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Markus

Wo ist eigentlich Zuhause und warum nicht hier?

23. Februar 2015 | von

Hallo zusammen,

nach längerer Schreibpause bin ich mal wieder hier. Hier? Zuhause quasi. Doch wo ist das eigentlich? Sitze ich zwar an einem Computer in Aachen, fühle ich mich aktuell nicht wirklich zu Hause und frage mich zum wiederholten Male wo dieses Zuhause eigentlich ist!?

Ist es in Korea im etwas ranzigen Wohnheim?
Auf dem Campus mit seiner abartigen Klimaanlage, die einen im Sommer zum Frieren und im Winter zum Schwitzen bringt?
Mit Koreanern bei einer Flasche Soju (oder zugegebener Maßen sehr vielen Flaschen Soju…)?
Auf einem der zahllosen Märkte Seouls zwischen Innereien und Meeresfrüchten?
Mit anderen ausländischen Studis beim All-You-Can-Eat BBQ kurz vor dem Fresskoma?

In Thailand oder Laos?
Zwischen goldenen Buddhas oder verrücktem Straßenessen?
In der herrlichen Berglandschaft oder bei der Meditation im Tempel?
Über den Dächern Bangkoks in einer Skybar mit Cocktails für 15 €?
Auf dem Mekong in einem wankendem Boot mit verrückten Kiffern und Hardcore-Backpackern?
Bei blauen Wasserfällen und Höhlen, die es zu erkunden gibt?

Oder doch hier in Deutschland?
Beim Abendessen mit meiner Familie?
In meiner Wohnung mit meiner Küche, meinem Schreibtisch, meinem Bett?
Beim Kochen mit Freunden um dem Erzählen von Geschichten?
Auf dem Marktplatz mit freudigen Karnevalisten?
In der „Kiste“ beim Bier mit Kumpels?

Ich weiß es nicht. Dennoch habe ich mich an all diesen Orten, bei all diesen Gelegenheiten schon einmal zu Hause gefühlt. Manchmal in der kurzen Vergangenheit, manchmal ist es schon länger her.

Und jetzt? Hm.
Eigentlich will ich nur wieder zurück.
Zurück zur Leichtigkeit des Auslandsstudiums.
Sich nicht viele Gedanken machen. Sachen erleben.
Täglich ein neues Abenteuer, so klein es auch sein mag.
Wenige Verbindlichkeiten, viele Gleichgesinnte, viel zu Entdecken.

Normalerweise bin ich sicher nicht der Mensch, der auf kurze und lose Bekanntschaften aus ist. Freunde sind mir wichtig und gute Freunde sind umso wichtiger.
Allerdings hat es auch etwas für sich, wenn eine Freundschaft von vorneherein ein Ablaufdatum hat und es allen bewusst ist. Man überspringt schnell die Kennenlernphase und gibt sich wirklich wie man ist. Oder wie man sein möchte.
Niemand fällt direkt in soziale Stereotypen zurück und irrwitziger Weise hilft auch die Sprachbarriere bei der Kommunikation. Da niemand so wirklich in seiner Muttersprache (von wenigen Ausnahmen abgesehen) spricht, wird zwar viel falsch verstanden, aber das was wichtig ist wird so lange besprochen und anders formuliert, bis es auch verstanden wurde.

Klar, soziale Unterschiede, insbesondere im Vergleich zu Asiaten führen oft zu Erstaunen und kleineren Schwierigkeiten. Andererseits ist niemand prüde oder schamlos, verschlossen oder extrovertiert, verrückt oder normal, egoistisch oder selbstlos. Er ist einfach anders.

Die vielen kleinen Schubladen, mit denen wir sonst unsere Umgebung zu bewerten und zu verpacken scheinen zu verschwinden oder viel mehr zusammengefasst zu werden. Zusammengefasst zur großen Schublade des Andersseins. Anders groß geworden zu sein. Andere Erfahrungen gemacht zu haben und in einem anderen Umfeld zu leben.

Wer das einmal akzeptiert hat, erweitert nicht nur in Windeseile seine eigene Toleranz gegenüber anderen, sondern wird sich allzu oft bei der Notwendigkeit ertappen, sein eigenes Verhalten gegenüber sich selbst rechtfertigen zu müssen.
Ich glaube dadurch habe ich nicht nur viel gelernt, sondern mich auch verändert im Umgang, Denken und Handeln. Hoffe ich zumindest 😉

Doch das war ja eigentlich gar nicht das Thema. Ich sprach über das Zuhause.
In den letzten Wochen habe ich viel darüber nachgedacht, wo ich zu Hause bin. Schon in Korea etwas, in Thailand und Laos immer mehr und seit ich wieder hier bin ist es ein Art konstanter Gedanke, der mich zwar nicht quält, aber dennoch hin und wieder zur Ratlosigkeit treibt.

Ich mag Deutschland. Ich mag Aachen und besonders meine Freunde. Sie und alles hier sind mir wichtig, doch bin ich mittlerweile nahezu sicher, dass ein Zuhause für mich nicht nur hier ist. Vielleicht sogar nicht mal wahrscheinlich hier.
Das Fernweh hat mich gepackt und ich werde versuchen, so offen und frei es mir möglich ist, dieses Zuhause auch an den verrücktesten Orten der Welt zu finden und zu suchen.

Wer weiß schon jetzt, wo er einmal in 20 oder 30 Jahre landet?
In Schwaben oder der Nordsee? In Deutschland oder gar Europa? Vielleicht in einem buddhistischen Tempel am Rande der Zivilisation?

Genau, niemand weiß es. Nicht mal die Leute, die sich sicher sind, wo sie ihr Leben gerne leben würden, können wirklich sicher sein, dass es klappt.

Also warum darüber Gedanken machen?
Zuhause ist ein Ort, der nicht auf der Erde liegt. Er ist in mir drin und ich nehme ihn mit, wenn ich einen Ort verlasse. Er gehört nur mir oder dir und da sollte er bleiben.

Daher nehmt euer Zuhause mit und lasst es nirgends liegen 😉

Viele Grüße

Markus

PS: Um etwas Tagesaktuelles zu schreiben. Ich bin wieder in der Aachener-Maschi-Lernphase angekommen und kämpfe nun mit Karteikarten gegen unnütze Wissens-Auswendiglern-Klausuren… Ein hoch auf exzellente Leere… War da nicht mal etwas mit Windmühlen…

 

 

 

 

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