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Cyber-Mobbing an Schulen

Archiv für Januar 2014

Projektstart

23. Januar 2014 | von

Lernen durch Gestalten – Ein innovatives Konzept für Lehr- und Lernszenarien

Ausgangspunkt unseres Projekts war die Idee, das Prinzip Lernen durch Gestalten in die Lehramtsausbildung der RWTH zu integrieren. Dieses mediendidaktische Konzept wird gegenwärtig von Prof. Sven Kommer, der unser Lehrgebiet „Allgemeine Didaktik“ leitet, theoretisch und praktisch ausgearbeitet. Von zentraler Bedeutung ist hierbei das Ziel, mediendidaktische (also auf mediengestützte Wissensvermittlung fokussierende) und medienpädagogische (auf Medienkompetenzvermittlung und Medienbildung zielende) Ansätze miteinander zu vereinen.

Ausgangspunkt des Lernens durch Gestalten ist für ihn der Ansatz einer ‚handlungsorientierten Medienpädagogik‘. Kernelement ist dabei die eigenständige Produktion medialer Artikulationen (z.B. Videos, Podcasts, Blogs etc.). In der außerschulischen Arbeit hat sich dieses Prinzip schon bewährt, insbesondere in Medienwerkstätten erfolgt die Medienkompetenzvermittlung über die Erstellung eines „Medienprodukts“. Im Schulunterricht wird hingegen häufig auf eine theoretische Auseinandersetzung mit den Medien fokussiert. Nur selten werden den SchülerInnen in Form von Projekttagen, wie beispielsweise bei den mittlerweile zehnten Medienwochen in Magdeburg (http://www.medienwochen.ovgu.de), die Möglichkeit geboten, eigene Medienprodukte (z.B. Kurzfilme) zu erstellen.

In Kooperation mit den Kolleginnen und Kollegen aus den jeweiligen Fachdidaktiken werden an der RWTH zukünftig verstärkt theoriegeleitet Konzepte entwickelt, die auf den Einsatz von (digitalen) Medien in der Schule fokussieren. Letztendlich besteht das Ziel darin, eine Form integrativer Medienbildung herauszuarbeiten, die sich sowohl an den bestehenden Strukturen der RWTH als auch an den Bedürfnisse der Fachdidaktiken orientiert. Unser Projekt kann hierbei einen ersten Baustein darstellen. Wir haben die folgenden Ziele im Blick:

  • Förderung der technischen Medienkompetenz von Lehramtsstudierenden sowie die Entwicklung ihrer mediendidaktischen und medienpädagogischen Kompetenzen
  • Erweiterung des Problembewusstseins bzgl. der Risiken digitaler Medien
  • Integration von digitalen Medien in die LehrerInnenbildung, um langfristig digitale Medien stärker in die Unterrichtsgestaltung zu integrieren

 

Tablet-PCs in der Lehrerausbildung

Um das Prinzip des Lernens durch Gestalten im Kontext medienpädagogischer Fragestellungen an Schulen etablieren zu können, müssen Lehrkräfte diesbezüglich geschult und ausgebildet werden. Sie benötigen v.a. technische Kompetenzen, damit sie ihre Schülerinnen und Schüler der der Erstellung von Medienprodukten adäquat anleiten können. Jeder, der in diesem Bereich schon einmal praktisch mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet hat, weiß welche technischen Probleme entstehen können und wie frustrierend es sein kann, wenn das angestrebte Produkt nicht wie gewünscht realisiert werden kann. Dies ist besonders im schulischen Kontext zu vermeiden. Aus diesem Grund werden wir im Rahmen unseres Projekts den angehenden Lehrkräften nicht nur theoretisches Wissen zum Medieneinsatz vermitteln sondern auch Kompetenzen entwickeln, die direkt in Aachener Schulen erprobt werden.

Das Institut für Erziehungswissenschaft verfügt mit dem Computer Training Center zwar über die nötige technische Ausstattung, um verschiedene computerbasierte Lernszenarien zu gestalten. Allerdings erscheint uns die Übertragbarkeit auf den (simulierten) Schulalltag problematisch. Auch wenn sich die technische Ausstattung an den Schulen in den letzten Jahren verbessert hat, besteht doch immer die Möglichkeit, dass abweichende technische Konfigurationen vor Ort die vorab in der Universität entwickelte Konzeption stören. Als eleganten Lösungsansatz sehen wir hier das Anschaffen eigener Technik (für unser Projektvorhaben Tablet-PCs), die wir in den Schulen entsprechend einsetzen werden.

Der Einsatz von Tablet-PCs bietet aus technischer und didaktisch-pädagogischer Sicht Vorteile: Zunächst die in weiten Teilen intuitive Anwendung. Die aktuellen Modelle kommen ohne eine komplizierte Bedienung, wie sie bei Desktop-Computern sowie vielen Note- und Netbooks bekannt war, aus. Ebenso fällt hier die teilweise unattraktive, labile und sehr teure Software weg. Dafür sorgen die für Smartphones konzipierten schnellen Betriebssysteme IOS, Android oder Windows 8 und die Steuerung via Gestenkommunikation (Touch). Dies erleichtert es, auch weniger technik-affine Lehramtsstudierende mit den Einsatzmöglichkeiten so vertraut zu machen, dass sie nach kurzer Zeit selbst in der Lage sind, Schülerinnen und Schüler anzuleiten. Da auch die Anwendung der meisten kostenlosen und -günstigen App(lication)s auf die intuitive Vorgehensweise der Benutzer ausgerichtet ist, werden durch die einfache Handhabung Hemmschwellen bei LehrerInnen und SchülerInnen abgebaut.

Darüber hinaus sind Tablets deutlich schneller einsatzbereit, denn das klassische Hochfahren der Desktop-PCs entfällt. Ungünstige Wartezeiten im Unterricht entfallen und erlauben auch den kurzzeitigen oder situativen Einsatz. Gleichzeitig deckt die Ausstattung von Tablets eine breite Palette von bisher divergenten Einzelmedien ab: die integrierten Kameras ermöglichen Fotografie und Videoaufzeichnung und mit den Mikrophonen können Audioaufzeichnungen gemacht werden. Die Nutzung profitiert dabei von der einheitlichen Bedienoberfläche – und der didaktisch hoch relevanten Möglichkeit, mit entsprechenden Apps direkt zur Weiterbearbeitung (z.B. Videoschnitt) überzugehen. Teamarbeit, die sowohl im universitären als auch im schulischen Kontext relevant ist, wird durch unterschiedliche Kommunikations- und Kooperations-Apps unterstützt.

Des Weiteren bieten Tablets ebenso praktische Vorzüge. Aufgrund ihrer Kompaktheit und ihres geringen Gewichts ist es problemlos möglich, die notwendige Ausstattung für eine gesamte Klasse zu transportieren. Auf diese Weise bewirken wir für unser Vorhaben eine große Flexibilität. Wir können die Tablets im Vorfeld mit der notwendigen Software ausstatten und sind nicht auf die Gegebenheiten vor Ort angewiesen.

Zusammenfassend ebnen wir so zunächst den technischen Weg, mit SchülerInnen ein Medienprodukt zu erstellen. Allerdings ist für die Konzeptionierung unseres Projekts auch die Frage wichtig, welche Tablets zum Einsatz kommen sollen. Zur Zeit sind verschiedene Produkte mit einem sehr ähnlichen Funktionsumfang auf dem Markt – die Unterschiede, ebenso der Kaufpreis sind marginal, so dass wir uns letztendlich für das iPad Air (die 5. Generation der Apple iPads) entschieden haben.

Die Entscheidung für dieses Produkt lässt sich rückblickend nur noch schwer begründen. Vorrangig ist der Gedanke bedeutsam, eine „interne“ Kompatibilität zu gewährleisten, sodass verschiedene ergänzende Produkte (z.B. Apple TV, Time Capsle) leicht und problemlos integriert werden können. In der Praxis lassen sich die tatsächlichen technischen Probleme nicht schön reden. Darauf werden wir in den folgenden Blog-Einträgen hin und wieder zu sprechen kommen.

 

Cyber-Mobbing an Schulen

Im Mittelpunkt steht der Gedanke, unsere Studierenden mit digitalen Medien vertraut zu machen. Jedoch soll dies nicht nur praxisorientiert sondern auch inhaltlich fundiert erfolgen. Ein selbstzweckhafter Medieneinsatz erscheint uns im universitären Kontext weder angemessen noch zielführend. Deswegen ist es für uns das Ziel, eine passende inhaltliche Rahmung zu finden, indem eine Verknüpfung zu einer medienpädagogischen Fragestellung hergestellt wird. Das Phänomen Cyber-Mobbing bietet sich hierfür aus mehreren Gründen an.

Cyber-Mobbing umschreibt, verkürzt formuliert, absichtliche Beleidigungen, Bedrohungen oder Belästigungen über eine längere Zeit unter Zuhilfenahme der digitalen Medien (insb. Soziale Netzwerke). Mitunter verwenden Jugendliche u.a. (gefälschte) Bilder oder Videos, um andere Jugendliche bloßzustellen. Im Gegensatz zum klassischen Mobbing werden die Opfer häufig mit anonymen Diffamierungen konfrontiert.

Es handelt sich hierbei um ein Phänomen, das in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat und dem eine gesteigerte Aufmerksamkeit zuteil wird. Da die Schule beim Thema „Cyber-Mobbing“ in vielerlei Hinsicht eine wichtige Rolle spielt, erscheint es uns notwendig, dies auch im Rahmen der Lehramtsausbildung aufzugreifen. In unseren Seminaren zu digitalen Medien haben wir bereits in einzelnen Sitzungen informiert und gemeinsam mit Studierenden diskutiert – aber nun wollen wir Cyber-Mobbing im Sommersemester 2014 in den Mittelpunkt stellen und ausführlich bearbeiten.

Die Verknüpfung des Tablet-Einsatzes mit dem für die Schule relevanten Thema „Cyber-Mobbing“ wird realisiert, indem unsere Studierenden mediengestützte Unterrichtskonzeptionen entwickeln. In Anlehnung an bestehende Konzeptionen (u.a. von klicksafe) werden eigenständige Adaptionen erarbeitet, in denen die Erstellung eines Medienprodukts mithilfe der Tablets eine entscheidende Rolle einnimmt.

In einem ersten Schritt werden wir die Lehramtsstudierenden über Cyber-Mobbing informieren und einen gegenseitigen Austausch herstellen. Zu thematisieren sind u.a. die Erscheinungsformen, die rechtlichen Aspekte, die möglichen Auswirkungen für Täter und Opfer und bisherige Präventionsansätze. Auf diese Weise vermitteln wir unseren Studierenden die notwendigen Hintergrundinformationen und sensibilisieren sie schon einmal für dieses Thema. Darüber hinaus werden wir zum Einstieg eine technische Schulung vornehmen, damit alle TeilnehmerInnen mit dem Tablet-PC umgehen können. Schließlich sollen sie schon wenige Wochen später in der Lage sein, ein Unterrichtskonzept zu entwickeln, in dem das Tablet eingesetzt wird. Und hierzu müssen sie ja wissen, was alles realisiert werden kann.

Autor: Thorsten Junge