourcenmanagement und bei uns war das Verhältnis von Männern zu Frauen mit 60:40 eher ausgeglichen und habe immer im Wohnheim mit einer 50:50-Quote gewohnt und ja manchmal habe ich mich erschlagen gefüllt als ich die Wüllnerstraße hochlief und mich gegen einen Masse von Männern kämpfen musste, weil grad eine Maschi-Vorlesung im Audimax zu Ende war. Und ja – natürlich gibt es die „richtigen Nerds“, den Informatiker wie er im Bilderbuch steht, aber die gab es auch schon bei uns im Dorf als ich noch zur Schule gegangen bin und wenn’s die dort gab, dann gibt’s die überall anders wahrscheinlich auch. Sicher ist die Quote in Aachen ein „bisschen“ oder vielleicht auch ein „bisschen mehr“ höher als anderswo, aber man sollte die ganzen Klischees auch nicht zu ernst nehmen. Denn glaubt man dem allgemeinen Hörensagen, so gibt es in Aachen keine Frauen und die, die sich dann doch nach Aachen verirren, sehen aus wie Kerle. Also ganz ehrlich, ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich nicht aussehe wie ein Kerl und von meinen Freundinnen und Mitbewohnerinnen kann ich das eigentlich auch nicht behaupten. Außerdem kenne ich Physiker, Mathematiker, Elektrotechniker, Maschinenbauer und was sich auf den Aachener Straßen noch so rumtreibt und die meisten davon sind ganz normale Kerle, wie man sie auch in jeder anderen Stadt trifft. Und ganz so hoffnungslos ist die Lage auch was die Liebe angeht glaube ich nicht, ich selbst hab meinen Freund, einen Maschi (was auch sonst ;)) hier in Aachen kennengelernt und ich habe sogar von Elektrotechnikern und Physikern gehört die hier an die Frau gebracht worden sein sollen.

Da ist sie wieder – die heißgeliebte Klausurphase

28. Juli 2015 | von

Wenn das sonntägliche Gruppenfrühstück von 10 Uhr auf 8 Uhr verlegt wird, es bei jedem dritten Jodelpost um Prokrastination geht und die Bierliste am Kühlschrank eher stagniert als im üblichen Tempo weiterwächst, dann ist es mal wieder so weit – die von uns allen heißgeliebte Klausurphase ist wieder da.
Ab jetzt ist jeder Tag gleich. Aufstehen – Essen – Lernen – Essen – Lernen – Kaffe – Lernen – Essen – Schlafengehen. Also basically lernen und essen. Man weiß auch schnell nicht mehr ob Montag, Mittwoch oder Wochenende ist – erst wenn man vor den verschlossenen REWE-Türen steht dämmert es einem, dass Sonntag ist und man sich auch mal wieder bei den lieben Verwandten melden könnte, um ihnen ein bisschen vorzujammern wie schrecklich das Studentenleben doch eigentlich ist.
In der Klausurphase stelle ich mir oft die Frage, was ich eigentlich sonst mit meiner ganzen Zeit angefangen habe. Doch dann fällt mir wieder ein, dass man außerhalb der Klausurphase ein Leben hat: Freunde einfach so treffen (nicht um Klausuren durchzurechnen oder Verständnis-Fragen zu klären), Schwimmen oder Klettern gehen, generell mal öfters zum Sport gehen, Kaffee oder ein Bierchen trinken gehen oder einfach mal ein Buch lesen, einen Film gucken oder Ausschlafen. Ja das schöne Studentenleben wird in der Klausurphase leider ganz schön eingeschränkt.
Es gibt noch ein weiteres typisches Phänomen der Klausurphase (zumindest im Sommersemester): Immer wenn ich richtig lernen muss, wird das Wetter schön und es wird vor allem warm und die Verlockung nichts zu tun und sich einfach raus in die Sonne zu legen wächst von Tag zu Tag. Am Anfang war ich noch der Auffassung „na wenn die Sonne schon scheint, dass setz ich mich halt raus in den Hof und lerne dort“ – haha ja klar, großartige Idee. Nach endlosen gescheiterten Versuchen weiß ich eins ziemlich sicher: draußen in der Sonne lernen = einschlafen oder mit einem meiner Mitbewohner (und einer kommt bestimmt immer vorbei) verquatschen, also muss ich mich in mein Zimmer einsperren und die Sonne aussperren und das obwohl sie doch in Aachen so selten scheint.
Aber wenn man Glück hat winken am Ende des schwarzen Tunnels noch ein paar Wochen Semesterferien und der Gedanke an diese Zeit hält mich während der Lernzeit bei Laune. Und dieses Sommersemester hab ich tatsächlich ziemlich Glück, denn da einige Prüfungsleistungen schon während des Semesters fällig waren, hab ich nur noch 4 Klausuren und bin (wenn alles gut läuft) Mitte August für dieses Semester fertig. Und dann heißt es erst mal „Tschüss Aachen“ und (hoffentlich) „Hallo Sonne“.
Aber noch ist es leider nicht so weit, dass ich die Koffer packen kann und der Schreibtisch ruft schon wieder, denn morgen wird die erste Klausur (zumindest in der Klausurphase) geschrieben.

Ein Tag in Frankfurt

27. Juli 2015 | von

Was schenkt man seiner Ex-Mitbewohnerin, die man nur noch selten sieht, die einen drei Wochen lang in Brasilien besucht hat, zum 23 Geburtstag? Kosmetik-Produkte, einen Gutschein oder doch ein Armband – Irgendwie alles zu Standard-mäßig. Also wurden die Köpfe noch mal mit ein paar Mitbewohnern + Anhang zusammengesteckt und entschieden, dass das beste Geschenk doch eigentlich „gemeinsame Zeit“ wäre – ein Wochenende in Frankfurt bei Dana.
Mit 6 Leuten einen Termin zu finden, ist gar nicht so einfach, aber doodle-sei-Dank konnten wir uns dann doch relativ schnell einigen – und dieses Wochenende war es dann so weit, es ging ab nach Frankfurt. Frankfurt, da kannte ich bis jetzt den Flughafen und das Bild von der Frankfurter Skyline. Vielleicht wegen dem großen Flughafen, vielleicht wegen dem Bild der Skyline, aber Frankfurt war in meiner Vorstellung immer eine riesige Metropole. In Frankfurt angekommen, stellte sich dann aber schnell fest, dass Frankfurt mit seinen 700.000 Einwohnern eigentlich doch ganz überschaubar ist.
Den Samstag verbrachten wir mit Shoppen (denn ein anderer meiner Ex-Mitbewohner hatte anscheinend keine Zeit sich die Wettervorhersage anzuschauen, hatte nicht mitbekommen, dass es knapp 30°C werden sollten und nur lange Hosen dabei, so dass ein paar Shorts herbei mussten), Eiskaffee am Main schlürfen, Apfelwein trinken und Thai-essen. Hört sich an wie der reinste Fressmarathon? – es war auch einer – aber eigentlich eine sehr angenehme Art eine Stadt kennenzulernen: Einfach von einem Kaffee – Bar – Restaurant schlendern und dabei immer wieder ein paar Kilometer durch die verschiedensten Ecken der Stadt laufen. Dabei gab’s sogar noch ein bisschen Auffrischung in deutscher Geschichte, denn meine Mitbewohnerin Miri kann sich irgendwie an alles erinnern, was sie jemals in der Schule gehört hat, so dass wir bei einem kurzen Abstecher in die Paulskirche noch mal eine Kurzfassung der 48er-Revolution zu hören bekamen.
Frankfurter Apfelwein (Appelwei) entweder süß (mit Fanta) oder sauer (mit Wasser) gespritzt, schmeckt zunächst erst mal etwas merkwürdig (ein bisschen wie vergorener Apfelsaft) ist dann aber eigentlich doch ganz süffig. Wir haben gelernt, die Touris trinken lieber süßgespritzt, aber der echte Frankfurter sauergespritzt – sollte man bei einem Besuch in Ffm auf jeden Fall mal ausprobieren.
Abends wollten wir dann noch ein bisschen raus, erst saßen wir mit hunderten anderen auf den Wiesen am Main und konnten den warmen Sommerabend genießen. Dann sollte es weitergehen. Gewöhnt an Aachen, hatten Miri und ich natürlich keine hohen Schuhe dabei – in Aachen völlig überbewertet standen wir dann vor der Frage „wie schick ist Frankfurt“ hat man in flachen Schuhen oder sogar Chucks eine Chance? Aber ich kann entwarnen: Zum Glück auch in Frankfurt (zumindest dort wo wir waren) kein Problem. Nach ein paar Stunden Tanzerei, und einem spontanen Konzert im Nachtbus zurück zu Dana, kam dann noch eins der größten Abenteuer des Trips: Zu sechst in einem 10 m²-Zimmer pennen – eng, aber möglich.
Abschließend kann ich auf jeden Fall sagen, dass „Zeit“ schenken (gekrönt, durch den ein anderen Drink, Brunch oder Eiskaffee) wirklich eine sehr coole Alternative ist, wenn man sich eh nicht mehr sooft sehen kann.

Paulskirche Main Skyline

Über das Leben in einer 13er WG – manchmal Fluch, meistens Segen

16. Juli 2015 | von

Lernt man als Student auf einer Party, beim Sport, im Urlaub oder sonst wo neue Leute kennen, so kommt irgendwann doch meist die Frage auf: “ Wo und wie wohnt ihr denn so?“ Die meisten antworten mit „allein“ oder „in einer 2-4er WG“, einige wohnen noch zu Hause, bei wenigen ist es noch der ein oder andere Mitbewohner mehr – und dann komm ich: „Ich wohn in einer 13er WG – im Wohnheim!“ Das Leben im Wohnheim verbinden viele nicht mit dem Leben in einer „normalen“ WG, aber bei uns ist das auf jeden Fall so: Wir teilen uns den „Altbau“ des Wohnheims, einen Anbau auf drei Etagen, mit einer großen Küche/Wohnzimmer, drei Duschen und drei Toiletten. Jeder hat sein eigenes Zimmer, die sehr unterschiedlich groß sind (wer am längsten hier wohnt, hat das größte Zimmer – eine ganz einfache Hierarchie).

Viele fragen dann, ob es nicht unglaublich anstrengend ist mit so vielen Leuten zusammen zu wohnen. Natürlich ist es das – manchmal (z. B. wenn sich in der Küche mal wieder ein riesen Stapel Geschirr ansammelt oder jemand seinen Mülldienst nicht macht), aber meistens ist es der absolute Hammer. Das liegt natürlich zum größten Teil an meinen Mitbewohnern. Wir sind eine sehr bunt gemischte Truppe, die jüngste ist grade 19 geworden, der älteste wird bald 27. Es gibt Maschis, Etis, Architekten, Medis und was man halt sonst noch so in Aachen studieren kann. Für mich ist diese Abwechslung Gold wert, denn so wird untereinander recht wenig über die Uni geredet und überhaupt sind alle sehr unterschiedlich in ihren Meinungen und Weltansichten. Das „Miteinander“ ist uns sehr wichtig, Sonntags frühstücken wir ausgiebig zusammen, ein Mal im Semester machen wir eine Party nur für uns, abends gehen wir zusammen laufen und auch sonst ist hier eigentlich immer irgendwas los. Man muss nie alleine essen – irgendjemand lungert immer noch in der Küche rum. Das heißt aber nicht, dass man nie seine Ruhe haben kann, ist eine Tür zu, wird entweder geklopft oder einfach nicht gestört, jeder trägt seine Klausuren in einen großen Kalender ein, so dass aufeinander Rücksicht genommen werden kann und das klappt auch meistens wunderbar.

Hätt ich nochmal die Wahl, ich würd’s immer wieder genauso machen. Das Wohnheim ist ein wunderbarer Ort um Leute kennen zu lernen, wenn man neu in eine Stadt kommt. Vor allem auch Leute, die nicht mit einem studieren und Leute, die schon länger in der Stadt sind, die viel mehr wissen als man selbst und einem gerne Tipps geben oder einen einfach mal mitnehmen. Aber ich weiß auch, dass es nicht für jeden was wäre hier. Hat man z. B. sehr hohe Ansprüche an Sauberkeit, dann wird man im Wohnheim vielleicht nicht glücklich werden (es sei denn man will immer hinterherputzen – und das macht auf die Dauer wirklich schlechte Laune), denn irgendjemand lässt immer mal was stehen oder vergisst die Arbeitsplatte nach dem Kochen sauber zu machen. Ich brauch den Trubel und die Leute – für mich wäre alleine wohnen (zumindest noch) der absolute Horror. Ich kann es jedem Ersti nur empfehlen über die Alternative „Wohnheim“ nachzudenken oder es sich mal anzuschauen. Sicherlich ist Wohnheim nicht gleich Wohnheim und ich hab hier einfach unglaublich viel Glück gehabt, aber drüber nachgedacht sollte man auf jeden Fall mal haben.

Zum Abschluss bleibt zu sagen: „Das Gute an 12 Mitbewohnern ist man ist niemals allein – das Schlechte an 12 Mitbewohners ist, man ist niemals allein“.

Back in good old Aachen

13. Juli 2015 | von

Nachdem ich mich langsam mit dem Gedanken abgefunden hatte, dass mein Auslandssemester wirklich schon vorbei und ich das Ganze, auch wenn es mir des Öfteren so vorkam, nicht nur geträumt hatte, konnte ich mich langsam wieder an Deutschland gewöhnen. Dass es noch winterlich kalt war und ich seit Monaten keinen Pulli, feste Schuhe geschweige denn Stiefel und Winterjacke getragen hatte, machte es zwar nicht leichter, aber die gemütliche Atmosphäre zu Hause, das gute Essen und Wiedersehen mit Freunden machten es schließlich doch möglich – ich war wieder richtig angekommen und Brasilien kam mir wirklich eher als ein langer Traum als gelebte Wirklichkeit vor.
Mit Deutschland meine ich in diesem Fall meine Heimat, denn mein Zimmer in Aachen konnte ich noch nicht wiederbeziehen, da ich es bis zu Semesterbeginn untervermietet hatte. Das Zurück-nach-Aachen-Kommen stand mir also noch bevor. Wie würde das wohl werden? Wird alles wie früher oder ganz anders? Fühlt man sich im Master anders als im Bachelor? Und wer sind eigentlich meine Kommilitonen? Die meisten würden fremde Gesichter sein, denn nach dem Bachelor haben viele meiner alten Kommilitonen, wie ich ein bis zwei Semester im Ausland oder Praktikum verbracht und außerdem sind zum Masterbeginn viele neue Leute von anderen Unis dazugekommen. Das mag sich jetzt für jemanden der Maschinenbau studiert vielleicht nicht so schlimm anhören, denn bei so vielen Kommilitonen kann man sich ja nicht jedes Gesicht kennen, aber wir waren gegen Ende des Bachelors noch knapp über 30 Leute – da kennt man wirklich jeden.
Zudem hatte sich auch in meiner WG viel getan während ich weg war – einige Urgesteine ausgezogen, dafür vier neue Mitbewohner. Im Wohnheim tut sich natürlich immer mehr als in „normalen“ WG’s, aber trotzdem ist es doch erst mal merkwürdig, wenn man wieder einzieht und sich irgendwie zuhause und fremd zur gleichen Zeit fühlt. Aber dieses Gefühl hat sich ziemlich schnell wieder gegeben, zwar ist es immer noch komisch, wenn ich daran denke, dass meine Mitbewohner teilweise jünger sind als meine kleine Schwester, aber gut – asi es la vida.
Ansonsten hat sich in Aachen nicht wirklich was verändert. Es gibt immer noch viel weniger Frauen als Männer (was mir in den ersten Tagen allerdings sehr stark aufgefallen ist, da es unter den Austauschstudenten in Florianópolis eher anders rum war – hab mich aber schnell wieder dran gewöhnt), die Pontstraße sieht auch noch fast aus wie früher und das Wetter hat sich auch nicht verbessert – also alles beim Alten.

Reverse culture shock

02. Juli 2015 | von

Am Ende meiner Zeit in Brasilien habe ich mich echt wieder auf Deutschland gefreut. Das es scheinbar nirgendwo auf der Welt annähernd gutes Brot gibt wie zu Hause wird einem schon recht bald klar, damit hängt auch eine ganz andere Frühstückskultur zusammen, besonders am Wochenende. Aber nach einer Zeit freut man sich auch darauf, dass alles mal wieder „geordnet“ ist, der Bus (einigermaßen) dann fährt, wann er fahren soll, dass es überhaupt sowas wie einen Busfahrplan gibt, dass man sich nicht darauf einstellen muss, dass Treffen 1-2 Stunden später stattfinden als geplant, dass man nachts nicht immer mit dem Taxi nach Hause fahren muss etc. und das alles obwohl ich quasi im Paradies wohnen durfte.
Bis hierhin so schön so gut, als ich dann aber am Amsterdamer Flughafen in meinen Flieger nach Düsseldorf stieg und mir direkt etwas in der Art „Booooooaor, der Gang ist doch viel zu eng, der Sitz viel zu klein, das Wetter zu schlecht, die anderen Gäste zu unfreundlich“ in bester „mecker-ich-beschwer-mich-Manier“ in die Ohren schallte, war ich mir plötzlich nicht mehr so sicher ob ich mich wirklich so auf Deutschland freuen sollte. Denn wenn man so lange weg ist, vergisst man einfach die schlechten Sachen. Man freut sich außerdem über jedes kleines bisschen Deutschland (so wie ich beim Oktoberfest in Blumenau auf einmal Schlager abgefeiert habt) was man kriegen kann. Zurück in der Heimat erinnert man sich aber ziemlich schnell wieder an die negativen Punkte. Auf meiner List ganz weit oben, die ewige Meckerei und Beschwererei der Deutschen. Uns kann man es anscheinend nicht recht machen. Das beste Beispiel das Wetter: Entweder ist es zu warm, zu kalt, zu heiß, zu feucht, zu trocken, zu windig, zu… aber ganz sicher ist es nie einfach schön. Ich bin da nicht besser als alle anderen, auch ich beschwer mich am laufenden Band über irgendwas (achtet mal drauf, ist echt erschreckend, wenn man bemerkt wie oft man sich am Tag beschwert), aber ich versuche das zu ändern, die Dinge, die man nicht ändern kann, hinzunehmen wie sie sind und das positive an ihnen zu sehen (hab ich während meiner Yoga-Stunden in Florianópolis kennengelernt) und mich darüber zu freuen – aber einfach ist es nicht.
Außerdem erinnerte ich mich auch recht schnell wieder daran, dass die Busse und Bahnen auch in Deutschland alles andere als pünktlich kommen. Hier wird weniger gelacht und gelächelt (was meiner Meinung nach auf jeden Fall an der fehlenden Sonne liegt), weniger getanzt und das Leben wird einfach ernster genommen. In Brasilien war das Leben irgendwie lauter, bunter und gelebter. Die Leute arbeiten um zu leben und leben nicht um zu arbeiten. Und was mir ziemlich schnell am meisten fehlte (abgesehen von den Leuten, die ich so schnell nicht wiedersehen werde) war das Meer und die Berge. An beides hatte ich mich einfach so sehr gewöhnt und dann Aachen – ohne Berge (wenn man mal von den Hügeln absieht, die einem nur wie Berge vorkommen, wenn man sie mit dem Rad hochfahren muss) und kein Meer, ja noch nicht mal ein Fluss oder See.
Aber auch wenn’s erst mal wieder eine Umstellung war, wieder zu Hause sein war herrlich. Familie, Freund und Freunde wiederzusehen, im Radio alles zu verstehen auch wenn man nur mit einem Ohr zuhört, gutes Bier und Brot futtern und einfach mit der Familie zu Hause auf der Couch chillen, wie es halt nur zu Hause geht.