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Cyber-Mobbing an Schulen

Rückmeldung einer Schülerin zum Projekttag

31. August 2015 | von

Während wir noch die gewonnenen Daten zu unserem Lehr- und Forschungsprojekt auswerten, hat uns eine Lehrerin nachträglich noch einmal kontaktiert. Sie hat in ihrer Klasse alle Kinder notieren lassen, was er/sie von dem Tag mitgenommen hat. Und sie war durchaus erstaunt „wie viel viele SuS in nur 10 Min. aufgeschrieben haben und wie reflektiert viele Beiträge waren“. Außerdem haben sich die Schülerinnen und Schüler positiv darüber geäußert, dass jemand von außen und junge Leute den Projekttag geleitet haben.

Einen Text hat uns die Lehrerin zugeschickt und die Schülerin ist damit einverstanden, dass wir ihre Überlegungen hier im Weblog vorstellen:

„Cybermobbing – Was habe ich gelernt und was werde ich für mein Leben mitnehmen?

Ich habe gelernt, was Cybermobbing ist und wie leicht man so was hinnimmt, obwohl noch so viel mehr dazu gehört, als die Beleidigung, die unter einem Bild
steht. Ich habe gelernt, offen mit dem Thema umzugehen, mich zu äußern, zu reden, zu helfen, einfach sich dem Sog des Gruppenzwangs zu entziehen. Es ist
egal, was andere denken. Das Schlimmste ist nicht mal der Kommentar, sondern die Geschichte dazu. Gründe, die der Mensch in sich trägt und die Last, denn mit jedem weiteren Mal verschließt sich der Mensch ein bisschen mehr. Es ist ein Schicksal, ein Teufelskreis, der einen schlussendlich zerstört, bis einem alles
hoffnungslos erscheint. Doch ich nehme aus diesem Tag, dass es immer eine Lösung gibt. Irgendein Mensch hat das selbe Schicksal, die selben Schmerzen und
die selbe Wut. Ein Mensch der genau das selbe durchmacht. Doch es gibt immer einen Weg der am Aufgeben vorbeiführt, also lohnt es sich zu kämpfen. Ich habe
hinter die Kulissen geschaut, versucht zu verstehen, was in so einer Situation für Emotionen, Enttäuschungen und Ängste eine Rolle spielen. Ich wollte mich in die Rolle hineinführen. Es ging nicht, weil solch ein Schicksal, das muss man erleben um zu verstehen was in diesen Menschen vorgeht. Wir wissen nicht ansatzweise, wie man sich fühlt, bloß unsere Fantasie lässt uns vielleicht einen kleinen Teil so eines Menschen verstehen. Ich denke einen Jeden prägt so etwas. Man glaubt gar nicht, wie schnell man auch in so eine Situation hinein geraten kann. Mit jeder Situation wird das Staunen und das Entsetzen von uns größer. Doch würden wir wirklich helfen können beziehungsweise WOLLEN?!
Die einzige Frage, auf die uns der Tag keine Antwort gegeben hat, weil ein jeder von uns anders denkt.
Doch wenn ich mich wirklich gedanklich damit auseinander setze fällt mir auf, man kann immer helfen, wenn der Wille da ist. Deswegen nehme ich aus diesem Tag nicht nur das Thema Cybermobbing mit. Nein, in meinem Kopf hat sich noch viel mehr bewegt. Ich denke über die Freiheit eines Menschen nach, an die Ehre, die ein jeder Mensch verdient hat und an den Respekt. Und sage deshalb: Sachen passieren, sieh zu den Leuten, die immer zu Dir halten, behandle sie wie Schätze und lebe dein Leben und wenn dich jemand blöd anmacht, lach zurück, denn das Niveau ist nicht dein Niveau.“

 

Abschluss im Sommersemester

17. Juli 2015 | von

Nachdem sämtliche Projekttage in diesem Semester bewältigt waren, kamen wir nun wieder in unseren Kursen zu einer regulären Seminarsitzung zusammen. Der abschließende Austausch mit den Studierenden sollte zeigen, welche Erfahrungen gesammelt wurden. Alle erhielten die Gelegenheit, den anderen Studierenden von ihrem Projekttag zu berichten und es konnten auch Rückmeldungen zum Konzept des Seminars und der Arbeit des Dozenten-Teams gegeben werden.

Es äußerten sich zwar in beiden Seminargruppen nicht alle Studierenden, aber das Feedback war durchweg positiv („Projekttag war super-interessant“; „total klasse“; „mega-gut“). Für viele war es eine wertvolle Erfahrung, einen Projekttag zum Thema Cybermobbing durchzuführen und es „war schön, einmal an der Schule zu sein“. Die Befürchtung, wir würden im Seminar „zu viel Theorie“ behandeln, hat sich nach Aussage einer Studentin „glücklicherweise nicht bewahrheitet“. Eine andere Teilnehmerin musste jedoch resümierend feststellen, dass es auch nach unserem Seminar für sie „keine konkreten und einfachen Lösungen für Cybermobbing“ gebe. Hierzu passt auch ein weiterer Kommentar, wonach an einem einzigen Projekttag lediglich Aufklärungsarbeit geleistet werden könne, „der Rest muss dann im Klassenverband passieren“. Vermutlich hat sie damit nicht Unrecht, denn das weitere Geschehen an den Schulen können wir tatsächlich nicht beeinflussen. Aber einzelne Studierende zeigten sich auch überzeugt davon, in ihrem späteren Berufsleben als Lehrer mit dem Thema konfrontiert zu werden, sodass unser Seminar „eine gute Vorbereitung“ war.

Mehrheitlich positiv äußerten sich unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die beteiligten Schülerinnen und Schüler. Es sei interessant gewesen, welche Ideen diese zum Thema einbringen und wie reflektiert sie teilweise schon gewesen seien. Die meisten seien auch interessiert, aufgeweckt und „sehr wach“ gewesen. In den Kleingruppengesprächen waren viele Schülerinnen und Schüler anscheinend gegenüber unseren Studierenden „ziemlich offen“ und hatten „keine Scheu“. So konnte man auch mit ihnen über ihr Mediennutzungsverhalten sprechen und verschiedene Aspekte reflektieren. Selbst über das neue Phänomen YouNow konnte mit den Schülerinnen und Schülern gesprochen werden, auch wenn (nach eigener Aussage) niemand selber in diesem Portal streamt, sondern sich lediglich ab und zu mal etwas anschaut. Schon beim Warm-Up haben einzelne Studierende spannende Eindrücke über die gruppendynamischen Bezüge innerhalb der Klasse wahrgenommen und festgestellt, dass die Heranwachsenden über viel Vorwissen zum Thema Cybermobbing verfügen. Die Rückmeldungen unserer Studierenden lassen jedoch darauf schließen, dass dies bei den Lehrkräften nicht durchweg der Fall ist. Es wurde berichtet, dass in Gesprächen mit Lehrerinnen und Lehrer deutlich wurde, dass ihnen neue Phänomene wie YouNow unbekannt sind. Aber v.a. die jüngeren Lehrkräfte schienen an dem Thema interessiert zu sein. Dies war zumindest der Eindruck unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Einzelne Studierende mussten jedoch auch die Erfahrung machen, dass die Klassen „lauter waren als gedacht“. Dies wurde u.a. auf die „Besonderheiten der Pubertät“ zurückgeführt, woraus eine gewisse Unruhe der Heranwachsenden resultiert. Aufgrund anderer Erwartungen wurden die wahrgenommenen „Disziplinprobleme“ als durchaus „erschreckend empfunden“. Insbesondere die Wirkungslosigkeit mehrfacher Ermahnungen irritierte die Lehramtsstudierenden. Ob dies vorrangig daran lag, dass wir lediglich einen einizigen Tag mit den Klassen verbracht haben und deshalb nicht als Respektsperson wahrgenommen wurden, blieb letztendlich offen. Als Reaktion berichtete eine Studentin den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern davon, wie sie eine Sportübung in den Projekttag integriert hat, um die entstandene Unruhe aufzulösen. Es zeigte sich aber auch, dass die Wahrnehmung durchaus unterschiedlich war, denn ein anderes Gruppenmitglied empfand die beschriebene Klasse „als weniger schlimm“ und betonte, es sei eher schwierig gewesen, die Schülerinnen und Schüler „ihrer Kreativität zu bremsen“.

In diesem Semester bestanden die studentischen Kleingruppen aus 4 bis 6 Personen. Dies wurde in den Feedbacks als Schwierigkeit benannt. Zum einen war die Planung im Vorfeld dadurch etwas komplexer, weil der Abstimmungsprozess nicht so einfach war. Zu viele verschiedene Vorstellungen und Meinungen mussten in einer Gruppe in Einklang gebracht werden und die Kompromisslösung schien nicht allen Gruppenmitgliedern zu gefallen. Und zum anderen waren auch Absprachen während des Tages schwieriger zu organisieren. Insbesondere bei „spontanen Improvisation gab es Probleme mit der Absprache, weil nicht klar war, wer, wann improvisiert“ (klassische Form von diffusion of responsibility) und bei Moderationen gab es ebenfalls Abstimmungsschwierigkeiten. Darüber hinaus waren angesichts der räumlichen Bedingungen zu viele Personen im Raum (z.B. bei Gesprächen im Stuhlkreis). Wir greifen diese Hinweise als Dozenten-Team gerne auf, da wir die Gruppengröße ebenfalls als Problem wahrgenommen haben. Mitunter mangelte es dem einzelnen Akteur an dem notwendigen Verantwortungsbewusstsein, eine Situation aufzulösen, weil schließlich noch 4 bis 5 andere Gruppenmitglieder ihrerseits reagieren könnten. Ist die Gruppe kleiner nimmt zwar auch der jeweils zu bewältigende Arbeitsaufwand zu, aber der Aktivitätsgrad steigt dadurch auch.

Die Zusammenarbeit mit den Schulen war eine grundlegende Voraussetzung für den Erfolg unseres Projektseminars. Und in den meisten Fällen hat dies auch gut bis sehr gut funktioniert, sodass wir den beteiligten Schulen für ihre Kooperation danken müssen. Als Problem erwies sich aber nach Auskunft der Studierenden mitunter die Kommunikation der Studentengruppen mit den Schulen. Einzelne Studierende berichteten davon, dass Anfragen per Mail nicht oder sehr spät beantwortet wurden oder wichtige Informationen (z.B. zu Mobbingfällen innerhalb der Klasse) nicht weitergeleitet wurden. So fehlten in einer Klasse mehrere Schüler, was vorab nicht kommuniziert worden war. Teilweise wurden die Lehrkräfte auch gebeten, sich im Vorfeld Gedanken über die Gruppeneinteilung zu machen, damit arbeitsfähige und sozial verträgliche Kleingruppen gebildet werden können. Dies hat nach Auskunft unserer Studierenden teilweise nicht funktioniert, sodass Schülerinnen und Schüler miteinander arbeiten mussten, die sich nicht leiden können oder es wurden „schwierige“ Schüler in eine gemeinsame Gruppe eingeordnet, was ungünstige gruppendynamische Effekte verursachte. Wenn die Lehrerinnen und Lehrer eine bedachte Gruppeneinteilung vornahmen, verlief der Projekttag mit diesen Klassen deutlich besser.

Die Stufe der teilnehmenden Klassen variierte zwischen der siebten und der neunten Klasse. Eine Studentin gab uns hierzu die Rückmeldung, dass nach ihrer Einschätzung die 9.-Klässler schon zu alt für einen solchen Projekttag wären. Sie sei sich nicht sicher, ob unser Workshop „tatsächlich was hinterlassen hat“, denn „einige haben es nicht Ernst genommen“. Sie beschrieb ergänzend Probleme aus ihrer Kleingruppe, die nach ihrer Einschätzung vom Klassenlehrer schlecht zusammengestellt wurde. Es handelte sich – ihrer Beschreibung folgend – eher um Außenseiter in der Klasse und ein weiterer (offensichtlich beliebter) Schüler wurde hinzu gelost. Diese Vorgehensweise war anscheinend eher ungünstig für die Gruppendynamik. Offenbar wurde während der ersten Erarbeitungsphase ein wenig „gebockt“, es gab also Widerstände aufseiten einzelner Schüler. Ein Kommilitone ergänzte hierzu, dass er dies ähnlich wahrgenommen habe, aber durchaus als Lernaufgabe für sich gewertet hat. Nach seiner (etwas lapidaren) Einschätzung haben diese Kinder zwar teilweise „genervt“ und sie „brauchten eine klare Ansage“, aber insgesamt bewertete er den Arbeitsprozess positiv.

Eine Teilnehmerin äußerte auch ihr Bedauern darüber, dass die anwesenden Lehrkräfte nach ihrer Einschätzung „kaum Interesse“ zeigten. Es habe kaum Interaktion/Kommunikation mit ihnen gegeben. Dabei wäre der Projekttag eine gute Möglichkeit gewesen, um Erfahrungen und Tipps an die Studierenden weiterzugeben. Als störend wurde es auch empfunden, wenn die anwesenden Lehrkräfte den Projekttag für andere Aufgaben (z.B. Klausurkorrektur oder Bekanntgabe der mündlichen Noten) nutzten. Dies war glücklicherweise die Ausnahme und fand nur selten statt. Als Hinweis für uns Dozenten wurde uns auf den Weg mitgegeben, die Rahmung „Studenten-Schüler-Lehrer-Schule“ im Vorfeld zu verbessern.

Eine weitere Schwierigkeit stellte die zeitliche Planung dar. So hat eine Gruppe erst morgens erfahren, dass der Projekttag eine Stunde länger dauert, wodurch improvisiert werden musste. Einer anderen Gruppe fehlte am Ende des Tages die Zeit, um die fertiggestellten Plakate noch zu präsentieren. Dies wurde bedauert, weil die „Schüler da richtig viel Energie reingesteckt“ hätten. Aber sobald es klingelte, „stürmten alle raus“ und man konnte nicht länger arbeiten. Von einer Gruppe wurde die Idee formuliert, den Projekttag zeitlich auszudehnen oder sogar zwei Tage zu gestalten (1 Tag Theorie, 1 Tag Praxis). Generell mussten die Studierenden feststellen, dass die Heranwachsenden große Unterschiedliche hinsichtlich ihres Arbeitstempos aufweisen. Während einzelne Gruppen schon lange fertig waren, musste auf andere Gruppen sehr lange gewartet werden. Diejenigen, die das Medienprodukt bereits fertiggestellt hatten, mussten irgendwie beschäftigt werden. Hier konnten zwei Studierende den anderen berichten, wie sie mit improvisierten Spielen die Klasse beschäftigen konnten.

In unserem Kurs waren sowohl Studierende aus dem Studiengang „Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen“ als auch aus dem Studiengang „Lehramt an Berufskollegs“ aktiv. Für letztere war der Tag am Gymnasium zwar interessant, aber um Erkenntnisse für den eigenen Berufsweg zu erlangen, ist natürlich eine Transferleistung notwendig. Vor diesem Hintergrund wurde vorgeschlagen, die Projekttage auch an anderen Schulformen, v.a. an Berufskollegs, durchzuführen.

Für uns endet an dieser Stelle ein wichtiger Abschnitt des Projekts! Im nächsten Semester werden wir das Projektseminar in dieser Form nicht mehr anbieten. Eventuell erfolgt im Sommersemester 2016 ein Relaunch, aber das hängt auch von den Rahmenbedingungen an. Was nun folgt ist die Auswertung der gewonnenen Daten und die Reflektion unserer Erfahrungen. Es werden also durchaus noch weitere Beiträge in diesem Weblog folgen.

Autor: Thorsten Junge

Projekttag am Aachener Gymnasium

15. Juni 2015 | von

Impressionen Projekttage SoSe 2015Heute haben wir einen weiteren Projekttag an einem Aachener Gymnasium durchgeführt. Diesmal hatten sich 5 Studentinnen auf den Tag vorbereitet. Es ging wieder los mit dem Aufwärmspiel. Währenddessen kamen zwei Schüler leider zu spät, aber da die Übung leicht zu verstehen ist, konnten sie sich in den Stuhlkreis dazu setzen und direkt mitmachen. Danach folgte das Ampelspiel. Es dauerte ein wenig, bis alle Schülerinnen und Schüler mit den roten, gelben und grünen Karten versorgt waren, aber dann konnte es losgehen. Je nach Gefüge verläuft dieses Spiel in jeder Klasse recht unterschiedlich: So kann es auch vorkommen, dass die zehn vorgestellten Situationen nicht immer verständlich sind oder MitschülerInnen sich gegenseitig in ihrer Meinungsfindung beeinflussen. Letzeres fiel diesmal sehr ins Gewicht. Entsprechend war eine Diskussion der einzelnen Situationen nur schwer möglich und oftmals kam die Reaktion: „Das wäre mir egal, wenn mir das passieren würde.“ Hier wird deutlich, dass es den Schülerinnen und Schülern offensichtlich nicht leicht fällt, sich in solch eine Situation hineinzuversetzen. Leider haben die Studierenden auch die Impulse, die von der Klasse kamen, nicht adäquat aufgegriffen, um in eine vertiefende Diskussion einzusteigen.

Als Vorbereitung auf die Erstellung des Medienprodukts diente wieder der Kurzfilm von klicksafe. Im Anschluss an den Film „Let’s fight it together“ diskutierten wir mit den Schülern unterschiedliche Punkte. Eine Frage der Studierenden an die Klasse lautete: Was würdest Du tun, wenn Du Cybermobbing mitbekommst? Hierüber mussten die Schülerinnen und Schüler erst einmal nachdenken. Offensichtlich mussten sie erst einmal überlegen, wie sie tatsächlich reagieren würden.

Im Anschluss an die Vorführung des Films „Let’s fight it together“ diskutierten wir mit den Schülerinnen und Schülern unterschiedliche Punkte. Ausgewählte Aspekte haben wir uns notiert.

Frage der Studierenden an die Klasse: Warum hat Joe keinem erzählt, dass er gemobbt wird?

Antworten:

  • Vielleicht hatte er ja Angst, dass es noch schlimmer wird.
  • Die anderen haben ihn ja als „Streber“ beschimpft. Und wenn er dann zur Lehrerin geht, dann denken die ja noch mehr, dass er ein Streber ist.
  • Na ja, wenn er zu seiner Mutter geht, und ihr alles erzählt, dann geht die dann vielleicht direkt zur Lehrerin. Und das will er vielleicht nicht.

 

Frage der Studierenden an die Klasse: Warum macht Rob, der Mitschüler von Joe (dem Opfer), nicht mehr beim Mobbing mit?

Antworten:

  • Vielleicht macht er nicht mehr mit, weil er Joe doch noch mag.
  • Weil er sich Sorgen macht, dass Joe zur Lehrerin gehen könnte. Und er will ja keine Strafe bekommen.
  • Weil er eigentlich nicht wollte, dass das Mobbing so krass wird. Er hatte es ja nicht mehr unter Kontrolle.

 

Frage der Studierenden an die Klasse: Was würdest Du tun, wenn Du Cybermobbing mitbekommst?

Antworten:

  • Wenn es ein guter Freund von mir ist, der sich auch für mich einsetzen würde, dann würde ich ihm irgendwie helfen. Aber wenn es kein guter Freund ist, weiß ich nicht genau, was ich machen würde.
  • Ja, für einen guten Freund würde ich was machen. Aber wenn ich denjenigen nicht gut kenne, eher nicht. Ich will ja nicht selber reingeraten.
  • Wenn sowas in meiner Klasse passiert, würde ich schon irgendwie helfen.
  • Ich würde erst mal mit dem Opfer reden. Und dann gemeinsam überlegen, was man tun kann. Aber vielleicht ist es ja auch nicht so schlimm.
  • Ich würde zu unserer Schulsozialarbeiterin gehen.

 

Den Arbeitsauftrag „Findet eine positive Lösung!“ konnten letztendliche alle Gruppen gescheit umsetzen, auch wenn einzelne Gruppen Startschwierigkeiten hatten. Allzu viel Zeit ging in diesen Gruppen in Diskussionen verloren, die eigentlich nicht zielführend waren. Aber letztendlich konnten alle Gruppen ein recht gutes Ergebnis präsentieren. Die Geschichten der Gruppen kurz zusammengefasst:

Gruppe 1 „Die Neue“: eine neue Mitschülerin kommt in die Klasse, sie freundet sich direkt mit Joe an und stellt sich gegen die Mobber

Gruppe 2 „Joe’s Story“: Joes Mutter redet mit der Lehrerin, nachdem sie das Video entdeckt hat; die Lehrerin führt ein klärendes Gespräch mit Kim (der Mobberin) und daraufhin entschuldigt sie sich bei Joe

Gruppe 3 „Die Versöhnung“: Joes Mutter geht direkt zur Polizei; der Polizist spricht mit den Mobbern; die Mobber entschuldigen sich bei Joe

Gruppe 4 „Let’s fight it together“: Kim entschuldigt sich bei Joe und löscht die Webseite mit den Beleidigungen

Gruppe 5 „Joe’s Rettung“: ein neuer Lehrer kommt in die Schule und löst das Cybermobbing-Problem

 

Parallel haben die Schülerinnen und Schüler noch Plakate erstellt. Leider fehlte uns am Ende die Zeit, um die Plakate noch im Plenum zu präsentieren. Aber wir haben sie dem Klassenlehrer übergeben, damit er sie im Unterricht mit den Kindern besprechen kann.

Autoren: Thorsten Junge und Christiane Rust

Projekttage im Sommersemester 2015 – Halbzeit

12. Juni 2015 | von

Am gestrigen Donnerstag haben wir den dritten Projekttag des aktuellen Durchgangs absolviert. Somit können wir gerade „Halbzeit“ feiern, denn nun folgen nur noch drei weitere Termine mit drei weiteren Studierendengruppen.

In diesem Semester haben wir unseren Studierenden deutlich mehr Material an die Hand gegeben als in den ersten beiden Durchgängen. Sie sollten von unseren Erfahrungen profitieren und nicht das „Rad neu erfinden“ müssen. Dies hatte aber bislang zur Folge, dass sich die Konzepte der Studierendengruppen sehr ähneln. Aber in der Durchführung zeigen sich Unterschiede zwischen den Studierendengruppen (z.B. hinsichtlich der inhaltlichen Vorbereitung und des Engagements).

Bei der Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern konnten wir an den ersten drei Tagen feststellen, dass sich zwei Entwicklungslinien fortsetzen, die sich bereits an den Projekttagen in den letzten Semestern angedeutet hatten. So sind die Schülerinnen und Schüler gut über das Phänomen „Cybermobbing“ informiert und sie können auf Nachfrage auch die wesentlichen Unterschiede zum „traditionellen“ Mobbing benennen. Auch die möglichen Auswirkungen für das Opfer sind den meisten geläufig. Hinsichtlich der (rechtlichen) Konsequenzen für die Täter gibt es jedoch mitunter noch Unsicherheiten.

Hinsichtlich der Mediennutzung zeichnet sich weiter ein Trend ab,der auch schon in der aktuellen JIM-Studie zum Ausdruck kam. In den von uns besuchten Klassen war Facebook nicht das dominierende Kommunikationsmedium. Diese Rolle scheint WhatsApp übernommen zu haben. Für die Auseinandersetzung mit Cybermobbing ist diese Veränderung durchaus von Bedeutung. Denn hierdurch verlagern sich auch Mobbing-Aktivitäten in einen halb-öffentlichen Bereich. Diffamierende Aktionen (z.B. Nachrichten oder Bilder) werden vermutlich nun eher in der geschlossenen WhatsApp-Gruppe verschickt und nicht via Facebook-Pinnwand verbreitet. Dadurch entziehen sich solche Aktionen natürlich auch etwas stärker dem Wahrnehmungsbereich der Erwachsenen (insb. der Eltern) aber es verringert vielleicht auch das (eigentlich unbeteiligte) Publikum.

Der von uns eingesetzte Film „Let’s fight it together“ erweist sich weiterhin als gewinnbringend. Angeleitet durch die Moderation der Studierenden können die Schülerinnen und Schüler hier vielfältige Anknüpfungspunkte für die Diskussion finden und es werden auch Reflektionsprozesse initiiert. Teilweise haben wir den Kurzfilm sogar 2x geschaut und für den zweiten Durchgang eine spezifische Aufgabenstellung formuliert. Unsere Leitfragen für die Diskussion lauten beispielsweise:

– Wodurch wurde die Mobbing-Situation in dem Film ausgelöst? Handelt es sich hierbei um einen „nachvollziehbaren“ Grund?

– Welche Auswirkungen kann man bei dem Opfer erkennen?

– Warum nimmt das Opfer („Joe“) die angebotenen Hilfestellungen nicht an? Warum schweigt er gegenüber seiner Familie und den Lehrern?

– Warum mischen sich keine Freunde ein?

– Wie kann das Opfer die Situation lösen?

Wir nutzen den Film auch, um direkt mit unser „iPad-Übung“ anzuknüpfen. Den Arbeitsauftrag, in einer Foto-Story ein positives Ende für den Film zu finden, verstehen die Schülerinnen und Schüler leicht und sie können ihn auch umsetzen. Allerdings erfordert die Entwicklung einer Fortsetzung in Kleingruppen auch Konzentration, was nicht allen so leicht fällt. Auch unsere Studierenden, die die Kleingruppen ja bei der Anfertigung eines Storyboards unterstützen, geraten z.T. kurzzeitig an ihre Grenzen, wenn einzelne Kinder allzu impulsiv sind und nicht „bei der Sache sind“. Aber nach meinem Empfinden sind gerade diese Situationen eine gute Vorbereitung für den späteren Lehrerberuf. Schließlich werden sie es auch im späteren Berufsalltag mit vielen verschiedenen Schülerpersönlichkeiten zu tun haben.

Tablet-PCs sind zwar intuitiv bedienbar und auch die von uns verwendete App „ComicLife“ ist leicht verständlich, aber wir nehmen uns dennoch die Zeit und erklären Einzelnen die unterschiedlichen Funktionen. Wir nennen dies gegenüber den Kindern „Technik-Schulung“, was dem Ganzen eine größere Bedeutung verleiht. Aber es wird jedes Mal schnell deutlich, dass die meisten Schülerinnen und Schüler am liebsten „drauf los“ probieren möchten. Sobald sie die Tablets in der Hand haben, leidet ihre Fokussierung und der erklärende Student hat manchmal Mühe, sie auf den jeweils nächsten Schritt („Jetzt schauen wir uns an, wie man eine Sprechblase einfügt…“) zu lenken. Aber hiervon abgesehen ist es schon beeindruckend, wie mühelos die Heranwachsenden mit den Tablets umgehen. Klar, es gibt im weiteren Prozess durchaus mal Schwierigkeiten, wenn es heißt, ein Bild richtig zu positionieren oder bei einem Foto auf Schärfe und Licht zu achten. Aber insgesamt kommen sie mit der Technik gut zurecht.

Die Foto-Storys sollen ein positives Ende für den Cybermobbing-Fall darstellen. Meistens besteht die Lösung darin, dass sich die Schülerinnen und Schüler an einen Lehrer ihres Vertrauens wenden, um sich aus der unangenehmen Situation zu befreien. Für die Mobber hat dies dann entweder ein ernstes Gespräch oder sogar einen Verweis von der Schule zur Folge. Aber häufig besteht die Lösung auch darin, sich bei dem Opfer zu entschuldigen. Vielen Heranwachsenden ist es also wichtig, dass am Ende wieder Harmonie herrscht!

Den Abschluss stellt immer eine kurze Feedback-Runde dar. Dabei kommt eigentlich durchweg eine positive Resonanz hervor. Den meisten Schülerinnen und Schülern hat der Tag gefallen, viele finden das Thema auch sehr wichtig und die Arbeit mit den Tablets kommt durchweg gut an.

Jetzt bleibt uns nur noch, uns auf die nächsten drei Projekttage zu freuen. Ich bin schon gespannt, welche Ideen die weiteren Studierendengruppen haben und wie die Klassen dies umsetzen. Wir werden an dieser Stelle darüber berichten.

Autor: Thorsten Junge

 

 

 

Projektseminar Sommersemester 2015 – Blocktermin

27. Mai 2015 | von

Am letzten Samstag haben wir einen Blocktermin mit den TeilnehmerInnen unseres Projektseminars veranstaltet, um die anstehenden Projekttage an den Schulen zu planen. Obwohl es sich hierbei um das Pfingstwochenende handelte, waren alle Gruppen vollzählig.

Nachdem einige organisatorische Fragen geklärt waren, machten sich die Gruppen an die Arbeit. Es musste überlegt werden, auf welche inhaltlichen Schwerpunktsetzungen man sich einigen kann und welche Übungen mit den SchülerInnen durchgeführt werden. Im Vorfeld hatten wir ja bereits einige Methoden vorgestellt, an denen sich die Studierenden orientieren konnten.

Bei der Frage, welches Medienprodukt mit den SchülerInnen erstellt werden soll, gab es in den meisten Gruppen eine schnelle Einigung. Alle Gruppen entschieden sich für die Foto-Story als Medienprodukt. Möglicherweise befürchteten die Studierenden, dass es zu aufwendig sein könnte, mit den Kindern einen Kurzfilm zu drehen. Das ist durchaus schade, denn wir hatten in den zurückliegenden Semestern schon etliche Projekttage, an denen Kurzfilme gedreht wurden.

Es erwies sich zunächst einmal als herausfordernde Aufgabe, einen Zeitplan zu erstellen. Da die meisten Studierenden bislang noch keinen eigenständigen Projekttag konzipiert hatten und auch im Schulkontext nur wenig Erfahrungen im Zeitmanagement gesammelt haben, war oftmals unklar, wie viele Unterrichtseinheiten für das geplante Programm zu kalkulieren sind. Einzelne Gruppen hatten sich im Vorfeld zu viel vorgenommen. Wir konnten als Seminarleiter wertvolle Tipps geben, da wir schon in den vorangegangenen Semestern mehrere Projekttage durchgeführt haben. So haben wir die Empfehlung ausgesprochen, für die Erstellung der Foto-Story einen Block von 150 bis 180 Minuten einzuplanen. Auch wenn das iPad leicht zu bedienen ist und die schnelle Fertigstellung ermöglicht, müssen die Kinder im Vorfeld eine Geschichte entwickeln, Rollen verteilen, ein Storyboard erstellen, Fotos erstellen und auswählen, die Foto-Story mittels der App erstellen…   und am Ende soll ja noch genügend Zeit für die Präsentation der Ergebnisse bleiben.

Im Seminar hatten wir den Film „Let’s fight it together“ vorgestellt, der sich mit dem Thema „Cybermobbing“ auseinandersetzt. Offensichtlich bewerten unsere Studierenden diesen Kurzfilm sehr positiv und halten ihn für die Auseinandersetzung mit SchülerInnen geeignet. In allen Konzepten, die am letzten Samstag entwickelt wurden, kommt dieser Film zum Einsatz. Etliche Gruppen haben einen Arbeitsauftrag formuliert, wonach die SchülerInnen an die fiktive Geschichte von Joe anknüpfen sollen, um ein positives Ende zu finden.

Viel Zeit nahmen auch die konkreten Überlegungen ein. Es musste innerhalb der Gruppen diskutiert werden, wer welche Aufgaben übernimmt, wer welche Übungen moderiert und anleitet. Entsprechend wurden auch schon konkrete Fragen für die Arbeit mit den SchülerInnen entwickelt. Wir begleiteten als DozentInnen die Konzeptentwicklung, indem wir uns in den Kleingruppen immer wieder einbrachten, die Zwischenüberlegungen präsentieren ließen und Fragen beantworteten.

Bis zum Nachmittag mussten alle Kleingruppen ihren Arbeitsauftrag für die Arbeit mit dem iPad fertig haben, damit er von den anderen Studierenden „ausprobiert“ werden konnte. Wie schon in den vergangenen Semestern gab es aufseiten einzelner TeilnehmerInnen an dieser Stelle leises Murren, weil sie entweder lieber weiter an dem Konzept gearbeitet hätten oder schlichtweg keine besondere Lust auf die Arbeit mit dem iPad hatten. Bei einzelnen drückte sich diese Unlust dann auch in einem unkreativen Arbeitsprozess und einem dürftigen Endergebnis aus.

Generell erwies sich diese Arbeitsphase innerhalb des Blocktermins aber wieder als wertvolles Element. So konnten die Studierenden einmal erproben, wie gut oder schwer der formulierte Arbeitsauftrag umgesetzt werden kann, wie sinnvoll die Verwendung eines Storyboards sein kann und generell wie die Erstellung einer Foto-Story vonstatten geht. Diese Erfahrung kann ihnen bei der Umsetzung des Projekttages helfen, wenn sie die SchülerInnen bei der Arbeit mit dem iPad anleiten sollen. Und nicht zuletzt: alle haben noch einmal einen Einblick bekommen, welche einzelnen Schritte notwendig sind und welche Zeiteinheiten man einplanen sollte.

Nachdem alle Studierendengruppen eine Foto-Story erstellt hatten, gab es noch eine kurze Präsentation der Ergebnisse. Kritische Nachfragen oder Hinweise gab es hierbei kaum, aber wir DozentInnen konnten noch einzelne Tipps geben.

Danach wurde weiter an den Konzepten für die Projekttage gefeilt, ehe wir die Studierenden ins wohlverdiente Wochenende entlassen konnten. Nun müssen in Einzelarbeit noch die letzten Elemente vorbereitet werden, ehe wir dann im Juni die Projekttage durchführen können.

Nach unserem Eindruck haben die meisten Gruppen den Blocktermin sehr gut genutzt und innerhalb der Gruppen fand eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema und den möglichen Methoden statt. Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass es wieder spannende Projekttage an den Aachener Schulen geben wird.

Autor: Thorsten Junge

Studierende arbeiten an der Konzeption des Projekttags

Studierende arbeiten an der Konzeption des Projekttags

Projektarbeit an Schulen – Das Recht am eigenen Bild

19. Mai 2015 | von

Im Mittelpunkt unseres Konzeptes steht die Erstellung eines Medienprodukts mit den SchülerInnen. Wir wollen uns hierbei die Vorzüge von Tablets zunutze machen, die es (im Gegensatz zu früherer Medienarbeit) möglich machen, innerhalb kurzer Zeit und ohne besondere technische Vorkenntnisse einen Kurzfilm, eine Fotostory, ein Hörspiel oder einen Podcast zu machen. Dabei war uns relativ schnell klar, dass es sich bei diesen Medienprodukten vorrangig um kurze Videoclips oder Fotogeschichten in verschiedenen Varianten handeln wird. Dies warf bei uns die Frage auf, ob sich angesichts des sensiblen Themas „Cybermobbing“ Probleme ergeben könnten. Schließlich ist es notwendig, dass eine Auswahl an Schülerinnen und Schülern auch als Akteure VOR die Kamera (in unserem Fall: vor die iPads) treten müssen und sich nicht alle dahinter „verstecken“ können. Gleichwohl war für uns von Anfang an klar, dass wir niemanden zwingen können, bei einer Geschichte zum Thema „Cybermobbing“ als Schauspieler/in aktiv zu sein. Schließlich kann man nicht von allen Heranwachsenden erwarten, dass sie über das nötige Selbstvertrauen verfügen, um eine Rolle zu übernehmen. Dies gilt in unserem Fall umso mehr, da ja bei den meisten Geschichten, die sich die SchülerInnen selbst ausdenken, zunächst einmal eine Cybermobbing-Situation geschildert wird. Wir wollten auf jeden Fall vermeiden, dass ein früheres oder aktuelles Cybermobbing-Opfer nun auch noch beim Projekttag die Opferrolle „spielen“ muss oder dass während des Projekttages Situationen und „Materialien“ geschaffen werden, die in der Folge für Cybermobbing missbraucht werden. Generell sollte kein Heranwachsender durch unseren Praxiseinsatz gezwungen sein, emotional über seine Grenzen hinauszugehen.

Wir haben dieses Problem hierdurch gelöst, dass wir in Kleingruppen gearbeitet haben und hier eine Rollenverteilung vornehmen konnten, die für alle Beteiligten angenehm war. Jene Kinder, die nicht vor die Kamera wollten, haben stattdessen die Aufgabe übernommen, den Film zu drehen bzw. die Fotos zu machen. Sie standen also hinter der Kamera.

Bei unseren Vor-Überlegungen zur Anfertigung von Fotografien und Videoaufnahmen war für uns auch noch ein weiterer Punkt von Bedeutung. Als MedienpädagogInnen haben wir natürlich bei Praxisprojekten dieser Art auch die rechtlichen Aspekte im Blick. Schließlich sind im Strafgesetzbuch (§ 201a StGB) sowie im Kunsturhebergesetz (kurz: KUG) die Grundlagen zum Recht am eigenen Bild geregelt. Demnach darf man auch im Rahmen von Projekten nicht ohne Weiteres Kinder und Jugendliche fotografieren und diese Aufnahmen im Internet veröffentlichen.

Um die betroffenen Eltern in dieser Angelegenheit auch hinreichend zu informieren und zu beruhigen, haben wir im Vorfeld einen Informationsbrief verfasst, der über die Schule an die Eltern übermittelt wird. Hierin erläutern wir kurz unser Konzept und den Ablauf des Projekttages. Wir weisen auch darauf hin, dass zwar während des Projekttags Fotos aufgenommen werden, aber dass jede Person selber darüber bestimmen kann, ob Bilder von ihm veröffentlicht werden.

Sicherlich haben wir auch ein Interesse daran, Bilder von unserem Projekt für unsere Öffentlichkeitsarbeit zu verwenden. Wir würden dies aber niemals ohne Einverständnis der abgebildeten Personen tun. Deswegen bitten wir in diesem Elternbrief darum, uns zu autorisieren, die Fotos vom Projekttag für Belange des Instituts für Erziehungswissenschaft (z.B. interne Vorträge, Öffentlichkeitsarbeit) zu verwenden. Wir verweisen aber auch darauf, dass die Eltern diese Einwilligung jederzeit ohne Angabe von Gründen widerrufen können. Natürlich haben wir im vorbereiteten Info-Brief auch die Option vorgesehen, dass keine Verwendung der Fotos gewünscht ist („Wir möchten nicht, dass Fotos von unserem Kind vom Institut für Erziehungswissenschaft der RWTH Aachen verwendet werden.“). Nach meinem Empfinden gewährte uns bislang etwa die Hälfte die Verwendung des Bildmaterials.

Das Recht am eigenen Bild mit Spielzeugfiguren bewahrenUnsere anfängliche Sorge, es könnten sich zu wenige Schülerinnen und Schüler bereit erklären, als Schauspieler/innen zu agieren, erwies sich als unbegründet. Im Gegenteil, die meisten hatten sichtlich Spaß an dieser Aufgabe. Und selbst jene TeilnehmerInnen, die anfangs etwas schüchtern agierten, waren durch diese Aufgabe nicht überfordert. Lediglich in einem einzigen Fall hatten wir eine Kleingruppe zusammengestellt, in der niemand bereit war, als Schauspieler/in eine Rolle zu übernehmen. Glücklicherweise waren wir auf diese Situation vorbereitet, sodass wir hierauf gut reagieren konnten. Wir hatten Spielzeugfiguren mitgebracht, die anstelle menschlicher Akteure Verwendung fanden. Die Aufgabe der Kleingruppe bestand nunmehr darin, nicht nur eine Geschichte zu entwickeln, sondern auch Kulissen herzustellen. Letzteres ist ihnen dabei deutlich besser gelungen, aber dies nur als Randbemerkung.

Insgesamt können wir also festhalten, dass bei der Erstellung von Video- und Fotomaterial im Rahmen der schulischen Projektarbeit verschiedene (rechtliche) Aspekte zu beachten sind. Wir haben aber bislang sehr gute Erfahrungen gemacht und die (vermeintlich) kritischen Aspekte erwiesen sich bis dato als problemlos.

Autor: Thorsten Junge

Auszug aus dem Strafgesetzbuch (StGB)

§ 201a Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen

(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

  1. von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt eine Bildaufnahme herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt,
  2.    eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt,
  3.    eine durch eine Tat nach den Nummern 1 oder 2 hergestellte Bildaufnahme gebraucht oder einer dritten Person zugänglich macht oder
  4. eine befugt hergestellte Bildaufnahme der in den Nummern 1 oder 2 bezeichneten Art wissentlich unbefugt einer dritten Person zugänglich macht und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt.

(2) Ebenso wird bestraft, wer unbefugt von einer anderen Person eine Bildaufnahme, die geeignet ist, dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich zu schaden, einer dritten Person zugänglich macht.

(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine Bildaufnahme, die die Nacktheit einer anderen Person unter achtzehn Jahren zum Gegenstand hat,

  1. herstellt oder anbietet, um sie einer dritten Person gegen Entgelt zu verschaffen, oder
  2. sich oder einer dritten Person gegen Entgelt verschafft.

(4) Absatz 1 Nummer 2, auch in Verbindung mit Absatz 1 Nummer 3 oder Nummer 4, Absatz 2 und 3 gelten nicht für Handlungen, die in Wahrnehmung überwiegender berechtigter Interessen erfolgen, namentlich der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dienen.

(5) Die Bildträger sowie Bildaufnahmegeräte oder andere technische Mittel, die der Täter oder Teilnehmer verwendet hat, können eingezogen werden. § 74a ist anzuwenden.

 

Auszug aus dem Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie (KunstUrhG)

§ 22

Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, daß er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt. Nach dem Tode des Abgebildeten bedarf es bis zum Ablaufe von 10 Jahren der Einwilligung der Angehörigen des Abgebildeten. Angehörige im Sinne dieses Gesetzes sind der überlebende Ehegatte oder Lebenspartner und die Kinder des Abgebildeten und, wenn weder ein Ehegatte oder Lebenspartner noch Kinder vorhanden sind, die Eltern des Abgebildeten.

§ 23

(1) Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden:

  1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte;
  2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen;
  3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben;
  4. Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient.

(2) Die Befugnis erstreckt sich jedoch nicht auf eine Verbreitung und Schaustellung, durch die ein berechtigtes Interesse des Abgebildeten oder, falls dieser verstorben ist, seiner Angehörigen verletzt wird.

 

Links zum Thema:

http://www.klicksafe.de/themen/datenschutz/grundlagenwissen/datenschutz-im-internet/das-recht-am-eigenen-bild/

http://www.rechtambild.de/2015/01/urheberrecht-vs-persoenlichkeitsrecht/

http://anwalt-im-netz.de/urheberrecht/recht-am-eigenen-bild.html

Vorlagen für Einverständniserklärungen:

www.saferinternet.at/fileadmin/files/Unterricht/FAQs_zum_Datenschutz_in_der_Schule.pdf

www.lo-recht.de/einwilligung-schueler.php

Neue Termine für unsere Praxiseinsätze stehen fest

30. April 2015 | von

Auch in diesem Semester gehen wir mit unserem Praxisprojekt wieder in Aachener Gymnasien. Dieses Mal werden wir zusammen mit unseren Studierenden sechs Einsätze im Monat Juni absolvieren:

StopptCybermobbing

Mittwoch, den 03. Juni 2015;

Montag, den 08. Juni 2015;

Donnerstag, den 11. Juni 2015;

Montag, den 15. Juni 2015;

Dienstag, den 16. Juni 2015;

Mittwoch, den 24. Juni 2015

Wir freuen uns auf eine ereignisreiche, spannende und wieder einmal lehrreiche Zeit!

Autoren: Christiane Rust und Thorsten Junge

 

Filmkritik zu KiKA Krimi.de – Netzangriff

27. April 2015 | von

Herausgeber: KiKA von ARD und ZDF/ SWR Media Services GmbH

FSK: 6 Jahre

Laufzeit: 45 Min.

Als Jugendliche/r hat man es nie leicht, wenn man zusammen mit den Eltern in eine neue Stadt zieht und schlimmstenfalls mitten im Schuljahr auf eine neue Schule gehen muss – weit weg von der vertrauten Umgebung und den lieben Freunden – das war früher schon so und das ist auch heute noch so. Erschwerend wird es, Fuß zu fassen, wenn man sich mit 14 Jahren betrinkt, gefilmt wird und anschließend auch noch sein Smartphone verliert. Genau das passiert Klara, einem Mädchen mit starkem Selbstbewusstsein aus behütetem Haus.

Am nächsten Tag erhalten Tim, bei dem sie nach der Party übernachtet hat und alle anderen MitschülerInnen eine Freundschaftseinladung von Klara. Der Junge wundert sich, hat er doch bereits am Morgen ihre Anfrage angenommen. Als er das Profil durchstöbert, finden sich freizügige Fotos mit eindeutigen Posen darauf. Irritiert und geschockt spricht er das Mädchen darauf an. Klara gesteht ihm, dass die Fotos auf dem Internat, was sie bis vor kurzem besucht hat, aus Spaß entstanden sind und sich immer noch auf dem verlorenen Telefon befunden haben. Zusammen mit seinem Bruder Max versucht Tim herauszufinden, wer das Profil erstellt haben könnte, zunächst vergeblich. Währenddessen muss sich Klara bösen Kommentaren und Gelächter in der Schule hingeben, die sie sehr belasten. Sie zieht sich immer mehr zurück, so dass nun auch die Eltern besorgt sind. Klara gesteht schließlich ihrem Vater die Sache mit den Fotos, der sich, wie sollte man es anders vermuten, an seinen befreundeten Polizisten wendet. Auch dieser stattet Laras Klasse einen Besuch ab und fordert den oder die Täter/in auf, sich zu stellen und das verloren gegangene Smartphone zu übergeben. Da die Schülerinnen und Schüler betreten zu Boden gucken, kommt er schließlich auf die zündende Idee, Klaras Nummer anzurufen. Noch nach Tagen scheint der Akku immer noch voll, denn es klingelt tatsächlich, allerdings aus Tims Tasche. Die Enttäuschung seitens Klaras ist groß, dachte sie doch, er mag sie. Tim hingegen kann sich die Sache nicht erklären und beteuert sowohl im Klassen- als auch im Verhörraum seine Unschuld.

Währenddessen macht sich Klaras Vater das erste Mal so richtig mit diesem Internet vertraut und googelt sogar seine Tochter. Was er findet, erschreckt ihn zutiefst. Neben den bereits bekannten Fotos, erscheint ein Video, aufgenommen auf der besagten Party mit einer betrunkenen Klara. Der Vater ist außer sich, sollte sie doch abseits des Internats ein Leben ohne Party und Drogen beginnen. Klara erntet Vorwürfe und fasst später weinend einen folgenschweren Entschluss. Völlig hilflos und alleingelassen fährt sie zu ihrer Lieblingskletterstelle, um ihrem Leben ein Ende zu bereiten.

Zur gleichen Zeit begibt sich Tim zusammen mit Max wieder auf die Suche nach dem Schuldigen und wird nach filigraner Beweisarbeit endlich fündig. Ein Mitschüler ist für das falsche Profil verantwortlich, ein anderer wiederum für das Video. Die beiden Brüder schaffen es, dass sich die Täter stellen – als Rechtfertigung für ihr Vorgehen kommt der oft gehörte Grund: „Es war doch nur Spaß und wir wussten nicht, was das für Auswirkungen haben kann.“ Soweit so gut, überkommt Tim ein ungutes Gefühl – Klara ist nirgends zu finden und niemand weiß, wo sie ist. Er fährt zielstrebig eben zu diesem Kletterfelsen, den das Mädchen ihm ein paar Tage vorher gezeigt hat. Dort angekommen, kann er Klara von ihrem traurigen Plan abhalten und alarmiert derweilen mehrere Male die Polizei. Der Film endet mit einem erbosten Polizeibeamten, der einerseits Klaras Plan, aber auch das ständige Anrufen in der Wache nicht gut heißt.

Insgesamt zeigt der Film Netzangriff gut die Auswirkungen von Cybermobbing, wenn auch sehr gerafft. Dabei stehen der Prozess und die einzelnen Formen eher im Hintergrund. Ebenso wird erneut die Hilflosigkeit der Betroffenen und der einzelnen Beteiligten (Eltern) deutlich, immerhin Tim wird aktiv – die Lehrkräfte werden sogar nur als Randfiguren gezeigt. Was hier ebenfalls ausbleibt, ist ein Ende mit konstruktiven Lösungsansätzen. Vergessen wird wieder einmal, dass der populistische und klischeehafte Gedanke, sogar der andeutende Versuch, des Suizids nicht der Ausweg aus solchen Situationen ist bzw. sein kann. Genauso ist die Polizei nicht die einzig helfende Instanz! Wieder einmal müssen wir uns fragen: Was ist mit allen aktiv und passiv Beteiligten? Wie können Eltern reagieren? Wie können Lehrer agieren? Was haben u.a. Freunde zu tun? Wo kann man sich weitere externe Hilfe holen? Was ist eigentlich mit uns Medienpädagogen?

Autorin: Christiane Rust

Filmkritik zu Die kleine Benimmschule 5 – im Netz zur Vorführung von neun- bis 14 jährigen Schülerinnen und Schülern

21. April 2015 | von

Herausgeber: Unterrichtsfilmvertrieb Michael Gautsch

FSK: 6 Jahre

Laufzeit: 30 Min.

Der Film Die kleine Benimmschule 5 – im Netz zeigt die Geschichten von Lukas, Irene und Frau Amatis (SchülerInnen und Lehrkraft an einer Gesamtschule), deren Problem ein gemeinsames ist – der digitale Alltag und seine Gefahren.

Lukas, ein ganz normaler Junge mit Freunden und einer vielbeschäftigten Mutter ist plötzlich gemeinen Fotomontagen und Mails ausgesetzt. Er verdächtigt schnell seinen besten Freund, auch wenn der Grund nicht ersichtlich wird. Fortan sieht man ihn alleine Im Internetcafé abseits der „Kinderecke“ sitzen, da er zurzeit Computerverbot an Mamas Notebook hat. Die müde Ermahnung des Betreibers, keinen Unfug zu machen, wirkt dabei wenig abschreckend und somit stolpert Lukas in jede doch so bekannte Gefahr des Internets. Sorgenlos gibt er seine Daten in einem sozialen Netzwerk preis und findet angesichts seines Problems schnell einen neuen virtuellen Freund zum Trösten. Dass „Thomas“ dabei von Beginn an seltsame, sehr offene und sexuell anzügliche Fragen stellt, scheint Lukas nicht zu wundern, antwortet er doch brav und ehrlich. Zuhause angekommen, schafft er es doch seine Mutter zu überreden, seine Hausaufgaben am heimischen Rechner zu erledigen. Natürlich treibt er sich wieder im sozialen Netzwerk rum und findet zudem eines dieser „kostenlosen“ Computerspiele, die auffällig gewalttätig sind. Kurz bevor Mama ihn zu erwischen scheint, will sich das Spiel erst nach Aufforderung der Eingabe von Daten schließen lassen. Dass er hierbei ein Zeitungsabo abschließt, nimmt er wortwörtlich in Kauf.

Wochen später bekommt Lukas Mutter ein Schreiben vom Inkassobüro und entsprechend eine Absage für einen wichtigen Kredit, der ihre Zukunft sichert. Lukas versteht schnell, dass er etwas falsch gemacht hat, erhält jedoch keinen Lösungsvorschlag, um zukünftig so etwas zu vermeiden – die Mutter scheint selber sehr hilflos. Unverstanden zieht er sich ins Internetcafé zurück, wo Thomas ihn aufmuntert und ein Treffen vorschlägt. Spätestens hier wird deutlich, dass wir es hier nun auch noch mit Pädophilie zu tun bekommen. Zum Glück wird er von Irene, die sich als Lukas Schwester ausgibt, in letzter Sekunde gerettet.

Ein feiner Zug von dem Mädchen, dass es selbst sehr schwer hat. Da sie offensichtlich gesundheitliche Beschwerden hat, zieht sie ein Bein nach. Grund genug für zwei Mitschülerinnen sie ständig bloßzustellen, das Ganze auf Video festzuhalten und über das Smartboard ihr Werk der ganzen Klasse zu präsentieren. Hier versucht ihre Lehrerin Frau Amatis einzugreifen, doch es bleibt bei einem schwachen Versuch. Auch nachdem Irene ihr anvertraut hat, wer dafür verantwortlich gewesen ist, erhält sie weder von Lehrkraft und Schulleitung Hilfe. Stattdessen muss Irene sich Bedrohungen aussetzen, während eine Tür weiter die Direktorin versucht, Frau Amatis zu beruhigen, weil die immer noch mit alten Partyfotos aus der Vergangenheit zu kämpfen hat, die plötzlich wieder im Internet aufgetaucht sind und erneut ihre Autorität in Frage stellen könnten.

Erst als in Irenes Fall plötzlich die Polizei im Unterricht auftaucht, stellen sich die Täterinnen und Mitläufer – auch Frau Amatis kann endlich aufatmen, da man ihr versichert hat, dass nun alle Fotos gelöscht werden – eine denkbar einfache Lösung und ein tolles Happy End. Genauso für Lukas, der sich wieder mit seinem bestem Freund verträgt.

Der Film Die Kleine Benimmschule 5  – im Netz zeigt sehr gut auf, welche Gefahren in der digitalen Welt lauern und in welche Fallen Kinder und Jugendliche tappen, wenn sie niemanden haben, der sie begleitet. Zudem wird deutlich, wie hilflos Lehrkräfte und Eltern sind, wenn sich der Nachwuchs abseits der greifbaren realen Welt bewegt. Allerdings schafft es auch dieser Aufklärungsfilm nicht, einmal über den Tellerrand hinauszuschauen und mittlerweile bedeutsame Lösungsansätze, sei es präventiv oder interventiv, zu veranschaulichen, stattdessen die Polizei ins Haus zu holen, die dann alle Situationen irgendwie löst.

Autorin: Christiane Rust

Filmkritik zu verklickt! Sicherheit im Medienalltag – Film für Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 7

13. April 2015 | von

Herausgeber: Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

FSK: 6 Jahre

Laufzeit: 53 Min.

Schon immer haben beste Freundinnen alles geteilt, fragwürdig ist nun der neuste Vertrauensbeweis – die Weitergabe des eigenen Passwortes! Auch Mia und Anne machen das so. Da ist es auch selbstverständlich, dass Anne ein paar hübsche Bilder von Mia online stellt und ihr Profil auf Zack bringt, während diese beim Handballtraining schwitzt. Alles nur, um Tarek, einen „süßen“ und sozial engagierten Mitschüler auf sich aufmerksam zu machen. Das funktioniert auch wunderbar, bis zu dem Augenblick als Anne einen bösen Kommentar unter Tareks Fotos schreibt – unbeabsichtigt in Mias Namen. Das Geschrei ist am nächsten Tag groß, Tarek traurig und die Lehrerin zurecht enttäuscht. Das wird Konsequenzen haben! Doch wie diese Situation nun gelöst wird, verläuft leider im Sande. Ebenso die Tatsache, dass Anne „vergessen“ hat Mias Webcam auszuschalten und nicht nur Annes Bruder Robin tiefe Einblicke bekommt. Sein bester Freund Max löst schließlich das Problem – und Max findet Mia ja auch ganz nett, was auf Gegenseitigkeit beruht. Als Dank richtet Anne Max im Namen von Mia eine Fan-Skateseite ein, da er wirklich gute Tricks drauf hat.

Max scheint insgesamt ein „helles Köpfchen“, wenn es um digitale Medien geht. So überredet er Robin zum Filme gucken im Internet, egal ob legal oder illegal und da passiert es schon mal, dass man schnell mal ein teures Filmabo abschließt. Er hilft sogar seiner Mutter, eine Profilseite auf einem Dating-Portal einzurichten, auch wenn es „mega peinlich“ ist. Aber dem besten Freund Robin kann man das erzählen, der dies wiederum an seine Schwester Anne weiterträgt…

Aufklärungsfilme zum Thema Cybermobbing und Netzkriminalität

Und dann ist da auch noch Lena, Robins Freundin. Die findet nun pornografische Inhalte auf dessen Handy. Diese Filmchen sind von Max dort „zwischengespeichert“ worden, da der ja nun immer noch kein eigenes Smartphone besitzt, aber fleißig im Getränkemarkt arbeiten geht. Lena gibt das Handy an Anne zurück, weil sie mit Robin nichts mehr zu tun haben möchte. Anne hingegen möchte sich wieder in Mias Namen an Max rächen, weil der plötzlich doch kein Interesse mehr an Mia hat und stellt seine Mutter mit einem angeblichen Date bloß. Dafür lädt sie in Robins Namen alle Freunde, inkl. Max in den Skatepark ein, wo die Mutter nun vor der Clique, anstatt vor ihrem Angebeteten steht. Mit dem Gedanken, dass alles von Max inszeniert wurde, tritt die Mutter traurig ihren Heimweg an und lernt zufällig einen Polizisten kennen, der ihr Herz im Sturm erobert und nun auch mal ein Blick auf Max und seinen Computer werfen soll. Der hat aber derzeit ganz andere Probleme, denn die Sache mit dem Filmabo holt Robin und ihn wieder ein. Gerade den Chef überredet, die ersten hundert Euro für das Smartphone im Voraus locker zu machen, muss er das neu erworbene  Gerät auch gleich wieder verkaufen, um seine Schulden an Robin zu begleichen. Um seiner Mutter den Verlust zu erklären, inszeniert er nun einen Überfall – diese hat genug von seinem Verhalten und gibt ihm erneut die Möglichkeit endlich mit der Polizei über seinen digitalen Streifzug zu sprechen, denn auf seinem Computer befinden sich dutzende GB an illegalen Dateien.

Was derweilen aus Mia und Anne geworden ist, bleibt dahingestellt. Auch von Tarek hat man nichts mehr gehört und ob Lena und Robin wieder zueinander gefunden haben?

Der Film verklickt! zeigt den digitalen Alltag von Jugendlichen in all seinen Facetten und mit all seinen Gefahren. Doch bietet er recht wenig präventive und interventive Lösungsansätze für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie Eltern. Vieles steht offen im Raum – die Situationen, die gelöst werden, scheint nur durch das Heranziehen der Polizei möglich zu sein. Nichtsdestotrotz kann der Film als erster Überblick zum Thema Cybermobbing und Netzkriminalität in Vorbereitungsseminaren für bspw. Lehramtsstudierende, aber auch für Schülerinnen und Schüler, sowie als Einstieg in Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte genutzt werden.

Weitere Informationen unter Polizeiberatung

Autorin: Christiane Rust