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Maike

Do more of what you are interested in!

24. April 2015 | von

Vor ziemlich genau einem Jahr begann mein Engagement als RWTH-Bloggerin – erst als Outgoing, dann als normale Studentin. Mit einem Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft möchte ich mich heute von euch verabschieden.

 

„What are you interested in?“ Es war eine sehr einfache und gleichzeitig sehr präzise Frage, mit der mich mein betreuender Professor in Harvard in unserem ersten Gespräch konfrontierte. Nicht nur der Jetlag und die Aufregung waren damals schuld daran, dass ich ins Stottern geriet. Es war eher das grundsätzliche Gefühl, dass ich die Antwort auf diese Frage irgendwo zwischen Studienverlaufsplänen und To-Do-Listen verloren hatte.

Erinnert ihr euch noch an die „Freiarbeit“ in der Grundschule? Diese Stunden, in denen man an verschiedenen Stationen auf verschiedene Arten zu verschiedenen Themen arbeiten durfte? Keine Stunden habe ich so sehr geliebt wie diese. Und genau dieses Gefühl der akademischen Freiheit vermisse ich oft in meinem Studium.

Zugegeben: Das ist auch meine eigene Schuld. Niemand zwingt mich dazu, zwei Bachelorabschlüsse in vier Jahren zu machen und in meine ohnehin schon viel zu vollen Stundenpläne dann auch noch Praktika, Nebenjobs und sonstiges Engagement reinzustopfen. Valid point.

Trotzdem wünsche ich mir manchmal, dass unser Studium mehr Phasen vorsehen würde, die „frei“ sind – für individuelle Lern- und Forschungsprojekte, für echte Debatten in den Seminaren und Vorlesungen, für Begegnung und generationenübergreifenden Austausch und vor allem für mehr interessengleitetes Arbeiten.

Andererseits besteht eine der zentralen Lektionen und Leistungen des Studiums vielleicht auch darin, dass man lernt, sich aktiv und bewusst für etwas zu interessieren, was auf den ersten Blick nichts mit der eigenen Lebenswirklichkeit zu tun hat. In der lateinischen Wortbedeutung meint inter-esse soviel wie „dazwischen sein“. Ich denke dabei an so etwas wie eine Brücke zwischen mir und einem Thema, einer Person, einer Sache. Diese Brücke muss gebaut werden, sie fällt nicht einfach vom Himmel – aber das andere Ufer kann mehr oder weniger weit entfernt sein.

Ich hab selten Menschen getroffen, die mit soviel Hingabe gegoogelt, mit soviel Aufmerksamkeit zugehört und mit soviel Leidenschaft Fragen gestellt haben wie in Harvard. Gleichzeitig schien jeder dieser Menschen ein oder mehrere Kernthemen gefunden zu haben, für die er brannte. Do more of what you are interested in – ein Karrieretipp? Zumindest eine gelungene Balance, finde ich: Ebenso wenig, wie man alle Brücken hinter sich abbrechen sollte, ist es vermutlich gut; an so vielen Stellen gleichzeitig zu bauen, dass man das andere Ufer nie erreicht.

Während ich gebloggt habe, wart Ihr für mich so etwas wie das andere Ufer – und ich habe mich oft gefragt, was euch wohl interessiert. Ich hoffe, es ist mir ab und an gelungen, eine Brücke zu euch aufzubauen und ich danke euch dafür, dass ihr mir entgegengekommen seid.

Für die Zukunft wünsche ich euch alles Gute!

Maike

 

 

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