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Berit

Und schon war’s vorbei – Mein Flug zurück

25. Juni 2015 | von

Schneller als ich gucken konnte hatte ich also mein letztes brasilianisches Mittagessen (nochmal guten Reis mit Bohnen) verputzt, Koffer gepackt und das Taxi für die Fahrt zum Flughafen bestellt. Wie genau ich’s geschafft hab am besagten Tag etwas zu essen ist mir eigentlich immer noch ein Rätsel, denn ich hatte die Nacht kaum schlafen können und mir war einfach nur schlecht. Aber warum eigentlich? Der Hauptgrund war wahrscheinlich, dass ich mega Angst hatte meinen Anschluss in São Paulo zu verpassen. Wirklich viel Zeit zum Umsteigen hatte ich nämlich nicht, außerdem muss man aus dem nationalen Terminal raus, zum internationalen Terminal laufen, noch mal neu einchecken, Sicherheits- und Passkontrolle und der Flughafen ist leider überhaupt nicht klein. Zu allem Überfluss konnte ich dann auch nicht online-einchecken, so dass ich in São Paulo sogar nochmal zum Schalter musste, aber wenigstens wurde mein Gepäck durchgecheckt, was ja auf dem Hinflug nicht der Fall gewesen war.
Das Taxi hab ich – schön deutsch- natürlich viel zu früh bestellt, aber da man ja mit Stau rechnen muss (den es auch wirklich gab) lieber zu früh als zu spät. Am Flughafen angekommen konnte ich zum Glück auch direkt mein Gepäck abgeben und zum Gate. Eine meiner großen Ängste war auch, dass der Flieger sich verspäten würde, was bei einem meiner vorherigen Flüge der Fall gewesen war, aber alles gut. In São Paulo gelandet (18.40 Uhr) musste das Flugzeug allerdings 10 Minuten warten bis es zu seiner Parking-Position fahren konnte – nicht gut für mein Adrenalinspiegel, gesessen hab ich natürlich ganz hinten, so dass ich erst mal warten musste bis alle anderen aus dem Flugzeug raus waren. Dann bin ich losgerannt – ok gerannt ist vielleicht übertrieben, aber ich bin auf jeden Fall sehr sehr schnell gelaufen. Terminal 3 war auch die ganze Zeit ausgeschildert, aber dann ganz plötzlich war die Beschilderung weg – ich kurz vor dem Heulkrampf – Luftgeholt jemanden gefragt – „einfach die Treppen/Aufzug hoch“ – alles klar. Riesige Halle „wo ist jetzt der verdammte Schalter der Fluggesellschaft? – wieder jemanden gefragt – direkt vor meiner Nase – „beruhig dich“. Am Schalter angekommen (19.10 Uhr), war nichts los, also konnte ich meine neuen Tickets in Empfang nehmen und mir sagen lassen, dass das Boarding um etwa 19.10 Uhr – also jetzt losgehen würde – Super. Aber sowohl an der Sicherheitskontrolle als auch an der Passkontrolle war zum Glück nichts los, so dass ich schnell durchkam. Grad aus der Passkontrolle kam auch schon die Durchsage, dass das Boarding für meinen Flug nun starten würde. Also noch mal einen Zahn zugelegt und es dann auch pünktlich zum Gate geschafft. Der Flieger ging um 20.10 Uhr, hätte ich auf mein Ticket geschaut hätte ich vielleicht gesehen, dass das Boarding erst 15 Minuten vor Abflug schließt und hätte mich nicht ganz so hetzen müssen, aber so war ich auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Warum weiß ich nicht genau (vielleicht weil ich eine der letzten war, die eingecheckt ist) aber ich wurde in Economy Plus upgegradet. Also ein bisschen mehr Platz und dann war der Platz neben sowie vor mir auch noch frei, also schon echter Luxus, so dass ich tatsächlich geschafft hab ein bisschen zu schlafen und von deutschem Frühstück und Bier zu träumen.

Abschied von der Ilha da Magia

21. Juni 2015 | von

Aus Uruguay zurück ging es für ein letztes Mal auf die Ilha da Magia – Florianópolis. Und das zunächst allein, da Kilian noch einen Abstecher nach Foz de Iguacu gemacht hat. Für mich waren das die ersten Tage allein seit Monaten. Wirklich allein war ich zwar nicht, denn für die ersten Nächte hatte ich mich in ein Hostel in Lagoa einquartiert. Komisch irgendwie im Hostel in einer Stadt zu sein, in der man die letzten Monate zu Hause war. Vorher war ich noch nie wirklich allein im Urlaub oder auf Reisen und ich dachte auch eigentlich, dass das bestimmt so gar nicht mein Ding wäre. Aber in den drei Tagen, die ich ohne Kilian im Hostelleben unterwegs war habe ich gemerkt, dass allein zu Reisen wirklich ganz anders ist. Auch wenn ich mich generell nicht als verschlossen beschreiben würde, so ist man doch noch um einiges offener und geht viel schneller auf die Leute zu, wenn man allein unterwegs ist. Aber meistens hat es dann doch Vorteile mindestens zu zweit unterwegs zu sein z.B. am Strand. Denn an einem der Tagen wollte ich das gute Wetter nutzen und zum Strand. Das Problem ich war ja allein. Wer sollte also auf meine Sachen aufpassen, wenn ich mal ins Wasser wollte. Aber auch dieses Problem hat sich zum Glück ziemlich schnell von allein gelöst. Im Bus habe ich gehört wie ein Mädchen den Busfahrer im gebrochenen Portugiesisch nach dem richtigen Halt gesprochen hat – nämlich genau dem Strand der auch mein Ziel war. Also hab ich sie einfach angesprochen, ihr erklärt wo sie hinmuss und dann einfach gefragt ob wir nicht zusammen gehen wollen. Erst mal ungewöhnlich aber eine super Idee, wir konnten uns den Sonnenschirm teilen und ohne Sorgen mal ins Wasser gehen.
Als Kilian wieder da war, haben wir entschieden noch mal in meine alte Wohnung zu ziehen. Diese liegt ja deutlich weiter weg von den Stränden, aber Karneval hatte die Hostelpreise ums dreifache in die Höhe schnellen lassen. Ja den brasilianischen Karneval wollten wir uns dann natürlich auch nicht entgehen lassen, er war schließlich auch einer der Gründe, warum ich bis Ende Februar in Brasilien bleiben wollte. Wir hatten zwar auch Karten für die Shows, die sind dann aber leider im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen, denn es hat fast pausenlos geregnet – sehr, sehr ärgerlich. Aber das Wetter kann man nun mal nicht ändern.
Insgesamt war ich noch zwei Wochen in Floripa, habe Freunde getroffen und mich verabschiedet, so viel Zeit wie möglich am Strand verbracht und die letzten Besorgungen gemacht. Und dann schneller als ich gucken konnte, war der 24.2 und es hieß wirklich Abschied nehmen. Unglaublich wie schnell die Zeit vergangen ist, wie viele Leute einem ans Herz gewachsen sind, wie viel man erlebt und gelernt hat. Bei meinem Abschied hatte ich auf jeden Fall ein lachendes und ein weinendes Auge. Weinend, weil man einfach nicht weiß, wann man das nächste Mal nach Brasilien kommen kann und vor allem wann man die Leute wiedersehen kann und lachend natürlich, weil ich Familie, Freund und Freunde bald wiedersehen würde. Nach dem Start von dem Flughafen in Florianópolis konnte ich dann noch mal von oben einen letzten Blick auf die Insel werfen, die das letzte halbe Jahr mein Zuhause gewesen war – und eins war für mich klar: Ich werde wieder kommen!

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Lieblingsstrand

Lieblingsstrand

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Einmal nach Uruguay und zurück

08. Juni 2015 | von

In Chui, besagter Stadt, die genau auf der brasilianisch-uruguayischen Grenze liegt kamen wir mit dem Sonnenaufgang an. Bevor es aber in die Stadt ging, hielten wir noch bei der Policia Federal um aus Brasilien auszureisen (WICHTIG, man muss dem Busfahrer unbedingt sagen, dass man ausreisen muss, denn Brasilianer können einfach so nach Uruguay aus-/einreisen und brauchen dafür keinen Stempel). Man würde vielleicht denken, dass sich di offizielle Einreise nach Uruguay direkt im Anschluss ereignen sollte, dem ist aber nicht so. DENN das uruguayische Pendant zur Policia Federal liegt auf der anderen Seite der Stadt. Solange man sich also in der Stadt selbst aufhält befindet man sich sozusagen im Niemandsland – komisches Gefühl irgendwie. Aber gut an der Situation ließ sich nichts ändern, also ging’s mit dem Bus noch mal 10 Minuten weiter bis zum brasilianischen Busterminal. Der war zwar nicht wirklich groß, aber zumindest gab es eine Halle, ein paar Schalter und sogar Toiletten. Trotz der frühen Stunde fanden wir auch jemanden, der uns Rückfahrttickets besorgen konnte und uns den Weg zum Uruguayischen Bustermal erklären konnte – links, an der Hauptstraße recht und dann nach 2 Blöcken links und dann auf der linken Seite – alles klar! Beschriebener Ort stelle sich ziemlich schnell als eine kleiner Platz heraus, an dem aber von einem Busterminal weit und breit nichts zu sehen war. Also fragte ich in meinem besten Portanhol (Mischung aus Portugiesisch und Spanisch) einen alten, zahnlosen Mann, der in seinem Ständchen allerhand frittiertes Zeug verkaufte, nach dem Terminal. Er erklärte mir auch hilfsbereit den Weg, die Beschreibung verwunderte mich ein bisschen, da sie sich doch sehr nach dem Weg zum brasilianischen Terminal anhörte. Als ich sagte, dass ich zum uruguayischen Terminal wollte, fing der Mann nur an zu lachen und sagte, da HIER ist doch der uruguayische Terminal und zeigte auf eine Seite des Platzes an der grade noch so ein paar Linien zu erkennen waren, die anzeigten wie sich die Busse hinstellen sollten. Also gut, auf die Frage wo man den Tickets bekommen könnte, nannte er mir die an den Platzt grenzende Straße und dort fanden wir dann auch tatsächlich ein paar Busunternehmen. Auf Tafeln konnte man auch ablesen wann der nächste Bus nach Punta del Diabolo führe (in 4h) beim Nachfragen ergab sich dann allerdings, dass es noch ein paar mehr Busse gab und wir auch schon in 1,5 h loskönnten. Tickets konnte der gute Mann uns allerdings nicht verkaufen, denn der Strom war grade ausgefallen und es funktionierte dem entsprechend kein Computer. Wir sollten in einer Stunde noch mal wieder kommen und ansonsten das Ticket halt beim Busfahrer kaufen. Also südamerikanische Tiefenentspannung. Als wir an dem Platz saßen und auf unseren Bus saßen überkam mich eine Art zweiter Kulturschock. Denn obwohl die Grenze nicht mal einen Kilometer hinter uns lag, war das hier schon so viel mehr das Südamerika, dass ich aus Venezuela kannte, als es Brasilien für mich jemals gewesen war. Es gab grade mal keinen Strom, ein paar Esel, Pferde und Kühe liefen ganz gemütlich über die Straße und die Autos die an uns vorbei fuhren, wären in Deutschland vermutlich schon vor 20 Jahren nicht mehr über den TÜV gekommen (was wahrscheinlich auch der Grund ist, warum man dort so viele alte deutsche Autos rumfahren sieht). Nein wirklich, ich fühlte mich auf einmal wieder wie in einer anderen Welt. Brasilien und besonders Florianópolis ist einfach viel moderner, viel europäischer als das Südamerika, dass ich kannte. Irgendwann (natürlich mindestens eine halbe Stunde zu spät) trudelte dann auch unser Bus ein und es ging los Richtung Punta del Diabolo. Glücklicherweise konnten wir kurz hinter den Stadt dann auch einreisen (auch hier sollte man dem Busfahrer auf jeden Fall Bescheid sagen) und verließen somit das Niemandsland Chui. In Punta del Diabolo angekommen fühlen wir uns (vor allem nach dem Großstadt-Dschungel) wie im Paradies. Unser Hostel lag direkt am Strand und alle Menschen waren einfach nur herrlich entspannt und man hatte das Gefühl als würde die Zeit an diesem Stückchen Erde einfach still stehen. Die einzig negative Erkenntnis, die ich von meinen Tagen in Uruguay mitnehmen musste, war die, dass mein Spanisch ganz schön unter meinem Portugiesisch-Lernen gelitten hatte und es wohl gar nicht soo einfach ist, beide Sprachen nebeneinander zu sprechen. Aber das ist wohl Meckern auf hohem Niveau, denn ansonsten war Uruguay und besonders Punta del Diabolo der perfekte Ort zum entspannen. Und nach ein paar Tagen ging es dann super entspannt zurück nach Brasilien, wo ich ohne Probleme mit dem ganz normalen Touristen-Visum einreisen konnte.

Playa

Playa

Churrasco

Churrasco

Porto Alegre – die südlichste Hauptstadt Brasiliens

02. Juni 2015 | von

Am 7.8.2014 bin ich in Brasilien eingereist, mein Visum hab ich für 6 Monate bekommen, also bis zum 7.2.2015 – blöd, dass ich meinen Rückflug erst für den 24.2.2015 gebucht hatte, weil ich eigentlich Karneval noch mitnehmen wollte. Ich hatte also 3 Möglichkeiten

  1. Rückflug nach vorne verschieben
  2. Länger bleiben und die Strafe zahlen
  3. Aus- und wieder Einreisen

Über Möglichkeit 1 habe ich zwar kurzzeitig mal nachgedacht, aber als sich dann Besuch ankündigte und da ich ja auch den Karneval mitnehmen wollte und auch bis April keine Uni hatte, dann schnell wieder verworfen. Möglichkeit 2 kam für mich nie wirklich in Frage, also blieb nur noch Möglichkeit Nummer 3. Als Alternativen für einen Kurztrip kamen für mich Chile, Uruguay und Argentinien in Frage. Erst sollte es Chile werden, aber da die Flüge dann doch ein bisschen teuer waren und ich auch mindestens eine Woche hätte bleiben wollen, hab ich die Idee irgendwann verworfen. Argentinien fiel raus, weil ich in Foz de Iguacu schon gewesen war, also blieb Uruguay. Um die Anfahrt nicht in einem Rutsch erledigen zu müssen, wollten wir einen Zwischenstopp in Porto Alegre (die südlichste Austragsstätte der WM) einlegen. Also schnell einen Flug und Hostel gebucht (oft ist Fliegen nicht teurer als Bus fahren und geht einfach wesentlich schneller) und los ging’s.

Porto Alegre ist die Hauptstadt des südlichsten Staates von Brasilien (Rio Grande do Sul) und liegt direkt an einem Fluss. Wie wir dort erfahren haben, fahren viele der Einwohner im Sommer zu ihren Sommerhäusern an den Strände, was bedeutet, dass auch ein Großteil der Polizei dorthin abrückt – was die Stadt wohl im Sommer unsicherer als im Winter machen soll. Uns wurde zumindest ständig gesagt „hier und dort könnt ihr im Moment auf gar keinen Fall langlaufen, nehmt Bus oder Taxi“ das ist zwar in Brasilien an sich nichts ungewöhnliches, aber irgendwie hatte ich es in Porto Alegre nicht erwartet. Wie auch immer, wir sind ohne Zwischenfälle in Porto Alegre unterwegs gewesen. Die Stadt an sich muss man nicht gesehen haben, sie hat ein paar schöne Ecken, man fällt als Europäer nicht sofort auf, bietet aber ansonsten nicht wirklich was besonderes. Wir haben die Möglichkeit genutzt ein weiteres WM-Stadion anzuschauen. Nicht wie im Maracana tagsüber, sondern abends bei einem Spiel zwischen 2 Vereinen der Stadt. Fußballspiele in Brasilien haben mir bis jetzt immer sehr gut gefallen, auch wenn die Stadien nicht immer voll sind, die Stimmung ist immer super und auch sehr emotional. Es wird getrommelt und gesungen – wirklich klasse.

Da die Stadt nicht wirklich viel zu bieten hat, sind wir auch nur eine Nacht geblieben und am nächsten Abend ging es los mit dem Bus nach Chui, einer Stadt, die genau auf der brasilianisch – uruguayanischen Grenze liegt.

Umland Porto Alegre Flusspromenade

(Fast) Kein Wasser in São Paulo

31. Mai 2015 | von

Nach den 3 sozusagen ins Wasser gefallenen Tagen in Paraty ging es mit dem Nachtbus weiter zu unserem nächsten Zwischenstopp: São Paulo. Eine Stadt, knapp 12 Mio. Einwohner bzw. fast 20 Mio., wenn man die Außenbezirke mitzählt. Also der absolute Großstadt-Dschungel. Dazu muss ich vielleicht kurz erwähnen, dass ich aus einer knapp 37.000 Einwohner-Stadt am Niederrhein komme und Aachen für mich schon groß ist. Darum hatte ich eigentlich vorgehabt São Paulo auszulassen, da mich die Stadt irgendwie nie gereizt hatte. Aber dann lag es doch so passend auf der Route und eigentlich kann man nicht nie in São Paulo gewesen sein, wenn man ein halbes Jahr in Brasilien gelebt hat.
Als wir um 5 Uhr morgens an der Busstation ankommen, schläft die Stadt noch. Und da wir uns eher ungern im dunkeln auf die Suche nach unserem Hostel machen wollten und dass auch noch in einer uns unbekannten Stadt, beschließen wir noch ein paar Stunden am Busterminal zu warten/schlafen. Als es hell ist geht’s mit der Metro, die in São Paulo wirklich gut ausgebaut ist und funktioniert, zu unserem Hostel. Das erste was uns im Hostel auffällt, sind die aufgehängten Schilder auf denen steht: „Spart Wasser, dann wird es auch nicht knapp“. Was es damit auf sich hat? In São Paulo herrscht Wasserknappheit, denn das Reservoire aus dem die Stadt versorgt wird ist quasi erschöpft. Darum kommt es immer wieder vor, dass das Wasser rationiert bzw. abgestellt wird. Zur Zeit als wir dort waren, wurde sogar überlegt die Regelung 5 Tage kein Wasser, 2 Tage Wasser einzuführen – ganz schön übel, wenn man sich vorstellt damit auf Dauer leben zu müssen.
Ob es an unserer Müdigkeit, dem Regen oder meiner Abneigung gegen diese riesen Stadt lag oder der Kombination all dieser Faktoren lag, aber São Paulo konnte uns am ersten Tag nicht begeistern. Zuerst ging es zum Mercado Municipal – dort gibt es Früchte aus allen Ecken der Welt, die einem quasi „zum Probieren“ aufgedrängt werden. Erst wollen wir nicht, aber ein Händler ist dann doch so hartnäckig, dass wir ein paar Früchte probieren. Natürlich wollten wir dann anstandshalber ein paar Früchte (4 Pflaumen) kaufen. Die Strategie des Händlers war also aufgegangen und er berechnete uns für die 4 Pflaumen stolze 25 Reais (ungefähr 8 €) – auf jeden Fall die teuersten Pflaumen meines Lebens. Also seid gewarnt – man zahlt das Probieren mit. Da der Regen uns auch in São Paulo nicht verlassen wollte, wollten wir ein paar der unendlich vielen Museen der Stadt besuchen – das Problem: es war Montag und somit alle Museen geschlossen. Zum Abschluss des Tages wollten wir uns dann wenigstens was Gutes zu Essen gönnen, also schön in die (laut Hostel-Typ) beste Pizzaria in der Umgebung des Hostels („die ist schon mehr als 100 Jahre alt und wird von echten Italienern geführt“). Und leider die nächste Enttäuschung, die Pizza war zwar an sich lecker, aber leider soooo hoch mit Belag (insbesondere Kochschinken) belegt, dass man vom Rest leider nichts mehr schmecken konnte.
Zum Glück hat Clara (eine der Töchter, der nettesten Familie Brasiliens) die Stadt für uns gerettet. Wir waren Fahrradfahren in einem riesigen Park (wobei sich sogar die Sonne blicken ließ), essen im japanischen Viertel, im Fußball-Museum und Eis essen in einer wirklich guten Eisdiele.
Mein Fazit: Wenn man Metropolen mag ist São Paulo auf jeden Fall ein paar Tage wert. Die Stadt ist ganz anders, als Rio oder jede andere Stadt in der ich in Brasilien gewesen bin, aber ich persönlich hätte wahrscheinlich auch nichts verpasst, wenn ich São Paulo übersprungen hätte.

Paraty – eine Stadt unter Wasser

26. Mai 2015 | von

Von Rio bzw. Niteroi ging es mit dem Bus weiter nach Paraty. Eine kleine Stadt, die auf jeden Fall zu den Highlights von dem Staat Rio de Janeiro zählt. Mit dem Bus dauert die Fahrt ca. 6 Stunden, aber zum Glück sind die Busse ja meist recht bequem, so dass man gut noch ein bisschen Schlaf nachholen kann. Bei unserer Ankunft in Paraty regnet es leider in Strömen, aber unser Hostel ist laut Beschreibung nicht weit vom Busterminal entfernt – also was soll’s, los geht’s durch den Regen. Zum Glück ist die Beschreibung auch recht gut und wir finden unser Hostel schnell und werden dort super nett empfangen (Vibe Hostel auf jeden Fall sehr empfehlenswert, falls sich jemand mal in der Gegend aufhält).
Da der Regen in der Zwischenzeit aufgehört hatte, wollten wir direkt die Stadt erkunden. Paraty ist vor allem für seine Altstadt und Cachaça bekannt. Auf Grund des Regens war ein normales durch die Stadt laufen aber gar nicht möglich, denn die Altstadt stand noch komplett unter Wasser. Also mussten wir eher durch die Stadt warten als gehen. Aber da man (also ich in jedem Fall) in Brasilien eh selten etwas anderes als Flipflops trägt und es auch trotz Regen recht warm war, war das Ganze auch nur halb so schlimm.
In dem kleinen Hafen liegen hunderte von kleinen, bunten Schiffen, mit denen man verschiedene Tagestouren machen kann. Natürlich wird man auch von allen Seiten angequatscht und alle haben natürlich die beste und günstigste Tour. Aber erst mal wollten wir nichts buchen, da sich unserer Meinung die Bootstouren zu den verschiedenen Inseln und Stränden im Regen nicht so wirklich lohnen. Stadtdessen flüchten wir uns in ein kleines Café als es wieder anfängt zu regnen. Dort ist nichts los, wir kriegen guten Kaffee und Kuchen und befragen die Dame des Hauses nach dem besten Cachaça der Gegend.
Am nächsten Tag machen wir eine Jeep-Tour (wäre ohne Regen bestimmt noch besser gewesen, aber hier stört er nicht so sehr wie am Strand und man hält sich eh die meiste Zeit in irgendwelchen Flüssen auf). In der Umgebung von Paraty gibt es verschiedene Wasserfälle, Wasserrutschen und Möglichkeiten sich aus mehreren Metern in die Tiefe zu stürzen. Die Rutschen auf den natürlichen Rutschen sieht bei den Einheimischen recht spaßig aus, (die rutschen teilweise sogar im Stehen) ist aber nur halb so spaßig wenn man’s selbst ausprobiert. Oben wird man von 2 Kerlen angeschubst, die das natürlich so machen, dass man ganz schön ins drehen kommt und eher weniger elegant ins Wasser kommt – aber ausprobieren muss man’s natürlich trotzdem. Zu der Jeep-Tour gehört außerdem der Besuch einer Cachaçeria. Hier gibt es hunderte verschiedene Sorten Cachaça, von denen man ordentlich probieren darf. Besonders zu empfehlen ist Gabriela, ein komplett natürlicher Cachaça, der ohne Chemikalien hergestellt wird, dadurch zwar auch ein bisschen teurer, aber sein Geld auf jeden Fall wert. Das erinnert mich an eine Bar in Paraty, dort gibt es sehr ausgefallene Caipirinha varianten – und das meistens nur in Größe XXL. Sehr lecker!
Auch am nächsten Tag lässt die Sonne sich nur sehr selten mal durch die Wolkendecke blicken, aber da man Paraty nicht verlassen kann, ohne wenigstens ein paar seiner bekannten Strände gesehen zu haben, machen wir uns mit dem Bus auf (Bus ist die deutlich günstigere Alternative zu den Bootstouren. Zwar kann man so nicht zu den Inseln, aber für einen eher regnerischen Tag lohnt es sich auf jeden Fall eher). Und wir werden nicht enttäuscht. Die Strände sind auch trotz grauem Himmel malerisch und manchmal lässt sich für ein paar Minuten sogar die Sonne blicken. Außerdem kann man hier den Surfern wunderbar zuschauen, während man ein Agua de Coco oder eben doch einen Caipi genießt.
Bei schönem Wetter sind 3 Tage Paraty sicherlich viel zu kurz, aber für uns waren sie ausreichend. Und vor allem mit seiner Beschaulichkeit, kleinen Gassen und wenig Einwohnern ein großer Unterschied zu dem was hinter (Rio) und vor uns (Sao Paulo) lag.

Der Hafen IMG_0005

Altstadt - grade mal nicht unter Wasser

Altstadt – grade mal nicht unter Wasser

Cachaça

Cachaça

die natürlichen Wasserrutschen

die natürlichen Wasserrutschen

Ein Wiedersehen mit der cidade maravilhosa

04. Mai 2015 | von

Ich bin zwar mittlerweile wieder in Deutschland, erfreue mich des mal mehr mal weniger Aachener Wetters und dem leckeren Brot und Bier, aber trotzdem will ich noch „kurz“ über meine letzten Wochen in Brasilien berichten…

Nachdem ich also mit den Mädels den Amazonas hoch geschippert, den Regenwald ein bisschen erkundet und dann wieder viel zu schnell in’s Flugzeug gestiegen war, ging es zurück nach Rio. Rio die Stadt, die ich gleichermaßen liebe und fürchte. Diesmal ins Hostel nach Botafogo – für mich definitiv die bessere Alternative als Lapa oder Centro. Und hier hieß es dann das erste Mal Abschied nehmen von Jana, mit der ich 5 Monate zusammengewohnt und 3 Wochen zusammen gereist war, schon komisch irgendwie. Zwar sind Den Haag und Aachen nur knappe 250 km voneinander entfernt – ein Katzensprung für brasilianische Verhältnisse – aber trotzdem ging da irgendwie ein Lebensabschnitt zu Ende, als Jana uns das letzte Mal aus dem Taxi zuwinkte. Doch zum Glück hatte ich gar nicht viel Zeit darüber nachzudenken, denn Rio rief mit seinen 1000 Möglichkeiten den Tag oder die Nacht zu gestalten. Im Hostel trafen wir viele super coole Leute aus aller Welt, mit denen wir am ersten Tag die Copacabana, einen Markt mit lauter Köstlichkeiten aus Nordostbrasilien und das Nachtleben Rios erkundeten. Am nächsten Tag wollten die beiden Mädels den Zuckerhut und die Cristo-Statue besichtigen. Für mich hieß das: ein Tag Auszeit. Ich fuhr zu der Gastfamilie meiner Schwester, bei der ich auch schon Weihnachten verbracht hatte und lag einfach ein paar Stunden mit Cora und Marta, den beiden Töchtern, auf der Couch und habe gequatscht, gelacht und mich einfach mal gehen lassen. Oh man tat das gut – sich mal um nichts kümmern müssen – herrlich. Auch wenn ich die ganze Reise super fand, so war es doch manchmal sehr anstrengend die einzige oder eine der wenigen Personen zu sein, die Portugiesisch sprechen und somit irgendwie die Verantwortung zu tragen, auch wenn die Orte auch für mich neu waren.. Und das kann mit der Zeit doch sehr anstrengend sein. Dieser Tag Pause war Gold wert, denn für mich war die Reise ja noch lange nicht vorbei. Denn kurz darauf kam Kilian, mein Mitbewohner aus Aachen zu uns nach Rio. Leider flog Miri in der gleichen Nacht, ein paar Stunden nach seiner Ankunft, zurück nach Chile und auch Dana flog am nächsten Tag zurück nach Deutschland. Doch einen Abend waren wir zusammen, 4 Leute, die alle zufällig im gleichen Studentenwohnheim in Aachen gelandet waren, gemeinsam in Rio. Ganz schön verrückt irgendwie.

Nachdem dann die beiden Mädels wieder in den Flieger gestiegen waren, ging die Reise also zu zweit weiter. Die ersten Tage verbrachten wir in Rio – nochmal das Touriprogramm, aber auch einfach mal am Strand chillen. Wir konnten 3 Tage lang bei der Gastfamilie meiner Schwester bleiben, für mich eine willkommende Abwechslung von Hostelbetten und aus dem Koffer leben. An einem Tag ging es an einen der Strände Niterois – zunächst mit strahlend blauem Himmel. Neben dem Strand liegt ein kleiner Berg, von dem man eine tolle Sicht auf Rio hat – also beschlossen wir, „nichts wie rauf da“. Der Aufstieg dauert etwa eine halbe Stunde und ist teilweise eine doch recht rutschige Angelegenheit, ich dachte mir auf jeden Fall, dass ich hier lieber nicht bei Regen rauf und schon gar nicht runter klettern wollte. Oben angekommen, ist von der tollen Sicht auf Rio leider nichts zusehen, dafür aber eine dunkelgrau/schwarze Wolkenfront, die über ganz Niteroi liegt. Also nicht lang überlegt, schnell wieder runter vom Berg und zur Bushaltestlle gesprintet. In der Sekunde in der wir in den Bus steigen geht einer der heftigsten Wolkenbrüche los, die ich in meinem Leben je gesehen habe – aber ist ja alles gut gegangen, wir sind ja noch heil vom Berg runter und trocken in den Bus reingekommen. Auf dem Weg zurück sehen wir aber einen Bus, bei dem ganz und gar nicht alles gut gegangen ist – er ist halb in die Felswand gefahren und ein Strommast steckt halb in der Frontscheibe – „oh shit“. Aber den Menschen ist zum Glück nichts passiert. Als wir dann endlich an unserer Haltestelle ankommen, ist von dem krassen Regen auch schon nichts mehr zu sehen und die Sonne scheint wieder – so schnell kann’s gehen in einem tropischen Land.

Der Zuckerhut

Einer der besten Plätze um den Sonnenuntergang zu betrachten

Einer der besten Plätze um den Sonnenuntergang zu betrachten

Rio sieht man leider nicht - dafür die dunklen Wolken

Rio sieht man leider nicht – dafür die dunklen Wolken

Von Belem nach Santarem

01. Mai 2015 | von

Von Fortaleza ging es weiter nach Belem in hohen Norden Brasiliens und damit quasi an den Äquator. Dort haben wir am Flughafen Miri getroffen, mit der ich in Aachen zusammen im Wohnheim wohne. Sie hat ihr Auslandssemester in Chile gemacht, aber beschlossen für eine Woche mit uns den Amazonas zu erkunden. Vom Flughafen ging’s mit dem Taxi ins Hostel – oder eher in das Haus einer Familie, die jeweils ein paar Zimmer an Reisende vermietete. Damit, dass die Zimmer grade renoviert wurden und eigentlich nicht wirklich vorzeigbar waren, mussten wir dann halt leben. Am nächsten Morgen (Freitag) wollten wir uns auch direkt um die Bootsfahrt nach Santarem kümmern, die wir Sonntag antreten wollten. Dazu muss man sagen, dass es zwar viele Schiffe gibt, die von Belem nach Santarem fahren, es aber im Internet keinerlei Informationen über die Abfahrtstage bzw. -zeiten zu geben scheint. Gut, uns wurde dann relativ schnell klar gemacht, dass ein Schiff noch am gleichen Tag um 19 Uhr ablegen würde und das nächste dann erst wieder Montag um 19 Uhr. In dem Fall Montag wären wir Donnerstags in Santarem angekommen und hätten direkt zum Flughafen weiter fahren können. Also entschieden wir uns für das Schiff am gleichen Tag. Als wir die Tickets kaufen war es 12 Uhr, um 16 Uhr sollten wir auf dem Schiff sein um einigermaßen gute Plätze zu ergattern. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir weder Hängematten noch Proviant. Also teilten wir uns auf und der Wettlauf gegen die Zeit startete. Die Fahrt dauert 2,5 Tage (unsere allerdings über 3 Tage) und auf dem Schiff gibt es die Möglichkeit Essen zu kaufen. Doch hatten wir in diversen Reiseführern gelesen, dass das Essen auf den Schiffen unseren europäischen Mägen nicht immer so gut bekomme. Also entschlossen wir uns Wasser und Essen für 3 Tage mit an Bord zu nehmen. Ich weiß nicht wie wir es schafften, aber um 16 Uhr saßen wir tatsächlich uns los ging die Fahrt durch die Hafengegend von Belem. Das Gute war das unser Fahrer anscheinend keine Ahnung hatte, wo wir eigentlich genau hinwollten und die Leute die er fragte auch nicht wirklich Plan hatten. Wir dachten also schon wir müssten mit den Plätzen neben den Toiletten vorlieb nehmen, aber irgendwie kamen wir dann doch noch an und konnten einigermaßen gute Plätze für unsere Hängematten erobern. Die Toiletten waren schon absolut widerlich bevor die Reise überhaupt losging und wir schoren uns so wenig wie möglich zu trinken um diesen Ort möglichst zu meiden. Dann ging’s los: 3 Tage auf dem Amazonas und seinen Nebenflüssen durch die Wildnis, die nur hin und wieder von kleinen Siedlungen und ganz selten von einer kleinen Stadt unterbrochen wurde. Die Reise auf dem Schiff war auf jeden Fall eine Erfahrung die ich nicht missen möchte, doch ich denke für mich wird es bei einer „once-in-a-lifetime experience“ bleiben. Am Montag kamen wir mit mehr als 3 Tagen auf dem Schiff mit schlappen 12 Stunden Verspätung um 22.30 Uhr in Santarem an.

Ich muss wohl keinem Erzählen, dass ein brasilianischer Hafen, der natürlich etwas außerhalb der Stadt liegt, nicht der „place to be“ ist, also wollten wir möglichst schnell dort weg. Leider wurde uns das letzte Taxi vor der Nase weggeschnappt, aber das nächste ließ zum Glück nicht lange auf sich warten. Wir ließen uns zu der Straße fahren, auf der es laut Reiseführer ein paar Hotels geben sollte (Hostels gibt es in Santarem nämlich nicht). Jana und ich dachten zwar auf der Taxifahrt unser letztes Stündlein hätte geschlagen, weil der Taxifahrer uns auf einmal nicht mehr antwortete und dann in eine – wie uns schien Seitenstraße – ins „Ghetto“ abbog, in dem kein Mensch zu sehen war, aber war dann alles doch ganz harmlos. Das Hotel bzw. die Straße lag lediglich im Centro, das Nachts einfach leer ist aber am nächsten Morgen sehr belebt war. In Hängematten schlafen ist zwar bequemer als man denken würden, aber nach 3 Nächten in der Hängematte freuten wir uns alle wieder auf ein richtiges Bett.

Da Santarem nicht wirklich was zu bieten hat, ging es am nächsten Morgen direkt weiter nach Alter do Chau, ein kleines Fischerdorf. Dort ist es wunderschön. Die Strände erinnern an die Karibik und man denkt sowieso eher dass man grade am Meer ist und nicht dass man eigentlich auf einen riesigen Fluss schaut. Dort machten wir außerdem zwei Tagestouren in den Amazonas. Absolut der Wahnsinn!

Der Amazonas     DSC_0312 DSC_0332  So ungefähr sah auch das Schiff aus auf dem wir unterwegs waren Sonnenuntergang auf dem zweit längsten Fluss der Welt Alter do Chau  DSC_0436 

Kautschukgewinnung DSC_0512 DSC_0550 Nicht die Karibik sondern der Flussstrand DSC_0748 DSC_0838

Fortaleza und Jericoacoara

23. April 2015 | von

Nachdem wir Salvador hinter uns gelassen hatten ging es weiter nach Fortaleza. Eigentlich wollten wir dort nicht einmal 3 Stunden verbringen sondern direkt den Bus nach Jericoacoara nehmen. Dabei gab es aber ein Problem, denn wir konnten den Bus nicht im Internet buchen. Dieses Problem ist mir während der Reiseplanung mehr als einmal begegnet. Teilweise scheint es für Ausländer schlicht unmöglich Busse/Flugzeuge über das Internet mit Kreditkarte zu buchen. Bei den Airlines bei denen dieses Problem auftrat konnte man wenigstens noch mit PayPal zahlen und dem Problem so entgehen, aber bei besagtem Busunternehmen war nichts zu machen. Also beschlossen wir die Tickets einfach vor Ort zu kaufen – „wer nimmt schon morgens um 7 Uhr einen Bus“. Anscheinend recht viele Leute, denn als wir die Tickets kaufen wollten war der Bus leider schon voll. Zum Glück konnten wir aber noch Plätze im 15 Uhr Bus ergattern. Da standen wir also vor dem nächsten Problem, was tut man für einen halben Tag in Fortaleza, wenn man die Nacht kaum geschlafen hat. Wir sind erst mal schön frühstücken gegangen, sind dann ein bisschen durch die Stadt geschlendert und wären am liebsten ins Kino gegangen (um dort zu schlafen), das war aber leider noch nicht offen. Also ging’s ins Shopping-Center – was will man machen. Als es dann endlich auf 15 Uhr zuging, sind wir zurück zum Busbahnhof und ab in den Bus. Der Bus war ein typischer brasilianischer Langstreckenbus, die eigentlich nur sehr wenige Stops haben und in dem es nur so viele Plätze wie Sitzplätze gibt, zumindest dachten wir das zunächst. Erst einmal hatte ich mit meinem Sitznachbarn den absoluten Jackpot gezogen, dazu muss ich aber erst was erklären. In Brasilien putzt man sich in der Öffentlichkeit nicht die Nase, man entschuldigt sich und geht ins Bad oder (und leider ist das viel verbreiteter) man zieht die Nase richtig schön hoch – einfach ekelhaft. Nun gut, mein Sitznachbar hatte auf jeden Fall eine ordentliche Erkältung und zog sich die Nase im 10 Sekunden-Takt hoch und ich bin fast durchgedreht. Der Höhepunkt war eigentlich, dass er sich dann doch zwischendurch mal, wenn’s gar nicht mehr ging, die Nase putzte, dafür aber kein Taschentuch, sondern sein Hemd benutzte. Da blieb mir nichts anderes übrig als mir Ohropax ganz tief in die Ohren zu stecken und versuchen zu schlafen. Das geling mir auch die erste Stunde recht gut, bis ich dann von einer alten Frau aufgeweckt wurde, die die Fahrgäste um Geld angebettelt hat. Sowas habe ich wirklich erst selten erlebt. Da stellte sich dann auch langsam raus, dass der Bus durchaus oft hielt und zwischen den Dörfern, die wir durchfuhren quasi als Linienbus genutzt wurde. Das hieß auch dass der Bus recht voll war, viele Leute im Gang standen und sich mein ersehnter Schlaf nicht mehr einstellen wollte. Aber irgendwann geht auch die schrecklichste Busfahrt zu Ende und wir wurden in einem kleinen Kaff rausgelassen, das war leider nicht unser Ziel und wir mussten – mitten in der Nacht – auf den nächsten Bus warten. Bei Jericoacoara (kurz Jeri) handelt es sich um ein winzig kleines Fischerdörfchen, das mitten in den Dünen liegt und somit nur mit Geländewagen/-bussen erreicht werden kann. Dort schalteten wir ein paar Tage einfach nur ab und lagen einfach nur am Strand – einfach wunderbar. Bei klarem Himmel versammeln sich dort quasi alle Leute auf einer großen Sanddüne um den Sonnenuntergang zu betrachten, denn wenn man Glück hat kann man ein seltenes Phänomen beobachten. Manchmal ist nämlich der letzte Strahl des Sonnenuntergangs dort grün. So viel Glück hatten wir leider nicht, aber trotzdem war der Sonnenuntergang super super schön und Jeri ist für Strandliebhaber und Windsurfer auf jeden Fall eine Reise wert.

Sonnenuntergang I Sonnenuntergang II Jeri

Chapada Diamantina und Salvador

22. April 2015 | von

Nachdem das Semester in Floripa schon im Dezember zu Ende war, begann Anfang Januar meine Reise durch Brasilien. Dabei war ich nie allein unterwegs, denn es kamen mich mein Freund und 4 meiner Mitbewohner in Aachen besuchen. Und auch Jana (meine Mitbewohnerin in Floripa) und Fritzi (eine Freundin aus Floripa) waren 3 bzw. 1 Woche(n) lang mit am Start.

Von Rio ging es mit Stefan und Dana nach Salvador, dort verbrachten wir eine Nacht am Flughafen im Laufe derer nach und nach Cecilia, Fritzi und Jana dazukamen. Morgens um 7 ging die Reise dann weiter. Mit dem Bus 7 Stunden nach Lencois. Nach der Nacht am Flughafen waren wir natürlich alle so müde, dass wir die 7 Stunden quasi durchgeschlafen haben und die wunderschöne Landschaft durch die wir gefahren sind, komplett verpasst haben. Gegen frühen Nachmittag kamen wir dann in Lencois an, ein winzig kleines Dorf, das es uns allen sofort angetan hat – der pure Gegensatz zu Rio. Auch unser Hostel hatten wir schnell gefunden und eine 2-Tages-Tour durch den Nationalpark und eine Jeep-Tour am 3. Tag gebucht.

Lencois

Am nächsten Morgen ging’s früh los in den Nationalpark Chapada Diamantina. Die Landschaft ist einfach unglaublich schön und noch nicht von Touristen überrannt. Während des 2 Tages Trip haben wir ein anderes Pärchen getroffen ansonsten niemanden. Der Park ist aber auch nicht ausgeschildert oder für Fahrzeuge erschlossen. Das heißt es wird gelaufen und alle Verpflegung mitgeschleppt. Das heißt natürlich auch, dass man dort nicht ohne Guide reingehen sollte. Wir hatten sogar zwei Guides. Die beiden sprachen kein Wort Englisch und Jana, Fritzi und ich durften die ganze Zeit übersetzen. Es dauerte auch nicht lang bis jeder von uns einen Spitznamen hatte und bis wir rausfanden, worum es sich bei dem „brasilianischen Wasser“, was die beiden sich ordentlich gönnten, handelte. Wir haben Wasserfälle und unglaubliche Felsformationen gesehen und die Nacht in einer Höhle geschlafen. Das Highlight war auf jeden Fall die Wanderung, die wir am 2. Tag gemacht haben. Zunächst ging’s über Steine hopsend an einem Flussbett entlang. Irgendwann hieß es „so hier lassen wir jetzt unsere Schuhe“ und weiter ging’s durchs Flussbett wartend und dann hieß es „hier lassen wir dann unsere Klamotten“ und dann ging’s ans Schwimmen und dass durch einen Canyon. Am Ende fanden wir einen wunderschönen, verlassenen Wasserfall – einfach unglaublich. Es ist natürlich ein bisschen schade, dass wir davon keine Fotos haben, aber irgendwie macht es das auch noch besonderer.

Los geht's Trinkpause Brasilien 357 Brasilien 409 Frühstück in der Wildnis So schöön

Die Jeep-Tour war sicherlich auch schön, vor allem der Sonnenuntergang von einem der Tafelberge aus. Doch waren die Orte, die wir an diesem Tag besuchten Touristen-Attraktionen und leider völlig überlaufen.

Tropfsteinhöhle Por do Sol Chapada Diamantina

Von Lencois ging es zurück nach Salvador, wo wir noch 2 Tage zusammen verbrachten. Die Stadt hat sehr schöne Ecken und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Wer an den Strand möchte, sollte allerdings lieber ein bisschen rausfahren, denn die Stadtstrände sind nicht so schön. Und in Salvador ist vor allem Nachts Vorsicht geboten, denn die Stadt ist als eine der gefährlichsten Städte Brasiliens bekannt.

die Crew Nossa Senhora da Bahia Cidade Baixa Schon wieder ein Sonnenuntergang Salvador

In Salvador mussten wir uns dann auch von Stefan, Cecilia und Fritzi verabschieden und es ging zu dritt weiter nach Fortaleza.