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Cyber-Mobbing an Schulen

Archiv für April 2015

Neue Termine für unsere Praxiseinsätze stehen fest

30. April 2015 | von

Auch in diesem Semester gehen wir mit unserem Praxisprojekt wieder in Aachener Gymnasien. Dieses Mal werden wir zusammen mit unseren Studierenden sechs Einsätze im Monat Juni absolvieren:

StopptCybermobbing

Mittwoch, den 03. Juni 2015;

Montag, den 08. Juni 2015;

Donnerstag, den 11. Juni 2015;

Montag, den 15. Juni 2015;

Dienstag, den 16. Juni 2015;

Mittwoch, den 24. Juni 2015

Wir freuen uns auf eine ereignisreiche, spannende und wieder einmal lehrreiche Zeit!

Autoren: Christiane Rust und Thorsten Junge

 

Filmkritik zu KiKA Krimi.de – Netzangriff

27. April 2015 | von

Herausgeber: KiKA von ARD und ZDF/ SWR Media Services GmbH

FSK: 6 Jahre

Laufzeit: 45 Min.

Als Jugendliche/r hat man es nie leicht, wenn man zusammen mit den Eltern in eine neue Stadt zieht und schlimmstenfalls mitten im Schuljahr auf eine neue Schule gehen muss – weit weg von der vertrauten Umgebung und den lieben Freunden – das war früher schon so und das ist auch heute noch so. Erschwerend wird es, Fuß zu fassen, wenn man sich mit 14 Jahren betrinkt, gefilmt wird und anschließend auch noch sein Smartphone verliert. Genau das passiert Klara, einem Mädchen mit starkem Selbstbewusstsein aus behütetem Haus.

Am nächsten Tag erhalten Tim, bei dem sie nach der Party übernachtet hat und alle anderen MitschülerInnen eine Freundschaftseinladung von Klara. Der Junge wundert sich, hat er doch bereits am Morgen ihre Anfrage angenommen. Als er das Profil durchstöbert, finden sich freizügige Fotos mit eindeutigen Posen darauf. Irritiert und geschockt spricht er das Mädchen darauf an. Klara gesteht ihm, dass die Fotos auf dem Internat, was sie bis vor kurzem besucht hat, aus Spaß entstanden sind und sich immer noch auf dem verlorenen Telefon befunden haben. Zusammen mit seinem Bruder Max versucht Tim herauszufinden, wer das Profil erstellt haben könnte, zunächst vergeblich. Währenddessen muss sich Klara bösen Kommentaren und Gelächter in der Schule hingeben, die sie sehr belasten. Sie zieht sich immer mehr zurück, so dass nun auch die Eltern besorgt sind. Klara gesteht schließlich ihrem Vater die Sache mit den Fotos, der sich, wie sollte man es anders vermuten, an seinen befreundeten Polizisten wendet. Auch dieser stattet Laras Klasse einen Besuch ab und fordert den oder die Täter/in auf, sich zu stellen und das verloren gegangene Smartphone zu übergeben. Da die Schülerinnen und Schüler betreten zu Boden gucken, kommt er schließlich auf die zündende Idee, Klaras Nummer anzurufen. Noch nach Tagen scheint der Akku immer noch voll, denn es klingelt tatsächlich, allerdings aus Tims Tasche. Die Enttäuschung seitens Klaras ist groß, dachte sie doch, er mag sie. Tim hingegen kann sich die Sache nicht erklären und beteuert sowohl im Klassen- als auch im Verhörraum seine Unschuld.

Währenddessen macht sich Klaras Vater das erste Mal so richtig mit diesem Internet vertraut und googelt sogar seine Tochter. Was er findet, erschreckt ihn zutiefst. Neben den bereits bekannten Fotos, erscheint ein Video, aufgenommen auf der besagten Party mit einer betrunkenen Klara. Der Vater ist außer sich, sollte sie doch abseits des Internats ein Leben ohne Party und Drogen beginnen. Klara erntet Vorwürfe und fasst später weinend einen folgenschweren Entschluss. Völlig hilflos und alleingelassen fährt sie zu ihrer Lieblingskletterstelle, um ihrem Leben ein Ende zu bereiten.

Zur gleichen Zeit begibt sich Tim zusammen mit Max wieder auf die Suche nach dem Schuldigen und wird nach filigraner Beweisarbeit endlich fündig. Ein Mitschüler ist für das falsche Profil verantwortlich, ein anderer wiederum für das Video. Die beiden Brüder schaffen es, dass sich die Täter stellen – als Rechtfertigung für ihr Vorgehen kommt der oft gehörte Grund: „Es war doch nur Spaß und wir wussten nicht, was das für Auswirkungen haben kann.“ Soweit so gut, überkommt Tim ein ungutes Gefühl – Klara ist nirgends zu finden und niemand weiß, wo sie ist. Er fährt zielstrebig eben zu diesem Kletterfelsen, den das Mädchen ihm ein paar Tage vorher gezeigt hat. Dort angekommen, kann er Klara von ihrem traurigen Plan abhalten und alarmiert derweilen mehrere Male die Polizei. Der Film endet mit einem erbosten Polizeibeamten, der einerseits Klaras Plan, aber auch das ständige Anrufen in der Wache nicht gut heißt.

Insgesamt zeigt der Film Netzangriff gut die Auswirkungen von Cybermobbing, wenn auch sehr gerafft. Dabei stehen der Prozess und die einzelnen Formen eher im Hintergrund. Ebenso wird erneut die Hilflosigkeit der Betroffenen und der einzelnen Beteiligten (Eltern) deutlich, immerhin Tim wird aktiv – die Lehrkräfte werden sogar nur als Randfiguren gezeigt. Was hier ebenfalls ausbleibt, ist ein Ende mit konstruktiven Lösungsansätzen. Vergessen wird wieder einmal, dass der populistische und klischeehafte Gedanke, sogar der andeutende Versuch, des Suizids nicht der Ausweg aus solchen Situationen ist bzw. sein kann. Genauso ist die Polizei nicht die einzig helfende Instanz! Wieder einmal müssen wir uns fragen: Was ist mit allen aktiv und passiv Beteiligten? Wie können Eltern reagieren? Wie können Lehrer agieren? Was haben u.a. Freunde zu tun? Wo kann man sich weitere externe Hilfe holen? Was ist eigentlich mit uns Medienpädagogen?

Autorin: Christiane Rust

Filmkritik zu Die kleine Benimmschule 5 – im Netz zur Vorführung von neun- bis 14 jährigen Schülerinnen und Schülern

21. April 2015 | von

Herausgeber: Unterrichtsfilmvertrieb Michael Gautsch

FSK: 6 Jahre

Laufzeit: 30 Min.

Der Film Die kleine Benimmschule 5 – im Netz zeigt die Geschichten von Lukas, Irene und Frau Amatis (SchülerInnen und Lehrkraft an einer Gesamtschule), deren Problem ein gemeinsames ist – der digitale Alltag und seine Gefahren.

Lukas, ein ganz normaler Junge mit Freunden und einer vielbeschäftigten Mutter ist plötzlich gemeinen Fotomontagen und Mails ausgesetzt. Er verdächtigt schnell seinen besten Freund, auch wenn der Grund nicht ersichtlich wird. Fortan sieht man ihn alleine Im Internetcafé abseits der „Kinderecke“ sitzen, da er zurzeit Computerverbot an Mamas Notebook hat. Die müde Ermahnung des Betreibers, keinen Unfug zu machen, wirkt dabei wenig abschreckend und somit stolpert Lukas in jede doch so bekannte Gefahr des Internets. Sorgenlos gibt er seine Daten in einem sozialen Netzwerk preis und findet angesichts seines Problems schnell einen neuen virtuellen Freund zum Trösten. Dass „Thomas“ dabei von Beginn an seltsame, sehr offene und sexuell anzügliche Fragen stellt, scheint Lukas nicht zu wundern, antwortet er doch brav und ehrlich. Zuhause angekommen, schafft er es doch seine Mutter zu überreden, seine Hausaufgaben am heimischen Rechner zu erledigen. Natürlich treibt er sich wieder im sozialen Netzwerk rum und findet zudem eines dieser „kostenlosen“ Computerspiele, die auffällig gewalttätig sind. Kurz bevor Mama ihn zu erwischen scheint, will sich das Spiel erst nach Aufforderung der Eingabe von Daten schließen lassen. Dass er hierbei ein Zeitungsabo abschließt, nimmt er wortwörtlich in Kauf.

Wochen später bekommt Lukas Mutter ein Schreiben vom Inkassobüro und entsprechend eine Absage für einen wichtigen Kredit, der ihre Zukunft sichert. Lukas versteht schnell, dass er etwas falsch gemacht hat, erhält jedoch keinen Lösungsvorschlag, um zukünftig so etwas zu vermeiden – die Mutter scheint selber sehr hilflos. Unverstanden zieht er sich ins Internetcafé zurück, wo Thomas ihn aufmuntert und ein Treffen vorschlägt. Spätestens hier wird deutlich, dass wir es hier nun auch noch mit Pädophilie zu tun bekommen. Zum Glück wird er von Irene, die sich als Lukas Schwester ausgibt, in letzter Sekunde gerettet.

Ein feiner Zug von dem Mädchen, dass es selbst sehr schwer hat. Da sie offensichtlich gesundheitliche Beschwerden hat, zieht sie ein Bein nach. Grund genug für zwei Mitschülerinnen sie ständig bloßzustellen, das Ganze auf Video festzuhalten und über das Smartboard ihr Werk der ganzen Klasse zu präsentieren. Hier versucht ihre Lehrerin Frau Amatis einzugreifen, doch es bleibt bei einem schwachen Versuch. Auch nachdem Irene ihr anvertraut hat, wer dafür verantwortlich gewesen ist, erhält sie weder von Lehrkraft und Schulleitung Hilfe. Stattdessen muss Irene sich Bedrohungen aussetzen, während eine Tür weiter die Direktorin versucht, Frau Amatis zu beruhigen, weil die immer noch mit alten Partyfotos aus der Vergangenheit zu kämpfen hat, die plötzlich wieder im Internet aufgetaucht sind und erneut ihre Autorität in Frage stellen könnten.

Erst als in Irenes Fall plötzlich die Polizei im Unterricht auftaucht, stellen sich die Täterinnen und Mitläufer – auch Frau Amatis kann endlich aufatmen, da man ihr versichert hat, dass nun alle Fotos gelöscht werden – eine denkbar einfache Lösung und ein tolles Happy End. Genauso für Lukas, der sich wieder mit seinem bestem Freund verträgt.

Der Film Die Kleine Benimmschule 5  – im Netz zeigt sehr gut auf, welche Gefahren in der digitalen Welt lauern und in welche Fallen Kinder und Jugendliche tappen, wenn sie niemanden haben, der sie begleitet. Zudem wird deutlich, wie hilflos Lehrkräfte und Eltern sind, wenn sich der Nachwuchs abseits der greifbaren realen Welt bewegt. Allerdings schafft es auch dieser Aufklärungsfilm nicht, einmal über den Tellerrand hinauszuschauen und mittlerweile bedeutsame Lösungsansätze, sei es präventiv oder interventiv, zu veranschaulichen, stattdessen die Polizei ins Haus zu holen, die dann alle Situationen irgendwie löst.

Autorin: Christiane Rust

Filmkritik zu verklickt! Sicherheit im Medienalltag – Film für Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 7

13. April 2015 | von

Herausgeber: Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

FSK: 6 Jahre

Laufzeit: 53 Min.

Schon immer haben beste Freundinnen alles geteilt, fragwürdig ist nun der neuste Vertrauensbeweis – die Weitergabe des eigenen Passwortes! Auch Mia und Anne machen das so. Da ist es auch selbstverständlich, dass Anne ein paar hübsche Bilder von Mia online stellt und ihr Profil auf Zack bringt, während diese beim Handballtraining schwitzt. Alles nur, um Tarek, einen „süßen“ und sozial engagierten Mitschüler auf sich aufmerksam zu machen. Das funktioniert auch wunderbar, bis zu dem Augenblick als Anne einen bösen Kommentar unter Tareks Fotos schreibt – unbeabsichtigt in Mias Namen. Das Geschrei ist am nächsten Tag groß, Tarek traurig und die Lehrerin zurecht enttäuscht. Das wird Konsequenzen haben! Doch wie diese Situation nun gelöst wird, verläuft leider im Sande. Ebenso die Tatsache, dass Anne „vergessen“ hat Mias Webcam auszuschalten und nicht nur Annes Bruder Robin tiefe Einblicke bekommt. Sein bester Freund Max löst schließlich das Problem – und Max findet Mia ja auch ganz nett, was auf Gegenseitigkeit beruht. Als Dank richtet Anne Max im Namen von Mia eine Fan-Skateseite ein, da er wirklich gute Tricks drauf hat.

Max scheint insgesamt ein „helles Köpfchen“, wenn es um digitale Medien geht. So überredet er Robin zum Filme gucken im Internet, egal ob legal oder illegal und da passiert es schon mal, dass man schnell mal ein teures Filmabo abschließt. Er hilft sogar seiner Mutter, eine Profilseite auf einem Dating-Portal einzurichten, auch wenn es „mega peinlich“ ist. Aber dem besten Freund Robin kann man das erzählen, der dies wiederum an seine Schwester Anne weiterträgt…

Aufklärungsfilme zum Thema Cybermobbing und Netzkriminalität

Und dann ist da auch noch Lena, Robins Freundin. Die findet nun pornografische Inhalte auf dessen Handy. Diese Filmchen sind von Max dort „zwischengespeichert“ worden, da der ja nun immer noch kein eigenes Smartphone besitzt, aber fleißig im Getränkemarkt arbeiten geht. Lena gibt das Handy an Anne zurück, weil sie mit Robin nichts mehr zu tun haben möchte. Anne hingegen möchte sich wieder in Mias Namen an Max rächen, weil der plötzlich doch kein Interesse mehr an Mia hat und stellt seine Mutter mit einem angeblichen Date bloß. Dafür lädt sie in Robins Namen alle Freunde, inkl. Max in den Skatepark ein, wo die Mutter nun vor der Clique, anstatt vor ihrem Angebeteten steht. Mit dem Gedanken, dass alles von Max inszeniert wurde, tritt die Mutter traurig ihren Heimweg an und lernt zufällig einen Polizisten kennen, der ihr Herz im Sturm erobert und nun auch mal ein Blick auf Max und seinen Computer werfen soll. Der hat aber derzeit ganz andere Probleme, denn die Sache mit dem Filmabo holt Robin und ihn wieder ein. Gerade den Chef überredet, die ersten hundert Euro für das Smartphone im Voraus locker zu machen, muss er das neu erworbene  Gerät auch gleich wieder verkaufen, um seine Schulden an Robin zu begleichen. Um seiner Mutter den Verlust zu erklären, inszeniert er nun einen Überfall – diese hat genug von seinem Verhalten und gibt ihm erneut die Möglichkeit endlich mit der Polizei über seinen digitalen Streifzug zu sprechen, denn auf seinem Computer befinden sich dutzende GB an illegalen Dateien.

Was derweilen aus Mia und Anne geworden ist, bleibt dahingestellt. Auch von Tarek hat man nichts mehr gehört und ob Lena und Robin wieder zueinander gefunden haben?

Der Film verklickt! zeigt den digitalen Alltag von Jugendlichen in all seinen Facetten und mit all seinen Gefahren. Doch bietet er recht wenig präventive und interventive Lösungsansätze für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie Eltern. Vieles steht offen im Raum – die Situationen, die gelöst werden, scheint nur durch das Heranziehen der Polizei möglich zu sein. Nichtsdestotrotz kann der Film als erster Überblick zum Thema Cybermobbing und Netzkriminalität in Vorbereitungsseminaren für bspw. Lehramtsstudierende, aber auch für Schülerinnen und Schüler, sowie als Einstieg in Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte genutzt werden.

Weitere Informationen unter Polizeiberatung

Autorin: Christiane Rust

Fortsetzung des Projekts

08. April 2015 | von

Als wir im Sommersemester 2014 unser Projektseminar planten, gab es für uns viele Unwägbarkeiten. Schließlich wussten wir im vorhinein nicht, ob unsere Lehramtsstudierenden genügend Offenheit für unser Konzept mitbringen. Schließlich weichen wir vom klassischen Seminarschema ab, indem wir uns nicht nur theoretisch mit Cybermobbing auseinandersetzen sondern auch tatsächlich praktische Projektarbeit mit Schülerinnen und Schülern durchführen. dies bietet zwar den Raum für viele Lernerfahrungen, verlangt aber von den Studierenden auch besonderes Engagement. Wir konnten auch nicht sicher sein, wie offen die Aachener Gymnasien auf unsere Überlegungen reagieren. Schließlich brauchten wir Kooperationspartner, die sich darauf einließen, von Studierenden einen Projekttag an ihrer Schule durchführen zu lassen.

Im Rückblick können wir zum Glück konstatieren, dass unsere (leichten) Befürchtungen nicht gerechtfertigt waren. Wir haben mehrere Schulen für unser Projekt gewinnen können, mit denen wir sehr gut zusammenarbeiten. Auch wenn die Koordination im Detail manchmal noch etwas besser laufen könnte, haben wir bislang sehr gute Erfahrungen gesammelt. Das Thema Cybermobbing ist für viele Schulen von Bedeutung und es besteht eine große Bereitschaft, sich diesem Problem zu widmen. Unser Ansatz, in die Aufklärungsarbeit auch Tablet-PCs einzubinden, löst(e) zwar nicht nur Begeisterungsstürme aus, aber es wurde begrüßt, einen Projekttag zu diesem Thema durchzuführen. Die meisten Schulen bedauerten, dass wir dies angesichts unserer Ressourcen jeweils nur an einem Tag und nur für eine Klasse anbieten können.

Letztendlich haben uns die positiven Erfahrungen aus dem ersten Durchgang  im Sommersemester 2014 dazu motiviert, unser Projektseminar auch im Wintersemester 2014/2015 anzubieten.Attacke aus dem Neuland - Bericht von Schülern des Einhard-Gymnasiums
Erneut konnten wir mit Lehramtsstudierenden an Aachener Schulen Projekttage zum Thema „Cybermobbing“ durchführen und gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern Medienprodukte (Kurzfilme und Foto-Stories) als Reflektionsgrundlage erstellen. Insgesamt nahmen 6 Gymnasien daran teil, darunter 2 „neue“ Schulen. Der Bericht von zwei Schülern liefert interessante Eindrücke von dem Tag. Offensichtlich war vor allem der verwendete Kurzfilm beeindruckend. Gefreut hat uns natürlich auch das abschließende Fazit: „Das Bewusstsein über Missbrauch des Internets war ein Lerneffekt für die ganze Klasse.“

Im Vorfeld haben wir uns in den Seminarsitzungen theoretisch mit dem Cybermobbing auseinandergesetzt. Auch hierbei machten wir wieder ähnliche Erfahrungen wie im Sommersemester 2014. Die Lehramtsstudierenden kannten das Thema, wussten auch um die besondere Bedeutung, schätzten ihr Fachwissen hierüber aber als eher gering ein. Die unterschiedlichen Ausprägungen waren den meisten nicht bekannt. Dementsprechend fühlten sie sich im Hinblick auf ihre spätere Rolle als Lehrer/Lehrerin auch mehrheitlich nicht gut vorbereitet. Es stand mehrfach die Frage im Raum, wie man als Lehrkraft angemessen auf Cybermobbing in der eigenen Klasse reagieren kann.

Die Planung der Projekttage erfolgte wiederum an einem Blocktermin in Kleingruppen. Dabei zeigten sich alle Gruppen motiviert und produktiv, es herrschte ein reger Austausch untereinander, mögliche Übungen und Schwerpunktsetzungen wurden untereinander diskutiert, erste Ablaufpläne erstellt und wieder verworfen, Aufgaben verteilt, Materialien erstellt, und, und, und…  Am Ende des Tages erfolgte noch eine praktische Übung: alle Gruppen mussten sich nun selbst mit den Tablets beschäftigen und in kurzer Zeit ein Medienprodukt zum Thema „Cybermobbing“ erstellen. Dieses Element steht ja schließlich im Mittelpunkt unseres Konzepts, also musste es auch von den Studierenden erprobt werden. Vereinzelt zeigten sich bei den Studierenden kritische und distanzierte Reaktionen, aber die Zurückhaltung konnte bei den meisten dann schließlich abgebaut werden. Es zeigte sich erneut, dass die Bedienung der Tablets überaus intuitiv erfolgt. Auch jene, die sich zunächst wenig zutrauen können feststellen, wie einfach die Handhabung doch ist.

Natürlich mussten alle Gruppen im Vorfeld der Projekttage noch etliche Vorbereitungen in Einzelarbeit erledigen. Aber letztendlich waren fast alle Gruppen sehr gut vorbereitet und konnten den Projekttag eigenständig durchführen. Natürlich gab es an einzelnen Stellen noch Abstimmungsprobleme oder es musste spontan improvisiert werden (vor allem wenn die Zeitplanung nicht 100%-ig passte). Aber dies gehört zu einem Projekttag dazu. Man muss hierbei bedenken, dass die Studierenden vorher noch nicht in dieser Konstellation zusammen gearbeitet hatten und mehrheitlich über wenig Erfahrungen in Team- und Projektarbeit verfügten. Vor diesem Hintergrund muss man die Durchführung als überaus gelungen betrachten. Wir konnten als Dozenten im Hintergrund bleiben und mussten nur an vereinzelten Stellen Tipps oder Hinweise geben. Aus den Erfahrungsberichten der Studierenden geht hervor, dass sie dies durchaus als angenehm empfunden haben.

Für die Studierenden waren diese Tage sehr lehrreich und lieferten viele wertvolle Eindrücke. Sie konnten praktische Erfahrungen sammeln, die im Lehramtsstudium von sehr großer Bedeutung sind. Nach unserer Einschätzung wurden viele Reflektionsprozesse angestoßen, z.B. bzgl. dem Umgang mit dem eigenen Rollenverständnis, Umgang mit heterogenen Klassen, Einfluss von räumlichen Bedingungen, Probleme mit „schwierigen“ SchülerInnen, und, und, und …

Plakatarbeit zum Thema CybermobbingUnsererseits haben wir auch weitere Erkenntnisse gewinnen können. Unser Konzept wurde immer wieder in Details angepasst und erweitert. Und da wir auch nach dem Wintersemester von allen Beteiligten überwiegend positives Feedback erhalten haben, war es für uns schnell klar, das Projektseminar auch im Sommersemester 2015 wieder anzubieten. Erneut erklärten sich verschiedene Aachener Schulen bereit, uns zu unterstützen. Wir können also auch im Sommersemester Lehramtsstudierende zum Thema „Cybermobbing“ schulen und dann Konzepte für Projekttage „live“ erproben.

In dieser Woche startet nun das neue Semester und wir gehen in die dritte Runde „Einsatz von Tablet-PCs zur praxisorientierten Prävention von Cybermobbing an Schulen.“ Wir sind schon gespannt, welche Studierenden diesmal aktiv dabei sein werden, welche neuen Impulse sie beisteuern werden und wie die Projekttage gestaltet werden. Es wird sicher wieder ein spannendes Seminar und ein spannendes Semester!

Autoren: Thorsten Junge und Christiane Rust