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Maike

Novembernebel: Ich weiß, dass ich nichts weiß.

25. November 2014 | von

Leben ist optimieren unter Nebenbedingungen. Dumm nur, wenn einem nicht einmal die Nebenbedingungen bekannt sind. Bei mir ist das gerade so: Seitdem ich aus Boston zurück bin, ist alles ziemlich unklar. Im Augenblick kann ich nicht einmal sagen, wie das nächste halbe Jahr aussieht, geschweige denn meine nächsten 3 Jahre:

  • Ich weiß nicht, in welchem Master ich ab September 2015 studieren werde – aber ich weiß, dass ich für einen sehr guten Masterplatz sehr gute Noten, sehr gute Gutachten, ein sehr gutes Ergebnis im TOEFL und ein sehr gutes Motivationsschreiben brauche.
  • Ich weiß nicht, ob ich die notwendigen Stipendien bekomme, aber ich weiß, dass ich ca. 36.000 Euro pro Jahr für Studiengebühren und Lebenshaltungskosten während meines Masters benötige.
  • Ich weiß nicht, ob mein Bachelorzeugnis bis dahin erstellt und meine Gutachten und Arbeitszeugnisse auf englisch übersetzt wurden, aber ich weiß, dass ich meine Masterbewerbung Anfang Dezember einreichen muss.
  • Ich weiß nicht, wo ich im Frühjahr 2015 ein Praktikum machen werde, aber ich weiß, dass ich noch ein Praktikum für meinen Bachelor in BWL brauche und es verdammt gerne genau da machen würde, wo ich in zwei Wochen ein Bewerbungsgespräch habe. Und ob die Bahn dann fährt, wenn ich mein Bewerbungsgespräch habe, weiß ich auch nicht 🙂
  • Ich weiß nicht, wie vieler Anträge an den Prüfungsausschuss es noch bedarf, um meinen, sagen wir, „originellen“ Studienverlaufsplan zu rechtfertigen, aber ich weiß, dass ich auf sein okay angewiesen bin, um meinen BWL-Bachelor rechtzeitig vor meinem Traummaster im Ausland (von dem ich, wie erwähnt, noch nicht weiß, ob ich ihn bekomme) zu beenden.
  • Ich weiß nicht, ob ich nächstes Semester wirklich die 51 CP’s schaffe oder ob das nicht alles ein ziemlich gewagter Plan war.
  • Ich weiß nicht genau, was in meinem neuen Nebenjob eigentlich von mir erwartet wird, aber ich weiß, dass ich den Job unbedingt wollte.

Ich könnte die Liste jetzt noch eine Zeitlang fortsetzen, aber so ein Blogbeitrag ist ja keine Therapieakte 😉

Um mit all dieser Unsicherheit mal produktiv umzugehen, hab ich mir jetzt bei Amazon ein Whiteboard bestellt. Nicht so ein kleines 0815 Ding, nene, das musste schon direkt monstermäßige neunzig mal einszwanzig haben. Mit Hilfe einer strukturierten, professionellen Mindmap wollte ich Übersicht über die verschiedenen Baustellen meines Lebens schaffen. Immerhin: Ich hab es geschafft, in die Mitte des Boards sehr ordentlich die beiden Worte „My life“ zu schreiben. Danach habe ich aufgegeben – irgendwie lässt sich die derzeitige Komplexität (oder das Chaos) meines Lebens nicht wirklich in 2D abbilden (an die Ingenieure da draußen, ein 3D Whiteboard für den Hausgebrauch wär ziemlich cool!)

Seltsamerweise geht es mir trotz all den Unklarheiten gut. Ich weiß nicht, woran das liegt. Vielleicht bin ich in Boston stressresistenter geworden, vielleicht ist es ein Anflug von Vorweihnachtsstimmung, vielleicht sind’s auch nur irgendwelche Hormonschwankungen, die mir gerade gute Laune machen. Und vielleicht wiege ich mich auch in falscher Sicherheit. Anyway: Ich habe jedenfalls beschlossen, jetzt einfach mal so weiterzuleben, Tag für Tag. Und voller Zuversicht. Life can only be understood backwards, but it must be lived forwards.

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