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Logbuch Lehre

Wir brauchen eine Mitwirkungspflicht für Studierende

01. August 2017 | von

Auf der Webseite der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) wurde jetzt ein Kommentar von Professor Aloys Krieg, Prorektor für Studium und Lehre an der RWTH Aachen, veröffentlicht. Für ihn kommt es in der Reduzierung der Studienabbruchquote besonders darauf an, Studienzweifler frühzeitig zu erkennen. Dazu erwartet er von den Studierenden aber auch eine Mitwirkung.

Weil Studienabbrüche nach mehreren Semestern besonders tragisch sind, hält der Prorektor eine frühzeitige Beratung für unerlässlich, um mit den Studierenden gemeinsam eine Strategie zu entwerfen, wie es im Studium oder auch ohne Studium weitergehen könnte. Problematisch ist allerdings, dass sich Studierende, die an ihrer Studienentscheidung zweifeln, in der Regel nicht von selbst an die entsprechenden Beratungsstellen wenden. Wie können also jene Studierende rechtzeitig identifiziert und aktiv betreut werden?

Die RWTH Aachen setzt in diesem Fall auf das „Aachener Mentoring Modell“. Studierende, die weniger als zwei Drittel der erforderlichen Credit Points gemäß ihres Studienplans erlangt haben, werden angeschrieben und zu einem Beratungsgespräch eingeladen. In Gesprächen wird dann analysiert, was die Schwierigkeiten im Studium verursacht, wie diese behoben werden können oder ob ein Studiengangwechsel oder sogar eine Überleitung in eine Berufsausbildung in Frage kommen. Wichtig sei, dass die Studierenden an dieser Stelle nicht alleine gelassen und ihnen sinnvolle Alternativen aufgezeigt würden, erklärt der Prorektor für Studium und Lehre.

Deshalb will die RWTH Aachen Studienzweiflerinnen und Studienzweifler künftig noch früher erkennen. Dazu soll analysiert werden, welche Studienanfängerinnen und Studienanfänger keine oder sehr wenige Credits erreicht haben und ob es Studierende gibt, die sich zwar zu Prüfungen anmelden, aber regelmäßig wieder abmelden oder den Prüfungstermin nicht wahrnehmen. Dadurch sollen in einer frühen Phase des Studiums potenzielle Studienaussteigerinnen und -aussteiger erkannt und beraten werden können.

„Ich bin überzeugt, dass solche Frühwarnsysteme mit Beratung der richtige Ansatz sind. Studierende, die das Angebot wahrnehmen, bewerten dieses in der Regel sehr positiv. Leider liegt die Reaktionsquote derjenigen, die wir anschreiben, nur bei 20 Prozent. Daher fordere ich eine gewisse Mitwirkungspflicht der Studierenden“, erklärt Krieg. Eine Möglichkeit sieht er darin, dass Studierende zur Verantwortung gezogen werden können, indem sie an Prüfungen teilnehmen und Leistungsnachweise erbringen. Andernfalls sollen sie verpflichtend an einer Beratung teilnehmen, um das Studium überhaupt fortsetzen zu können. Krieg betont aber, dass es eben nicht darum gehe, Studierende unter Druck zu setzen oder früh „herauszusieben“, sondern gemeinsam die Gesamtsituation zu analysieren und Hilfen anzubieten.

Eine Antwort auf “Wir brauchen eine Mitwirkungspflicht für Studierende”

  1. Die Idee ist sehr zu begrüßen, aber sicher nicht neu. Auch wir versuchen seit Jahren ein vernünftiges Studierendenmonitoring zu etablieren, scheitern aber regelmäßig an datenschutzrechtlichen Hürden.
    Typischerweise wissen die Prüfungsämter meist relativ gut, wie es um die Credits, die Noten und den Status der Studierenden steht, dürfen diese Informationen aber z.B. nicht an die entsprechenden Studienfachberater oder Studiengangsverantwortlichen weitergeben, die dann, wie im Beitrag beschrieben, zusammen mit dem Studierenden in einem persönlichen Gespräch versuchen könnten, eine Lösung zu finden. So weiß jeder Dozent nur über sein eigenes Fach und seine eigenen Prüfungen bescheid. Niemand der beraten könnte, hat aber einen Überblick über alle anderen Fächer und Module.



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