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Fabian (Beijing)

Warum eigentlich China?

29. Mai 2014 | von

Warum eigentlich China?

Wem auch immer ich vor meinem Auslandsaufenthalt von meinen Plänen berichtete, fragte früher oder später diese eine Frage. Während ein Studienabschnitt im Ausland heute schon eher Pflicht als Kür ist und Unmengen von Studierenden an verschiedenste Erasmus-Unis und nach Nordamerika ziehen, ist ein Jahr im Reich der Mitte für viele Menschen offenbar noch jenseits der Vorstellungskraft.

Wenn dir diese Frage ebenfalls in den Sinn kam, habe ich hier mal eine paar Gründe, warum China auf jeden Fall immer ein lohnenswertes Studien- oder Reiseziel ist. China ist nämlich…

  • … zuallererst riesig! Die Volksrepublik China ist flächenmäßig das viertgrößte Land der Welt, etwa 27 Mal so groß wie unser kleines Deutschland. Sie grenzt an 14 Nachbarstaaten, und hat mit 22.133km Landesgrenzen mit einer Gesamtlänge von 22.133km (beides Weltrekord). Offiziell gibt es in China übrigens nur eine Zeitzone, obwohl zwischen der Grenze im Nordosten (Russland ist dort zwei Stunden voraus) und im Westen (Pakistan ist drei volle Zeigerumdrehungen hinterher) knapp 5.000km liegen. Außerdem umfasst China 18 verschiedene Klimazonen, von Kontinental- (Nordosten) bis Hochgebirgsklima (Tibet) und von Tropisch (Süden) bis Wüste (Gobi).
  • voller Menschen! Wer sich in Peking zu Stoßzeiten mal in eine übervolle Bahn gequetscht hat, wird sicherlich wissen, wovon ich spreche. Das Reich der Mitte bringt es auf 1,35 Milliarden Menschen (und ist damit noch vor Indien auf Rang 1, auch wenn die Ein-Kind-Politik dafür gesorgt hat, dass man in dieser Rubrik den südwestlichen Nachbarn bald vorbeiziehen lassen muss), diese sind allerdings sehr ungleich verteilt. Im Osten und Südosten lebt ein Großteil der Bevölkerung, während der Westen nahezu menschenleer ist. Übrigens: in China gibt es 49 Millionen-Städte (Stand: 2009). Berlin läge hier nur auf Platz 9, Hamburg auf 24 und Aachen… naja, auf 208 (in Deutschland: 29). Offizielle chinesische Daten schließen häufig das komplette Verwaltungsgebiet mit ein, so kommt Chongqing im Süden Chinas auf eine Einwohnerzahl von über 30 Millionen. Allerdings auch auf einer Fläche von der Größe Österreichs.
  • vielseitig! Neben den Han-Chinesen, die über 90% der Bevölkerung stellen, gibt es 55 offiziell anerkannte Minderheiten. Diese leben mehr oder leider auch minder friedlich in verschiedensten Gebieten und haben eigene Kulturen, Bräuche und Sprachen. Die kleinsten Völkergruppen bestehen nur aus wenigen tausend Menschen. Die Mitglieder einer offiziell anerkannten Minderheiten sind grundsätzlich von der Ein-Kind-Politik ausgenommen und haben verschiedene Vorteile, etwa bei der Vergabe von Studienplätzen.
  • … nicht zuletzt ein wirtschaftlich wachsendes Land! Ja, klingt erstmal etwas dröge, aber ist für den angehenden Absolventen einer Technischen Universität sicherlich nicht ganz unbedeutend. Daher schnell mal ein paar Daten: seit 2009 hat China Deutschland als „Exportweltmeister“ abgelöst, nahezu alle großen deutschen Firmen sind vor Ort vertreten, alleine Volkswagen beschäftigt hier knapp 50.000 Mitarbeiter und will in den nächsten drei Jahren 14 Milliarden Euro in China investieren.

Und ja, es gibt auch negative Aspekte, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Der industrielle Boom basiert u.a. auf niedrigen Löhnen und mangelnden Sicherheitsvorkehrungen, der wirtschaftliche Aufschwung nimmt nur einen Teil der Gesellschaft mit, die politische Linie lässt wenig Kritik oder Diskussion zu, in China werden jährlich vermutlich mehr Todesurteile vollstreckt als in allen anderen Ländern der Welt zusammen (genaue Zahlen werden von chinesischer Seite nicht veröffentlicht), viele Teile des Landes kämpfen mit großen Problemen im Bereich Umwelt- und Luftverschmutzung… die Liste ließe sich bestimmt noch um etliche Punkte ergänzen.

In den viel direkteren, unmittelbaren Erfahrungen des Alltags bekommt man davon jedoch wenig (na gut, der Smog ist wirklich anstrengend, dazu später mehr…) mit. Es ist eher ein Potpourri der verschiedensten Eindrücke; China wirkt hektisch, zurückhaltend, überfüllt, laut, nachdenklich, höflich, dreckig, freundlich, träge, verwirrend, friedlich. Und gerade das Widersprüchliche macht das Land reizvoll!

Offenbar sehen das auch immer mehr junge Menschen so, die Zahl deutscher Studenten in China hat sich in den letzten Jahren mehr als verdreifacht. Gründe, hier her zu kommen gibt es also genug, daher kann es auf die Eingangsfrage nur eine Antwort geben: „Warum eigentlich nicht?“

Viele Grüße aus Peking,

Fabian

Eine Antwort zu “Warum eigentlich China?”

  1. Hao Wang sagt:

    ich kenne einen anderen Fabien, der jetzt in Peking studiert. Willst du den kennenlernen? Oder hat ihr schon 😉

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