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IT Center

60 Jahre IT Center – Die Ära Reutter (1964-1980)

13. August 2018 | von

Abb.: Gestatten: Professor Reutter.

Wer sich im Rheinland befindet, trifft nicht nur in Köln, der Hochburg des Karnevals, auf Humor, sondern erst recht bei uns in Aachen! In diesem Falle handelt es sich bei dem adrett gekleideten Mann, der von dem Eisbären so herzlich umarmt wird, um Fritz Reutter, dem zweiten Leiter des Rechenzentrums und somit Nachfolger von Hubert Cremer (bereits letzte Woche vorgestellt). Fritz Reutter, ebenfalls Mathematiker und Physiker, war von Anfang an dabei, als eine Lösung gesucht wurde, die den neuerlichen Bedürfnissen aller RWTH-Angehöriger nach Maschinen und Rechenleistung gerecht werden sollte, die sich darüber hinaus auf einen einzigen Ort konzentrieren sollten. Das Haus Appelrath und das der Raumknappheit wegen ausgelagerte Gebäude im Boksemünser am Katschof boten hierfür nicht mehr die erforderlichen Standards, um diesem Ziel Rechnung zu tragen. Herr Reutter war mit Beginn seiner Amtszeit im Jahre 1964 in dieses Bauvorhaben involviert.

Am 24.03.1966 war es dann so weit: 2400 Quadratmeter Rechen-und Kommunikationszentrum wurden von Herrn Professor Reutter und seinem Team bezogen. Ob der Eisbär mit von der Partie war, ist nicht überliefert. Dafür aber jede Menge neue Geräte: Den Anschaffungen der Zuse- und der Siemens 2002-Großrechenmaschinen folgte die große Zeit der CDC 6400. Diese galt seinerzeit als die Leistungsfähigste unter ihnen, die es bis zu diesem Zeitpunkt europaweit nur noch in CERN gab. Durch diese war es hochschulweit jedermann möglich, über ein Fernanschlusssystem auf die von ihr erbrachte Rechenleistung zuzugreifen. Zu diesem Zweck standen den Hochschulangehörigen 64 Fernschreib-Terminals zur Verfügung. Fritz Reutter gelang es außerdem, nicht nur die neuesten Maschinen für die RWTH zu erwerben, sondern das Gesamtrepertoire aus der Rechenzentrums- Gründerzeit auszutauschen. Nach der Zuse verschwand die Siemens 2002 aus der hiesigen Gerätelandschaft, während neben der CDC 6400 ab 1976 auch die CDC Cyber 175 ihren rechnerischen Beitrag leistete. Für eine Investition von 18 Millionen D-Mark hat es diese Maschine der Hochschule möglich gemacht, 6 Millionen Operationen in einer Sekunde durchzuführen. Mit steigender Rechenleistung nahm auch der Bedarf an infrastruktureller Veränderungen zu:

Abb.: Heute sind es kleine Karten, gestern noch Lochkarten. Bald sollte ein Fahrdienst für den Transport dieses Speichermediums in Auftrag gegeben werden.

Während für die Nutzung der ersten Großrechenmaschinen ein Besuch beim Rechenzentrum zwingend erforderlich war, um Speichermedien, wie Lochkarten an die Maschine zu bringen, wurde dies den Nutzenden seit dem Gebrauch der CDC 6400 über einen Fahrdienst abgenommen. Bei den vielen Rechnungen, die in kürzester Zeit von den CDC Cyber 175-Maschinen umgesetzt wurden, bewährten sich keine der beiden angesprochenen Servicemodelle als eine komfortable Lösung.  Aus diesem Grund ging man 1976 dazu über, eine RJE -Station inklusive Kartenleser und Drucker über eine Telefon-Standleitung an die Rechner anzuschließen. Angesichts dieser Umsetzungen könnte die auf dem Schwarzweiß-Bild zu erkennende Umarmung – nebst tätschelnder Hand auf dem Bauch des Professors – Ausdruck von Anerkennung für eine nützliche Idee gewesen sein.

Was könnte uns der haarige Freund noch von Professor Reutter berichten? Möglicherweise, dass dieser aufgrund seines umfangreichen Ausbildungsweges – er war nicht nur reiner Wissenschaftler, sondern auch staatsexaminiert im wissenschaftlichen Lehramt –  sensibilisiert dafür war, junge Menschen in ihrer Ausbildung zu fördern. Immerhin ist er es, der das IT Center ab 1966 zu einem Ort didaktischer Ausübung machte, indem ab 1966 der erste Jahrgang zur Ausbildung Mathematisch-Technischen Assistenten (MATA) im Seffenter Weg empfangen wurde. Bis heute bildet das IT Center die sogenannten MATSE’s, wie sie mittlerweile bezeichnet werden, aus.

Abb.: Das Rechenzentrum als Ausbildungsort: MATA’s an der Arbeit.

 

 

 



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