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Markus

„Kacke, ich muss ja hier auch studieren“…

28. Dezember 2014 | von

… dachte ich mir und wusste doch, dass heute der erste Tag meines Universitätsstudiums in Korea sein wird.

Nichts mehr mit Sight-Seeing und Seoul kennenlernen. Studieren… Bücher wälzen… Powerpoint Präsentationen anschauen… *würg*…
So voll motiviert dreh ich mich einfach nochmal um und stelle dann doch irgendwann fest: Mein erster Kurs beginnt in 45 Minuten.
Also schnell unter die Dusche, ohne Frühstück aus dem Haus und ab dafür…

Doch erm, wo ist eigentlich der Hörsaal? Die Kursbeschreibung aus dem Internet? Tja, alles auf Englisch übersetzt, bis auf den Veranstaltungsort, großes Kino. Nach einem kurzen Telefonat mit meinem Buddy, der mir aus nahezu jeder Patsche zieht weiß ich zumindest das Gebäude und bin tatsächlich 5 Minuten vor Beginn des Unterrichts da.

Und sonst? Nö, genau, keiner.
14.00 Uhr. Eigentlich sollte hier jetzt „Nanomaterials and their Applications“ anfangen. Niemand da. Raum verschlossen. Auf dem Flur laufen an mir dutzende koreanische Studenten vorbei, die mich anschauen als sei ich gerade aus meinem Raumschiff gestiegen und hätte grüne Antennen auf dem Kopf.
14.05 Uhr. Niemand da.. Ich wage die Aussage meines Buddys zu hinterfragen und checke nochmal nach. Ein zweiter Anruf bringt aber keine neuen Erkenntnisse.
14.10 Uhr. Niemand da… Irgendwas ist doch hier falsch? Ich halte ein koreanisches Mädchen auf dem Flur an, frage sie höflich auf Englisch ob ich im richtigen Gebäude und dies der Raum sei. Nach meinen zwei Sätzen erwidert sie mir einen Blick, als hätten sich meine grünen Antennen auf dem Kopf gerade rot gefärbt und Kringel gebildet… Schüchtern und kichernd rennt sie weiter.. Na super.. Kommunikationsgenie Markus, Super gemacht.
14.15 Uhr. Kein Schwein mehr auf dem Flur zum Fragen, ich warte immer noch doof…

14.18 Uhr. Die Erlösung. Ein Student kommt, Badelatschen, kurze Shorts im Hawai Stil, Bayern München Trikot und Haarreif. Super Outfit. Er schließt die Tür auf und setzt sich gemächlich in die zweite Reihe des kleinen Seminarraums. Kommunikation? Fehlanzeige. Nach meinem „Hello, I’m Markus“ macht er mir halb englisch, halb mit dem Fuß deutlich, dass er zwar Deutschland wegen des Fußballs mag aber keiner westlichen Sprache mächtig ist. [Nachtrag: Die Koreaner können wahrscheinlich schon irgendwie englisch, trauen sich nur nicht…]

In Windeseile füllt sich der Raum, 20 Studis und der Prof .
Nach 20 Minuten ist das kurze Intermezzo vorbei. Es geht, oh Wunder, um Nanomaterials. Dummer Nebeneffekt, jeder Student muss alle 3 Wochen ein Paper vorstellen und den anderen erklären. Für eine englische Präsentation gibt es 5 % Bonus auf die Note… Nach kurzem drüber nachdenken schwant mir schlimmes….

Doch was kommt noch? Ich glaube jeder, der ins Ausland geht kennt das nun folgende Problem.
Wie ich leider feststellen musste sind 3 meiner 4 vorab gewählten Kurse nicht mehr existent oder werden nicht mehr auf Englisch angeboten, großartig.

Daher versuche ich mir direkt mal im Online-Campus-System neue zu suchen.  Die Betonung liegt auf „versuche“.
Nachdem ich mich in die Lobby des Campus-Zentrums in einen ultra gemütlichen Ledersessel gefläzt und die Füße hochgelegt habe beginnt die Recherche nach weiteren Kursen.
Schnell sind ein paar mögliche ausgemacht, ich habe neben Nanomaterials noch 4 ansatzweise sinnvolle zur Auswahl, zwei davon überschneiden sich und einer liegt Freitags.. Freitags?
Ne denk ich mir und streiche den schon mal von der Liste. Man will ja auch was vom Wochenende haben und donnerstags sind bestimmt die besten Parties…
Also gibt es für mich Intelligent Control (laut Syllabus ein Robotik-Kurs, kann also nicht schaden) und Advanced Measurement and Information System. Dort wird beschrieben, das es Teil des Kurszieles sei Emails von anderen Leuten im gleichen Wlan zu tracken und abzufangen, klingt also lustig und spannend und schadet bestimmt nicht, dort ein bisschen Expertise für das spätere Hackerleben aufzubauen, falls es mit dem Maschinenbau nicht klappt.
Als Gimmig gibt es noch einen Sprachkurs in Koreanisch für Masterstudenten, Montag bis Donnerstag 19.00 Uhr. Oh man, na das kann ja was werden. Ich sehe meine Motivation zur regelmäßigen Teilnahme schon neue Tiefpunkte erreichen.

Nachdem ich also meine Kurse beisammen habe, ist es auch schon wieder Zeit den ersten Sprachkurs zu besuchen, also mach ich mich gleich auf den Weg zum anderen Campus (hier wird zwischen Science- und normalem Campus unterschieden) und freue mich mein Koreanisch weiter zu verbessern. Ein schlimmer Fehler wie sich bald heraus stellen wird.

Wer jetzt übrigens auf den Gedanken kommt ich sei ein Vorlesungs-fauler Student, dem kann ich nicht direkt widersprechen, aber mal ehrlich. Jeden Tag 19.00 Uhr ne Vorlesung für 1 1/2 Stunden, das ist echt kein Zuckerschlecken. Gerade zur besten Zeit sich etwas zu Essen zu jagen oder den Abend mit einer Flasche Bier ausklingen zu lassen. Aber naja, wie ich das durchgehalten habe beschreibe ich euch mal später.

Hier sind wir auch schon am Ende meiner Kurswahlodyssee.
Auf Grund der Ferien bin ich gestern in Bangkok angekommen und werde mich von Dort über Nord-Thailand wahrscheinlich noch nach Kambodscha und Laos durchschlagen, weshalb sicher ein paar Bilder im nächsten Eintrag folgen.

Ansonsten wünsche ich euch frohe Weihnachten, ich hab hier 25+ Grad und finde, das ist auch mal ne gute Temperatur für Weihnachten 😉

 

Bis die Tage,
Markus

 

PS: Tut mir leid, das die angekündigte Wandertour nun doch erst mal hinten anstehen muss, aber ich werde es nicht vergessen euch auch davon zu berichten 😉

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