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Cyber-Mobbing an Schulen

Archiv für Juli 2016

Projekttage im Sommersemester 2016 – gut informierte SchülerInnen

05. Juli 2016 | von

Nachdem wir uns im Wintersemester eine Auszeit gegönnt haben, um uns anderen Projekten/Themen zuzuwenden, haben wir im Sommersemester 2016 erneut unser Projektseminar „Lehrer in der digitalen Welt“ mit der Unterstützung von Aachener Schulen 5 Projekttage zum Thema Cybermobbing dRollenspiel_Let's fight it togetherurchgeführt. Wie gewohnt haben unsere Lehramtsstudierenden unter unserer Anleitung hierfür ein Konzept entwickelt und sie waren entsprechend auch für die Absprachen mit unseren Kooperationspartnern sowie die konkrete Durchführung verantwortlich. Als Dozenten agierten wir unterstützend im Hintergrund.

Resümierend können wir feststellen, dass das Projekt weiterhin erfolgreich verläuft. An allen Schulen wurde uns das Gefühl vermittelt,
uns gerne wiederzusehen und wir wurden mehrfach gefragt, ob und inwieweit in den kommenden Semestern eine Fortsetzung möglich ist. Dies zeigt einerseits, dass wir mit unserem Konzept „richtig“ liegen, und andererseits scheint Cybermobbing weiterhin ein aktuelles Phänomen zu sein. In einigen Klassen, mit denen wir gearbeitet haben, gab es in der Vergangenheit auch schon entsprechende Vorfälle. Hoffentlich konnten wir einen Beitrag dazu leisten, dass dies in den folgenden Schuljahren nicht mehr vorkommt.

Bei der Arbeit mit den SchülerInnen ist deren umfassender Kenntnisstand zum Thema aufgefallen. Über die unterschiedlichen Arten des Cybermobbings, die möglichen Auswirkungen für die Opfer und die Unterschiede zum klassischen Mobbing konnten die Heranwachsenden ausführlich Auskunft geben. Lediglich mit den strafrechtlichen Konsequenzen für die Täter(gruppen) waren sie weniger informiert. Insofern war es gut, dass etliche Studierendengruppen dieses Thema auf der Agenda hatten. Den meisten gelang es dabei gut, die juristischen Paragraphen so zu präsentieren, dass sie für Kinder verständlich sind.

Neben einer rechtlichen Aufklärung und einer Mahnung vor den möglichen strafrechtlichen Konsequenzen war es allen Gruppen aber auch wichtig, die Empathie der SchülerInnen dahingehend zu fördern, dass sie sich in die Rolle des Opfers einfühlen können. Es geht ja vorrangig darum, zu verstehen, was man mit Beleidigungen im Internet, mit der Verbreitung von peinlichen Videos oder Bildern und der IMG_0485Verbreitung von Gerüchten bei den Betroffenen bewirkt. Als Diskussionsgrundlage zu diesem wichtigen Punkt haben alle Gruppen den Film „Let’s fight it together“ verwendet. Es hat sich erneut gezeigt, dass man mit einer guten Moderation – durchgeführt von den Studierenden – sehr viel aus diesem kurzen Videoclip ziehen kann. Er dient uns nicht nur als Vorbereitung für die Erstellung des Medienprodukts (fast alle Gruppen knüpften inhaltlich hieran an), sondern liefert auch viele Impulse für eine anregende Diskussion. Gleichzeitig müssen wir sagen, dass wir als Dozenten auf der Suche nach neuem Material sind, weil wir die Geschichte von Joe jetzt schon mehreren Semestern verwenden und sehr gut einen neuen Impuls gebrauchen könnten. 😉 Aber das ist eine Überlegung für das neue Semester.

Neben dem Film wurden auch verschiedene Übungen eingesetzt, um die Empathie zu fördern. In unseren Seminaren hatten wir vorab verschiedene Übungen präsentiert, auf die unsere Studierenden dann zurückgreifen konnten. Hinsichtlich der konkreten Umsetzung gab es dann individuelle Ausprägungen. Verwendet wurden u.a. die Barometer-Übung (Positionierung zu einem bestimmten Thema), das Ampelspiel (mit farbigen Karten wird die Bewertung von Cybermobbing-Situationen aufgezeigt), die Ballastübung (schwere Steine symbolisieren die emotionale Belastung aufseiten der Opfer) sowie in eigener Konzeptionierung eine Variante von 1-2-oder-3. Letzteres wurde leider vorab nicht mit uns abgesprochen, sodass wir im Vorfeld keinen positiven EiIMG_0483nfluss auf die Ausgestaltung nehmen konnten.

Eigentlich können wir auch in diesem Jahr wieder ein ähnliches Fazit ziehen wie in den vorangegangenen Projekttagen. Insgesamt war es ein effektiver Durchgang und das Meiste hat gut funktioniert. Wir haben viele kompetente Studierende erlebt. Die Kinder, die uns einen Tag erlebt haben, haben etwas bzw. Neues über das Thema Cybermobbing lernen können und wir haben Impulse für Reflektionsprozesse geliefert. Etliche Lehrkräfte waren an unserer Arbeit und an der Gestaltung des Projekttags interessiert. Vielleicht haben wir ja auch in dieser Richtung Impulse setzen können. Leider galt dies nicht für alle , die uns an den jeweiligen Tagen – zumindest für einzelne Stunden – zur Seite standen. Aber dies hängt vielleicht auch mit dem knappen Zeitbudget zusammen. Auch die Absprachen, die im Vorfeld notwendig sind, verliefen nicht in allen Fällen wie gewünscht. Teilweise fehlten uns wichtige Informationen oder es stand morgens kein Ansprechpartner zur Verfügung. Die Kommunikation in Schulen scheint mitunter etwas schwierig zu verlaufen oder es werden andere Kanäle als in der Hochschule verwendet. Wirklich erfreulich sind die Kontakte zu den Lehrerinnen und Lehrern, die mit großem Engagement bei der Sache sind und auch an der Lebenswelt der Kinder großes Interesse zeigen. Für unsere Studierenden ist es zudem immer hilfreich, am Ende des Tages von einem erfahrenen Kollegen ein Feedback zu bekommen.

Die Gestaltung und Durchführung eines kompletten Projekttags bietet den Studierenden umfassende Praxiserfahrungen, was nach unserer Einschätzung ein sehr wertvolles Element im Rahmen der Lehramtsausbildung darstellt. Die Rückmeldungen unserer TeilnehmerInnen zIMG_0481eigen auch, dass sie dies so wahrnehmen. So konnten einzelne Studierenden für sich feststellen, dass sie sich in der Rolle als Lehrkraft wohl fühlen. Zudem wurden sicherlich auch noch einmal Aspekte deutlich, an denen vor dem Schuleintritt zu arbeiten ist. Als erfahrene Dozenten machten wir erneut die Erfahrung, dass insbesondere die Gestaltung eines strukturierten Unterrichtsgesprächs eine komplexe Herausforderung darstellt. Es genügt nämlich nicht, „nur“ für die nötige Ruhe und eine konstruktive Arbeitsatmosphäre zu sorgen. Hinzu kommt die Aufgabe, passende und gut zu beantwortende Fragen zu formulieren und Impulse von den SchülerInnen adäquat aufzugreifen. Hier gab es mehrere Situationen, in denen spannende Aussagen der Heranwachsenden nicht aufgriffen wurden, um in einen vertiefenden Diskurs zu gelangen. Dies ist schade, weil somit Potenziale ungenutzt blieben. Gleichzeitig ist es geboten, sich in solchen Momenten als begleitender Dozent zurückzuhalten. Schließlich dient dieser Projekt auch der Erprobung, sodass es wenig sinnvoll erscheint, wenn man als Dozent wie ein behütender „Papa Schlumpf“ permanent eingreift und den Studierenden das Wort und somit die Regie entnimmt. Trotz entsprechender Vorsätze gelingt dies nicht durchgehend, was von einzelnen Studierenden auch kritisch zurückgemeldet wurde. Dieses Feedback ist wichtig, um auch die Rolle als Dozent/Coach zu reflektieren.

Wenn mIMG_0450an auf die angehenden Lehrkräfte fokussiert, so muss man ein gemischtes Fazit ziehen. Während viele TeilnehmerInnen eine sehr engagierte Mitarbeit zeigten und ihre Fähigkeit als Lehrperson anschaulich demonstrierten, wirkten einzelne Studierende weniger gut vorbereitet bzw. vereinzelt zeigte sich eine geringe Festigkeit als Lehrerpersönlichkeit. Eine gute Mitarbeit zeichnete sich bspw. dadurch aus, dass die Studierenden sich gut mit dem Thema auskannten und auch die iPads beherrschten. Mit den SchülerInnen hatten diese auch einen guten Kontakt und suchten ebenso den direkten Austausch mit ihnen. Demgegenüber absolvierten die eher unsicheren Studierenden ihren jeweiligen Part, um sich im weiteren Verlauf des Tages eher zurückzuziehen.

Eine Wahrnehmung bleibt weiterhin bestehen: es ist überaus faszinierend, mit welcher Selbstverständlichkeit die Kinder die Medienprodukte (Kurzfilm oder Fotogeschichte) erstellen. Mit den iPads gehen sie souverän, verantwortungsbewusst und zielorientiert um. Abgesehen von wenigen Gruppen, die am Ende mit der Zeit nicht ganz auskommen, können alle Schülergruppen am Ende des Tages ein respektables Ergebnis präsentieren. Vergegenwärtigt man sich die Kürze der Zeit, ist das überaus bemerkenswert!

„Intern“ hat uns gefreut, dass wir mit unserem neuen Team-Mitglied Falk Itzerodt einen weiteren Akteur bei den Projekttagen begrüßen konnten. Mit seiner Erfahrung als Lehrkraft kann er unsere Konzeption sicherlich noch bereichern.

Autor: Thorsten Junge