Kategorien
Seiten
-

Cyber-Mobbing an Schulen

Archiv für Mai 2014

Die Entwicklung der Unterrichtskonzepte

08. Mai 2014 | von

Das Thema Cybermobbing hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und so verwundert es nicht, dass sich verschiedene Einrichtungen und Institutionen mit der Frage beschäftigt haben, wie man diesem Phänomen präventiv begegnen kann. Inzwischen gibt es zu diesem Thema umfangreiche Informationsmaterialien, die in der Regel im Internet kostenfrei bereitgestellt werden. Da die Schule innerhalb des gegenwärtigen Diskurses als der entscheidende Ort für erfolgreiche Prävention angesehen wird, wurden auch verschiedene Unterrichtskonzepte und -materialien entwickelt. Somit soll es Lehrkräften erleichtert werden, dieses sensible Thema mit ihren Schülerinnen und Schülern zu behandeln.

Wir haben uns im Vorfeld unseres eigenen Projekts mit diesen Konzepten intensiv auseinandergesetzt und vor allem mit dem bestehenden Angebot an Unterrichtsmaterialien vertraut gemacht, um unseren Studierenden die Arbeit innerhalb des Projektseminars zu erleichtern. Schließlich müssen sie sich im Seminar nicht nur mit den Daten und Fakten zu Cybermobbing auseinandersetzen sondern auch in kurzer Zeit ein anwendbares Konzept entwickeln, welches im Sommer im Praxiseinsatz an Schulen erprobt wird. Wir mussten bei unserer Planung also nicht bei null anfangen, da die zur Verfügung stehenden Unterrichtsmethoden so gut aufbereitet sind, dass wir diese nur noch mit unseren eigenen Ideen ergänzen mussten.

In einem ersten Schritt haben wir recherchiert, welche Unterrichtskonzepte im Internet zur Verfügung gestellt werden. Unsere Suche starteten wir u.a. auf der Seite www.saferinternet.at. Die Plattform „Saferinternet“ richtet sich zwar grundsätzlich an alle Internetnutzer, aber es gibt auch speziell an Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrer adressierte Inhalte, um ihnen eine Hilfestellung für den sicheren Umgang mit dem Internet zu geben. Zusätzlich gibt es einen Katalog mit Übungen für Lehrerinnen und Lehrer zur Gestaltung einer Unterrichtseinheit zum Thema Cybermobbing. Hieraus konnten wir etliche Anregungen für unser eigenes Projekt entnehmen.

Wenn man sich online zum sicheren Umgang mit dem Internet informieren möchte, stößt man unweigerlich auf die Webseiten von „klicksafe“. Dieses gemeinschaftliche Angebot der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz und der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) basiert auf dem „Safer Internet Programme“ der EU und wendet sich an alle Eltern und Pädagogen, die mehr über den kompetenten Medienumgang wissen wollen. Mit dem Programm sollen Maßnahmen zur sicheren Internetnutzung und anderer neuer Online-Technologien gefördert werden. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf Kinder gerichtet, aber auch unser Projektthema Cybermobbing kommt nicht zu kurz. Somit hat die EU mit dem Safer Internet Programm ein Konzept entwickelt, welches das Problembewusstsein der Gesellschaft, vor allem der Kinder, schärfen möchte. Zudem wird auch eine Anlaufstelle für Betroffene geboten, bspw. durch ein Eltern- sowie ,Kinder- und Jugendtelefon oder einer Beschwerdestelle.

In den Diskussionen über die möglichen Risiken der Internetnutzung richtete sich die Aufmerksamkeit auch recht bald auf die Verantwortung der Anbieter und Plattformbetreiber. In Deutschland betraf dies vor allem die VZ-Gruppe, die mit „SchülerVZ“ ein Angebot für Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz betrieb. Das Netzwerk wurde zwar am 30. April 2013 geschlossen, aber die damals bereitgestellten Unterrichtseinheiten für Lehrerinnen und Lehrer sind online noch verfügbar. Das Material zielt in erster Linie darauf ab, Schülerinnen und Schüler für die Besonderheiten der Online-Kommunikation zu sensibilisieren.

Bei unserer Recherche wurden wir auch bei „Lehrer-Online“ fündig, ein Angebot, das sich ausschließlich an Lehrkräfte und Lehramtsstudierende richtet. Kostenfrei wird Material für die Gestaltung von Unterrichtseinheiten rund um das Thema digitale Medien bereitgestellt.
Nach unserer Einschätzung sind alle Materialien, die wir online gefunden haben, sehr gut für unser Projekt geeignet. Die einzelnen Unterrichtseinheiten sind, wie von uns geplant, an einem Tag umsetzbar und können mit der Mediennutzung verknüpft werden. Wir haben uns lediglich zur Aufgabe gemacht, die zur Verfügung stehenden Materialien thematisch an unser Projektthema anzupassen. Wir haben beispielsweise andere Schwerpunkte gelegt, den Schwierigkeitsgrad erhöht oder gesenkt, sodass die Unterrichtskonzepte für eine breite Altersklasse zugänglich gemacht werden können. Es wird zudem die ganze Klasse mit einbezogen und jeder Schüler/jede Schülerin muss sich aktiv einbringen.
Die Unterrichtsideen haben unterschiedliche Ziele: Cybermobbing definieren, Sensibilisierung, Bewusstsein für Cybermobbing entwickeln, Empathiefähigkeit fördern, Gefühle benennen und erkennen, Verantwortungsgefühl stärken, Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, Bewältigungsstrategien entwickeln, Rechtsgrundlagen erarbeiten, Folgen und Konsequenzen von Cybermobbing herausstellen und/oder in der Öffentlichkeit auf Cybermobbing aufmerksam machen.

Im Mittelpunkt unseres Projekts steht die Tablet-Nutzung. Im Sinne unseres mediendidaktischen Ansatzes ‚Lernen durch Gestalten‘ soll die Reflektion zum Thema Cybermobbing in der Erstellung eines Medienprodukts münden. Unsere Studierenden sind dazu aufgefordert, dies in ihren Planungen zur Gestaltung des Projekttags zu berücksichtigen und sie sollen später die Schülerinnen und Schüler dabei anleiten. Da diese Schwerpunktsetzungen bei den bisherigen Unterrichtskonzepten nicht besteht, musste an dieser Stelle von uns eine eigenständige Adaptionsleistung erfolgen. Um unsere Studierenden auch hierbei zu unterstützen, haben wir uns als Projektteam bereits im Vorfeld überlegt, wie wir die bisherigen Unterrichtsideen mit dem iPad-Einsatz verknüpfen können.
Angesichts der gewaltigen Fülle an Material bestand unsere nächste Aufgabe darin, dies für unsere Studierenden zu ordnen und übersichtlich aufzubereiten. Hierfür wurden die einzelnen Ansätze als Module in einer Tabelle zusammengeführt. Zur Strukturierung dienten die folgenden Merkmale:

• Fokussierung der Unterrichtseinheit
• zeitlicher Rahmen
• Ziele
• Methodische Hinweise
• Methoden und benötigtes Material
• Medienprodukt als Ergebnis
• Organisationsform
• Benötigte Technik
• konkrete Form der iPad-Nutzung/ App

Bei inhaltlichen Überschneidungen haben wir einzelne Ansätze miteinander kombiniert. Hierbei haben wir auch Aspekte, die wir als weniger geeignet angesehen haben, durch Hinzufügen neuer Aspekte optimiert.
Um die Ideen aus den Konzepten möglichst gut umzusetzen, haben wir darüber hinaus geeignete Apps gesucht und sie auf ihre Eignung hin geprüft. Unsere Wahl fiel auf die folgenden Apps:

• Simple Mind: Hiermit können MindMaps erstellt werden.
• Recorder Plus und GarageBand: Hiermit können Podcasts aufgenommen werden.
• iMovie: Hiermit können Videos bearbeitet werden.
• ComicLife: Hiermit können Fotostorys und Comics erstellt werden.
• Pic Collage: Hiermit können Fotocollagen erstellt werden.
• Comic Book: Hiermit können Fotos aufgenommen und anschließend mit Comic-Effekten versehen werden.
• Photo Editor: Hiermit können Fotos erstellt und anschließend bearbeitet werden.
• Google- und Wikipedia App: Hiermit können Recherchetätigkeiten durchzuführt werden

Insgesamt haben wir in der Vorbereitungsphase vierzehn Unterrichtsideen entwickelt, aus denen die Studierenden auswählen können, um einen Projekttag zu gestalten.
Hinsichtlich der Kombination der einzelnen Ideen haben wir uns an dem modularen Aufbau des Trainingsprogramms „Surf-Fair“ orientiert, welches von Stephanie Pieschl und Thorsten Porsch an der Universität Münster entwickelt wurde (Buch-Tipp: „Schluss mit Cybermobbing!“). Deren Programm wird unterteilt in die Bereiche „Einstieg“, „Schwerpunkt“ und „Abschluss“.

Wir beginnen ebenfalls mit Einführungsübungen, damit alle Schülerinnen und Schüler einen Zugang zum Thema Cybermobbing finden. Darauf sollen, je nach Umfang, eine oder mehrere Vertiefungsübungen durchgeführt werden, in denen sich die Schülerinnen und Schüler intensiver mit Unterthemen des Cybermobbings auseinandersetzen und dazu konzeptspezifische Inhalte erarbeiten. Am Ende kommt eine Abschlussübung zum Einsatz, in der das Gelernte reflektiert und resümiert werden soll.

Autorinnen: Sabrina Giesen und Kathrin Reschke