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neuland: Der Erstsemester-Blog

Mathe-Vorlesung im Vietnam.

25. Oktober 2013 | von
21° 2′ N, 105° 51′ O

21° 2′ N, 105° 51′ O

Dschungel. 48°C, 90% Luftfeuchtigkeit. Mein Schweiß läuft mir in die Augen und mein vermatschtes Hirn brummt müde vor sich hin. Ich versuche mir Notizen auf meinem Notizblock zu machen, aber die Tinte verläuft auf dem durchnässten Papier. Um mich herum raschelt es und ein Leidensgenosse bahnt sich den Weg durch das Dickicht. Von überall „pscht“ es, der Schatten eines geräuschlosen Kampfjets zieht über mich hinweg, dessen Landung mit feuchten Händen beklatscht wird, leider kommt er nicht um mich hier raus zu holen. Verträumt blicke ich auf meine Uhr, noch eine ganze Stunde in diesem Moloch. Zu tausenden kamen wir hierher, kampfbereit, siegessicher. Jetzt geht es nur noch ums Durchhalten.Der Geräuschpegel steigt, eine Menschenflut ergießt sich über die Treppen und drängt Richtung Ausgang, raus aus dieser Mathe-Vorlesung. Der Mob wird unruhig. Die Tür öffnet sich und meine Lungen füllen sich mit Frischluft. Mein Nacken schmerzt und ich kann meinen Kopf nicht mehr bewegen, aber das ist mir jetzt egal, Hauptsache ich bin draußen. Ich bahne mir einen Weg durch das Gedränge und mache mich auf den Weg Nachhause.

Ich lasse mich auf mein Bett fallen, welches mich unter angestrengtem Ächzten auffängt. Meine Augen fallen zu und ich schlafe ein. Ich träume von Affen und Bananen. Wenn jeder Affe der Menge A genau eine Banane der Menge B isst, und genau gleich viele Bananen da sind, wie Affen, dann handelt es sich um eine bijektive Abbildung. Doch jetzt erkenne ich, dass da eine Banane zu wenig ist, ein Affe hat keine Banane, er wird verhungern. Aber viel wichtiger: Jetzt handelt es sich nicht mehr um eine bijektive, sondern um eine surjektive Abbildung, sofern wir davon ausgehen, dass wir die Menge der Affen auf die der Bananen abbilden, also: f: A->B. Wieder spüre ich den feuchten Atem meines Kommilitonen in meinem Nacken, das Pochen in meinem Kopf, das Rascheln und Getuschel. Plötzlich reißt mich ein anderes Geräusch aus meinem Traum. „Philipp!“, „Philipp!“ Meine Freundin steht neben meinem Bett, sie legt ihre Hand auf meine Stirn. „Bist du krank, soll ich dir einen Tee machen?“

Stunden später sitze ich am Tisch, mein Nacken schmerzt noch immer, aber es geht mir gut. Ich starre in meinen Laptop und betrachte die Mathematik-Übung. Mein Cursor klickt auf „Firefox“ und meine Finger tippen auf meiner Tatstatur „de.wikipedia.org“ und „Mengen“. Garnichts Neues, nur komplizierter ausgedrückt, als damals in der fünften Klasse. Hätte ich mir ja denken können, bei der nächsten Vorlesung werde ich 20 Minuten vorher da sein und mich in Badeshorts in einen Sitz fläzen, dann wird mir das unter Umständen sogar schon im Hörsaal bewusst.

Tschau dann erstmal,
Euer Philipp

3 Antworten zu “Mathe-Vorlesung im Vietnam.”

  1. max we sagt:

    Hi, und danke für den tollen Eintrag.
    Will auch Maschinenbau studieren, weißaber noch nicht wo.
    Sind die Hörsäle immer so voll?
    Und wie ists bis jetzt so? Kommt man gut mit ?

    • Philipp Rosauer sagt:

      Hallo Max!
      Sorry, dass ich mich erst jetzt zurück melde, habe deinen Kommentar irgendwie überlesen :/
      Nein, mittlerweile sind die Hörsäle nicht mehr so voll. Bei manchen Übungen muss man etwas früher da sein, aber das ist nicht so schlimm! Bis jetzt läufts ganz gut. In einem Monat schreibe ich meine Prüfungen, mal sehen wie das wird!
      Und ja, wenn man will, kann man lernen, bis man umfällt. 😀

  2. […] Mathe-Vorlesung im Vietnam I: noch nicht gelesen? […]

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