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Fabian (Beijing)

Zurück in Deutschland

19. September 2014 | von

Wieder in der Heimat angekommen, ist es nun an der Zeit, das Jahr in China etwas Revue passieren zu lassen. Der erste „Kulturschock“ nach der Ankunft in der alten Heimat ist verdaut, und die Erinnerungen und Erfahrungen werden mich noch eine ganze Weile begleiten.

Wenn man von einem Land in ein anderes reist, ist man schnell dabei, die beiden verschiedenen Länder zu vergleichen. Wenn dann noch das eine Land das Mutterland des Vergleichenden ist, hat dieses leicht einen kleinen Bonus, schließlich ist dort alles „normal“ und das Abweichende erst einmal fremd. Nach einem Jahr in der Fremde bin ich aber auch dort heimisch geworden, und so gibt es doch einige Dinge, die ich hier in Deutschland bereits vermisse oder noch vermissen werde:

  • Die Öffnungszeiten. Alles ist nahezu durchgehend geöffnet. Nachts um halb vier kann man jederzeit am service desk auftauchen, und sonntags muss man nie befürchten, dass man vor einem geschlossenen Geschäft steht.
  • Den ÖPNV. Einfach mal quer durch die 20-Millionen-Stadt mit einer Subway, die im Schnitt jedes Jahr eine komplett neue Linie dazu bekommt. Und für umgerechnet 25 Cent kann man so lange fahren und umsteigen, bis man an einer Station endgültig aussteigt. Zu Stoßzeiten kommen die Züge übrigens alle zwei Minuten, das ist allerdings wohl auch notwendig in dem Netzwerk, das am Tag über 10 Millionen Passagiere befördert.
  • Meine Freunde in Peking. Auf dem Campus, im Dorm, in den Kursen, auf dem Fußballplatz und in der Kneipe hat man viele Leute kennengelernt, und einige Freundschaften sind entstanden, die über die Distanz natürlich nicht so einfach aufrecht zu erhalten sind wie vor Ort.
  • Das Straßenessen. Häufig, aber am Ende doch noch viel zu selten, saß ich am späten Abend noch bei den „Spießemännern“, die köstliche Spieße zubereiten, und genoss die Fressorgie. Auch sonst gab es immer neues zu entdecken, und egal ob Nudelsuppe oder Baozi, geschmeckt hat es (fast 😉 ) immer.
  • Das Taxi fahren. In Deutschland für Studenten kaum erschwinglich, in Peking ein liebgewonner Luxus, zumindest so lange es nicht durch den Berufsverkehr geht. Einsteigen, zurücklehnen, und chinesischen Hörspielen im Radio lauschen.
  • Das Dorm-Leben. Ich hatte zwar nur ein kleines Zimmer und ein etwas angeranztes Bad, aber hatte mich schnell eingelebt und das Leben im Dorm wirklich genossen. Dreimal wurde das eigene Reich in der Woche geputzt, und nun muss ich mich wieder daran gewöhnen, selbst mein Bett zu beziehen.
  • Das chinesische Essen. Die vielen Facetten der chinesischen Küche habe ich kennen und lieben gelernt. Natürlich ist immer mal was dabei, was den eigenen Geschmack nicht so trifft, aber häufig genug war es einfach nur richtig lecker. Und günstig.
  • Das Besonders sein. Groß, rote Haare, ob ich wollte oder nicht, ich fiel auf und war ein beliebtes Fotomotiv für höflich nachfragende oder heimlich ihr Handy zückende Mitmenschen. Das ist jetzt nicht mehr so. Es klingt zwar komisch, aber man vermisst es irgendwie etwas.
  • Vieles mehr, was mir wahrscheinlich erst in Deutschland bewusst werden wird.

Gleichzeitig müsste ich lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht auch etliche deutsche Eigenarten und Errungenschaften gibt, die das Leben sehr angenehm machen. In Deutschland genieße ich vor allem:

  • Die Umwelt. Grüne Bäume, bunte Blumen, und vor allem: durchgehend frische saubere Luft und blauer Himmel. Wenn in Peking schlechte Luft war, hing eine dicke graue Suppe über und in der Stadt, und selbst an verhältnismäßig guten Tagen war der Himmel nicht richtig blau, sondern immer noch von einer grau-weißen Schicht verdeckt. Jetzt kann ich endlich wieder rund um die Uhr richtig durchatmen.
  • Die Verständigung. Mit meinem Chinesisch sowie Händen und Füßen kam ich zwar im Alltag ganz gut zurecht, aber es tut gut, auch komplexere Sachen wieder ohne Probleme kommunizieren zu können.
  • Meine Freunde und Familie. Selbsterklärend an dieser Stelle, es ist einfach schön, die Leute wieder um sich zu wissen.
  • Stadionbesuche. Als Fußballfan bedeutet ein Auslandsaufenthalt natürlich auch, dass man nicht mehr ins Stadion kommt um seine Mannschaft spielen zu sehen. Manche Nacht habe ich vor einem schlechten Liveticker oder einem stockenden Stream gesessen, um wenigstens halbwegs das Geschehen verfolgen zu können. Jetzt ist diese harte Zeit vorbei, Rot-Weiss Essen hat mich wieder!
  • Das deutsche Essen. Brot! Wurst! Käse! Deutsche Küche! Kühles Pils! In China alles nur umständlich und für ein kleines Vermögen zu erstehen, sind die Errungenschaften mitteleuropäischer Küche hier überall zu finden. Ein kulinarischer Genuss sondergleichen!
  • Das Besonders sein. Groß, rote Haare, die ob ich wollte oder nicht, ich fiel auf und war ein beliebtes Fotoobjekt. Das ist jetzt nicht mehr so. Und auch gut so.
  • Manches mehr, das mir erst in bestimmten Momenten bewusst wird.

Man kann aber nicht alles haben, und vielleicht ist es auch ganz sinnvoll, dass man sich das perfekte Land nicht einfach backen kann. Wer würde sonst noch in die Ferne reisen?

Ziemlich dicke Luft

25. August 2014 | von

Zurzeit (Stand: 25.08.2014, 18 Uhr Ortszeit) ist die Luft über Peking sauber, der Wert der PM10 Partikel in der Luft beträgt nur 25µg/m3. An solchen Tagen kann man mal richtig in die Ferne gucken, der Himmel leuchtet blau, nur die ein oder andere kleine weiße Wolke ist zu sehen. Das ist sehr schön. Und leider auch die Ausnahme in der chinesischen Hauptstadt.

Meistens ist der Himmel nämlich eher hell- bis dunkelgrau, die Position der Sonne lässt sich nur schemenhaft erahnen. PM10 Werte (also Teilchen mit einem Durchmesser unter 10µm) zwischen 150 und 200 µg/m3 sind teilweise wochenlang durchgehend vorhanden, ohne das zwischendrin die Luft etwas besser wird. Das entspricht dem sieben- bis zehnfachen dessen, was die Weltgesundheitsorganisation als Grenzwert angibt. In der EU darf ein Tagesmittelwert von 50µg/m3 nur 35 Mal im Jahr überschritten werden. In meinen zehn Monaten in Peking wurde dieser Wert keine 35 Mal unterschritten.

Die Zeit an der „frischen Luft“ muss man da leider ziemlich einschränken, als persönlichen Grenzwert für das Sport machen im Freien hatte ich 150 für mich festgelegt, ab 200 lief ich eigentlich immer mit Maske rum, sofern ich die nicht gerade zu Hause vergessen hatte. Gerade im Dezember und Januar, als alle Kohlekraftwerke und –heizwerke auf Vollbetrieb liefen, mussten wir teilweise Werte über 500 ertragen. Draußen sieht man dann keine 50m weit, und selbst mit Maske kann man nur schwer atmen. Da hilft eigentlich nur, sich ins Zimmer (nach Möglichkeit mit Luftreiniger) zu verkriechen und hoffen, dass es bald vorbei ist.

Zur Veranschaulichung hier mal der fast gleiche Blick vom Wohnheim an einem „guten“ und einem „schlechten“ Tag:

Saubere Luft...

Saubere Luft…

... und nicht so saubere Luft

… und nicht so saubere Luft

Irgendwie arrangiert man sich zwar mit dem Smog, aber schön ist es nicht. Erst in Peking lernt man zu schätzen, wie wichtig eine vermeintliche Selbstverständlichkeit wie saubere Luft ist. Welch ein Luxus es ist, einfach zu jeder Tages-und Nachtzeit das Fenster zum Lüften öffnen zu können. Und wie flexibel man dadurch wird, dass man den Termin des nächsten Fußballspiels nicht immer an die Luft- und Wettervorhersagen anzupassen hat.

Besserung ist in naher Zukunft übrigens nicht in Sicht. Die chinesische Regierung hat zwar bestimmte Klimaziele ausgegeben, aber die angestrebten Verbesserungen reichen lange nicht aus, um die Situation wirklich zu verbessern. Und selbst ob diese Ziele eingehalten werden, bleibt fraglich. Da es in Peking zwischen September und Mai ohnehin immer sehr trocken ist und die Tage mit Regen an einer Hand abgezählt werden können, bleibt wohl auch zukünftigen Aachenern nur die Option: Maske auf und hoffen, dass es bald besser wird.

Aktuelle Werte für viele chinesische Städte gibt es übrigens hier.

Smogalarm - da kann man schon mal böse gucken

Smogalarm – da kann man schon mal böse gucken

Tsinghua is the best!

12. August 2014 | von

Als Student an der Fakultät Maschinenbau der RWTH kennt man das Gehabe ja ein schon etwas. Wir sind die RWTH! Die beste technische Uni Deutschlands! In allen Rankings immer ganz vorne! Und natürlich: Elite!

An der Tsinghua Universität in Peking wird das Ganze noch etwas offensiver gelebt. In jeder der zahlreichen Einführungsveranstaltungen der ersten beiden Wochen wurde uns immer wieder vorgekaut, an was für einer großartigen Uni wir doch jetzt studieren dürften. Die beste von China, die beste technische Uni von ganz Asien, und eine der besten der Welt! Und dann wurden zahlreiche Rankings bemüht, die die Tsinghua ganz dicht hinter den großen amerikanischen Unis auf den vorderen Plätzen sehen.

Dieses Selbstbewusstsein wird auch von ziemlich allen Studenten der Uni gelebt. Wer es einmal bis hierhin geschafft hat, gehört bereits zur einen exklusiven Auslese und wird später bei der Jobsuche auf wenig Probleme stoßen. Ganz ohne Ironie werden T-Shirts verkauft mit Slogans wie „Tsinghua University – we are the best no matter what“.

Entsprechend ist auch die Wahrnehmung im Rest Chinas. In welche verlassenste Ecke man auch kommt, die Tsinghua kennt wirklich jeder, und die Leute werden beinahe ehrfürchtig, wenn man ihnen erzählt, dass man dort studiert. Beim Besuch des Ice Festival im über 1000km von Peking entfernten Harbin im Winter mussten wir nur unsere Studentenausweise aus der Tasche holen, um in der Warteschlange ein großes Raunen und Flüstern zu erzeugen. Kein Wunder in einem Land, in dem alles auf den beruflichen Erfolg des (meist einzigen) Kindes ausgerichtet ist.

Unter dem Strich ist natürlich nicht alles Gold was glänzt, aber die Uni bietet für chinesische Verhältnisse einen sehr guten Standard und auch die RWTH könnte sich an einigen Stellen noch etwas abgucken. Und ein schickes T-Shirt mit aussagekräftigem Slogan habe ich natürlich auch gekauft.

Wie wäre es an der RWTH mit Shirts mit der Aufschrift: „Wir sind Elite!“?

Ich verstehe hier nur Chinesisch

31. Juli 2014 | von

Am besten kommt man in einem Land zurecht, wenn man auch die Landessprache beherrscht. Diese Weisheit dürfte wohl überall auf der ganzen Welt gültig sein. In Zeiten der Globalisierung dürfte man an vielen Orten mittlerweile auch mit Englisch weiterkommen, aber dennoch kann nichts die Kommunikation in der Muttersprache der jeweiligen Bevölkerung ersetzen.

Um wenigstens etwas vorbereitet zu sein, nahm ich, wie viele andere Teilnehmer des Austauschprogramms mit der Tsinghua Universität auch, an einem Chinesisch Sprachkurs des RWTH Sprachenzentrums teil. Zweimal die Woche 90 Minuten, dazu einiges an Vokabeln und vor allem Schriftzeichen lernen – nach einem Semester fühlte ich mich eigentlich halbwegs gut vorbereitet.

Bei der Ankunft in Peking fiel ich natürlich trotzdem auf die Nase. Selbst wenn extra für die Ausländer langsam gesprochen wurde, nahm ich nur eine wilde Aneinanderreihung von Lauten wahr. Und wenn ich selbst etwas sagen wollte, verstand mich niemand. Die Tücken der chinesischen Aussprache mit den verschiedenen Tönen verhinderten ziemlich erfolgreich jegliche Kommunikation.

Die notwendigen Worte und Redewendungen für die grundlegende Verständigung lernte ich irgendwann von alleine, aber es ist sehr schwierig, seine Sprachkenntnisse nur durch Alltagskommunikation zu verbessern, wenn man fast von Null anfängt. Von Seiten der Uni ist neben dem englischsprachigen Studiengang ein Sprachkurs Pflicht, aber beim Lernen in einer größeren Gruppe bleibt kommt in 12×90 Minuten nicht ganz so viel hängen. Erst recht nicht, wenn man im erst im zweiten Semester einen Platz im Kurs erhält, weil im ersten Halbjahr der Andrang zu groß war.

Die Lösung war daher privater Sprachunterricht. Jede Woche zweimal 90 Minuten Unterricht zu zweit, dazu natürlich Vor- und Nachbereitung sowie Vokabeln lernen. Schließlich will man für das Geld auch möglichst viel Erfolg haben. Der Fokus lag dabei bewusst auf dem Sprechen und Verstehen, da das Lernen von Schriftzeichen sehr zeitaufwendig ist. Neben den Aufgaben des regulären Studiums und sonstigen Verpflichtungen bleibt sonst einfach zu wenig Zeit, um wirklich Fortschritte zu machen.

Und was haben elf Monate in China sprachlich gebracht? Schwierig zu sagen. In der täglichen Verständigung funktionieren die grundlegenden Sachen ganz gut, aber hin und wieder gibt es auch immer wieder Rückschläge, wenn es an ziemlich einfachen Dingen scheitert. Manchmal muss man trotzdem noch auf Pantomime ausweichen, weil einem die Worte fehlen. Es ist eben nicht so leicht, eine Sprache wie Chinesisch „im Vorbeigehen“ neben einem normalen Studium zu lernen, wenn man zwischendrin den Fokus immer auf andere Tätigkeiten lenken muss und das Vokabeln und Grammatik lernen auf der Strecke bleibt.

Trotz allem ist Chinesisch eine echt interessante Sprache, und die kleinen Erfolge bestärken mich, auch in Aachen weiter zu lernen, sofern passende Kurse angeboten werden. Wie heißt es so schön in einem chinesischen Sprichwort: eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit einem ersten Schritt.

Wer überlegt, eventuell mal in Aachen ein bisschen Chinesisch zu lernen, findet hier die passenden Informationen.

Wenn einer eine Reise tut…

18. Juli 2014 | von

…so kann er was erzählen. Und bei Reisen durch China erlebt man eine ganze Menge. Zurzeit reise ich mit Freunden vier Wochen mit dem Auto quer durch das Land und anschließend noch fünf Tage nach Tibet, bevor unser Visum abgelaufen ist und wir uns auf den Weg nach Deutschland machen.
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Augen zu und durch – Auto fahren in China

10. Juli 2014 | von

„Auto fahren in China? Bist du denn verrückt?!“

Nun, verrückt sein muss man nicht unbedingt, um in China einen PKW zu steuern, aber bei manchem Verkehrsteilnehmer hat man schon das Gefühl, dass da wer nicht ganz klar ist. Bereits als Fußgänger lernt man schnell, dass grüne Ampel und Zebrastreifen etwas andere Bedeutungen haben im Reich der Mitte als im ordnungstreuen Deutschland. Und wer es dann noch wagt, sich hinter das Steuer zu setzen, sollte schnell lernen, sich der hiesigen Fahretikette anzupassen.

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Um fahren zu dürfen, reichen allerdings weder ein deutscher noch ein zusätzlicher internationaler Führerschein. Wer in China fahren will, braucht einen chinesischen Führerschein. Wer ein bisschen Geld und Zeit in die Hand nimmt, zweimal bis ans andere Ende der Stadt fährt und die bürokratischen und kommunikativen Hürden nicht scheut, wird nach erfolgreichem Abschluss der Theorieprüfung (die man am PC mehrfach wiederholen kann) mit dem – in China noch im wahrsten Sinne des Wortes – Lappen belohnt.

Dann kann das Abenteuer auch schon losgehen. Wissen sollte man, dass auf den Schnellstraßen (nicht ganz so schnell wie die bekannte deutsche Autobahn, Geschwindigkeit maximal 120 km/h) eine Mautgebühr erhoben wird, die man aber direkt in bar an den Stationen begleichen kann. Außerdem kann man beispielsweise in Peking Zentrum nur mit Pekinger Kennzeichen fahren, weitere Städte erlauben täglich wechseln nur Autos mit gerader bzw. ungerader letzter Ziffer das Fahren. Der Straßenzustand ist im Allgemeinen gut, so viele Schlaglöcher wie in manch deutscher Gemeinde findet man hier nicht. Dafür wird immer und überall gebaut, auch nachts mit Beleuchtung.

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Theoretisch sind die Fahrregeln in China fast die gleichen wie in Deutschland, in der Praxis offenbaren sich dann jedoch einige Unterschiede.

  • Was die Ladungssicherung und allgemeine Fahrzeugsicherheit betrifft, nimmt man das hier nicht ganz so genau. Gerade in ländlicheren Gebieten würde maximal jedes fünfte Auto den deutschen TÜV bestehen, und was die Beladung angeht, heißt es: Hauptsache es bleibt irgendwie oben.
  • Ein Rechtsfahrgebot gibt es nicht, oder zumindest beachtet es niemand. LKWs fahren durchgehend auf der linken Spur, und rechts überholen ist an der Tagesordnung. Überhaupt wird gerne überholt, bevorzugt vor scharfen Kurven oder rechts über den Standstreifen. Schon einige Male habe ich gedacht, jetzt würde es richtig knallen, aber irgendwie ist bisher alles gut gegangen.
  • Besonders durchdacht sind die Kreuzungen, an denen drei Geradeausspuren auf der einen Seite der Ampel in zwei Geradeausspuren auf der anderen Seite der Kreuzung münden. Da weiß natürlich niemand, wo er fahren muss, und natürlich beansprucht auch jeder die Vorfahrt für sich. Das Resultat: ziemliches Chaos.
  • Ampeln und Zebrastreifen haben vor allen in den Städten eher eine hinweisende als eine regelnde Funktion. Fußgänger gehen bei Zebrastreifen erst einmal los, und gucken anschließend, ob vielleicht Verkehr kommt. Und die Autofahrer kümmern sich scheinbar gar nicht um mögliche Passanten, sondern fahren einfach weiter und bremsen zur Not im letzten Augenblick ab. Gerade im Pekinger Verkehr kann man gut beobachten, dass Ampeln an bestimmten Kreuzungen komplett missachtet werden und einfach jeder auf die Kreuzung fährt, die folglich komplett verstopft. Was dann wohl hilft…
  • …richtig, viel hupen! Nicht einmal, nicht dreimal, sondern dauernd. Dass das Auto vor einem auch nicht weiterfahren kann, weil sich ein langer Stau gebildet hat, spielt das erstmal gar keine Rolle. Die Hupe ist des Autofahrers liebster Freund, was leider den negativen Effekt hat, dass sie ihre eigentliche Warnfunktion komplett verliert.

Die ersten Kilometer auf chinesischer Straße werden so schnell eine ziemlich einprägsame Erfahrung. Aber, das muss man dazu sagen, man gewöhnt sich ziemlich schnell daran. Und ehe man sich versieht, hat man die Fahrweise übernommen und ist mittendrin statt nur dabei. Und ganz ehrlich: irgendwie macht es dann auch richtig Spaß!

 

Der Campus

01. Juli 2014 | von

Was man in Aachen manchmal etwas vermisst, ist das richtige Campus-Gefühl. Hier diverse Gebäude in der Innenstadt verstreut, da ein neues Projekt wie Melaten, dort neue Gebäude in der Kackertstraße. Die Grenzen der RWTH sind kaum festgelegt, im Stadtbild ist die Uni überall zu finden.

An der Tsinghua in Peking dagegen ist der Uni-Campus klar umrissen. Auf etlichen Quadratkilometern erstreckt sich die Fläche, die neben den Universitätsgebäuden und –instituten und Dorms für chinesische und internationale Studenten auch diverse Sportplätze, Supermärkte, unzählige Mensen, Theater, Schwimmhalle, Krankenhaus, und vieles mehr. Wer nicht will (aber wer will schon nicht?!), muss das Universitätsgelände in einem ganzen Auslandsjahr eigentlich nicht verlassen.

Aufgrund der Weitläufigkeit des Gebiets bewegt man sich fast nur mit seinem Fahrrad fort. Das führt dazu, dass gerade zu Stoßzeiten die Straßen verstopfen und absolut kein Durchkommen mehr ist. Da die Qualität der Drahtesel nur begrenzt deutschen Qualitätsstandards entspricht, bekommen die zahlreichen kleinen Reparaturläden immer genug zu tun.

Einen guten Überblick über den ganzen Campus gibt es übrigens hier. Für weitere Eindrücke habe ich ein paar Fotos angehängt.

Viele Grüße,

Fabian

 

Eines der Wahrzeichen der Tsinghua

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Das Hauptgebäude

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Blick von Oben I

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Blick von Oben II

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Die alte Bibliothek

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Studentenwohnheim der internationalen Studenten

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Schlaaaaaand-Stimmung in Peking

18. Juni 2014 | von

Die Fußball-Weltmeisterschaft läuft! Foto 1 (2)Und die will man natürlich auch in Asien verfolgen. Aufgrund der Zeitverschiebung ist  das allerdings gar nicht so einfach, denn Anstoß für die Vorrundenbegegnungen ist hier zwischen 0 und 6 Uhr Ortszeit. Das bedeutet also entweder lange aufbleiben oder früh aufstehen – oder einfach gar nicht schlafen.

Am Montag, oder am besser gesagt am Dienstag nach chinesischer Zeit, startete auch die deutsche Mannschaft ins Turnier. Und wir deutschen Studenten durften uns das Spiel sogar auf „heimischem Boden“ ansehen, die der deutsche Botschafter in Peking hatte zum gemeinsamen Public Viewing in die Botschaft geladen. Ausgestattet mit Deutschlandtrikot (nicht ganz original, aber dafür auch nur 8,50€ bei passabler Qualität) stellten wir uns pünktlich um 23 Uhr in die Warteschlange und waren über den Andrang überrascht, insgesamt dürften einige Hundert Deutsche vor Ort gewesen sein.

Noch größer war die Freude dann nach dem Eintritt, denn neben einer großen Leinwand fuhr die Botschaft auch deutsches Bier (Pils & Weizen) sowie Brezeln und Bratwurst (!!!) auf. Was man über Monate in Peking kulinarisch vermisst hatte, wurde nun in Hülle & Fülle und kostenlos angeboten. Schon vor dem Anpfiff war ich im siebten Himmel.

Das Spiel werdet ihr sicher auch verfolgt haben, daher mussFoto 3 ich da nicht in die Details gehen. Kurz vor dem Herzkasper war ich allerdings bei der Ausführung des Elfmeters von Thomas Müller, als im Anlauf auf einmal der englischsprachige Stream stehen blieb. Nach langen zähen Sekunden durften wir dann auch, wenn auch etwas verspätet, jubeln. Um weiteren Herz-Rhythmusstörungen vorzubeugen, wurde anschließend auf chinesisches Fernsehen umgestellt.

Die ganz ausgelassene Public Viewing Stimmung kam im Anschluss nicht mehr richtig auf. Vielleicht lag es an der späten Uhrzeit, vielleicht an dem ungewöhnlichen Ort, und nicht ganz unbedeutend war sicherlich auch, dass spätestens zur Halbzeit komplett die Luft raus war. So hatte sich die Botschaft auch nach Spielende ziemlich schnell geleert. Trotzdem war es ein tolles Erlebnis, vielen Dank für die Einladung!

Weiter geht es dann am Sonntagmorgen gegen Ghana. Diesmal ganz „regulär“ in einer Bar. Und Durchhaltevermögen sollte man auch mitbringen – die Begegnung beginnt um 3 Uhr.

Viele Grüße aus Peking!

 

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Warum eigentlich China?

29. Mai 2014 | von

Warum eigentlich China?

Wem auch immer ich vor meinem Auslandsaufenthalt von meinen Plänen berichtete, fragte früher oder später diese eine Frage. Während ein Studienabschnitt im Ausland heute schon eher Pflicht als Kür ist und Unmengen von Studierenden an verschiedenste Erasmus-Unis und nach Nordamerika ziehen, ist ein Jahr im Reich der Mitte für viele Menschen offenbar noch jenseits der Vorstellungskraft.

Wenn dir diese Frage ebenfalls in den Sinn kam, habe ich hier mal eine paar Gründe, warum China auf jeden Fall immer ein lohnenswertes Studien- oder Reiseziel ist. China ist nämlich…

  • … zuallererst riesig! Die Volksrepublik China ist flächenmäßig das viertgrößte Land der Welt, etwa 27 Mal so groß wie unser kleines Deutschland. Sie grenzt an 14 Nachbarstaaten, und hat mit 22.133km Landesgrenzen mit einer Gesamtlänge von 22.133km (beides Weltrekord). Offiziell gibt es in China übrigens nur eine Zeitzone, obwohl zwischen der Grenze im Nordosten (Russland ist dort zwei Stunden voraus) und im Westen (Pakistan ist drei volle Zeigerumdrehungen hinterher) knapp 5.000km liegen. Außerdem umfasst China 18 verschiedene Klimazonen, von Kontinental- (Nordosten) bis Hochgebirgsklima (Tibet) und von Tropisch (Süden) bis Wüste (Gobi).
  • voller Menschen! Wer sich in Peking zu Stoßzeiten mal in eine übervolle Bahn gequetscht hat, wird sicherlich wissen, wovon ich spreche. Das Reich der Mitte bringt es auf 1,35 Milliarden Menschen (und ist damit noch vor Indien auf Rang 1, auch wenn die Ein-Kind-Politik dafür gesorgt hat, dass man in dieser Rubrik den südwestlichen Nachbarn bald vorbeiziehen lassen muss), diese sind allerdings sehr ungleich verteilt. Im Osten und Südosten lebt ein Großteil der Bevölkerung, während der Westen nahezu menschenleer ist. Übrigens: in China gibt es 49 Millionen-Städte (Stand: 2009). Berlin läge hier nur auf Platz 9, Hamburg auf 24 und Aachen… naja, auf 208 (in Deutschland: 29). Offizielle chinesische Daten schließen häufig das komplette Verwaltungsgebiet mit ein, so kommt Chongqing im Süden Chinas auf eine Einwohnerzahl von über 30 Millionen. Allerdings auch auf einer Fläche von der Größe Österreichs.
  • vielseitig! Neben den Han-Chinesen, die über 90% der Bevölkerung stellen, gibt es 55 offiziell anerkannte Minderheiten. Diese leben mehr oder leider auch minder friedlich in verschiedensten Gebieten und haben eigene Kulturen, Bräuche und Sprachen. Die kleinsten Völkergruppen bestehen nur aus wenigen tausend Menschen. Die Mitglieder einer offiziell anerkannten Minderheiten sind grundsätzlich von der Ein-Kind-Politik ausgenommen und haben verschiedene Vorteile, etwa bei der Vergabe von Studienplätzen.
  • … nicht zuletzt ein wirtschaftlich wachsendes Land! Ja, klingt erstmal etwas dröge, aber ist für den angehenden Absolventen einer Technischen Universität sicherlich nicht ganz unbedeutend. Daher schnell mal ein paar Daten: seit 2009 hat China Deutschland als „Exportweltmeister“ abgelöst, nahezu alle großen deutschen Firmen sind vor Ort vertreten, alleine Volkswagen beschäftigt hier knapp 50.000 Mitarbeiter und will in den nächsten drei Jahren 14 Milliarden Euro in China investieren.

Und ja, es gibt auch negative Aspekte, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Der industrielle Boom basiert u.a. auf niedrigen Löhnen und mangelnden Sicherheitsvorkehrungen, der wirtschaftliche Aufschwung nimmt nur einen Teil der Gesellschaft mit, die politische Linie lässt wenig Kritik oder Diskussion zu, in China werden jährlich vermutlich mehr Todesurteile vollstreckt als in allen anderen Ländern der Welt zusammen (genaue Zahlen werden von chinesischer Seite nicht veröffentlicht), viele Teile des Landes kämpfen mit großen Problemen im Bereich Umwelt- und Luftverschmutzung… die Liste ließe sich bestimmt noch um etliche Punkte ergänzen.

In den viel direkteren, unmittelbaren Erfahrungen des Alltags bekommt man davon jedoch wenig (na gut, der Smog ist wirklich anstrengend, dazu später mehr…) mit. Es ist eher ein Potpourri der verschiedensten Eindrücke; China wirkt hektisch, zurückhaltend, überfüllt, laut, nachdenklich, höflich, dreckig, freundlich, träge, verwirrend, friedlich. Und gerade das Widersprüchliche macht das Land reizvoll!

Offenbar sehen das auch immer mehr junge Menschen so, die Zahl deutscher Studenten in China hat sich in den letzten Jahren mehr als verdreifacht. Gründe, hier her zu kommen gibt es also genug, daher kann es auf die Eingangsfrage nur eine Antwort geben: „Warum eigentlich nicht?“

Viele Grüße aus Peking,

Fabian

Es kann losgehen!

17. Mai 2014 | von

Die beschriebenen Eindrücke datieren vom letzten September, als mein Auslandsstudium in Peking losging. Mittlerweile ist natürlich schon einige Zeit vergangen, aber zum Start meines Blogs fange ich bewusst mit dem Beginn meines Auslandsstudiums an. Bald kommt selbstverständlich auch etwas aktuelleres. 😉

Nach einem zweitätigen Aufenthalt in Dubai erreicht unsere Gruppe von 15 Aachener Studenten endlich chinesischen Boden, das Land, in dem wir die nächsten zehn bis elf Monate verbringen werden. Angekommen am Flughafen Peking wird unsere Gruppe von einer Mitarbeiterin unseres Departments direkt am Flughafen abgeholt, und in einem Uni-eigenen Bus zum Campus gefahren. Der befürchtete Smog-Schock bleibt erst einmal aus, die Luft ist erstaunlich sauber, und selbst gegen Mitternacht sind die Temperaturen noch sehr angenehm. Der erste Stop ist das general service desk, dessen Mitarbeiter für die Zuteilung der Zimmer zuständig ist. Dass wird nachts gegen 1 Uhr die Uni erreichen, ist überhaupt kein Problem, das Büro hat das ganze Semester 24/7 geöffnet. Da können sich die Öffnungszeiten-verbohrten Mitarbeiter einiger studentischer Anlaufstellen in Aachen mal eine Scheibe von abschneiden, schießt mir sofort durch den Kopf.

Dank des Jetlags ist an Schlaf natürlich noch nicht zu denken, nach einem kurzen Abladen des Gepäcks und schnellen Beschauen des Zimmers (insgesamt etwa 15 qm, inklusive Duschklo), machen wir mit unser Gruppe noch einen kleinen Spaziergang über den Campus. Als sich der Magen zu Wort meldet, steuern wir zielsicher die nächste noch geöffnete Lokalität an – ganz unchinesisch: McDonald’s. Auch bei Dunkelheit lassen sich die Ausmaße des Campus schon gut erahnen, auf dem Rückweg gehen wir an dem zwar nicht schönen aber imposanten Hauptgebäude vorbei, das an sozialistische, kantige Protzbauten aus dem früheren Ostblock erinnert. Gegen halb fünf falle ich dann endlich ins Bett und lande erst einmal auf einem ziemlich harten Holzbrett, denn statt Matratze liegt über der als Lattenrost dienenden Pressspanplatte nur eine dünne Decke.

In den ersten Stunden und Tagen prasseln die neuen Eindrücke auf einen herein, man hat kaum Zeit, zwischendurch mal etwas durchzuschnaufen und alles sacken zu lassen. Und nachdem das Wochenende den ersten lustigen Abend in, und eine Führung durch, das angrenzende Viertel Wudaokou beinhaltete, steht am Montagmorgen direkt der erste Pflichttermin an: Punkt 8 Uhr, registration, also Einschreibung.

Schnell müssen wir allerdings feststellen, dass es damit nicht getan ist, sondern noch diverse weitere Stellen (Bank, Mensakartenausgabe, eigenes Department, …) abgelaufen werden müssen, ehe wir dazu kommen, uns auf dem Campus mal ein wenig umzusehen. Besonders bitter dann, wenn man aus chinesischer Sicht krasse Anfängerfehler begeht (keine schwarze Tinte, zu wenige oder falsche Passfotos, fehlender roter Stempel auf irgendeinem Dokument), und die entsprechenden Orte am nächsten Tag noch einmal aufsuchen darf. Auch die Verständigung ist nicht immer leicht, an einigen Stellen wird ausschließlich chinesisch gesprochen, aber irgendwie funktioniert am Ende doch alles wie gewünscht.

Der Rest der ersten Woche gestaltet sich aber deutlich entspannter, neben einer vorbereitenden Vorlesung pro Tag bleibt noch genug Zeit, um den riesigen Campus zu erkunden und erste Besuche zu den zahlreichen Attraktionen von Peking zu starten. Und auch das Abendprogramm in den verschiedensten Clubs im nahen Wudaokou lässt wenig Wünsche offen: freien Eintritt und fünf Freigetränke für alle internationalen Studenten! Wo gibt es das in Deutschland, und vor allem: wie kann sich so etwas für den Veranstalter nur lohnen?!

Nach einigen Tagen kann ich mir auch endlich meinen von den Vorgängern übernommenen Hausrat abholen, neben einer richtigen Matratze kann ich nun den Luxus einen großen Kühlschranks und weiterer mehr oder weniger nützlichen Alltagsgegenständen genießen. Gespickt mit Univeranstaltungen, gemeinsamen Besuchen auf der Großen Mauer, in der Verbotenen Stadt, im Sommerpalast und weiteren Pekinger Sehenswürdigkeiten vergehen die ersten beiden Wochen wie im Flug.

Dann ist es auch schon so weit, das erste Auslandssemester startet ganz offiziell. Es kann losgehen!