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Eyke

Pegida-Gegendemo am 5.1.2015 in Köln

31. Dezember 2014 | von

Über Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) ist wahrscheinlich schon so ziemlich alles geschrieben worden. Die ernstzunehmenden Medien diskutieren, inwieweit die Forderungen bzw. Ängste der Demonstranten ernst genommen werden sollten, während die Bild Zeitung das Feuer weiter mit reißerischen, absichtlich missverständlichen Schlagzeilen schürt.

Quelle: BILD Titelseite Bildblog

Ich habe ein halbes Jahr in Istanbul gelebt, also in einem (quasi-) muslimischen Land. Das macht mich natürlich nicht zu einem Islam-Experten, aber zumindest habe ich einige Zeit in einem Land gelebt, dessen Kultur auf muslimischen Werten aufbaut. Ich hatte dort nie das Gefühl, dass ich als „Abendländer“ nicht willkommen bin, sondern habe ganz im Gegenteil immer große Gastfreundlichkeit erfahren. Deswegen bin betroffen und wütend über Pegida. Die populistische und undifferenzierte Stimmungsmache gegen muslimische Mitmenschen, seien es In- oder Ausländer, ist für mich unerklärlich und geht absolut gar nicht.

Meine Meinung zu Pegida ist ziemlich eindeutig: Getarnt unter dem Deckmantel „aus der Mitte der Gesellschaft“ zu sprechen und mit einem Positionspapier bestückt, das zunächst harmlos wirkt, sich aber auf den zweiten Blick als eine widersprüchliche Aneinanderreihung von hohlen Stammtischphrasen entpuppt, schüren sie eine anti-muslimische Stimmung, der leider viele bereit sind zu folgen.

Gleichzeitig behauptet Pegida, die etablierte Presse würde ausschließlich Lügen und Falsches berichten und legt den Demonstranten nahe nicht mit der Presse zu sprechen. Um diese Vorwürfe der einseitigen Berichterstattung zu entkräften hat der NDR sein umgeschnittenes Filmmaterial von einer Pegida Demo in Dresden veröffentlicht und die Demonstranten einfach reden lassen. Das Video gibt einen guten Eindruck, wie unterschiedlich die Demonstranten und deren Motive sind. Ein Satz scheint sie jedoch alle zu einen: „Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber …“, auf den in der Regel jede Menge rassistischer Stammtischsprüche folgen, die durch falsches Halb- oder Kein-Wissen untermauert werden.

Nach dem Halbsatz „Ich habe nichts gegen Ausländer“ gehört auf jeden Fall kein Komma, sondern ein Punkt, wenn nicht sogar ein Ausrufezeichen. Dieses Ausrufezeichen – und damit komme ich zum eigentlich Grund für diesen Post – sollten wir am 5.1.2015 in Köln gemeinsam setzen. Denn Pegida ist nun auch nach Köln übergeschwappt und hat unter dem Namen Kögida eine Demonstration am ersten Montag im neuen Jahr angemeldet.

Gleichzeitig hat sich ein breites Bündnis aus kirchlichen Gruppen, Parteien, Politikern und Vereinen mobilisiert und eine Gegen-Demonstration, sowie eine coole symbolische Aktion organisiert:

Die Gegen-Demo startet am

5.1.2015 um 17.30 Uhr vor dem LVR-Hochhaus am Bahnhof Köln Messe/Deutz.

Gleichzeitig werden unter dem Motto „Licht aus für Rassisten“ die Beleuchtung des Kölner Doms und viele weitere Lichter in Köln ausbleiben.

Pegida? Läuft nicht in Köln!
Demo für Menschenrechte und Frieden
Licht aus für Rassisten

Ich fordere euch also alle dazu auf am Montag in Köln Flagge, Farbe und Plakate zu zeigen und damit ein großes Ausrufezeichen in Richtung Pegida zu setzen.
Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

KÖGIDA

Movember

13. Dezember 2014 | von

Der November war ein Selbstexperiment: Wie weit muss man heutzutage gehen um Anzuecken?
Der einst rebellische Vollbart ist längst in den Mainstream geschwemmt worden und ist heute kein Alleinstellungsmerkmal mehr von revolutionären Charakteren oder Waldschraten.

Also ein Vollbart reicht längst nicht mehr aus um zu provozieren, es muss schon was besonderes sein. Ein Schnurrbart vielleicht? Längst aus der Mode gekommen und eigentlich nur noch von älteren Herren getragen, passt das eigentlich ganz gut. Schön findet das mit Sicherheit auch niemand mehr, der nicht in den 70ern auf irgendeinem LSD Trip hängen geblieben ist.

Doch wie erklärt man das Ganze seinem Umfeld? Glücklicherweise bietet die Movember-Foundation eine Begründung mit der niemand streiten kann, ohne als Bös-Mensch dazustehen: Charity. Der gute Zweck heiligt den Schnurrbart. Die Idee ist es den ganzen November einen Schnurrbart zu tragen und damit auf häufig übersehene Männerkrankheiten aufmerksam zu machen, wie z.B. Hoden- und Prostatakrebs oder Fettleibigkeit.
Zugegebenermaßen, diese Brücke ist manchmal schwierig zu schlagen: um von Schnauzbart auf Hodenkrebs zu kommen bedarf es einiger umfassender Erläuterungen, bei denen die manch einer schon bei der Hälfte abschaltet und sich fragt wie er nun darauf reagieren soll, dass ihm sein fremdes Gegenüber mit der witzigen Gesichtsbehaarung gerade erzählt hat, dass er Hodenkrebs habe.

Mit ausreichend Charity-Rückendeckung, begann ich in meinem Freundeskreis weitere Schnurrbärte zu rekrutieren. Die meisten redeten sich fadenscheinigen Ausreden heraus, dass sie entweder nicht genug Bartwuchs haben oder sie weiblich sind oder in vereinzelten Fällen auch beides. Zumindest konnte ich einen Freund als Mitstreitet gewinnen und so ging es am 1. November also los: Die Regeln behaupten man müsse sich am ersten Tag komplett rasieren…
WAS? Ne ne ne, das ist ja Quatsch – so fangen wir gar nicht erst an. Dann sieht man ja die ersten drei Wochen des Novembers aus wie ein Pubertierender Schulknabe, dem gerade anfangen die Haare über der Oberlippe zu sprießen. Das will ja nun wirklich keiner, also, kleine Regeländerung und nur den Vollbart ab – der Schnurrbart bleibt stehen.

1. November

Die ersten Tage musste ich selbst immer ein bisschen lachen, wenn ich an einem Spiegel vorbei gelaufen bin. Nach kurzer Zeit wächst man da aber so rein und kann sich immer mal wieder über einen witzigen Kommentar freuen:

„Mein Verständnis von Anstand und Ethik setzt Schnurrbärte leider auf eine Stufe mit Völkermord und Schlagermusik.“
„Echt geiler Laster.“
„Damit stehst du lieber nicht zu lange in der Nähe von Kinderspielplätzen.“
„Steht dir voll gut“ – ob ernst gemeint oder nicht – bestimmt kein Kompliment.
„Tom Selleck-Doppelgänger“ – Der Typ von Magnum.
„Ich finde Schnurrbärte trägt man viel zu selten.“ – Sprach der Gute ohne Schnurrbart.

Eine gewisse Lernkurve stellt sich dann auch ein. Beispielsweise führt kein Weg an einer anständigen Bart-Wixe vorbei. Diese macht den Zwirbel-Effekt erst möglich und verhindert, dass einem die Härchen in den Mund hängen – das ist gerade beim Essen nicht so angenehm.

Bartwixe

Das Fazit nach einem Monat: Festgestellt wie eitel viele sind, eine handvoll Menschen über Hodenkrebs aufgeklärt, beinahe enterbt worden, viele dumme Sprüche von Freunden geerntet, gelernt: morgens den Bart zu wixen lohnt sich spätestens beim Mittagessen und jede Motto Party gerockt.
So richtig Anecken geht aber wohl anderes.

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30. November

Mumbai

23. September 2014 | von

Der Schweden Korospondent ist jetzt in Indien unterwegs. Nachdem ich Ende August Schweden hinter mir gelassen habe und kurzen Zwischenstops in Delft, Aachen und Paris, bin ich seit zwei Wochen in Indien. Mein erster Stop war in Mumbai und ersten Tagen waren unglaublich. Mumbai ist hektisch, chaotisch, hoffungslos überfüllt, dreckig, laut, arm und es stinkt. Mit anderen Worten es ist aufregend, lebendig, es pulsiert, zieht einen jeden Tag aufs neue in seinen Bann und schläft nie. Genau in diesem Gegensatz lebt Mumbai. Man ist ständig hin und her gerissen davon angezogen oder abgestoßen zu werden. Die Stadt hat mich 7 Tage in gefangen genommen wie keine andere Stadt zuvor. Jeder einzelne Tag hielt unzählige Überraschungen für mich parat und schien nie enden zu wollen.

Mit dem Zug in die Stadt fahren, auf dem zwar niemand auf dem Dach saß, der dafür aber keine Türen hat, so dass man nicht nur den Kopf, sondern den ganzen Körper während der Fahrt im Fahrtwind etwas abkühlen kann. Mit dem Rikscha, einem motorisiertem Dreirad, über die 6-spurigen Highways ohne tatsächlichen Spuren fahren und von LKWs überholt werden, die einen ohne Probleme zerquetschen könnten, um anschließend 3h im Stau festzustecken. Hunde, Hühner, Kühe und Raben die auf Schweinen sitzen begegnen einem in einem in „Vororten“ von Mumbai, die urbaner und dichter besiedelt sind als alle Städte Deutschlands. Kinder, die einen nach Essen und Geld fragen mit Augen zu denen man nicht nein sagen kann direkt neben den Prunkbauten der englischen Kolonialzeit. Streetfood, das unwiederstehlich lecker riecht, von den man mit untrainiertem Magen aber lieber die Finger lassen sollte – zumindest am Anfang. Wunderschöne Sonnenuntergänge am verdreckten Meer, die man nie alleine genießen kann – generell ist man nie alleine in dieser Stadt, es gibt keinerlei öffentliche Rückzugsorte oder große weitläufige Parks. Ein Golfplatz umrundet von einem riesigen Zaun inmitten eines Slums. Wellblechhäuser um den gesamten Flughafen herum. Kinder, die am Strand Cricket spielen. Bollywood Filme, in denen alles möglich ist, solange genügend getanzt und gesungen wird. Unterschiedlichste Religionen auf engstem Raum: Hindu-Tempel neben Moschee neben Kirche und alle sind gestopft voll.

Ich habe das Glück, dass eine gute Freundin von mir in Mumbai wohnt und ich von ihrer Familie unglaublich herzlich aufgenommen wurde. Dadurch habe ich tolle Einblicke in das Familienleben und den Alltag von jungen Leuten gewinnen können und bin immer noch überwältigt von all den Dingen, die ich erlebt habe.

Zum Abschluss von ein paar Bilder.
Auf bald und namaste 🙂

Klötzchen in Västerås

18. August 2014 | von

Als ich Anfang März hier ankam bin ich direkt Mitglied des Västerås Klätterklubb geworden. Der Verein verfügt über eine Kletter- und eine Boulder-Halle. Letztere ist direkt im neben meinem Arbeitsplatz, was die Sache sehr bequem macht.

In der Umgebung um Västerås gibt es auch jede Menge Outdoor Bouldergebiete zur Auswahl. Alles extrem scharf kantig, beim ersten Mal ging nach einer halben Stunde Nichts mehr, weil der Fels chirurgisch die fünf obersten Hautschichten von den Händen gepellt hatte.

Was redet der da eigentlich? Bouldern? Bo was denn dieses Bouldern überhaupt ist? „Boulder“ ist englisch und bedeutet Felsblock. Und das ist mehr oder weniger alles was man braucht: Einen Klotz Stein. Und dann versucht man genau wie früher als man das noch „auf dem Spielplatz spielen“ genannt hat, auf den Felsblock drauf zu klettern und dabei möglichst cool auszusehen. Damit man die großen Boulder-Kids von den Spielplatz-Anfängern unterscheiden kann, muss großzügig Chalk (magisches weißes Pulver) auf die Hände auftragen werden. Dazu braucht man noch einen großen Rückenpanzer, den man dann fürs rumkrakseln (aka bouldern) aber lieber unten liegen lässt.

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Die Bouldergebiete sind oft etwas abgelegen im Wald oder versteckt hinter einem riesigen IKEA Gebäude. Und so ziehen dann die Boulderer wie die Schildkröten durch die Landschaft auf der Suche nach den besten Klötzchen.

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Wer auf die Rückenmatratze verzichten möchte kann auch Deep Water Soloing probieren, eigentlich das Gleiche wie vorher, nur das Matratze gegen Wasser getauscht wird. Das geht sogar in Västerås und macht richtig Laune.

Hier noch ein paar weitere Bilder:

Wer auch jetzt nicht so so genau weiß was Bouldern ist und wovon ich hier rede kann hier klicken:
Bouldering

Bilderbuchsommer

03. August 2014 | von

Diesmal nur zum gucken. Denn der schwedische Sommer ist zu schön um ihn in Worte zu fassen. #cheesy

Zum Schluss noch ein Video, am besten in Vollbild, HD und laut genießen:

Sommerlicher Zeitvertreib

02. August 2014 | von

Im letzten Beitrag habe ich erwähnt, dass im Moment nur so wenige Leute im Büro sind. Das ist so nicht ganz richtig, wir haben dafür Verstärkung von neuen Fronten bekommen.

Die neue Spezies hier nennt sich „Summer Worker“ – ein ziemlich spannendes schwedisches Phänomen. Von Mitte Juni an tauchten bei der Arbeit plötzlich jede Menge neue Gesichter auf, alle deutlich jünger als die üblichen Forscher hier.
Die Sache gestaltet sich folgendermaßen: Alle Schüler und Studenten haben im Sommer mindestens zwei Monate frei, Studenten eher drei Monate.
Anstatt also, wie in Aachen üblich, den ganzen Sommer in der Bib zu verbringen, hat man hier noch richtig Ferien? – Nicht ganz, denn es wird erwartet, dass man einen Summer Job findet. Das bedeutet in der Regel im Sommer für einen Monat da zu arbeiten, wo normalerweise auch die Eltern arbeiten. Und die nehmen dann währenddessen ihren 4-wöchigen Sommerurlaub. Vermutlich ein Überbleibsel aus der Zeit als man noch den Beruf des Vaters geerbt hat.
Die jüngsten bei ABB sind gerade mal 15. Das beschränkt die Aufgaben natürlich ein bisschen und so werden dann mal die Laborunterlagen aus den 80er digitalisiert, Inventur im Chemielabor gemacht, Namensschilder für Büros erstellt, das WLAN im Haus ausgemessen oder Fliegen gejagt. Klingt erstmal nach Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, aber das Prinzip finde ich sehr gut. Man tauscht quasi die Bib gegen einen Job, verdient Geld, sammelt Erfahrung und bekommt Einblicke in andere Welten. Der Anspruch der Aufgaben bei ABB wächst aber natürlich mit Können und Erfahrung.
Es gibt aber auch die Möglichkeit aus dem System auszubrechen und etwas komplett anderes zu machen. Mein schwedischer Mitbewohner studiert Mathematik und hat 10 Jahre lang jeden Sommer als Bäcker gearbeitet. Ein Kollege von mir hat beispielsweise erzählt wie er einen Sommer lang als LKW Fahrer gearbeitet hat, seiner Meinung nach war das der beste Sommerjob von allen, jetzt schreibt er die Steuerungssoftware für ABBs Roboter.

Dass die Sommerferien in Schweden so lange sind, kommt anscheinend noch aus der Zeit als im Sommer alle auf dem Feld mithelfen mussten. Die moderne Interpretation der Feldarbeit gefällt mir gut, insofern ist mein Timing für das Praktikum sehr schwedisch.

Kurz Nächte

27. Juli 2014 | von

Die Nächte in Schweden sind kurz – schon seit einer ganzen Weile – und somit ist eine Schlafmaske meine neue Bettbekanntschaft.

Schlafhilfe

Das ganze ist aber nur so semi effektiv denn Abends auf den Kopf gesetzt, heißt das noch lange nichts, dass sie morgens auch noch da ist. In der Regel eher unterm Bett oder um den Fuß gewickelt. Ende Juni war es natürlich besonders krass. Da ging die Sonne erst gegen Mitternacht unter und um 3 Uhr wieder auf. Richtig dunkel wurde es da überhaupt nicht mehr. Mittlerweile wach ich erst zwischen 4 und 5 von der taghellen Sonne auf.

Zu allem Überdruss ist auch noch unglaublich heiß in letzter Zeit. Man stelle sich das mal, da geht man nach Schweden um einen milden Sommer zu genießen und dann zack zeigt das Thermometer auch hier 33 Grad. Schlimm sowas! Der Klimawandel bringt wirklich alles durcheinander. Die Schweden selbst beschweren sich schon, dass das hier ja nicht das Mittelmeer sei und es hoffentlich bald wieder abkühlt, weil sonst die Elche nach Norwegen in die Berge auswandern. Das schwedische Wetter Institut hat eine Warnung vor „extremer Hitze“ ausgegeben. (Extreme Heat Warning)

Wahrscheinlich ist das auch der Grund warum alle meine Kollegen im Juli in den Urlaub fahren. Im Moment ist das Büro wie ausgestorben. Es ist hier üblich im Juli 3-4 Wochen Urlaub am Stück zu nehmen. Die meisten ärgern sich aber, denn im Italienurlaub ist das Wetter im Moment deutlich schlechter als in Schweden. Im Moment bleiben damit nur die Studenten im Büro zurück. Und wenn die Supervisor nicht Zuhause sind, dann tanzen wir auf den Tischen.
Mehr davon gibts dann im nächsten Beitrag – ich muss eine Runde im See schwimmen gehen um mich abzukühlen.

Världsmästare

13. Juli 2014 | von

Stell dir vor Deutschland wird Weltmeister und niemand geht hin.

Zalatan hatte es bereits prophezeit nachdem klar war, dass Schweden nicht an der WM teilnehmen wird:

„One thing is for sure, a World Cup without me is nothing to watch.“

Ganz so schlimm kam es hier dann aber nicht. Viele schauen natürlich die Spiele, aber von WM Fieber ist absolut keine Spur. Public Viewing, Auto Korso, grölende Fans in den Straßen, Sektempfang in der Botschaft? – alles Fehlanzeige.

Mein persönliches Highlight an WM Stimmung habe ich letzte Woche am Zeitungsstand entdeckt. Eine ganze Ausgabe, die sich dem größten schwedischen Fußball Erfolg widmet: dem dritten Platz bei der WM 1994. Hier werden lieber die Jubiläen aus guten alten Zeit gefeiert.

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Eigentlich find ich das ganz sympathisch, da ich selbst zugegebenermaßen nur alle zwei Jahre zu EM und WM zum Fußball-Fan werde. Ich bin mehr so der Turnier-Erfolgsfan. Aber Fußballsprüche kloppen kann ja schließlich jeder.

Bei der Arbeit beispielsweise wird seit vier Wochen über nichts anderes mehr geredet als Fußball. Da steht man als Deutscher dann plötzlich im Mittelpunkt von Diskussionen über die Angriffstaktik der deutschen Nationalelf ohne überhaupt einen Funken Ahnung davon zu haben.
Das Research Center ist sehr international, etwa 50 verschiedene Nationen sind vertreten. In dem Kontext ist eine WM natürlich nochmal lustiger, weil viel gestichelt werden kann. Meine brasilianische Kollegin hab ich beispielsweise letzte Woche erstaunlich selten gesehen. Argentinischen Kollegen hab ich leider noch nicht kennengelernt.

Nachdem wir alle Spiele davor im schwedisch Fernsehen geschaut haben, gabs das Finale auf Deutsch im ARD Live Stream. Ist schon netter wenn die Kommentatoren mitgehen und man dabei auch noch was versteht.

In den Tagen vor der WM verdichteten sich schon die Zeichen, dass Deutschland gewinnen würde. Der schwedische Himmel hat die deutsche Flagge gehisst:

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„Fika?“ – „Fika!“

24. Juni 2014 | von

Nach dem großen Cliffhanger in meinem ersten Beitrag wird es nun Zeit für die Auflösung.

Meine italienisch Kenntnisse sind zwar nicht sonderlich fortgeschritten, aber doch genug, dass ich etwas stutzig wurde, als mir an meinem ersten Arbeitstag erklärt wurde, „And this is the Fika room.“ – „Excuse me? Figa-room?“ – „Yes, here we share fika together. And every Friday there is department fika. – Ähm ja, toll, die Schweden und so liberal in jeder Hinsicht.

Fika, stellte sich später raus, ist gar kein Gruppensex, sondern eine Kaffeepause. – Kaffeepause? So viel Text für eine Kaffeepause? Ist das nicht übertrieben, quasi ein Sturm in der Kaffeetasse? – Nein, es ist deutlich mehr als das. Es ist der soziale Mittelpunkt der Arbeitswelt. Es ist oft der einzige Grund sich früh morgens aus dem Bett zu quälen. Es ist der Lichtblick wenn Nichts klappen will und die Computer-Simulationen statt Ergebnissen nur Fehler ausspucken. Es ist das, was den schwedischen Arbeitsalltag ausmacht.
Denn Fika macht man niemals alleine. Fika hört auch nicht auf wenn die Kaffeetasse leer ist, sondern erst wenn der Gesprächsstoff ausgeht oder einer aus der Fika-Gruppe sich aufrafft und zurück zur Arbeit geht. Und das Beste: Es ist jederzeit Fika-Zeit.

Richtig Fika machen will natürlich gelernt sein. Es gibt feste Rituale, die Grundlage scheint plörriger Kaffee zu sein. ABB hat dafür im ganzen Haus Selecta Maschinen aufgestellt, die einen kostenlos mit dem schwarzen Glück versorgen.

Dann muss man differenzieren zwischen verschiedenen Fika-Events.
Als erstes steht natürlich die spontane Fika, eher im kleinen Rahmen mit Kollegen, die in der Nähe sitzen und Zeit und Lust haben. Eingeleitet mit einem kurzen „Fika?“ und der ebenso kurzen Antwort „Fika!“
Als nächstes in der Hierarchie: die geplante Fika. Es gibt mehrere Möglichkeiten daran teilzunehmen: jeden Tag gegen 9 Uhr (für die Frühaufsteher), um 12.30 nach dem Mittagessen, um 15 Uhr und um 17 Uhr (für die Langarbeiter). Am besten nimmt man aber an allen Teil, nur um sicher zu gehen Nichts zu verpassen. In der Regel gibt es dann noch ein Früchtchen aus dem Fruchtkörbchen dazu, der zweimal die Woche aufgefüllt wird.
Und dann gibt es noch die geplante Fika mit süßen Teilchen. Das sind dann die Highlights der Woche. Das sind Kaffeepausen mit süßen Teilchen oder Kuchen dazu. Das gibt es jeden Mittwoch von den Studenten organisiert und jeden Freitag für das ganze Department.

Arbeiten? – Jaja, nach der Fika, im nächsten Post dann.

Und zum Schluss noch eine kleine Auswahl an süßen Teilchen:

"Wienerbröd", auch Danish Pastery genannt

„Wienerbröd“, auch Danish Pastery genannt

"Semla", quasi Sahne-Semmel

„Semla“, quasi Sahne-Semmel

"Punsch-rolle", oder "Dammsugare" (Staubsauger) genannt Oder auch "150-Ohmer" für die Nerds

„Punsch-rolle“, oder „Dammsugare“ (Staubsauger) genannt. Oder auch „150-Ohmer“ (für die Nerds)

"Kanelbullar" sind Zimtschnecken

„Kanelbullar“ sind Zimtschnecken

Midsommar

24. Juni 2014 | von

Das größte Fest in Schweden habe ich leider verpasst. Ich habe die längsten Tage des Jahres mit meiner Familie gefeiert – runde Geburtstage der Eltern gehen da vor.

Als Schweden-Korrespondent habe ich in dem Punkt also nicht sehr viel zu erzählen und lasse deshalb lieber andere sprechen:

Ein bisschen Hintergrundwissen: Midsommar wird immer an dem Samstag gefeiert, der zwischen dem 20. und dem 26. Juni liegt. Obwohl kein offizieller Feiertag, haben Freitags zuvor alle frei. Deshalb fahren fast alle über das verlängerte Wochenende zu nach Hause zu ihren Heimatort – insofern bin ich der schwedischen Tradition doch treu geblieben.