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Cyber-Mobbing an Schulen

Archiv für Mai 2015

Projektseminar Sommersemester 2015 – Blocktermin

27. Mai 2015 | von

Am letzten Samstag haben wir einen Blocktermin mit den TeilnehmerInnen unseres Projektseminars veranstaltet, um die anstehenden Projekttage an den Schulen zu planen. Obwohl es sich hierbei um das Pfingstwochenende handelte, waren alle Gruppen vollzählig.

Nachdem einige organisatorische Fragen geklärt waren, machten sich die Gruppen an die Arbeit. Es musste überlegt werden, auf welche inhaltlichen Schwerpunktsetzungen man sich einigen kann und welche Übungen mit den SchülerInnen durchgeführt werden. Im Vorfeld hatten wir ja bereits einige Methoden vorgestellt, an denen sich die Studierenden orientieren konnten.

Bei der Frage, welches Medienprodukt mit den SchülerInnen erstellt werden soll, gab es in den meisten Gruppen eine schnelle Einigung. Alle Gruppen entschieden sich für die Foto-Story als Medienprodukt. Möglicherweise befürchteten die Studierenden, dass es zu aufwendig sein könnte, mit den Kindern einen Kurzfilm zu drehen. Das ist durchaus schade, denn wir hatten in den zurückliegenden Semestern schon etliche Projekttage, an denen Kurzfilme gedreht wurden.

Es erwies sich zunächst einmal als herausfordernde Aufgabe, einen Zeitplan zu erstellen. Da die meisten Studierenden bislang noch keinen eigenständigen Projekttag konzipiert hatten und auch im Schulkontext nur wenig Erfahrungen im Zeitmanagement gesammelt haben, war oftmals unklar, wie viele Unterrichtseinheiten für das geplante Programm zu kalkulieren sind. Einzelne Gruppen hatten sich im Vorfeld zu viel vorgenommen. Wir konnten als Seminarleiter wertvolle Tipps geben, da wir schon in den vorangegangenen Semestern mehrere Projekttage durchgeführt haben. So haben wir die Empfehlung ausgesprochen, für die Erstellung der Foto-Story einen Block von 150 bis 180 Minuten einzuplanen. Auch wenn das iPad leicht zu bedienen ist und die schnelle Fertigstellung ermöglicht, müssen die Kinder im Vorfeld eine Geschichte entwickeln, Rollen verteilen, ein Storyboard erstellen, Fotos erstellen und auswählen, die Foto-Story mittels der App erstellen…   und am Ende soll ja noch genügend Zeit für die Präsentation der Ergebnisse bleiben.

Im Seminar hatten wir den Film „Let’s fight it together“ vorgestellt, der sich mit dem Thema „Cybermobbing“ auseinandersetzt. Offensichtlich bewerten unsere Studierenden diesen Kurzfilm sehr positiv und halten ihn für die Auseinandersetzung mit SchülerInnen geeignet. In allen Konzepten, die am letzten Samstag entwickelt wurden, kommt dieser Film zum Einsatz. Etliche Gruppen haben einen Arbeitsauftrag formuliert, wonach die SchülerInnen an die fiktive Geschichte von Joe anknüpfen sollen, um ein positives Ende zu finden.

Viel Zeit nahmen auch die konkreten Überlegungen ein. Es musste innerhalb der Gruppen diskutiert werden, wer welche Aufgaben übernimmt, wer welche Übungen moderiert und anleitet. Entsprechend wurden auch schon konkrete Fragen für die Arbeit mit den SchülerInnen entwickelt. Wir begleiteten als DozentInnen die Konzeptentwicklung, indem wir uns in den Kleingruppen immer wieder einbrachten, die Zwischenüberlegungen präsentieren ließen und Fragen beantworteten.

Bis zum Nachmittag mussten alle Kleingruppen ihren Arbeitsauftrag für die Arbeit mit dem iPad fertig haben, damit er von den anderen Studierenden „ausprobiert“ werden konnte. Wie schon in den vergangenen Semestern gab es aufseiten einzelner TeilnehmerInnen an dieser Stelle leises Murren, weil sie entweder lieber weiter an dem Konzept gearbeitet hätten oder schlichtweg keine besondere Lust auf die Arbeit mit dem iPad hatten. Bei einzelnen drückte sich diese Unlust dann auch in einem unkreativen Arbeitsprozess und einem dürftigen Endergebnis aus.

Generell erwies sich diese Arbeitsphase innerhalb des Blocktermins aber wieder als wertvolles Element. So konnten die Studierenden einmal erproben, wie gut oder schwer der formulierte Arbeitsauftrag umgesetzt werden kann, wie sinnvoll die Verwendung eines Storyboards sein kann und generell wie die Erstellung einer Foto-Story vonstatten geht. Diese Erfahrung kann ihnen bei der Umsetzung des Projekttages helfen, wenn sie die SchülerInnen bei der Arbeit mit dem iPad anleiten sollen. Und nicht zuletzt: alle haben noch einmal einen Einblick bekommen, welche einzelnen Schritte notwendig sind und welche Zeiteinheiten man einplanen sollte.

Nachdem alle Studierendengruppen eine Foto-Story erstellt hatten, gab es noch eine kurze Präsentation der Ergebnisse. Kritische Nachfragen oder Hinweise gab es hierbei kaum, aber wir DozentInnen konnten noch einzelne Tipps geben.

Danach wurde weiter an den Konzepten für die Projekttage gefeilt, ehe wir die Studierenden ins wohlverdiente Wochenende entlassen konnten. Nun müssen in Einzelarbeit noch die letzten Elemente vorbereitet werden, ehe wir dann im Juni die Projekttage durchführen können.

Nach unserem Eindruck haben die meisten Gruppen den Blocktermin sehr gut genutzt und innerhalb der Gruppen fand eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema und den möglichen Methoden statt. Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass es wieder spannende Projekttage an den Aachener Schulen geben wird.

Autor: Thorsten Junge

Studierende arbeiten an der Konzeption des Projekttags

Studierende arbeiten an der Konzeption des Projekttags

Projektarbeit an Schulen – Das Recht am eigenen Bild

19. Mai 2015 | von

Im Mittelpunkt unseres Konzeptes steht die Erstellung eines Medienprodukts mit den SchülerInnen. Wir wollen uns hierbei die Vorzüge von Tablets zunutze machen, die es (im Gegensatz zu früherer Medienarbeit) möglich machen, innerhalb kurzer Zeit und ohne besondere technische Vorkenntnisse einen Kurzfilm, eine Fotostory, ein Hörspiel oder einen Podcast zu machen. Dabei war uns relativ schnell klar, dass es sich bei diesen Medienprodukten vorrangig um kurze Videoclips oder Fotogeschichten in verschiedenen Varianten handeln wird. Dies warf bei uns die Frage auf, ob sich angesichts des sensiblen Themas „Cybermobbing“ Probleme ergeben könnten. Schließlich ist es notwendig, dass eine Auswahl an Schülerinnen und Schülern auch als Akteure VOR die Kamera (in unserem Fall: vor die iPads) treten müssen und sich nicht alle dahinter „verstecken“ können. Gleichwohl war für uns von Anfang an klar, dass wir niemanden zwingen können, bei einer Geschichte zum Thema „Cybermobbing“ als Schauspieler/in aktiv zu sein. Schließlich kann man nicht von allen Heranwachsenden erwarten, dass sie über das nötige Selbstvertrauen verfügen, um eine Rolle zu übernehmen. Dies gilt in unserem Fall umso mehr, da ja bei den meisten Geschichten, die sich die SchülerInnen selbst ausdenken, zunächst einmal eine Cybermobbing-Situation geschildert wird. Wir wollten auf jeden Fall vermeiden, dass ein früheres oder aktuelles Cybermobbing-Opfer nun auch noch beim Projekttag die Opferrolle „spielen“ muss oder dass während des Projekttages Situationen und „Materialien“ geschaffen werden, die in der Folge für Cybermobbing missbraucht werden. Generell sollte kein Heranwachsender durch unseren Praxiseinsatz gezwungen sein, emotional über seine Grenzen hinauszugehen.

Wir haben dieses Problem hierdurch gelöst, dass wir in Kleingruppen gearbeitet haben und hier eine Rollenverteilung vornehmen konnten, die für alle Beteiligten angenehm war. Jene Kinder, die nicht vor die Kamera wollten, haben stattdessen die Aufgabe übernommen, den Film zu drehen bzw. die Fotos zu machen. Sie standen also hinter der Kamera.

Bei unseren Vor-Überlegungen zur Anfertigung von Fotografien und Videoaufnahmen war für uns auch noch ein weiterer Punkt von Bedeutung. Als MedienpädagogInnen haben wir natürlich bei Praxisprojekten dieser Art auch die rechtlichen Aspekte im Blick. Schließlich sind im Strafgesetzbuch (§ 201a StGB) sowie im Kunsturhebergesetz (kurz: KUG) die Grundlagen zum Recht am eigenen Bild geregelt. Demnach darf man auch im Rahmen von Projekten nicht ohne Weiteres Kinder und Jugendliche fotografieren und diese Aufnahmen im Internet veröffentlichen.

Um die betroffenen Eltern in dieser Angelegenheit auch hinreichend zu informieren und zu beruhigen, haben wir im Vorfeld einen Informationsbrief verfasst, der über die Schule an die Eltern übermittelt wird. Hierin erläutern wir kurz unser Konzept und den Ablauf des Projekttages. Wir weisen auch darauf hin, dass zwar während des Projekttags Fotos aufgenommen werden, aber dass jede Person selber darüber bestimmen kann, ob Bilder von ihm veröffentlicht werden.

Sicherlich haben wir auch ein Interesse daran, Bilder von unserem Projekt für unsere Öffentlichkeitsarbeit zu verwenden. Wir würden dies aber niemals ohne Einverständnis der abgebildeten Personen tun. Deswegen bitten wir in diesem Elternbrief darum, uns zu autorisieren, die Fotos vom Projekttag für Belange des Instituts für Erziehungswissenschaft (z.B. interne Vorträge, Öffentlichkeitsarbeit) zu verwenden. Wir verweisen aber auch darauf, dass die Eltern diese Einwilligung jederzeit ohne Angabe von Gründen widerrufen können. Natürlich haben wir im vorbereiteten Info-Brief auch die Option vorgesehen, dass keine Verwendung der Fotos gewünscht ist („Wir möchten nicht, dass Fotos von unserem Kind vom Institut für Erziehungswissenschaft der RWTH Aachen verwendet werden.“). Nach meinem Empfinden gewährte uns bislang etwa die Hälfte die Verwendung des Bildmaterials.

Das Recht am eigenen Bild mit Spielzeugfiguren bewahrenUnsere anfängliche Sorge, es könnten sich zu wenige Schülerinnen und Schüler bereit erklären, als Schauspieler/innen zu agieren, erwies sich als unbegründet. Im Gegenteil, die meisten hatten sichtlich Spaß an dieser Aufgabe. Und selbst jene TeilnehmerInnen, die anfangs etwas schüchtern agierten, waren durch diese Aufgabe nicht überfordert. Lediglich in einem einzigen Fall hatten wir eine Kleingruppe zusammengestellt, in der niemand bereit war, als Schauspieler/in eine Rolle zu übernehmen. Glücklicherweise waren wir auf diese Situation vorbereitet, sodass wir hierauf gut reagieren konnten. Wir hatten Spielzeugfiguren mitgebracht, die anstelle menschlicher Akteure Verwendung fanden. Die Aufgabe der Kleingruppe bestand nunmehr darin, nicht nur eine Geschichte zu entwickeln, sondern auch Kulissen herzustellen. Letzteres ist ihnen dabei deutlich besser gelungen, aber dies nur als Randbemerkung.

Insgesamt können wir also festhalten, dass bei der Erstellung von Video- und Fotomaterial im Rahmen der schulischen Projektarbeit verschiedene (rechtliche) Aspekte zu beachten sind. Wir haben aber bislang sehr gute Erfahrungen gemacht und die (vermeintlich) kritischen Aspekte erwiesen sich bis dato als problemlos.

Autor: Thorsten Junge

Auszug aus dem Strafgesetzbuch (StGB)

§ 201a Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen

(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

  1. von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt eine Bildaufnahme herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt,
  2.    eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt,
  3.    eine durch eine Tat nach den Nummern 1 oder 2 hergestellte Bildaufnahme gebraucht oder einer dritten Person zugänglich macht oder
  4. eine befugt hergestellte Bildaufnahme der in den Nummern 1 oder 2 bezeichneten Art wissentlich unbefugt einer dritten Person zugänglich macht und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt.

(2) Ebenso wird bestraft, wer unbefugt von einer anderen Person eine Bildaufnahme, die geeignet ist, dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich zu schaden, einer dritten Person zugänglich macht.

(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine Bildaufnahme, die die Nacktheit einer anderen Person unter achtzehn Jahren zum Gegenstand hat,

  1. herstellt oder anbietet, um sie einer dritten Person gegen Entgelt zu verschaffen, oder
  2. sich oder einer dritten Person gegen Entgelt verschafft.

(4) Absatz 1 Nummer 2, auch in Verbindung mit Absatz 1 Nummer 3 oder Nummer 4, Absatz 2 und 3 gelten nicht für Handlungen, die in Wahrnehmung überwiegender berechtigter Interessen erfolgen, namentlich der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dienen.

(5) Die Bildträger sowie Bildaufnahmegeräte oder andere technische Mittel, die der Täter oder Teilnehmer verwendet hat, können eingezogen werden. § 74a ist anzuwenden.

 

Auszug aus dem Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie (KunstUrhG)

§ 22

Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, daß er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt. Nach dem Tode des Abgebildeten bedarf es bis zum Ablaufe von 10 Jahren der Einwilligung der Angehörigen des Abgebildeten. Angehörige im Sinne dieses Gesetzes sind der überlebende Ehegatte oder Lebenspartner und die Kinder des Abgebildeten und, wenn weder ein Ehegatte oder Lebenspartner noch Kinder vorhanden sind, die Eltern des Abgebildeten.

§ 23

(1) Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden:

  1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte;
  2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen;
  3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben;
  4. Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient.

(2) Die Befugnis erstreckt sich jedoch nicht auf eine Verbreitung und Schaustellung, durch die ein berechtigtes Interesse des Abgebildeten oder, falls dieser verstorben ist, seiner Angehörigen verletzt wird.

 

Links zum Thema:

http://www.klicksafe.de/themen/datenschutz/grundlagenwissen/datenschutz-im-internet/das-recht-am-eigenen-bild/

http://www.rechtambild.de/2015/01/urheberrecht-vs-persoenlichkeitsrecht/

http://anwalt-im-netz.de/urheberrecht/recht-am-eigenen-bild.html

Vorlagen für Einverständniserklärungen:

www.saferinternet.at/fileadmin/files/Unterricht/FAQs_zum_Datenschutz_in_der_Schule.pdf

www.lo-recht.de/einwilligung-schueler.php