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Berit

Reverse culture shock

02. Juli 2015 | von

Am Ende meiner Zeit in Brasilien habe ich mich echt wieder auf Deutschland gefreut. Das es scheinbar nirgendwo auf der Welt annähernd gutes Brot gibt wie zu Hause wird einem schon recht bald klar, damit hängt auch eine ganz andere Frühstückskultur zusammen, besonders am Wochenende. Aber nach einer Zeit freut man sich auch darauf, dass alles mal wieder „geordnet“ ist, der Bus (einigermaßen) dann fährt, wann er fahren soll, dass es überhaupt sowas wie einen Busfahrplan gibt, dass man sich nicht darauf einstellen muss, dass Treffen 1-2 Stunden später stattfinden als geplant, dass man nachts nicht immer mit dem Taxi nach Hause fahren muss etc. und das alles obwohl ich quasi im Paradies wohnen durfte.
Bis hierhin so schön so gut, als ich dann aber am Amsterdamer Flughafen in meinen Flieger nach Düsseldorf stieg und mir direkt etwas in der Art „Booooooaor, der Gang ist doch viel zu eng, der Sitz viel zu klein, das Wetter zu schlecht, die anderen Gäste zu unfreundlich“ in bester „mecker-ich-beschwer-mich-Manier“ in die Ohren schallte, war ich mir plötzlich nicht mehr so sicher ob ich mich wirklich so auf Deutschland freuen sollte. Denn wenn man so lange weg ist, vergisst man einfach die schlechten Sachen. Man freut sich außerdem über jedes kleines bisschen Deutschland (so wie ich beim Oktoberfest in Blumenau auf einmal Schlager abgefeiert habt) was man kriegen kann. Zurück in der Heimat erinnert man sich aber ziemlich schnell wieder an die negativen Punkte. Auf meiner List ganz weit oben, die ewige Meckerei und Beschwererei der Deutschen. Uns kann man es anscheinend nicht recht machen. Das beste Beispiel das Wetter: Entweder ist es zu warm, zu kalt, zu heiß, zu feucht, zu trocken, zu windig, zu… aber ganz sicher ist es nie einfach schön. Ich bin da nicht besser als alle anderen, auch ich beschwer mich am laufenden Band über irgendwas (achtet mal drauf, ist echt erschreckend, wenn man bemerkt wie oft man sich am Tag beschwert), aber ich versuche das zu ändern, die Dinge, die man nicht ändern kann, hinzunehmen wie sie sind und das positive an ihnen zu sehen (hab ich während meiner Yoga-Stunden in Florianópolis kennengelernt) und mich darüber zu freuen – aber einfach ist es nicht.
Außerdem erinnerte ich mich auch recht schnell wieder daran, dass die Busse und Bahnen auch in Deutschland alles andere als pünktlich kommen. Hier wird weniger gelacht und gelächelt (was meiner Meinung nach auf jeden Fall an der fehlenden Sonne liegt), weniger getanzt und das Leben wird einfach ernster genommen. In Brasilien war das Leben irgendwie lauter, bunter und gelebter. Die Leute arbeiten um zu leben und leben nicht um zu arbeiten. Und was mir ziemlich schnell am meisten fehlte (abgesehen von den Leuten, die ich so schnell nicht wiedersehen werde) war das Meer und die Berge. An beides hatte ich mich einfach so sehr gewöhnt und dann Aachen – ohne Berge (wenn man mal von den Hügeln absieht, die einem nur wie Berge vorkommen, wenn man sie mit dem Rad hochfahren muss) und kein Meer, ja noch nicht mal ein Fluss oder See.
Aber auch wenn’s erst mal wieder eine Umstellung war, wieder zu Hause sein war herrlich. Familie, Freund und Freunde wiederzusehen, im Radio alles zu verstehen auch wenn man nur mit einem Ohr zuhört, gutes Bier und Brot futtern und einfach mit der Familie zu Hause auf der Couch chillen, wie es halt nur zu Hause geht.



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