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Fabian (Beijing)

Ziemlich dicke Luft

25. August 2014 | von

Zurzeit (Stand: 25.08.2014, 18 Uhr Ortszeit) ist die Luft über Peking sauber, der Wert der PM10 Partikel in der Luft beträgt nur 25µg/m3. An solchen Tagen kann man mal richtig in die Ferne gucken, der Himmel leuchtet blau, nur die ein oder andere kleine weiße Wolke ist zu sehen. Das ist sehr schön. Und leider auch die Ausnahme in der chinesischen Hauptstadt.

Meistens ist der Himmel nämlich eher hell- bis dunkelgrau, die Position der Sonne lässt sich nur schemenhaft erahnen. PM10 Werte (also Teilchen mit einem Durchmesser unter 10µm) zwischen 150 und 200 µg/m3 sind teilweise wochenlang durchgehend vorhanden, ohne das zwischendrin die Luft etwas besser wird. Das entspricht dem sieben- bis zehnfachen dessen, was die Weltgesundheitsorganisation als Grenzwert angibt. In der EU darf ein Tagesmittelwert von 50µg/m3 nur 35 Mal im Jahr überschritten werden. In meinen zehn Monaten in Peking wurde dieser Wert keine 35 Mal unterschritten.

Die Zeit an der „frischen Luft“ muss man da leider ziemlich einschränken, als persönlichen Grenzwert für das Sport machen im Freien hatte ich 150 für mich festgelegt, ab 200 lief ich eigentlich immer mit Maske rum, sofern ich die nicht gerade zu Hause vergessen hatte. Gerade im Dezember und Januar, als alle Kohlekraftwerke und –heizwerke auf Vollbetrieb liefen, mussten wir teilweise Werte über 500 ertragen. Draußen sieht man dann keine 50m weit, und selbst mit Maske kann man nur schwer atmen. Da hilft eigentlich nur, sich ins Zimmer (nach Möglichkeit mit Luftreiniger) zu verkriechen und hoffen, dass es bald vorbei ist.

Zur Veranschaulichung hier mal der fast gleiche Blick vom Wohnheim an einem „guten“ und einem „schlechten“ Tag:

Saubere Luft...

Saubere Luft…

... und nicht so saubere Luft

… und nicht so saubere Luft

Irgendwie arrangiert man sich zwar mit dem Smog, aber schön ist es nicht. Erst in Peking lernt man zu schätzen, wie wichtig eine vermeintliche Selbstverständlichkeit wie saubere Luft ist. Welch ein Luxus es ist, einfach zu jeder Tages-und Nachtzeit das Fenster zum Lüften öffnen zu können. Und wie flexibel man dadurch wird, dass man den Termin des nächsten Fußballspiels nicht immer an die Luft- und Wettervorhersagen anzupassen hat.

Besserung ist in naher Zukunft übrigens nicht in Sicht. Die chinesische Regierung hat zwar bestimmte Klimaziele ausgegeben, aber die angestrebten Verbesserungen reichen lange nicht aus, um die Situation wirklich zu verbessern. Und selbst ob diese Ziele eingehalten werden, bleibt fraglich. Da es in Peking zwischen September und Mai ohnehin immer sehr trocken ist und die Tage mit Regen an einer Hand abgezählt werden können, bleibt wohl auch zukünftigen Aachenern nur die Option: Maske auf und hoffen, dass es bald besser wird.

Aktuelle Werte für viele chinesische Städte gibt es übrigens hier.

Smogalarm - da kann man schon mal böse gucken

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