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neuland: Der Erstsemester-Blog

Über jeden Zweifel erhaben

26. Februar 2014 | von

Über jeden Zweifel erhaben.

Ich habe ja schon darüber geschrieben, dass man, wenn man für etwas brennt, es auch erreichen kann. Und ich bin auch immer noch davon überzeugt. Die Frage ist nicht, ob ich der sein kann, der ich sein will. Sondern wer ich sein will. Und das ist eine ziemlich schwierige Frage, auf die jeder seine eigene Antwort finden muss. Ganz poetisch könnte ich jetzt sagen, dass das Finden des inneren Ichs eine Reise ist, ein Abenteuer und dass es nicht darum geht, irgendwann anzukommen. Sondern viel mehr darum, nicht anzukommen. Sich immer wieder neu zu finden und zu erfinden. Sich selbst neu zu entdecken und niemals müde werden, Neues zu lernen und niemals des Staunens müde werden, über die Welt, das Leben und sich selbst.
Aber das klingt irgendwie ein bisschen geschwollen, so als wüsste ich das. Aber ich weiß das nicht. Ich bin ja selber noch auf der Suche nach der eigentlichen Reise.
Um das ein bisschen zu konkretisieren: die Mathe Klausur war richtig, richtig sch****.
Ja und da komme selbst ich, der sich so sicher war, dass ein Maschinenbau-Studium genau das richtige für ihn ist, nicht umher zu zweifeln. An mir selbst, an meinen bisherigen Entscheidungen, die mich hierhin gebracht haben. Und da frage ich mich auch, warum hast du dich eigentlich so entschieden? Und ich habe es ehrlich gesagt vergessen. Die Neuronen, die diese Informationen abgespeichert haben, haben sich neu verknüpft zu Polynomen und Matrizen. Denn im Endeffekt war es auch keine wirklich rationale Entscheidung, ich habe noch nie in meinem Leben eine rationale oder vernünftige Entscheidung getroffen. Es war ein Bauchgefühl, das sich während der Mathe-Klausur zu einem Bauchschmerz gewandelt hat.Zweifel
Ich habe mir auch eine Kamera gekauft. Weil ich das vernünftig fand, oder das Sinn macht? Nö. Ich hatte halt Bock drauf.
Jetzt meinen viele, dass meine Generation generell so eingestellt sei, und es wird viel darüber geschimpft, dass die Jugend von heute zu verantwortungslos sei und zu unvernünftig. Schlicht nicht nachdenken würde und das auch gar nicht könnte.
Aber das ist Quatsch, glaube ich. Wie viele Studenten wechseln nach ihrem ersten Semester den Studiengang oder hören ganz auf? Keine Ahnung, aber jede Menge.
Jetzt könnte man behaupten, dass diese Studenten jetzt ein halbes Jahr vergeudet hätten, was jedoch augenscheinlich völliger Blödsinn ist. An dieser Einstellung erkennt man sehr schön, wie ergebnissorientiert unser Bildungssystem ist. Das Erlernen von Fähigkeiten, sowohl zwischenmenschlich, als auch fachspezifisch lässt sich nicht an Noten und Abschlüssen messen. Jemand, der ein Semester Physik, zwei Semester Mathematik, drei Semester Journalismus studiert und danach eine Ausbildung als Fotograf macht, ist wahrscheinlich ein deutlich besserer Redakteur für eine wissenschaftliche Zeitschrift, als jemand, der einen Bachelor of Arts in „Fotografie und Medien“ hat.
Und das beginnt schon in der Schule. Warum haben so viele Abiturienten keine Ahnung was sie studieren wollen, wo sie hin sollen mit ihrem Leben? Weil sie nicht darauf vorbereitet wurden, weil sie nicht gefördert wurden, weil ihnen gar nicht klar ist, was sie können und mögen. Dabei ist das doch die einzige Aufgabe einer Schule. Nicht die Vermittlung von Wissen, die natürlich auch wichtig ist, sondern das Leiten und Führen, das an-die-Hand-nehmen und Türen-öffnen, müsste doch im Vordergrund stehen. Sicher ist es nicht falsch für einen Werkzeugmechaniker, zu wissen, wann die Französische Revolution stattfand, aber sollte ich daran messen, ob er die Möglichkeit bekommt, Maschinenbau zu studieren? Muss ein begabter Mathematik-Lehrer, den unsere Schulen so dringend bräuchten, auch gut in Sport, Kunst und Geschichte sein, um die Möglichkeit zu erhalten, sein Potenzial zu beweisen? Warum gibt es Kunst in der Schule? Um die Kinder und Jugendlichen davon zu begeistern! Wer ist begeistert davon, eine Note dafür zu bekommen, was er mit seiner Fantasie und Kreativität geschaffen hat? Ist es denn wirklich wichtig, ob ich jeden einzelnen Satz aus Effi Briest verstanden und genauso interpretiert habe, wie mein Lehrer? Reicht es nicht, den Mehrwert des Werkes für mich selbst zu sehen und zu verstehen und meine ganz eigene Sicht darauf mitzuteilen?

Naja, jetzt war ich kurz in einem kleinen Schreibrausch. Ich hoffe, ihr verzeiht mir das. Aber was mir wichtig ist, ist, dass ich glaube, dass das Zweifeln in schwierigen Situationen ganz normal ist, dass niemand damit alleine ist. Jeder zweifelt. An sich, an anderen und manchmal eben auch an unserem Bildungssystem. Aber ich glaube, dass die Schule und die Universität viel mehr Einfluss nehmen könnte auf unsere Jugend, mich mit eingeschlossen. Denn Kinder sind und werden immer das Wichtigste sein, was wir haben. Die freie Entfaltung jedes Einzelnen, bedeutet eine neue Idee, die vielleicht solch unangenehme Probleme wie Armut oder Rohstoffknappheit aus der Welt schaffen könnte.

Tschau dann erstmal,
Euer Philipp!

3 Antworten zu “Über jeden Zweifel erhaben”

  1. Lotte sagt:

    sehr schön geschriebener blogeintrag! weiter so 🙂

  2. […] hat wieder ganz schön weises Zeug geschrieben oder? Ich glaube es geht uns tatsächlich allen irgendwie so. Ich werde mir im […]

  3. Mary sagt:

    Wieder ein super Artikel, es macht sehr viel Spaß deine Einträge zu lesen 😀

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