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Taiwan: Chinesisches Neujahr/Mond Neujahr

02. März 2016 | von

大家好!

Letzte Woche war Chinesisches Neujahr. Ich war bei meinem Kumpel Hugo in Tainan. Wenn ihr vom Erdbeben in Süd-Taiwan letzte Woche gehört habt, ja ich war dabei, aber mir ist nichts passiert. Ich wurde jedoch mitten Nacht vom Erdbeben geweckt und alles hat angefangen stark zu ruckeln. Aber wann soll ich auch ein Erdbeben erleben, wenn nicht natürlich im Auslandssemester.

Mit Hugo und seiner Familie habe ich das Neujahrsfest verbracht. Hugo habe ich letztes Jahr in Aachen kennengelernt. Er war im WS13/14 und SS14 Austauschstudent von der National Tsinghua University. Damals war ich in BeBuddy aktiv und war der Buddy für seinen Freund Kiwi. Ich habe sie damals zusammen vom Hauptbahnhof abgeholt und war somit der Erste, den sie in Deutschland kennengelernt haben.

Damals bis heute

Damals bis heute

In Taiwan unternehmen wir noch viel miteinander. Nur leider muss Hugo seiner Wehrpflicht nachgehen und ist somit auch in Tainan, was schon 2~3 Stunden von Hsinchu entfernt ist..

Neujahrsessen und Gebet

Neujahrsessen und Gebet

Das Bild hier ist jetzt zwar von meiner Familie in Bielefeld, aber in Taiwan ist es ähnlich. Das Chinesische Neujahr ist traditionell eigentlich ein religiöser Feiertag. In China wurde der religöse Teil vom Neujahr aufgrund des Kommunismus leider größtenteils vergessen. Da meine Familie vor dem Kommunismus China verließ, wurden wir davon nicht beeinflusst und feiern in diesem Stil bis heute Chinesisches Neujahr. Ich war mir in Deutschland nie sicher, wie authentisch wir eigentlich sind, da ich in Deutschland niemanden kannte, der das genauso macht.

Ein kleiner Unterschied zwischen Taiwan und meiner Familie besteht dann aber schon, da der Großteil der Taiwanesen taoistisch ist und wir buddhistisch. Grob gesagt ist der Unterschied, dass Taoisten zu Göttern und Buddhisten zu Ahnen beten. Die freien Plätze auf dem Foto symbolisieren die Plätze für die Ahnen. Das Neujahrsessen (年夜飯) wird dann abends gegessen.

Bräuche

Neujahrsbräuche

In Taiwan gehen viele in einen Tempel und beten. Das Papier auf dem Bild rechts-oben wird verbrannt. Links-unten sieht man Hongbaos (紅包, roter Umschlag). Darin befindet sich Geld. Erwachsene, die ein Einkommen haben, müssen diese an Kinder und Großeltern schenken. Auf dem Bild sind einige versiegelt, da ich welche mit hübschen Motiven für meine Familie kaufen sollte. In Taiwan habe ich zwei von meiner Tante und ihrer Mutter bekommen. In Deutschland haben meine Verwandten auch an mich gedacht, ich kriege es nachträglich, wenn ich wieder in Deutschland bin. Natürlich könnten sie mir das Geld überweisen, das wäre aber gegen die Tradition, da ich das Bargeld aus dem Hongbao selber öffne und für etwas Sinnvolles auch bar bezahlen soll.

Als Kind habe ich gelernt zu sagen „Gong Xi Fa Cai, Hong Bao Na Lai!“ (恭喜發財, 紅包拿來!), was so viel heiß wie: „Viel Glück, gib mir endlich das Hongbao!“. Andere Neujahrsgrüße sind „Xin Nian Kuai Le“ (新年快樂, Frohes Neues Jahr), „Wan Shi Ru Yi“ (萬事如意, Mögen alle deine Wünsche in Erfüllung gehen), „Shen Ti Jian Kang“ (身體健康, Bleib gesund).

Abends gab es dann noch ein Feuerwerk, aber wir haben den Abend ruhig verbracht und haben es uns deswegen nicht angeschaut. Gerne wird dann auch die Neujahrsshow im Fernsehen angeschaut.

Was dann noch gemacht wird, was ich in Deutschland nie miterlebt habe, ist, dass man Mahjong (麻將) um das Hongbao Geld spielt. Hier war ich mit Hugo bei Reines zu Hause in Kaohsiung. Reines habe ich auch in Aachen letztes Jahr kennengelernt, sie war Praktikantin an einem Institut der RWTH.

Majiang

Mahjong um Hongbao Geld, Reines‘ Oma hat uns vorher abgezogen

Und noch etwas: Das Chinesische Neujahrsfest ist eigentlich nicht nur ein Chinesisches, da viele ost- und südostasiatische Länder, wie Korea, Vietnam oder Thailand, es auch feiern mit ähnlichen und eigenen Bräuchen. Gefeiert wird das Neujahr des Mondkalenders und man sollte es deswegen auch in „Mondneujahr“ umbenennen.

Bis zum nächsten mal!~



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