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Markus

Warum es länger dauert eine Prepaid-SIM zu kaufen, als sich als Ausländer zu registrieren…

14. Dezember 2014 | von

Hi,

wer kennt es nicht, kaum in einem neuen Land angekommen, sucht man schon verzweifelt nach einem freien W-Lan Anschluss um endlich wieder Bilder zu verschicken, mit Freunden zu chatten oder einfach nur Google-Maps zu benutzen. Kommt man in den ersten Tagen noch recht gut damit zurecht, wird es mit jedem Tag schwieriger und die Sehnsucht nach mobilem Internet größer und größer … Da hilft es auch nicht, das Seoul vergleichbar viele freie W-Lan Netze bietet.
Also standen zwei Dinge für mich an. Die koreanische SIM Karte und sich als Ausländer in Seoul registrieren und eine Alien-ID Card beantragen.

In unserer neuen German-Connection, Nico, Manuel, Julia, Clara und Greta ging es los. Nach einigen Versuchen in Anam (meinem Uni-Viertel) mussten wir einer bitteren Tatsache ins Auge sehen:
Nur weil draußen ein Schild steht: „English service available“ heißt das noch lange nicht, dass einer der Verkäufer auch nur ein Wort Englisch spricht oder versteht…

Nico fand zum Glück einen Telefonshop im Regierungsviertel, der tatsächlich Englisch im Angebot hatte, also ging es nachmittags los, besagten Shop zu finden.
Dort angekommen (17.30 Uhr) freuten wir uns das ganze schnell erledigen zu können. Wie naiv….
„System is already shut down. You have to come back tomorrow.“ Bitte?? Der Laden sollte noch eine geschlagene Stunde auf haben und jetzt geht bereits nichts mehr?
Wie verdienen die Geld, wenn sie eine Stunde vor Ladenschluss nichts mehr verkaufen können??
Naja… Kann man nichts machen. Also was Essen und am nächsten Tag wieder hin. Doch vorher zum Ausländeramt.

Auf dem Weg dorthin kamen wir an einigen Tempel in Seoul Dongdaemun - StadttorSehenswürdigkeiten vorbei, die ich euch nicht vorenthalten möchte (rechts).
Zuerst das Dongdaemun-Tor, teil der früheren Stadtmauer Seouls um das herum die heutige Stadt einfach gewachsen ist. Außerdem ein weiterer Tempel direkt in der Skyline, wie ein kaum sichtbarer Fels in der Brandung 😉
Zur richtigen Tageszeit lassen sich hier auch Mönche beim Gebet beobachten und scheinbar ist eben dieser Tempel gerade ein Neujahr ein beliebter Platz für Pärchen um sich für das kommende Jahr viel Glück zu wünschen und gemeinsam anzustoßen.

Anzug gefällig?Doch wo war ich?
„Wolle Anzug kaufen?“
Nein? Naja, ich glaube mittlerweile in Seoul gibt es nichts (Ausnahme sind pornographische Inhalte), das sich nicht auf der Straße kaufen lässt. Oft zu guter Qualität und sicherlich auch zu ordentlichen Preisen. Naja, einen Anzug auf der Straße zu kaufen fanden wir dann doch etwas zu viel, aber definitiv eine interessante Art und Weise ein Auto zum Verkaufsladen umzubauen. Achja, das ist übrigens die Motorhaube, falls man es nicht auf den ersten Blick erkennt…

Aber ich schweife ab. Wir wollten eine Alien ID und eine SIM Karte. Also ab in die Ausländerbehörde. Wie erwartet hatten ungefähr 300 Leute die gleiche Idee wie wir, weshalb wir uns innerlich schon auf eine Wartezeit von mehreren Stunden einstellten. Von anderen Ausländern hatten wir Horrorgeschichten mit bis zu 7 Stunden Wartezeit vernommen…

Doch weit gefehlt.
Ab ins Office, Nummer gezogen, ich war die 117, bei aktuellem Counter-Stand von Nummer 6….
Kann ja was werden.. Ah, da sind ja ein paar Schweden, die ich vorher kennengelernt hatte, also ab im großen Warteraum zu meinen anderen Bekannten. So standen wir da, machten Smalltalk suchten verzweifelt mit den Augen nach Sitzplätzen. Und scheinbar standen wir einfach total dumm im Weg. 6 Deutsche, die dumme den Weg blockieren, was kann es besseres geben.
Keine 30 Sekunden später spricht mich eine koreanische Beamte auf Koreanisch an und merkt nicht mal an meinem Pferde-Augen-Blick, das ich kein Wort verstehe. Doch dann ein Wort. Student. „Yes, I am a Student, I want to apply for an Alien Registration Card“ antworte ich wahrheitsgemäß. Daraufhin packt sie mich am Ärmel und zieht mich und die anderen direkt vor einen bis dahin geschlossenen Schalter hinter dem sie direkt Platz nimmt. Weitere 2 Minuten später haben wir alle 6 unsere ausgefüllten Antragsformulare und Kopien, Passfotos und dergleichen abgegeben und müssen nur noch Fingerabdrücke machen lassen.
Nach genau 7 Minuten verlassen wir sechs gut gelaunt die Ausländerbehörde. So kann der Tag doch weiter gehen oder?
Also ab zum Phone-Shop….

Dort angekommen freuen wir uns, ein voll funktionstüchtiges Computersystem (welches auch hochgefahren ist) vorzufinden und der Mitarbeiter beginnt unsere Handys, sowie alle Reisepässe einzusammeln. Er bittet uns zu warten und verschwindet eifrig mit einem Kollegen in den hinteren Teil des Shops…
Eine halbe Stunde später… Nichts…
Eine Stunde später… Der Telefonfritze kommt zurück, stellt ein paar unbedeutende Fragen und geht wieder…Eineinhalb Stunden später… Nun bekommen 2 von uns 6 ihre Handys zurück, mit koreanischer SIM. Unglaublich…
Zweieinhalb Stunden später haben auch wir restlichen unsere SIM Karten samt Handy und müssen uns nun nur noch für das freie W-Lan des Telefonanbieters freischalten lassen, das sich ebenfalls als Odyssee herausstellt…

War das notwendig? Wirklich?
In der Zeit kann man in Deutschland wahrscheinlich ein Haus kaufen… In Korea reicht es gerade einmal für eine Prepaid SIM. Prepaid…
Scheinbar werden hier alle SIM Karten direkt bei der Regierung registriert, mit Namen und allem Pipapo, was eben seine Zeit dauert.
Witzig ist auch, dass Handynummern keine Sperrfristen haben. Wer also seine Nummer abgibt weil z.B. sein Vertrag ausläuft, der kann davon ausgehen, dass nur wenige Minuten später ein neuer Nutzer diese Nummer benutzt. Dadurch bekomme ich nun regelmäßig Anrufe und SMS von Koreanern auf Koreanisch, die davon ausgehen, dass ich jemand anderes bin, spannende Telefonate 😉

Naja, Tag geschafft, alles Wichtige erledigt also ab ins Bett. Am Tag darauf ging’s auf den Himalaya Seouls mit einer unglaublichen Aussicht, aber davon mehr im nächsten Beitrag… Achja, da nur wenige Bilder in diesem Beitrag waren, unten noch zwei Bilder eines Flusses in Seoul, der vor ein paar Jahren renaturiert wurde (vorher verlief dort eine Autobahn) und ein Bild unseres Mittagessens, Korean Barbeque. 😉

Bis die Tage,
Markus


Korean BBQ Fluss III Fluß II

 

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