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RWTH-Schreibzentrum

„Wer ist Ihr Held in der Geschichte?“

19. Dezember 2013 | von

In der vergangenen Woche besuchte Bernd Büttgens das ZKS, der stellvertretende Chefredakteur der Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten. Welche Eigenschaften muss ein Journalist mitbringen? Wie sieht der redaktionelle Alltag aus? Worauf kommt es beim journalistischen Texten an? Diese Fragen beantwortete Büttgens den Teilnehmenden des Workshops für Journalistisches Schreiben. In einer anschließenden Diskussionsrunde mit Johanna Otting von der relatif und Dr. Christoph Leuchter präsentierten die Studierenden ihre Projekte und erhielten professionelles Feedback.

Was bedeutet journalistisches Arbeiten? Man interessiert sich für ein Thema, sieht und hört sich um. Wer daraufhin anfängt zu recherchieren und nachzufragen, hat bereits mit der journalistischen Tätigkeit begonnen, ohne es zu merken. Neugier und die Lust auf Begegnung mit Menschen – das sind für Büttgens die Grundvoraussetzungen für angehende Journalisten. Unabdingbar ist für ihn des Weiteren eine gute Vorbereitung, was nicht nur bedeutet, den Namen seiner Gesprächspartner zu kennen, sondern auch den Hintergrund der Geschichte insgesamt. Im Kontakt mit den Menschen sollte ein Journalist in einen Dialog treten, nicht nur auf vorformulierte Fragen zurückgreifen, stattdessen auch auf die jeweiligen Antworten reagieren, so Büttgens. Er kritisiert die „journalistische Eitelkeit“, die Texte als seine Kinder anzusehen – denn kritische Fragen müssen erlaubt sein. Eine gute Feedback-Kultur in Redaktionssitzungen ist dafür sehr wichtig, erklärt Büttgens.

Jeder Text hat eine Zielgruppe, die nie vergessen werden sollte, denn professionelles Schreiben orientiert sich an den Erwartungen und Ansprüchen der potentiellen Leser. „Niemand liest ein Magazin von vorne bis hinten“, so Büttgens, die Zeit und Aufmerksamkeit der Leser ist begrenzt. Texte (und damit auch Textproduzenten) stehen in Konkurrenz zueinander, verriet Büttgens. Ausschlaggebend für eine hohe Reichweite eines Artikels seien das Thema, die Bebilderung, die Überschrift und der erste Satz – der erste Eindruck ist unwiderruflich.

Journalisten sollten weiterhin offen sein für die Geschichte, über die sie schreiben wollen, d.h. sie dürfen keine Erwartungshaltung einnehmen, nicht glauben, dass sie bereits vorab wissen, wovon die Geschichte handelt. Sie müssen immer bereit sein, von der geplanten Story abzuweichen, wenn diese es erfordert. Ein Seminarteilnehmer plant beispielsweise ein Porträt über einen Aachener Piloten, der im Dritten Reich Hitler begegnete. „Falls sich bei der Recherche herausstellt, dass der Mann ein Kriegsverbrecher gewesen ist, müssen Sie Ihre Erzählhaltung ändern“, rät Büttgens, „dann können Sie nicht nur von seinen leuchtenden Augen beim Anblick seines alten Flugzeugs erzählen“, fügt Leuchter hinzu. Büttgens fragt die Studierenden häufig „Wer ist Ihr Held in der Geschichte?“ und „Wo liegt der Fokus?“. Otting und Leuchter geben Tipps zum richtigen Einstieg in die Geschichte, machen Anmerkungen zum Stil der vorbereiteten Zeilen und beraten die Teilnehmenden bei der Wahl der Perspektive, aus der ihr Text geschrieben wird. So konkretisieren sich die Projekte des Einzelnen rasch.

Das Themenspektrum der Seminarrunde ist breit gefächert – es reicht von einem Erfahrungsbericht über ein Heavy-Metal-Festival, einem Artikel über die Situation von Flüchtlingen in Aachen bis hin zu einer Reportage über den Umgang mit Krankheit eines Chefarztes des Aachener Uniklinikums. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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