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Cyber-Mobbing an Schulen

Archiv für Juni 2015

Projekttag am Aachener Gymnasium

15. Juni 2015 | von

Impressionen Projekttage SoSe 2015Heute haben wir einen weiteren Projekttag an einem Aachener Gymnasium durchgeführt. Diesmal hatten sich 5 Studentinnen auf den Tag vorbereitet. Es ging wieder los mit dem Aufwärmspiel. Währenddessen kamen zwei Schüler leider zu spät, aber da die Übung leicht zu verstehen ist, konnten sie sich in den Stuhlkreis dazu setzen und direkt mitmachen. Danach folgte das Ampelspiel. Es dauerte ein wenig, bis alle Schülerinnen und Schüler mit den roten, gelben und grünen Karten versorgt waren, aber dann konnte es losgehen. Je nach Gefüge verläuft dieses Spiel in jeder Klasse recht unterschiedlich: So kann es auch vorkommen, dass die zehn vorgestellten Situationen nicht immer verständlich sind oder MitschülerInnen sich gegenseitig in ihrer Meinungsfindung beeinflussen. Letzeres fiel diesmal sehr ins Gewicht. Entsprechend war eine Diskussion der einzelnen Situationen nur schwer möglich und oftmals kam die Reaktion: „Das wäre mir egal, wenn mir das passieren würde.“ Hier wird deutlich, dass es den Schülerinnen und Schülern offensichtlich nicht leicht fällt, sich in solch eine Situation hineinzuversetzen. Leider haben die Studierenden auch die Impulse, die von der Klasse kamen, nicht adäquat aufgegriffen, um in eine vertiefende Diskussion einzusteigen.

Als Vorbereitung auf die Erstellung des Medienprodukts diente wieder der Kurzfilm von klicksafe. Im Anschluss an den Film „Let’s fight it together“ diskutierten wir mit den Schülern unterschiedliche Punkte. Eine Frage der Studierenden an die Klasse lautete: Was würdest Du tun, wenn Du Cybermobbing mitbekommst? Hierüber mussten die Schülerinnen und Schüler erst einmal nachdenken. Offensichtlich mussten sie erst einmal überlegen, wie sie tatsächlich reagieren würden.

Im Anschluss an die Vorführung des Films „Let’s fight it together“ diskutierten wir mit den Schülerinnen und Schülern unterschiedliche Punkte. Ausgewählte Aspekte haben wir uns notiert.

Frage der Studierenden an die Klasse: Warum hat Joe keinem erzählt, dass er gemobbt wird?

Antworten:

  • Vielleicht hatte er ja Angst, dass es noch schlimmer wird.
  • Die anderen haben ihn ja als „Streber“ beschimpft. Und wenn er dann zur Lehrerin geht, dann denken die ja noch mehr, dass er ein Streber ist.
  • Na ja, wenn er zu seiner Mutter geht, und ihr alles erzählt, dann geht die dann vielleicht direkt zur Lehrerin. Und das will er vielleicht nicht.

 

Frage der Studierenden an die Klasse: Warum macht Rob, der Mitschüler von Joe (dem Opfer), nicht mehr beim Mobbing mit?

Antworten:

  • Vielleicht macht er nicht mehr mit, weil er Joe doch noch mag.
  • Weil er sich Sorgen macht, dass Joe zur Lehrerin gehen könnte. Und er will ja keine Strafe bekommen.
  • Weil er eigentlich nicht wollte, dass das Mobbing so krass wird. Er hatte es ja nicht mehr unter Kontrolle.

 

Frage der Studierenden an die Klasse: Was würdest Du tun, wenn Du Cybermobbing mitbekommst?

Antworten:

  • Wenn es ein guter Freund von mir ist, der sich auch für mich einsetzen würde, dann würde ich ihm irgendwie helfen. Aber wenn es kein guter Freund ist, weiß ich nicht genau, was ich machen würde.
  • Ja, für einen guten Freund würde ich was machen. Aber wenn ich denjenigen nicht gut kenne, eher nicht. Ich will ja nicht selber reingeraten.
  • Wenn sowas in meiner Klasse passiert, würde ich schon irgendwie helfen.
  • Ich würde erst mal mit dem Opfer reden. Und dann gemeinsam überlegen, was man tun kann. Aber vielleicht ist es ja auch nicht so schlimm.
  • Ich würde zu unserer Schulsozialarbeiterin gehen.

 

Den Arbeitsauftrag „Findet eine positive Lösung!“ konnten letztendliche alle Gruppen gescheit umsetzen, auch wenn einzelne Gruppen Startschwierigkeiten hatten. Allzu viel Zeit ging in diesen Gruppen in Diskussionen verloren, die eigentlich nicht zielführend waren. Aber letztendlich konnten alle Gruppen ein recht gutes Ergebnis präsentieren. Die Geschichten der Gruppen kurz zusammengefasst:

Gruppe 1 „Die Neue“: eine neue Mitschülerin kommt in die Klasse, sie freundet sich direkt mit Joe an und stellt sich gegen die Mobber

Gruppe 2 „Joe’s Story“: Joes Mutter redet mit der Lehrerin, nachdem sie das Video entdeckt hat; die Lehrerin führt ein klärendes Gespräch mit Kim (der Mobberin) und daraufhin entschuldigt sie sich bei Joe

Gruppe 3 „Die Versöhnung“: Joes Mutter geht direkt zur Polizei; der Polizist spricht mit den Mobbern; die Mobber entschuldigen sich bei Joe

Gruppe 4 „Let’s fight it together“: Kim entschuldigt sich bei Joe und löscht die Webseite mit den Beleidigungen

Gruppe 5 „Joe’s Rettung“: ein neuer Lehrer kommt in die Schule und löst das Cybermobbing-Problem

 

Parallel haben die Schülerinnen und Schüler noch Plakate erstellt. Leider fehlte uns am Ende die Zeit, um die Plakate noch im Plenum zu präsentieren. Aber wir haben sie dem Klassenlehrer übergeben, damit er sie im Unterricht mit den Kindern besprechen kann.

Autoren: Thorsten Junge und Christiane Rust

Projekttage im Sommersemester 2015 – Halbzeit

12. Juni 2015 | von

Am gestrigen Donnerstag haben wir den dritten Projekttag des aktuellen Durchgangs absolviert. Somit können wir gerade „Halbzeit“ feiern, denn nun folgen nur noch drei weitere Termine mit drei weiteren Studierendengruppen.

In diesem Semester haben wir unseren Studierenden deutlich mehr Material an die Hand gegeben als in den ersten beiden Durchgängen. Sie sollten von unseren Erfahrungen profitieren und nicht das „Rad neu erfinden“ müssen. Dies hatte aber bislang zur Folge, dass sich die Konzepte der Studierendengruppen sehr ähneln. Aber in der Durchführung zeigen sich Unterschiede zwischen den Studierendengruppen (z.B. hinsichtlich der inhaltlichen Vorbereitung und des Engagements).

Bei der Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern konnten wir an den ersten drei Tagen feststellen, dass sich zwei Entwicklungslinien fortsetzen, die sich bereits an den Projekttagen in den letzten Semestern angedeutet hatten. So sind die Schülerinnen und Schüler gut über das Phänomen „Cybermobbing“ informiert und sie können auf Nachfrage auch die wesentlichen Unterschiede zum „traditionellen“ Mobbing benennen. Auch die möglichen Auswirkungen für das Opfer sind den meisten geläufig. Hinsichtlich der (rechtlichen) Konsequenzen für die Täter gibt es jedoch mitunter noch Unsicherheiten.

Hinsichtlich der Mediennutzung zeichnet sich weiter ein Trend ab,der auch schon in der aktuellen JIM-Studie zum Ausdruck kam. In den von uns besuchten Klassen war Facebook nicht das dominierende Kommunikationsmedium. Diese Rolle scheint WhatsApp übernommen zu haben. Für die Auseinandersetzung mit Cybermobbing ist diese Veränderung durchaus von Bedeutung. Denn hierdurch verlagern sich auch Mobbing-Aktivitäten in einen halb-öffentlichen Bereich. Diffamierende Aktionen (z.B. Nachrichten oder Bilder) werden vermutlich nun eher in der geschlossenen WhatsApp-Gruppe verschickt und nicht via Facebook-Pinnwand verbreitet. Dadurch entziehen sich solche Aktionen natürlich auch etwas stärker dem Wahrnehmungsbereich der Erwachsenen (insb. der Eltern) aber es verringert vielleicht auch das (eigentlich unbeteiligte) Publikum.

Der von uns eingesetzte Film „Let’s fight it together“ erweist sich weiterhin als gewinnbringend. Angeleitet durch die Moderation der Studierenden können die Schülerinnen und Schüler hier vielfältige Anknüpfungspunkte für die Diskussion finden und es werden auch Reflektionsprozesse initiiert. Teilweise haben wir den Kurzfilm sogar 2x geschaut und für den zweiten Durchgang eine spezifische Aufgabenstellung formuliert. Unsere Leitfragen für die Diskussion lauten beispielsweise:

– Wodurch wurde die Mobbing-Situation in dem Film ausgelöst? Handelt es sich hierbei um einen „nachvollziehbaren“ Grund?

– Welche Auswirkungen kann man bei dem Opfer erkennen?

– Warum nimmt das Opfer („Joe“) die angebotenen Hilfestellungen nicht an? Warum schweigt er gegenüber seiner Familie und den Lehrern?

– Warum mischen sich keine Freunde ein?

– Wie kann das Opfer die Situation lösen?

Wir nutzen den Film auch, um direkt mit unser „iPad-Übung“ anzuknüpfen. Den Arbeitsauftrag, in einer Foto-Story ein positives Ende für den Film zu finden, verstehen die Schülerinnen und Schüler leicht und sie können ihn auch umsetzen. Allerdings erfordert die Entwicklung einer Fortsetzung in Kleingruppen auch Konzentration, was nicht allen so leicht fällt. Auch unsere Studierenden, die die Kleingruppen ja bei der Anfertigung eines Storyboards unterstützen, geraten z.T. kurzzeitig an ihre Grenzen, wenn einzelne Kinder allzu impulsiv sind und nicht „bei der Sache sind“. Aber nach meinem Empfinden sind gerade diese Situationen eine gute Vorbereitung für den späteren Lehrerberuf. Schließlich werden sie es auch im späteren Berufsalltag mit vielen verschiedenen Schülerpersönlichkeiten zu tun haben.

Tablet-PCs sind zwar intuitiv bedienbar und auch die von uns verwendete App „ComicLife“ ist leicht verständlich, aber wir nehmen uns dennoch die Zeit und erklären Einzelnen die unterschiedlichen Funktionen. Wir nennen dies gegenüber den Kindern „Technik-Schulung“, was dem Ganzen eine größere Bedeutung verleiht. Aber es wird jedes Mal schnell deutlich, dass die meisten Schülerinnen und Schüler am liebsten „drauf los“ probieren möchten. Sobald sie die Tablets in der Hand haben, leidet ihre Fokussierung und der erklärende Student hat manchmal Mühe, sie auf den jeweils nächsten Schritt („Jetzt schauen wir uns an, wie man eine Sprechblase einfügt…“) zu lenken. Aber hiervon abgesehen ist es schon beeindruckend, wie mühelos die Heranwachsenden mit den Tablets umgehen. Klar, es gibt im weiteren Prozess durchaus mal Schwierigkeiten, wenn es heißt, ein Bild richtig zu positionieren oder bei einem Foto auf Schärfe und Licht zu achten. Aber insgesamt kommen sie mit der Technik gut zurecht.

Die Foto-Storys sollen ein positives Ende für den Cybermobbing-Fall darstellen. Meistens besteht die Lösung darin, dass sich die Schülerinnen und Schüler an einen Lehrer ihres Vertrauens wenden, um sich aus der unangenehmen Situation zu befreien. Für die Mobber hat dies dann entweder ein ernstes Gespräch oder sogar einen Verweis von der Schule zur Folge. Aber häufig besteht die Lösung auch darin, sich bei dem Opfer zu entschuldigen. Vielen Heranwachsenden ist es also wichtig, dass am Ende wieder Harmonie herrscht!

Den Abschluss stellt immer eine kurze Feedback-Runde dar. Dabei kommt eigentlich durchweg eine positive Resonanz hervor. Den meisten Schülerinnen und Schülern hat der Tag gefallen, viele finden das Thema auch sehr wichtig und die Arbeit mit den Tablets kommt durchweg gut an.

Jetzt bleibt uns nur noch, uns auf die nächsten drei Projekttage zu freuen. Ich bin schon gespannt, welche Ideen die weiteren Studierendengruppen haben und wie die Klassen dies umsetzen. Wir werden an dieser Stelle darüber berichten.

Autor: Thorsten Junge