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Cyber-Mobbing an Schulen

Archiv für März 2014

Praxiseinsatz an Schulen

24. März 2014 | von

Ein wesentliches Kernelement unserer Planung stellt die Erprobung der Unterrichtskonzepte dar. Wir möchten mit unseren Studierenden nicht nur auf der Ebene der hochschulinternen Simulation verbleiben. Vielmehr soll in der Praxis erprobt werden, ob die Überlegungen und Ansätze auch tatsächlich mit Schülerinnen und Schülern umgesetzt werden können. Um diesen Praxistest durchzuführen, benötigen wir die Hilfe der Aachener Schulen. Nur wenn diese uns die Chance geben, konkret mit den Schülerinnen und Schülern zu arbeiten, können wir den Wert der erarbeiteten Unterrichtskonzeptionen bemessen. Dementsprechend formulierten wir ein Informationsschreiben und adressierten dieses an alle Aachener Gymnasien und Gesamtschulen. Alle weiteren Formen sind für uns von nachrangiger Bedeutung, da unsere Studierenden ja nicht für diese Schulform ausgebildet werden.

In unserem Schreiben informierten wir kurz aber prägnant über unser Projekt und die Unterstützung, die wir von den Schulen benötigen. Ergänzend boten wir die Möglichkeit an, unser Projekt in einem persönlichen Gespräch genauer zu erläutern. Via vorgefertigten Antwort-Bogen boten wir eine schnelle Feedback-Möglichkeit. Offengestanden waren wir sehr gespannt, ob und wie viele Schulen sich wann zurückmelden würden, da wir bisweilen in unserem noch recht jungen Lehr- und Forschungsgebiet wenig Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit regionalen Schulen haben. Auch wenn gegenwärtige Studien belegen, dass neben dem klassischen Mobbing auch Cybermobbing immer mehr Einzug in die Klassenzimmer erhält, hatten wir nur eine vage Vorstellung, wie groß das Interesse an „unseren“ Aachener Schulen letztendlich sein wird. So waren wir sehr überrascht, dass schon nach kurzer Zeit die ersten positiven Antwortbögen auf unseren Schreibtischen lagen:

 „Wir haben Interesse an einer Kooperation und können uns vorstellen, dass Ihre Studierenden verschiedene Präventionskonzepte  mit unseren Schülerinnen und Schülern im Rahmen einer Projekteinheit umsetzen.“

Insgesamt erreichten uns positive Rückmeldungen von inzwischen acht interessierten Schulen, wovon wir bereits ein intensives Beratungsgespräch an einem Gymnasium geführt haben. Dort haben wir zunächst zusammen mit dem Schulleiter, einer Beratungslehrerin und der Schulsozialarbeiterin allgemein über das Thema Cybermobbing gesprochen – es wurde deutlich, dass Lehrerinnen und Lehrer sich aktuell nicht vor diesem Thema verschließen können und entsprechende Präventionsarbeit leisten müssen, um zukünftig sowohl klassische Mobbing- als auch Cybermobbing-Aktivitäten besser erkennen und eindämmen zu können. Ein Grundstein für eine gute Prävention ist in diesem Fall das hauseigene Streitschlichter-Coaching, bei dem sowohl Lehrerinnen und Lehrer als auch Schülerinnen und Schüler beteiligt sind. Des Weiteren ist ein klarer Vorteil der offene Umgang mit Neuen Medien. Neben der flächendeckenden WLAN-Verfügbarkeit sind sowohl die Bibliothek als auch eine Klasse mit iPads ausgestattet und im Unterricht wird stark auf Medienbildung gesetzt.

In einem weiteren Schritt wird für die Durchführung des Projekts auch der formale und organisatorische Rahmen gesteckt. So werden u.a. folgende Fragen gestellt und je nach Gegebenheit für jede Schule individuell abgeklärt:

  • Welche Klassenstufe binden wir für dieses Projekt ein?
  • Wann führen wir unseren Projekttag durch? Führen wir diesen in der regulären Projektwoche oder in einer bestimmten Unterrichtseinheit durch?

Zusammen mit der genannten Schulleitung entschlossen wir uns, den Projekttag in der Mittelstufe, vorzugsweise der 9. Klasse durchzuführen. Dies hat zwei wesentliche Gründe:

  1. Schülerinnen und Schüler dieser Altersstufe befinden sich in einer spannenden Entwicklungsphase. Das Ausleben und Ausprobieren neuer Möglichkeiten und Grenzen, wozu auch die Möglichkeiten und der Umgang mit Neuen Medien gehören, fördern das potenzielle Risiko von (Cyber-)Mobbing-Aktivitäten. Die Präventionsarbeit mit Medienprodukten scheint hier besonders sinnvoll
  2. Ein weiterer Aspekt ist die Nachhaltigkeit von Cybermobbing-Strategien im Zusammenhang mit dem peer-to-peer Verfahren. Schülerinnen und Schüler dieser Jahrgangsstufe können im darauffolgenden Schuljahr ihre erarbeiteten Ideen bzw. Produkte weiterreichen und jüngere Klassen sensibilisieren sowie Aufklärungsarbeit leisten, ganz ohne die typische Unterrichtssituation. Dies motiviert sowohl die älteren als auch die jüngeren Schülerinnen und Schüler.

Eine Überlegung unseres Zeitplans für die mögliche Durchführung unserer Präventionsstrategien waren die allgemeinen Projekttage kurz vor den Sommerferien. Doch dieses Gymnasium bevorzugt eine Projekteinheit während des regulären Unterrichts an einem Brückentag. Ein indirektes Ziel ist es, die Motivation der Schülerinnen und Schüler an solch einem Tag zu steigern, denn wer würde nicht lieber nach einem Feiertag zu hause bleiben, anstatt Formeln zu pauken und Goethe zu lesen 😉

Inwiefern sich das Interesse und die Motivation des genannten Gymnasiums sowie dessen organisatorischer Rahmen auch für die anderen Schulen übernehmen lässt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Autorin: Christiane Rust