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Maike

Halbzeitansprache: Keep calm…

17. Juli 2014 | von

….and carry on. Vermutlich kennt ihr alle die hippen roten Plakate mit diesem Spruch oder einer seiner vielfältigen Varianten. Und vermutlich ist es genau das, was in die augenblickliche Hochstimmung nicht passt: We are the champions, wir sind Weltmeister, verdammt noch mal! Grund genug, auszurasten, in die Luft zu springen, den stressigen Alltag in der Klausurphase für einen kurzen Moment hinter sich zu lassen.

Stimmt. Ich glaube aber, dass unsere Jungs in Brasilien ganz schön viel keep calm and carry on gebraucht haben, um Sonntag zu gewinnen. Und das das Leben in den allermeisten Fällen eher einem Ausdauerlauf als einem Sprint gleicht. Im Auslandssemester ist das nicht anders – vielleicht ist die Laufstrecke hier nur etwas abwechslungsreicher. Manchmal ist die Umgebung so aufregend und die neuen Erfahrungen so spannend, dass ich auf einer Wolke positiver Emotionen über dem Boden dahinschwebe. An anderen Stellen habe ich eher das Gefühl, versehentlich für einen Hürdenlauf angemeldet worden zu sein – da komm ich dann ganz schön ins Schwitzen (was auch mit dem stabilen Hoch über Boston zusammenhängt 😉 )

Warum die Laufmetapher? In keiner anderen Stadt der Welt habe ich so viele Menschen joggen sehen, wie in Boston. Der Boston Marathon ist darum auch viel mehr als nur ein Sportevent – er ist Ausdruck einer City in Move, einer Stadt, die immer in Bewegung ist. Die Terroranschläge haben diesem Spirit nichts genommen, sondern eher noch etwas hinzugefügt. #BostonStrong hieß das Motto, dass nur Stunden nach den Bombings über die sozialen Netzwerke verbreitet wurde und heute überall in der Stadt auf T-Shirts, Fahnen und Autoaufklebern zu lesen ist. Keep calm and carry on, #Bostonstrong – Für mich passen die beiden Slogans gut zusammen. Manchmal beweist sich wahre Stärke eben nicht in Heldentaten, sondern im Durchhaltevermögen. Das kann sich auf die großen Herausforderungen des Lebens und den kleinen Herausforderungen des Alltags beziehen:

Keep calm and carry on – wenn in einer Woche die Klausur ansteht und du nicht weißt, wie du dein Lernpensum bis dahin bewältigen sollst.

Keep calm and be yourself – wenn deine Umgebung scheinbar ausnahmslos auf Privatschulen und Eliteuniversitäten war und über einen staatlich geprüften IQ in Höhe Einsteins verfügt.

Keep calm and read on – wenn die Leseliste für die Bachelorarbeit noch immer nicht kleiner wird.

Keep calm and drink on – wenn der kostenlose Café Colombia in der Library wieder mal aus ist und du dich zwischen langweiligem French Roast, French Vanilla, House Blend, Nestle-Kakao und dreierlei Sorten Tee entscheiden musst.

Keep calm and hope on – wenn deine Mitbewohnerin plötzlich mit einer lebensbedrohlichen Diagnose konfrontiert wird.

Keep calm and play on – wenn es in der 112. Minute noch 0:0 steht.

Keep calm and plan on – wenn die Umsetzung deiner Bucketlist bisher nur langsam vorangeht.

Keep calm and wait on – wenn du noch immer nicht den reichen Harvardabsolventen für’s Leben gefunden hast.

 

Habt ihr Lust, die Liste zu ergänzen?

 

Keep calm and carry on.

Put things into perspective.

Don’t lose ground.

Check your privilege.

Think positive.

There are no problems, there are challenges.

Go back to your comfort zone, take your time, but then GET THE HELL BACK FROM THERE .

 

Wie ihr lesen könnt, haben Amerikaner eine ganze Menge motivierender Sprüche auf Lager. Vielleicht klingt dieser Blogbeitrag jetzt auch ein bisschen zu sehr nach amerikanischem Peptalk und würde eher als Halbzeitansprache in eine Fußballkabine passen. Falls das so ist: Pech gehabt 😛 Für mich war das Keep calm and carry on Plakat auf meinem Zimmer hier an manchen Tagen ebenso wichtig wie das morgendliche Joggen, ein ermunterndes „Hör auf zu meckern“ meiner Freunde, Balkonabende mit der WG, die überteuerte Lindtschokolade und der ritualisierte Blick in Boston’s Sonnenaufgang, wenn mich morgens früh um 5 die ersten Sonnenstrahlen wachkitzeln.

 

Und bei dir so? Was treibt dich an? Welcher Satz lässt dich durchhalten? Und vor allem: Wofür ?

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