Kategorien
Seiten
-

Laura

Mehr als eine Altersfrage

09. November 2015 | von

Vor ein paar Tagen habe ich die E-Mail bekommen, dass ich zum Bauingenieur zugelassen bin. Die Auflagen sind ein paar mehr Fächer, als ich erwartet hatte, aber ich hatte mich ja ohnehin darauf eingestellt, dass ich etwas länger brauchen würde, um den Master abzuschließen. In den nächsten Tagen werde ich also etwas Zeit damit verbringen, meinen individuellen Studienplan aufzustellen. Im Moment dagegen gehöre ich, wie eine Freundin es letztens ausdrückte, zur „arbeitenden Bevölkerung“. Und solange ich ganz frei entscheiden kann wie viel und wann ich arbeite, gefällt mir das auch sehr gut. So kann ich mir meine Arbeitszeit zum Beispiel so aufteilen, dass ich zwischendurch über ein sehr langes Wochenende zu meinem Vater fahren kann, ohne dabei meine durchschnittliche Arbeit pro Woche zu kürzen. Und dabei muss ich nicht mal groß rechnen, ob ich mir die Zugfahrt dort hin leisten kann. Es ist schön, mal eine Weile nicht darauf achten zu müssen, ob noch genug Geld auf dem Konto ist. Es gibt mir einen kleinen Einblick darin, wie es nach dem Studium werden könnte und es gefällt mir. Auch dass ich jetzt zwei bis drei Jahre Zeit hab, mich im Büro ganz langsam an die Ingenieurarbeit zu gewöhnen, kann nur ein Vorteil sein. Momentan tue ich mich noch etwas schwer damit, die Projektarbeit, die ich im Büro manchmal übernehme, nicht als Überforderung zu empfinden. Ich mache mir oft selbst mehr Druck als nötig und will gar nicht wissen, wie verzweifelt ich gewesen wäre, diese Aufgaben als eingestellte Ingenieurin gleich von Anfang an zu übernehmen. So allerdings habe ich alle Ruhe, mich nach und nach in diese Rolle einzufinden und von Woche zu Woche geht das ein kleines bisschen leichter. Außerdem merke ich an meinen jüngeren Kollegen, die selbst erst ein paar Monate da sind, dass es anderen ähnlich geht. Das ist sehr beruhigend für mich und der Gedanke, ich würde mich so viel schlechter im Leben schlagen als andere, wird dadurch immer seltener. Es gibt zwar immer noch viele Dinge, bei denen ich mir selbst nicht genug zutraue, zweifle und Angst habe, nicht gut genug zu sein, aber ich begreife langsam, dass das wohl einfach zum Leben dazugehört. Selbst in dreißig Jahren werde ich davon nicht ganz frei sein, im Endeffekt kommt es nur darauf an, wie man damit umgeht. Dass man sich irgendwann daran gewöhnt, seine Ängste zu akzeptieren und sich dann einfach umso mehr anzustrengen, ohne sich dabei zu sehr unter Druck zu setzen. Mit Schwierigkeiten immer besser umzugehen, sie als Herausforderungen zu sehen und zu meistern. So ist das wohl, erwachsen zu werden, 18 zu sein reicht da noch lange nicht aus.

Das muss anders! Aber was?

14. September 2015 | von

Hin und wieder gibt es Phasen im Leben, da ist alles was zählt Veränderung. Bei mir geht diesen Phasen meist etwas anderes voraus, negative Ereignisse wie Trennungen, unerwiderte Liebe, der Tod eines Menschen, ohne den man sich die Welt nicht vorstellen kann. In diesen Phasen zieht man endlich zuhause aus oder einfach nur um, färbt sich die Haare in der Farbe, von der man schon immer fand, dass sie viel besser zu einem passt – und stellt möglicherweise fest, dass das stimmt -, stellt die Ernährung um, ganz mutige wechseln den Job, vielleicht sogar die Stadt oder gar das Land, in dem sie wohnen, machen vielleicht eine Weltreise. Meistens sind das irgendwie Dinge, die man schon immer mal tun wollte, aber nie so recht wusste, ob man sie wirklich durchziehen sollte. Weil es so viel zu bedenken gibt. Aber in diesen Phasen ist vieles, was man sonst bedenkt, ausgelöscht. Und manchmal ist das auch ganz gut so, denn wann würden wir sonst unsere Träume verwirklichen?

Aber was, wenn man den Drang nach Veränderung verspürt, aber eigentlich gerade ganz zufrieden ist? Wenn man in einer Wohnung wohnt, die vollkommen in Ordnung ist – jedenfalls für den Preis, den man zahlt -, man seinen Job und seine Stadt liebt, ebenso wie seine Haarfarbe und die Ernährung. Wenn eigentlich alles ok ist, außer der einen Sache: Dass alles ist, wie es vorher eben auch war.

Ich für meinen Teil habe darauf erstmal mit großen Plänen reagiert: Ich würde umziehen, sobald ich etwas Geld angespart hätte, unbedingt! Ich habe Wohnungen gesucht und Geld gezählt, hin und her gerechnet, nur um frustriert festzustellen, dass ich wohl in einer kleineren Wohnung landen würde als jetzt, wenn ich nicht pleitegehen möchte. Aber wenn, dann wollte ich doch eine größere, mit Balkon am besten! Ich würde ja sogar etwas Geld drauflegen! Ich habe geplant, meine Haare zeitweise wieder so dunkelrot zu tönen, dass es aussieht wie schwarz (die entsprechende Tönung war mir letztes Jahr über den Weg gelaufen und ich habe sie geliebt, weil nach ein paar Wochen die Haare wieder aussehen wie vorher). Nur um noch frustrierter festzustellen, dass ich die Tönung nirgendwo mehr finde, nicht mal im Internet, als hätte sie es nie gegeben und als wäre es nur ein Traum gewesen, dass ich sie tatsächlich mal benutzt habe. Ich habe geplant, in den Master der Bauingenieure zu wechseln, mich auch beworben und soweit alles geplant… um jetzt darauf zu warten, dass die Uni mir sagt, wie es weiter geht.

Nachdem all meine großen und kleinen Pläne irgendwie schiefgegangen sind (oder zumindest auf sich warten lassen), stellte ich irgendwann fest, dass mein Konto leerer und leerer wurde. Als Ersatzbefriedigung für die Veränderung hatte ich mir neue Technik, neue Schuhe und sehr viel gutes Essen geleistet und dabei ein klein wenig aus den Augen verloren, dass all das Geld kostet. Glücklicherweise nur ein klein wenig. Dann habe ich mir selbst den Riegel vorgeschoben und umgedacht.

Wenn ich nicht umziehen kann, dann kann ich doch zumindest die Wohnung, die ich habe, umgestalten. Und es kamen neue, realistischere Pläne: Eine neue Wandfarbe. Die Küchenleiste, die ich schon von Anfang an nicht mochte, endlich erneuern. Dem Hochbett endlich die Farbe geben, die es mehr nach etwas Gewolltem und weniger nach etwas Benötigtem aussehen lässt. Mir einen begehbaren Kleiderschrank basteln. Und wenn ich ein paar von diesen Dingen umsetze, dann ist das vielleicht genug. Oder vielleicht finde ich dabei auch den eigentlichen Grund dafür, weshalb alles was zählt gerade Veränderung ist.

Lernen? Kann man das essen?

10. August 2015 | von

Es ist schon erstaunlich mit welcher Zuverlässigkeit meine Kreativität ausgerechnet dann an die Tür klopft, wenn ich doch so langsam mal anfangen müsste für die Klausur zu lernen, die ich immerhin im dritten Versuch schreibe. Nachdem ich fast zwei Wochen erfolgreich verschoben, verdrängt und verharmlost habe, was ich eigentlich tun sollte, drängt sich doch jetzt langsam der Lernstoff in meinen Kopf. Aber er ist nicht allein. Er bringt den Wunsch nach einer ganzen Menge an Dingen mit, die ich wesentlich lieber tun würde. Habe ich im Praktikum noch 40 Stunden die Woche gearbeitet, ohne auch nur den Hauch von Sehnsucht nach Hobby zu verspüren, sind jetzt schon zwei Stunden lernen zu viel. Dienstags und freitags wird gearbeitet, damit komme ich wunderbar klar und ich frage mich morgens nie, ob ich nicht noch etwas liegen bleiben könnte. Und auch in meiner Pause dienstags denke ich nicht eine Sekunde ernsthaft darüber nach, einfach zu gehen. Selbst wenn es mal stressig ist, keinen Spaß macht oder die Sonne so heiß scheint, dass man sich eigentlich gar nicht bewegen mag. Letztens habe ich morgens meinen Wecker aus Versehen eine Stunde zu spät gestellt. Ich tauche normalerweise immer so gegen zwanzig nach sieben auf der Arbeit auf, obwohl ich Gleitzeit bis 8:30 Uhr habe. An dem Tag bin ich um 7 Uhr erst aufgewacht, habe verzweifelt in 10 Minuten alles geschafft, wofür ich sonst eine halbe Stunde brauche und bin losgehetzt. Auf dem Weg zur Arbeit habe ich mir gesagt, dass ich mich gar nicht hetzen muss. Ich habe Gleitzeit! Und war immer noch über eine halbe Stunde früher da, als ich muss! Als mein Kopf das verstanden hat, bin ich geringfügig langsamer gelaufen. Ich wollte trotzdem so schnell wie möglich ankommen. Das hätte ich von mir selbst nie gedacht, ich habe immer vermutet, dass ich auf den letzten Drücker zur Arbeit hetzen würde, wenn man mir Gleitzeit anbieten würde. Eben weil ich weiß, wie ich mich verhalte, wenn ich lernen muss. Dann liege ich nämlich, bevor ich aufstehe, erstmal noch zwei Stunden im Bett und versuche mich selbst mit Sätzen zu motivieren wie „Du hast ja noch Zeit, du musst heute nicht viel tun, arbeite einfach so zwei bis drei Vorlesungen durch, das dauert nicht lange und danach kannst du ja machen, was du willst“. Aber hilft das? Nein. Ich antworte mir selbst im trotzigsten Ton, den mein Unterbewusstsein drauf hat: „Du kannst mich mal, ich räum lieber auf! Und zeichnen mag ich auch! Und bevor ich irgendetwas tue, lese ich jetzt erstmal diesen Artikel!“

Ich frage mich manchmal, wo genau der Unterschied zwischen Lernen und Arbeiten ist, dass ich das eine so gut und das andere so grauenhaft schlecht hinbekomme. Bezahlung? Nein, da denke ich eigentlich nicht drüber nach, während ich verschiebe, verdränge und verharmlose. Gesellschaft? Dann könnte ich ja auch einfach in die Uni und mich zu ein paar Freunden setzen, die auch lernen. Feste Zeiten? Auch unwahrscheinlich, ich habe mal probiert, mir feste Zeiten zum Lernen vorzuschreiben, das hat etwa genauso schlecht geklappt, wie immer. Ein fester Arbeitsplatz ohne Ablenkung? Naja… Ablenkung hätte ich schon genug auf der Arbeit, wenn ich wollte. Will ich aber nicht, denn ich arbeite ja. Möglicherweise sind die Tätigkeiten auf der Arbeit einfach spannender? Anders, ja, aber spannender nicht unbedingt immer. Klar freue ich mich mehr darüber, neue Dinge zu machen oder gemeinsam mit der Auszubildenden Pläne zu falten (letzteres fühlt sich fast gar nicht wie Arbeit an, macht mir immer gute Laune und dafür verschieb ich auch gerne mal meine Pause oder arbeite länger, als ich das an dem Tag eigentlich wollte). Aber auch bei meiner momentan üblichen Arbeit bleibe ich einfach dabei, obwohl es oft immer nur dasselbe ist.

Möglicherweise liegt es daran, dass ich einen Vorgesetzten habe. Jemanden, der sich beschweren würde, wenn ich nichts täte. Möglicherweise liegt es daran, dass ich den Kollegen gegenüber nicht faul wirken will und dass ich mich immer freue, wenn ich sie etwas entlasten kann, sei es auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Möglicherweise liegt es auch daran, dass ich es freiwillig tue. Tag, Zeit, Menge, ich habe mir das alles selber ausgesucht. Irgendwie muss es wohl eine Mischung aus allem sein. Dennoch: Momentan ist erstmal Lernen angesagt, egal, was ich lieber tun würde. Und anstatt mich zu ärgern, dass ich das oft zeitlich nicht geregelt bekomme, versuche ich mich ab jetzt einfach darüber zu freuen, dass meine Erwartung, bei einem Job eine ähnliche Mentalität aufzufahren, nicht eingetroffen ist. Vielleicht hilft es ja.

Paradise found

03. August 2015 | von

Ich erwische mich dabei, wie Burtscheid langsam aber sicher zu meinem neuen Lebensmittelpunkt wird. Ich habe diesen Stadtteil inzwischen lieben gelernt mit seiner kleinen eigenen Innenstadt, seinem wundervollen Café Lammerskötter, dem Wochenmarkt Freitags, den beiden wunderschönen Parks (in dem einen empfange ich sogar manchmal eduroam!) und den hübschen Häusern. Immer öfter bin ich auch an Tagen, an denen ich nicht arbeite, hier. Nutze mein ganz neues Notebook dafür, im Park in der Sonne zu lernen, gehe mit Freunden hier Frühstücken oder Eis essen und mein Chor war ohnehin auch schon immer in Burtscheid. Hätte ich das Geld dafür, ich würde sofort anfangen, auch noch eine Wohnung in der Nähe zu suchen, damit ich keine halbe Stunde mehr laufen muss, um an meine neuen Lieblingsorte zu kommen. Früher wäre ich nie auf die Idee gekommen, im Park zu lernen. Viel zu laut, viel zu voll, zu windig und unbequem. Aber am Wochenende hab ich aus dem Fenster geguckt, dem Piepen des Rauchmelders im Flur gelauscht (die Batterie ist leer und der Vermieter hat wohl besseres zu tun, als sie auszutauschen) und gewusst, dass der Park dieses Wochenende der einzig richtige Ort für mich ist. Und was soll ich sagen? Ich dachte eigentlich, ich würde rein gar nichts schaffen, aber ich war tatsächlich sogar motivierter, als zuhause am Esstisch, wo ich die Sonne nur sehen, aber nicht fühlen kann. Und Sonntag hat die Sonne auf meiner Haut sogar dafür gesorgt, dass ich trotz grauenhafter Nacht (Rauchmelder und Nachbarn waren sehr entschlossen, mir den Schlaf zu rauben) und gerissenem Riemen an meiner Tasche auf halbem Weg trotzdem schnell wieder richtig gute Laune hatte. Hier auf der Wiese, Blick auf den Himmel, Musik im Ohr, blau und grün fast überall wo man hinsieht und fröhliche Menschen um einen rum, wirkt es, als wäre die Welt das Paradies schlechthin.

Einziges kleines Manko: Weil ich beim Bogenschießen vor einer Weile Bekanntschaft mit einem Wespennest gemacht habe, zucke ich jedes Mal zusammen, wenn irgendwas auf mir landet oder es in meiner Nähe summt. Auch wenn es nur eine harmlose Fliege ist. Aber wie sollte ich das besser wieder loswerden, als durch direkte Konfrontation?

Bauingenieur in Arbeit

27. Juli 2015 | von

Es ist ungewohnt, im Juli zuhause zu sitzen und nicht für die Uni zu lernen. Keine Klausur in Sicht. Ungewohnt – aber wundervoll. Abgesehen davon, dass kaum jemand Zeit hat, mit mir die Sonne richtig zu genießen, weil außer mir anscheinend leider niemand zuhause sitzt und nicht lernt. Eigentlich wäre auch ich schon wieder im Klausurstress. Aber am Ende meines Praktikums empfahl mein Chef mir, doch in den Master der Bauingenieure zu wechseln, weil man damit bessere Berufschancen hätte. Nachdem ich jetzt etwa einen Monat darüber nachgedacht habe – darüber, ob ich das spannend genug fände, wie lange es dauern würde, ob ich das finanzieren könnte und ob ich wirklich glaube, dass sich das lohnt – bin ich inzwischen an dem Punkt angelangt, mich entschieden zu haben. Gegen Umwelt, für Bau. Und damit gleichzeitig auch dafür, dieses Semester zwei von den drei anstehenden Klausuren nicht schreiben zu müssen, weil sie mir als Bauingenieurin ohnehin nicht anerkannt werden würden. Die Bewerbung für den Master ist raus, das Finanzielle mehr oder weniger geregelt und mein zeitlicher Plan für das Studium steht auch. Ich habe das ganze sehr entzerrt, auf etwa 5 bis 6 Fächer pro Semester. Mit der Masterarbeit bräuchte ich dann 4 bis 5 Semester, aber ich gehe lieber von einem mehr aus, falls ich im ersten Semester merke, dass es doch zu viel ist, um nebenbei noch viel im Ingenieurbüro zu arbeiten. Viel bedeutet mindestens anderthalb Tage pro Woche. Ohne diese Entscheidung wäre ich in einem Jahr raus gewesen aus der Uni. Schlecht gefunden hätte ich das nicht, andererseits habe ich bisher aber auch noch nicht annähernd das Gefühl, irgendeinen der festen Arbeitsplätze im Büro übernehmen zu können (und sei es der der neusten Mitarbeiterin, die auch gerade erst von der Uni kommt). Es kommt mir eher vor, als wäre ich zwar auf dem richtigen Weg (sie sprechen dort immerhin eine Sprache, die mir nicht vollkommen unbekannt ist), aber eben noch eine ganze Weile nicht angekommen. Ich fange jetzt immerhin an, Dinge, die ich im Studium gelernt hab, im Büro öfter mal wiederzufinden. Kürzlich zum Beispiel die Bemessung von Stauanlagen. Ich freue mich dann wie eine Schneekönigin. Aber so insgesamt habe ich doch eher das Gefühl, dass mir noch eine ganze Menge fehlt. Und wenn ich mir den Studienverlaufsplan vom Master „konstruktiver Wasserbau“ der Bauingenieure so ansehe… dann sind das so ziemlich genau die Lücken, die ich bei mir zu sehen glaube.

Als letzte Instanz werde ich noch mit der Studienberatung reden (was ich längst getan hätte, wäre sie nicht in Urlaub gewesen), aber sollte nicht irgendwas Weltbewegendes dazwischen kommen steht die Entscheidung fest. Selbst die Übung in Baustatik, zu der ich einen Kommilitonen zur Entscheidungsfindung begleitet habe, kam mir gar nicht so eklig vor, wie ich mir das vorher ausgemalt hatte. Eigentlich wirkte es sogar ganz… spaßig. Obwohl meine Beziehung vor kurzem gescheitert ist, fühle ich mich endlich, als sei ich angekommen. Als würde ich mich nicht mehr einfach da hin treiben lassen, wo das Leben mich eben hinträgt, sondern als hätte ich das Ruder in der Hand. Zumindest ein wenig.

Wie ein Bach

27. Juni 2015 | von

Mein Praktikum ist zu Ende – schon eine Weile. Es ist zu einem Hiwijob geworden, worüber ich wirklich sehr, sehr froh bin. Ich hatte schon fast befürchtet, die netten Menschen und die tolle Arbeitsatmosphäre dort verabschieden zu müssen. Trotzdem habe ich mir danach dann erst mal eine Auszeit genommen – in Süddeutschland bei meinem Vater. Dort wollte ich eigentlich was für die Uni tun und mich in ein Programm einarbeiten. Letzteres hat auch funktioniert, aber ansonsten… wie das eben so läuft, wenn man woanders was für die Uni tun will. Das läuft gar nicht. Dafür habe ich viel genäht, viel Sonne abbekommen und viele Querschnitte zeichnen geübt. Es war schön, einfach mal ab von allem zu sein, was sonst mein Leben ausmacht. Allerdings habe ich nach ein paar Tagen doch angefangen, meine Freunde zu vermissen. Was komisch ist, weil ich selbige so oft gar nicht sehe, dass ich eine Woche ohne sie nicht aushalten könnte. Aber möglicherweise kam das daher, dass ich acht Wochen am Stück fast jeden Tag Kontakt zu (werdenden) Freunden hatte – sei es auf der Arbeit, zuhause oder auf der Exkursion.

Kaum zuhause hatte ich die erste Woche dann auch direkt wieder verplant. Eigentlich gar nicht so meine Art, aber in den letzten Tagen hab ich gemerkt, dass mir diese Art von Leben sehr gefällt. Oft unterwegs, fast immer was vor, immer irgendwo wer, mit dem man mal ein paar Worte wechseln kann. Und wenn ich dann doch mal zuhause war, kriegte ich Langeweile. Ein Gefühl, dass ich eher selten habe – sonst überrollt mich eher die Überforderung, mich zwischen all den Hobbies für eins zu entscheiden. Aber ab und an Langeweile soll ja gesund sein.

Heute bin ich abends zuhause. Wieder mal ein Abend der so läuft, wie ich es gewohnt bin. Ruhig, bescheiden, mit selbstgekochtem guten Essen, Haushalt. Aber eine Pause zu machen, bevor ich am Wochenende beim Umzug meiner Freundin nach Köln helfe, ihre Freunde und gleichzeitig Umzugshelfer empfange und in meiner Wohnung die Möbel wieder dahin rücke, wo sie mal standen, ist sicherlich ganz gut, auch wenn ich mich gerade nicht so danach fühle. Ich würde viel lieber weiter nach draußen gehen. Meine Mutter hat eine Zeitschrift, in der oft davon geschrieben wird, dass das Leben fließt und dass man im flow ist. Bisher hab ich mich immer etwas gefragt, wie sich das dann anfühlt. Ich weiß es jetzt. Es fühlt sich ein bisschen an, als würde die Zeit fließen. Davonfließen, aber nicht auf diese „wo ist sie nur geblieben?“-Weise, sondern ganz anders. Eher wie ein fröhlicher Bach, der sich seinen Weg durch Stock und Stein sucht und dessen Wasser im Licht glitzert.

Bis am Montag dieses Gefühl wieder vorbei ist und die Uni wieder zuschlägt, genieße ich das noch. Und dann rudere ich zurück. Und hole nach, was ich die letzten Wochen nicht geschafft habe.

Vertieferexkursion nach Prag

23. Juni 2015 | von

Hochzeiten sind wundervoll. In jeder Lebenslage. Selbst wenn man als Gast eigentlich Liebeskummer hat oder gerade einfach generell eher nicht so gut drauf ist. Hochzeiten sind wunderbar, um wieder gute Laune zu kriegen. Das habe ich am Pfingstsonntag zum zweiten Mal gemerkt. Schon als meine erste Cousine heiratete, waren alle Sorgen für mich an diesem Tag nichtig. Genauso war es auch diesmal. Irgendwie haftet so einer Hochzeit für mich ein besonderer Zauber an. Etwas, dass es einfach nicht erlaubt, negative Gedanken auch nur im Entferntesten zuzulassen. An diesem Tag sind andere Dinge wichtig. Sich an dem Glück des Brautpaares zu freuen ist natürlich das Wichtigste. Sich außerdem für das Paar und alle Gäste zu freuen, dass die Sonne scheint, obwohl etwas Regen angesagt war, gehört auch dazu. Dann war noch die Deko zu bestaunen, die – obwohl sie pink war und pink eher nicht zu meinen Lieblingsfarben zählt – einfach perfekt aussah (ein paar Eindrücke bekommt ihr durch die Fotos). Gibt es irgendetwas, das nicht passte? Essen wahnsinnig lecker, das Brautpaar strahlend schön und glücklich… ach, doch, Moment, eine einzige Sache fällt mir ein:

Ich musste vor dem Hochzeitstanz gehen. Tja, was man nicht alles für die liebe Pfingstexkursion tut. In diesem Fall: Schon um halb 12 von einer fantastischen Hochzeit entschwinden, um wenigstens ein paar wenige Stunden Schlaf zu haben.

 

Wie schön, wenn der Vater der Braut solch einen Wagen besitzt!

Tischdeko – jeder Tisch eine amerikanische Besonderheit 🙂

Süße Gastgeschenke mit süßem Inhalt

Der nächste Morgen fing dann auch alles andere als fantastisch an. Mit etwa 4 Stunden Schlaf war ich natürlich gar nicht begeistert, geweckt zu werden, obwohl meine Freundin das doch sehr liebevoll gestaltet hat. Trotzdem, das bequeme Gästebett bei meiner Mutter wollte ich eigentlich so gaaaar nicht verlassen. Aber immerhin hatte ich ja schon seit ein paar Jahren von der Vertieferexkursion geträumt, konnte nun endlich mit und hatte schließlich auch viel Geld dafür bezahlt. Also blieb nichts anderes übrig, als sich aus dem warmen Bett zu quälen. Ein ganz klein bisschen knapp kamen wir dann auch pünktlich zum Zug (wäre nicht Feiertag gewesen, hätte ich eine Viertelstunde mehr Schlaf bekommen – so war ich eine halbe Stunde zu früh am Treffpunkt).

Als wolle mir das Wetter erst mal so richtig einen reinwürgen, regnete es wie aus Eimern. Hach ja, kann es Schöneres geben? Durchaus, eduroam funktionierte vor der Tür des Baugebäudes nämlich nicht und da ich nichts zu lesen mitgenommen hatte, musste ich mich mit „in die Luft starren“ als Wartebeschäftigung begnügen.

Die schlechten Anzeichen verflüchtigten sich aber bald. Ich kannte zwar niemanden der mitfahrenden Studenten näher, aber Kontakte zu knüpfen ging dann doch sehr viel schneller, als ich befürchtet hatte.

Unendlich müde, aber auch sehr interessiert an dem Wasserstraßenkreuz in Magdeburg, fing der fachliche Teil der Exkursion für mich an. Wie Menschen es tatsächlich schaffen, einen Kanal über eine Brücke zu führen, der groß genug ist, dass Schiffe darauf fahren, ist einfach beeindruckend! Sehr gerne hätte ich das ganze Mal von einem höheren Standpunkt aus gesehen, um die scheinbare Unmöglichkeit dieses Bauwerkes gänzlich zu erfassen. Aber neben dem Kanal zu stehen und auf ein anderes Gewässer hinab zu schauen musste reichen. Kein Wunder – so meine Gedanken – dass diese Kreuzung einen Ingenieurspreis gewonnen hat.

Blick über den Kanal und runter – auf noch mehr Wasser!

Von einer Kommilitonin angesprochen hatte ich auch gleich eine sehr nette Zimmermitbewohnerin für die Jugendherberge in Magdeburg (und auch für Berlin und Dresden). Zusammen haben wir die eine Stunde Freizeit vor dem Abendessen genutzt, um Magdeburg zu erkunden. Kurz vorher hatte ich unverhofft mitbekommen, dass es dort ein Hundertwasserhaus gab. Hundertwasser, welche Freude! Seit ich das erste Mal eines seiner Gebäude gesehen habe, möchte ich ein einziges Mal in einem wohnen. Und sei es nur für wenige Tage. Ich liebe dieses absolut Unnormale, die ganzen Schrägen und Wellen, Farben und Muster. Keine Säule ist gleich – einfach schön! Schon am Bahnhof in Uelzen war ich aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen und auch diesmal wäre ich am liebsten einfach geblieben. Dort, zwischen all den wundervollen Details. Das merkt man auch daran, dass ich das Haus von allen Seiten fotografiert habe. Ich erspare euch aber, das alles ansehen zu müssen und versuche mich zwischen all den Fotos für das Schönste zu entscheiden.

Hundertwasserhaus

Den Magdeburger Dom und einige andere Kirchen haben wir ebenfalls entdeckt. Außerdem war Europafest und auf einem Marktplatz gab es eine Bühne, auf der ein Michael-Jackson-Double Thriller sang, begleitet von doch sehr ungewöhnlich gewandeten Figürchen. Ob die Kopfbedeckung in Gestalt eines Huhnes wohl irgendetwas ausdrücken sollte…?

Michael-Jackson-Double und ein paar seltsame Gestalten

Michael-Jackson-Double und ein paar seltsame Gestalten

Auf dem Rückweg zur Jugendherberge kamen wir auch noch an dem Teil des Europafestes vorbei, der Paris gewidmet war und damit schöne Musik und erstaunlich hübsche Marktbudenfassaden bot. Wären wir nach dem Abendessen nicht alle völlig fertig gewesen, wären wir beide sehr gerne wiedergekommen, um dort ein Getränk zu genießen. Aber leider fielen uns nach dem ziemlich guten Abendessen doch langsam die Augen zu. Und schließlich ging es am nächsten Morgen ja auch schon früh wieder los.

Berlin! Das war der nächste Halt. Meine Erfahrungen mit Berlin waren bis dahin nicht sehr berauschend. Auf dem Gymnasium war Berlin das Ziel unserer Stufenfahrt. Ich führte eine Fernbeziehung, hatte meinen damaligen Freund ohnehin schon lange nicht gesehen und würde ihn auch danach länger nicht sehen. Dazu kam, dass er telefonieren hasste. Ich wäre also viel lieber zu ihm nach Eisenach, als nach Berlin gefahren. Das einzige, was mich etwas optimistisch stimmte, war, dass ich mit einer Freundin Karten für das Musical „Tanz der Vampire“ gekauft hatte. Eben dieses war auch wundervoll, aber ansonsten veranlasste mich Berlin damals eher dazu mir eine Postkarte zu kaufen, auf der sich ein traurig aussehender Clown fragte: „Was suche ich in dieser Stadt?“. Ich habe sie heute noch – zum drüber lachen und um mir zu denken „nicht nochmal versau ich mir selbst eine eigentlich schöne Zeit“.

Diesmal gab es keinen Grund, Berlin pessimistisch gegenüber zu stehen. Also betrachtete ich schon aus dem Bus heraus gespannt, was ich damals wohl verpasst hatte. Ja, ein paar schöne Gebäude gab es da tatsächlich. Und das Hostel im Kloster, in dem wir übernachteten war auch sehr nett. Ein kleiner Rundgang (leider ohne Brandenburger Tor) war zwar schön anzusehen, aber Begeisterung für die Stadt? Naja. Und schon war natürlich auch schon wieder etwas Fachliches angesagt. Wie das so ist, wenn man etwas nicht ganz freiwillig macht: Das Mitschreiben vermieste mir den Besuch bei den Berliner Wasserbetrieben etwas, ebenso wie ein ausgefallenes Mittagessen nicht nur mir, sondern auch allen anderen im Bus, nicht unbedingt ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Zum Glück waren diese kleinen „Störungen“ aber nicht nachhaltig, prinzipiell eher gute Laune lässt sich eben nicht so schnell vertreiben. Und auch wenn es auf der Plattform über dem Regenüberlauf in der Spree sehr kalt war und der Magen knurrte… interessant war der Vortrag allemal!

Plattform über dem Regenüberlauf in der Spree

Plattform über dem Regenüberlauf in der Spree

Ost-Ampelmännchen! (Ein Foto muss davon ja sein)

Danach ging es schließlich in den Bundestag. Wir hörten uns einen Vortrag an der, entgegen meiner Erwartungen, da ich mit Politik eigentlich sehr wenig am Hut habe, ziemlich spannend war! Noch spannender war dann allerdings die Begehung der Kuppel (und die allgegenwärtige Frage, wie diese entwässert wird, bzw. wo sich die Regenrinnen befinden, die die vortragende Dame zuvor erwähnt hatte). Besonders beeindruckt war nicht nur ich von dem Anblick des Tiergartens, aus dem – wie aus einem Djungel – die Siegessäule herausragt. So viel Grün, das sollte es doch eigentlich in jeder Stadt geben! Ein „kleiner“ Wald inmitten von Hochhäusern, Geschäften und umherhetzenden Menschen. Ein Ruhepol. Dieser Anblick ließ Berlin in meinem Ansehen gleich um einiges steigen. Bin ich zuvor mit der Einstellung dort hin gefahren, dass ich diese Stadt eigentlich nicht noch mal sehen müsste, bin ich nun doch überzeugt, dass sie einen weiteren längeren Besuch durchaus wert wäre. Zumindest, nachdem ich ein paar Städte gesehen habe, die ich noch gar nicht kenne.

Tiergarten aus der Kuppel des Bundestages betrachtet

Tiergarten aus der Kuppel des Bundestages betrachtet

Auch der Besuch in Berlin ging schnell vorbei und es ging weiter zu der Stadt, auf die ich mich am meisten freute: Dresden. Vor einigen Jahren hatte ich dort eine Freundin besucht und mich in die Stadt verliebt. Zugegeben, bei Betrachtung der Stadt ohne strahlenden Sonnenschein und angekommen in der wohl hässlichsten Ecke Dresdens war der Zauber nicht mehr ganz so herausragend und unerreichbar gut, aber wunderschön bleibt es, das Elbflorenz. Selbst die Kläranlage, die wir dort besichtigt haben, bleibt mir positiv im Gedächtnis. Sie war teilweise denkmalgeschützt und die wohl schönste Kläranlage, die ich mir vorstellen kann. Eigentlich halte ich von Kläranlagen ja eher Abstand – nicht umsonst hab ich die Mastervertiefung gewählt, bei der ich mit Abwasser möglichst nicht zu tun hab. Ganz besonders die Faulbehälter haben mich beeindruckt. Aha, so gut kann sowas also aussehen! In Betrieb waren sie allerdings nicht mehr.

 

alte Faulbehälter der Kläranlage Dresden

alte Faulbehälter der Kläranlage Dresden

 

Das außerfachliche Highlight der Exkursion fand dann immerhin auch hier statt. Begierig, alles an Dresden in mir aufzunehmen, was ich in der kurzen Zeit erreichen konnte, machte ich mich nachts mit zwei Kommilitonen auf den Weg, Dresden zu entdecken. Erst war der Plan klein: Ein Mal kurz durch die Altstadt und bitte nicht zu lange wach bleiben, denn es gab ja mal wieder um 7 Uhr Frühstück und am nächsten Tag hätten wir Freizeit in Prag! Dieser Vorsatz hielt aber nicht lange. Kaum ein paar Gebäude gesehen, wurde die geplante Runde länger, es wurden Fotos bei Nacht gemacht (was meine Kamera für so ein kleines Ding wirklich gut gemacht hat), jedes Gebäude ausgiebig bestaunt, ein kurzer Stopp bei McDonalds gemacht und dann ging es noch über die Elbe rüber. Diese hatte einen sehr niedrigen Wasserstand und wir konnten an der Brücke entlang bis ans Ufer laufen, dort den Anblick des Wassers bestaunen, unter der Brücke her laufen (was ein herrlicher Hall das war bei so einer alten Brücke!) und uns dann durch ziemlich hohes Gras unseren Weg zurück zur Straße bahnen. Über eine andere Brücke ging es zurück auf die richtige Elbseite und von dort aus konnten wir noch die wunderschöne Skyline Dresdens bestaunen. Was mir in dem Moment gar nicht auffiel, was meine Freundin aber beim Zeigen der Fotos bemerkte: Hochhäuser sucht man in dieser Skyline vergeblich. Zum Glück! Leider wurde die Beleuchtung der Gebäude pünktlich um 1 Uhr abgeschaltet und wir konnten nicht ganz so viele Bilder von der traumhaften Aussicht machen, wie wir das gerne getan hätten. Auf dem Rückweg ging es nochmal an der einen oder anderen Sehenswürdigkeit vorbei, ehe wir dann kaputt aber glücklich ins Bett fallen konnten.

Ein Teil des Zwingers; einmal bei Tag…

... und nochmal bei Nacht

… und nochmal bei Nacht

Nachts lassen sich auch sehr schöne Fotos machen! Ich war sehr positiv überrascht von meiner kleinen Kamera

Nachts lassen sich auch sehr schöne Fotos machen! Ich war sehr positiv überrascht von meiner kleinen Kamera

Erstaunlicherweise war das Aufstehen am nächsten Morgen für mich weniger schlimm, als erwartet. Vielleicht auch, weil es die Aussicht auf einen Tag ohne fachlichen Teil gab. Zwar bin ich natürlich auch wegen der fachlichen Seite der Exkursion mitgefahren, aber eine kurze Pause nach so unglaublich vielen Eindrücken tut dann doch zwischendurch mal sehr gut. Allerdings war es tatsächlich nur eine Pause der „fachlichen“ Eindrücke, Prag hatte mehr zu bieten, als ich mir hätte vorstellen können. Zuerst einmal einen Park auf einem Berg, von dem wir feststellten, dass es irgendwie ein bisschen wirkte wie auf dem Lousberg. Nur: größer, höher, mehr zu bestaunen. Nicht nur zog sich eine alte (Burg?)Mauer durch den Park, sondern es gab auch eine Grünanlage direkt an einer alten Sternwarte und einen Aussichtsturm, der ein bisschen an einen kleinen Eifelturm erinnerte. Der Aufstieg war nach den vielen Stunden laufen in Dresden zwar hart, aber es definitiv wert! Aus dem Park heraus ging es dann über ein paar Aussichtspunkte in die Altstadt Prags hinein. Und was für eine Altstadt! Tatsächlich hat vermutlich keine Altstadt diesen Namen so sehr verdient wie diese. Zwischendurch mal irgendwo in dieser großen Stadt ein neu gebautes Haus? Fehlanzeige. Überall gut erhaltene, alte, wunderschöne Häuser. Eins neben dem anderen, ohne Pause. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus, dass es so etwas tatsächlich gibt! Als dann noch eine Kutsche vorbei fuhr, war es endgültig vorbei und Prag mit meinem persönlichen „Prädikat wertvoll“ versehen. Zwischendurch machten wir immer mal wieder Halt, um was zu trinken und so schafften wir es erneut, erst spät in der Nacht ins Bett zu fallen.

 

Kirche in Prag

Kirche in Prag

Ungefähr so sahen die Straßen in Prag fast überall aus...

Ungefähr so sahen die Straßen in Prag fast überall aus…

Man fühlt sich irgendwie nicht mehr ganz wie im 21. Jahrhundert

Man fühlt sich irgendwie nicht mehr ganz wie im 21. Jahrhundert

Der nächste Tag war wieder fachlich geprägt, zunächst wurde ein Teil des Hochwasserschutzes von Prag bestaunt. Wir durften sogar – mit Helm, Handschuhen und Gummistiefeln bewaffnet – in den Überlauf eines Regenüberlaufbeckens hineingehen. Hautnaher Wasserbau!

Danach folgte eine historische Kläranlage aus dem Jahr 1906. Eine biologische Behandlungsstufe gab es hier damals noch nicht. Die ganzen Becken der Anlage befanden sich unter der Erde. Sie war erstaunlich kunstvoll gemauert und ebenfalls eines meiner fachlichen Highlights auf der Exkursion. Alte Gemäuer und Höhlen mag ich besonders gern, da werden dann selbst Kläranlagen plötzlich spannend. Danach ging es allerdings auf die jetzige Kläranlage. Man merkte den Studenten an, dass viele keine Lust mehr hatten und sie sich sehr viel lieber in die Sonne legen würden. Ich zugegebenermaßen eingeschlossen. So blieb mir von diesem letzten Programmpunkt nicht viel im Gedächtnis, außer der Feinrechen, der sich durch Eigenbewegung selbst reinigte. Von Dingen, die ich in einem Abwasser eher nicht vermutet hätte (Luftballons, halbe Zitronen, kleine ganze Tomaten, die noch ziemlich frisch aussahen…).

unterirdischer Teil der historischen Kläranlage

unterirdischer Teil der historischen Kläranlage

Und der Vollständigkeit halber: ein überirdischer Teil

Und der Vollständigkeit halber: ein überirdischer Teil

Der Tag und damit die Exkursion wurden mit einer erneuten Besichtigung Prags sowie einem letzten gemeinsamen Abendessen beendet. Alles in allem kann ich nur sagen, dass ich mich sehr freuen würde, nächstes Jahr wieder teilzunehmen, denn es war fachlich, kulturell sowie menschlich eine wundervolle Zeit. Ein paar Tage lang habe ich das allmorgendliche „Hello again!“ im Bus tatsächlich vermisst. Helene Fischers „Atemlos“ allerdings nicht. Aber irgendwie gehörte es trotzdem dazu.

Kleine Freuden

26. Mai 2015 | von

Vor ein paar Tagen hat es das erste Mal auf meinem Weg zur Arbeit geregnet. Ich hatte von mir selbst erwartet, dass ich voller Missgunst den Bus nehmen würde, um so wenig Regen wie möglich abzukriegen. Jedenfalls wäre das normalerweise mein Vorgehen gewesen. Wer mag schon Regen? Aber anscheinend bin ich nach fast einem Monat zur Arbeit laufen so sehr daran gewöhnt, dass selbst Regen mich nicht abhalten kann. Plötzlich landete ganz unverhofft der Schirm in meiner Hand und ich bin die halbe Stunde zu Fuß im Regen gelaufen. Von mir selbst außerordentlich begeistert hat das ansonsten leider niemand mitbekommen.
Angefangen zur Arbeit zu laufen habe ich, weil von einem auf den anderen Tag die Busse voll waren wie Sardinendosen. Die erste Woche bin ich Bus gefahren und fand das gut so. Ich hatte allerdings nicht bedacht, dass Ferien waren und als ich in der zweiten Woche vor dem Bus stand, verging mir schlagartig die Lust, einzusteigen. Seitdem laufe ich. Inzwischen bin ich zwar eine halbe Stunde früher unterwegs und die Busse wären vermutlich leer um diese Zeit, aber das Laufen habe ich trotzdem beibehalten. Ich habe das Gefühl, es tut mir gut – seelisch. Ich höre gute Musik, ich tue meinem Körper was Gutes und manchmal, wenn die Sonne scheint und ich auf dem Rückweg auf Aachen schaue, ist da dieses Glücksgefühl, in so einer wundervollen Stadt zu leben. Und wenn es sehr, sehr warm ist, hole ich mir ein Eis und genieße es auf dem Heimweg (die Eisdiele in Burtscheid ist wirklich gut, aber nachmittags sind leider viele Eissorten an solchen Tagen schon ausverkauft; ich hätte so gerne mal das Himbeereis probiert!).
Anfangs bin ich noch immer bis zum Hauptbahnhof gelaufen und von dort aus am Burtscheider Park vorbei. Zu der Zeit blühten dort die Tulpen und Narzissen und allerhand andere wunderschöne Blumen und ich war jeden Tag wieder begeistert von diesem Park. Inzwischen habe ich meinen Weg abgekürzt und statt an einem Park komme ich jetzt an einer sehr beständigen Baustelle vorbei. Die ist natürlich nicht ganz so schön anzusehen, aber ich laufe den Weg trotzdem genauso gerne (abgesehen von dieser hellblauen Bahnsteigbrücke; die Steigung dort macht mich jedes Mal fertig…).
Obwohl ich dachte, wer plötzlich anfängt, so viel zu laufen (mindestens drei Mal so viel wie vorher, wenn nicht mehr!), der müsste etwas abnehmen, habe ich allerdings kein einziges meiner im letzten Jahr angefutterten Kilos verloren. Obwohl ich eher weniger esse, als vorher und meinen Kaffee auf der Arbeit sogar ohne Zucker trinke, was vorher absolut undenkbar war (und auch nur so kam, weil ich zu Beginn den Zucker nicht gefunden habe…). Aber gut, wie heißt es so schön? Man kann nicht alles haben. Dafür genieße ich am späten Morgen, dass die Sonne mit voller Kraft durch das Fenster in mein momentanes (Einzel)Büro scheint. Ich rolle mit meinem Stuhl dann immer ein kleines Stück weiter Richtung Fenster, um auch ja alle Sonnenstrahlen einzufangen und genieße ihre Wärme wie eine schnurrende Katze. Und wenn dann noch ein Kollege oder eine Kollegin kurz reinguckt und ein paar Worte mit mir wechselt, dann ist das Leben wunderschön. Verrückt, wo ich doch seit Wochen kaum mehr dazu gekommen bin, meinen Hobbies nachzugehen (abgesehen vom Backen alle zwei Wochen). Aber wer wird es schon hinterfragen, glücklich zu sein?

Wunderland!

01. Mai 2015 | von

Ich bin jetzt schon eine Weile beim Praktikum im Ingenieurbüro und wurde sehr positiv überrascht. Obwohl ich erst überzeugt war, dass das, was ich dort bearbeiten soll, nicht mein Thema ist, bin ich am ersten Tag frohen Mutes hingegangen. Und musste sehr schnell feststellen, dass das Thema vielschichtiger ist, als ich erwartet habe und eben doch in mein Interessenfeld fällt. Schon nach wenigen Tagen war mein Wille, den Master zu schaffen und zu kämpfen wieder entfacht. Eine Wohltat! Plötzlich ist die Motivation zurück. Nicht mal, dass ich 40 Stunden die Woche bei der Arbeit sitze, stört mich großartig. Ich komme kaum dazu, für mich zu sein, weil ich nach der Arbeit entweder zum Bogenschießen, zum Klavierspielen, noch zur Uni oder sonst wo hin fahre. Trotzdem war ich lange nicht mehr so lange am Stück gut gelaunt.

Auch die Kollegen sind da nicht ganz unschuldig dran. Abgesehen davon, dass sie alle sehr nett sind, habe ich auch schon mehrfach gesagt bekommen, dass der Bachelor als Abschluss doch auch schon viel wert wäre. Davon war ich bisher alles andere als überzeugt. Das aber von Menschen zu hören, die im Bereich meines Studiums arbeiten, ist sehr aufbauend. Genauso, wie zu sehen, dass auch erfahrene Kollegen nicht immer alles auf Anhieb hinkriegen, ab und an Fehler machen, sie korrigieren müssen. Dass auch die manchmal etwas nachschlagen, sich in etwas ganz Neues einarbeiten müssen. Im Studium habe zumindest ich hin und wieder das Gefühl bekommen, danach, wenn ich im Arbeitsleben lande, müsste ich sofort einsatzfähig sein, sofort alles geben können. Das Praktikum zeigt mir, dass das nicht so ist. Dass ich nicht schlechter bin als andere, sondern nur etwas zu hohe Erwartungen an mich selbst hatte. Es zeigt mir, dass ich das Studium und das Arbeiten in diesem Beruf tatsächlich schaffen kann. Vielleicht nicht unbedingt auf Dauer 40 oder mehr Stunden pro Woche, aber zumindest genug, um davon gut und mit Spaß an der Arbeit leben zu können.

Ich bin froh, in diesem fantastischen Ingenieurbüro gelandet zu sein und damit all die Zweifel der letzten Monate fürs erste loslassen zu können. Ich halte mich also ganz an die Jahreszeit und pünktlich zu den ersten Wochen voller Sonnenstrahlen, blühe ich mit den Tulpen zusammen auf.

Mit den Gedanken weit weg

18. April 2015 | von

Mein Kopf ist momentan ziemlich leer. Was Kreativität angeht. Also auch, was ich hier erzählen könnte. Ich habe eigentlich alles über Prüfungen berichtet, was ich berichten kann. Ich habe zwei Tage Lernpause gemacht, aber abgesehen davon, dass ich eine Lederjacke für 70€ bekommen habe (was ich immer noch nicht ganz fassen kann) und das erste Mal Frozen Yoghurt gegessen habe (es war noch viel zu kalt für Eis), habe ich nichts Spannendes erlebt. Ich blicke mit Euphorie auf die nächste Woche, in der ich endlich meine letzte Klausur schreibe. Für das nächste Semester, das ich außer mit 7 Wochen Praktikum bisher mit nicht viel Unikram gefüllt habe, schmiede ich große Pläne. Zwei Wochen meinen Vater in Süddeutschland besuchen, ein Konditorenpraktikum machen, um zu entscheiden, ob ich eine Ausbildung mache (bevorzugt natürlich nachdem ich den Master abgeschlossen habe und nicht nach Zwangsexmatrikulation), eine Freundin besuchen, die seit dem Abi schon ihren mindestens 3. Wohnort hat und die ich bisher an keinem davon besuchen war. Nebenbei montags die zwei Vorlesungen besuchen, die auf dem Stundenplan stehen. Jedenfalls bei den Themen, die mir noch nicht liegen, da es beides Wiederholungsklausuren sind. Geplant hatte ich eigentlich auch, nochmal mit meiner Mutter in Urlaub zu fliegen. Am Strand unter Palmen liegen und lesen. Leider fehlt dafür das Geld. Also gebe ich mich mit der deutschen Sonne zufrieden (ich hoffe, sie lässt sich blicken) und verfolge andere Dinge, die sonst zu kurz kommen. Dinge eben, die ich schon immer mal tun wollte, für die aber immer die Zeit fehlte. Ich merke, wie ich mich jetzt schon entspanne, wenn ich daran denke. Es macht mich bereits im Voraus unendlich glücklich, so viel Zeit zu haben. Meine Hobbies mal richtig ausleben zu können. Wenn ich will, kann ich jeden Tag einen Hefeteig machen. Die Zeit dazu werde ich haben. Und ich kann an manchen Tagen alles was Strom braucht (abgesehen von Lampen) einfach mal ausstellen. Momentan, wo ich das Internet zum Lernen, mein Handy und E-Mails zum Absprechen von Terminen und den Fernseher zum „abends nach dem Lernen einfach mal loslassen“ brauche, würde ich mir da tatsächlich eher eingeschränkt vorkommen. Aber ganz ohne Stress und ohne dringend abzusprechende Dinge hört sich „kein Strom“ für mich nach Freiheit an. Nach „endlich wieder mal lesen“ und „einfach mal raus in die Sonne“. Was ich sonst viel zu selten tue.

Eigentlich lebe ich lieber in der Gegenwart und freue mich auf Dinge, die bald geschehen. Wie am Wochenende ein neuer Termin beim Bogenschießen oder anschließend der Nachtflohmarkt hier in Aachen. Aber anscheinend habe ich die sechs Wochen Sommerferien, die es früher gab, wohl sehr vermisst. Auch wenn ich in der Schule nie so recht etwas mit so viel Zeit anzufangen wusste. Erstaunlich, wie sehr sich manches ändert.