Kategorien
Seiten
-

Nina

I’m on top of the world

19. März 2015 | von

Irgendwo zwischen der Mitteleuropäischen Zeitzone und der Eastern Time, in über 12,000 m Höhe und mit einem bereits 4stündig plattgesessenen Hintern kommt plötzlich eine Durchsage vom Captain.

5einhalb weitere Stunden muss ich noch. Im Flugzeug herrscht zur Freude aller Passagiere gähnende Leere, sodass die Economy Class plötzlich äußerst komfortabel wird. Die Stewardessen sind super drauf, US Airways eben, und das Filmprogramm ist auch nicht von schlechten Eltern, noch dazu gibt es Schokoeis. So lässt es sich aushalten.

Ich bin zuerst von Düsseldorf nach Heathrow geflogen, da hatte ich auch schon einen Fensterplatz. Über London sind wir dann eine sehr erfreuende Schleife geflogen. Sonnenschein; diverse Londoner Wahrzeichen stehen ganz unwirklich wie Miniaturhäuschen entlang der Themse. Über New York bin ich auch schon einmal so ein unterhaltsame Warteschleife geflogen.  Manchmal frage ich mich, ob sich Piloten wohl wie bessere Touristguides fühlen und so den Zielort in seinem besten Licht präsentieren wollen. So ähnlich auch auf meinem Anschlussflug nach Charlotte.

Na, wer findet die Tower Bridge? ;)

Na, wer findet die Tower Bridge? 😉

Fast alle Fensterklappen sind unten, es ist ziemlich dunkel, weil alle Filme gucken oder auf den Mittelbänken ein Schläfchen halten (Ja, ja, so werden die sich nie an die Zeitumstellung gewöhnen!) Ich bin gerade an meinem zweiten Film dran, habe mir mit diversen Decken und Kissen auf meiner Doppelbank ein gemütliches Plätzchen geschaffen, da macht es Ding Dong.

„Ladies and Gentlemen, this is the Captain speaking.“ – Normalerweise ignoriere ich solche Durchsagen gekonnt, wenn das Flugzeug nicht gerade droht abzustürzen. Leider stoppt das Filmprogramm dann aber. Na jut, wat willer denn? „If you ever wondered what it feels like to be on top of the world, you make take a look outside your window.“ Wie die Kinder kleben alle in Sekundenschnelle mit den Nasen am Fenster. Ich natürlich auch. Da wäre mir doch glatt diese grandiose Aussicht entgangen. Wir befinden uns wohl über der Spitze Grönlands. Man kann sich einbilden, die Erdkrümmung zu erkennen und dann ist da diese faszinierende weiße Unendlichkeit. Zwischendurch ein paar schneebedeckte Berge. Man hat das Gefühl ganz nah über dem Boden zu fliegen. Man ist ganz nah und doch so weit weg. Ob hier schon mal jemand einen Fuß drauf gesetzt hat? Genau auf den Berg, den ich mir da gerade anschaue? Ich schaue mir diese Weite ziemlich lange an und wenn es zwischendurch keine Berge gibt, gibt es auch keine Fixpunkte und man hat das Gefühl auf der Stelle zu Stehen. Fast schon ein bisschen gruselig. Die armen Seefahrer, die damals versucht haben, das Ende der Welt zu finden.

Und das bringt mich auf eine Idee. Im Flugzeug ist man wohl wirklich on the top of the world. Erst recht, wenn man einen der nördlichsten Breitengrade kreuzt. Und rein physisch werden es die meisten von uns wohl auch nicht höher hinaus schaffen. Aber dann gibt es hier oben, bei kuschligen -50 Grad Außentemperatur, auch noch eine weitere angenehme Besonderheit. Man ist partout nicht erreichbar und die Sonne scheint auch durchgehend, vor allem wenn man nach Westen fliegt. Man kann ohne schlechtes Gewissen Filme schauen, Musik hören, lesen, essen und vergessen, dass da unten die wahre Welt ist. Die sieht man nur gelegentlich zwischen der Wolkendecke unter einem aufblitzen und kann sie sich auf dem Boardbildschirm anschauen.

Aber ob man bei 7000 zurück gelegten Kilometern, 9,5 Stunden Flugzeit, 6 Stunden Zeitverschiebung und einem mittlerweile immer platteren Hintern davon sprechen kann, dass diese Reise wie im Flug vergangen ist, naja. Ich glaube, ich werde diese Redewendung für mich einfach umformulieren in: Ich fühle mich unbeschwert wie im Flug.

Be Buddy!

17. März 2015 | von

An dieser Stelle möchte ich gerne Werbung für das internationale Angebot der RWTH machen. Im Besonderen für das BeBuddy-Programm.

Das ist wirklich eine schöne Sache. Man macht zunächst eine nicht besonders zeitaufwendige, aber unterhaltsame Schulung im Humboldthaus und wird dann in eine Onlinekartei aufgenommen, damit ist man Buddy. Dann kriegt man vor Beginn des neuen Semesters einen Mentee zugewiesen. Im Idealfall jemanden von der eigenen Fakultät und mit ähnlichen Hobbies. Die Aufgabe des Buddys ist es dann, besonders zu Beginn, seinen Mentee zu unterstützen. Man stelle sich mal vor, die deutsche Bürokratie mit zu bewerkstelligen – ohne, dass man Deutsche seine Muttersprache nennen kann. Das ist ja so schon furchterregend genug. Aber eben nicht nur der formelle Kram, sondern auch sowas wie die Stadt zeigen etc. sollten zum Programm gehören. Letztendlich kann das aber jeder für sich entscheiden, wie umfangreich er das betreibt. Dabei können sich schöne Freundschaften und Sprachtandems entwickeln. Und vielleicht macht man ja sogar mal an der Uni des Mentees ein Auslandssemester.

Im letzten Semester habe ich selber zum ersten mal mitgemacht. Meine Mentees waren/sind Jovana, Serbien und Lauren, USA. Beide ungefähr so alt wie ich, beide am architekturieren. Lauren habe ich zuerst kennen gelernt. Sie war schon in Aachen, als sie mir zugeteilt wurde. Nach unserem ersten gemeinsamen Kaffee sind wir dann direkt zusammen zur Bank, um ihr ein Konto einzurichten. Ich konnte gar nicht so viel Englisch reden, wie ich wollte, weil Lauren, good for her, schon richtig gut Deutsch konnte. Sie war bereits zweimal für ein paar Wochen hier.                     Mit Jovana hatte ich schon ein paar Wochen vor ihrer Ankunft Kontakt. So konnten wir einiges im Vorhinein klären und dank Laurens Hilfe einige Hindernisse umgehen. Der schöne Zufall war, dass die beiden im gleichen Wohnheim wohnen. Am Tag von Jovanas Anreise, als wir beide mittelmäßig verzweifelt in ihrem Zimmer standen und versuchten ihr neues Bett aufzubauen, kam auch direkt Lauren zur Hilfe. Und ich hab mich sehr gefreut, dass die beiden außerhalb ihrer WG noch einen weiteren Kontakt im Wohnheim haben. Leider konnten wir uns unterm Semester nicht so oft treffen, wie ursprünglich gehofft, aber als wir zuletzt zusammen essen waren, habe ich mich noch einmal sehr über diese Bekanntschaft gefreut. Zum Glück bleiben die beiden auch noch ein bisschen, sodass wir noch die ein oder andere Gelegenheit haben, uns zu sehen. Denn das ist wirklich eine sehr interessante Kombi.

Also liebe Leute, tut euch selbst und einem Mentee was Gutes und werdet Buddy. Zu verlieren hat man dabei jedenfalls nichts. Und nur mit Aachenern die ganze Zeit rumhängen, ist ja auch irgendwie öde 😉

Home is where the heart is

13. Februar 2015 | von

Ich habe vor kurzem ein Flugticket in die USA gebucht. Dort war ich als 16-jährige für ein halbes Jahr in einer Gastfamilie. Das ist jetzt also ein bisschen wie zurück nach Hause, in eine fast vergessene Welt, zu fahren. Völlig euphorisch, da ich bereits 4 Jahre nicht mehr dort zu Besuch war, frage ich mich nun: Was titulieren wir eigentlich als Zuhause?

Der Duden verrät: Zuhause; Bedeutung: Wohnung, in der jemand zu Hause ist (und sich wohlfühlt); Heim; Wohnung.  Eine sehr sachliche, aber für mich nicht zufriedenstellende Definition. Etwas genauer trifft es: „Zuhause bezeichnet jenen Ort, an dem man sich angekommen, sicher und behütet fühlt.“  Es gibt nichtmal einen richtigen Wikipedia-Artikel dazu. Was man allerdings findet ist „Heim“. Hier wird erläutert, dass rein neurobiologisch gesehen „Heimat“ im Gehirn jedes Menschen präsent ist.

Ich finde es schwer, den Begriff Zuhause in einem Satz klar zu definieren. Vielleicht wird es auch einfach über das definiert, was es nicht ist. Zum Beispiel die Fremde. Zuhause fühlt man sich ja meistens dort, wo man schon eine Weile ist und sich auskennt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Also kann man sich dann mit ein bisschen Zeit überall zuhause fühlen? Das wiederum wage ich zu bezweifeln. Da muss schon ein bisschen mehr zusammen kommen, als nur ein gemütlicher Ort und ein bisschen Zeit.

Ich bin bisher 3 mal umgezogen. Einmal als Kind mit meinen Eltern, dann von der Heimat nach Aachen und hier dann auch noch einmal. Aber da tut sich ja schon das erste Problem auf: Ist denn jetzt Aachen mein Zuhause oder das Haus, in dem ich aufgewachsen bin? Darf es zwei Zuhause geben? Als ich damals ausgezogen bin und mich dann schon eine Weile sehr wohl in meiner neuen Wohnung und in Aachen gefühlt hab, hab ich immer versucht mir zu verkneifen, meiner Mama zu sagen, dass ich dann und dann wieder nach Hause (Aachen) fahre. Nach Weihnachten 2014 kam sie dann mal in mein Zimmer und fragte, wann ich denn wieder zurück nach Hause wolle. Und da war ich kurz total getroffen, weil ich dachte, dass ich in meinem „richtigen“ Zuhause, der Heimat, gar nicht mehr dazu gehöre. Schrecklich kompliziert sowas.

Und dann sind das ja eben nicht nur Orte, an denen wir viel Zeit verbracht haben, die für Wohlbefinden sorgen. Manchmal sorgen völlig fremde für das gleiche sich zuhause fühlen. Und dann gibt es auch gut bekannte Orte, die es aber einfach nicht schaffen, dieses Gefühl in uns auszulösen. Was da wohl alles in unserem Kopf vorgeht, dass man es manchmal so und manchmal eben so empfindet.

Was aber wohl definitiv ist: je mehr man von Zuhause weg ist, umso mehr weiß man es zu schätzen. Und das gibt dieser fabelhaften Zuflucht, ob sie nun an einem bestimmten Ort oder bei einem bestimmten Menschen ist, so einen Hauch von Magie. Und auch wenn sich das Zuhause gelegentlich ändert, ist es unsere Konstante, an der wir uns festhalten können, während sich die Welt um uns herum wie ein Karussell dreht, das niemals anhält. Womit ich mir wohl ganz gut meine oben aufgekommene Frage beantworten kann, ob man mehrere Zuhause haben darf. Ja. Das ist sogar ein Luxus. Schließlich kann es nicht genug Orte, Menschen und Situation geben, die für Spielstopp stehen.

Selbst auf der schönsten Reise sollte man sich immer auf ein noch schöneres Zuhause freuen (können). Ich freue mich jetzt schon riesig auf mein amerikanisches Zuhause. Und auf das Gefühl, wenn ich mich nach meinem Rückflug nach Deutschland und völlig gejetlagged wieder in mein eigenes Bett legen kann.

 

Auld lang Syne

09. Januar 2015 | von

Das Jahr endet standesgemäß mit meinem Lieblingsmonat. Dezember. Das Wort ist Musik in meinen Ohren. Sowas wie Winterdepression kenne ich daher glücklicherweise nicht. Eingeläutet vom ersten Advent sind die folgenden 31 Tage meist voller (Vor-)freude. Oft zum Leid meiner Mitmenschen muss ich gestehen, dass ich sehr bewusst und gerne an dem viel zu konsumorientierten Weihnachtsverhalten des 21. Jahrhunderts teilnehme.

Das beginnt eben mit Adventskranz basteln, am 1. kann ich dann beginnen die Türchen meiner beiden Adventskalender aufzumachen (ja ich bin ein sehr verwöhntes und von Mama geliebtes Kind) und am 6. steht auch schon der Nikolaus vor der Tür.

Am 9. folgt allerdings das Highlight des Monats: Mein Geburtstag. Ich liebe Geburtstag haben und zelebriere das immer äußerst ausführlich. Meine Regel lautet: Ich habe so lange Geburtstag bis alle offiziellen Feiern vorbei sind. Im Idealfall kann das also mehrere Tage dauern. Meine Mitbewohnerin kennt das Spielchen schon. Sie hat mir daher nicht erst am 9. zu meinem Geburtstag, sondern schon am 8. zum Beginn meiner Geburtstagswoche gratuliert. In diesem Jahr bestand diese aus Reinfeiern mit den Architektenmädels, rausfeiern mit der Familie und am Wochenende dann ne dicke Party mit eben allen. Es war mal wieder ein Fest!

  IMG_6406

Die folgende Woche, die dritte im Dezember, verbringe ich dann gerne mit Weihnachtsvorbereitungen in Form von Geschenkeorganisation, Plätzchen backen und Weihnachtsmarktbesuchen. Und wenn ich dann den 23., quasi ein übergroßes Klassentreffen verschiedenster Jahrgänge in der hiesigen Kneipe, überstanden habe, ist es endlich soweit. 3 Tage Weihnachten vollgepackt mit Familienprogramm, Essen und Geschenken – was für eine fabelhafte Angelegenheit. Und das meine ich völlig ernst. Von den Dramen, die sich an Weihnachten ja angeblich so häufig zutragen, bekomme ich glücklicherweise nichts mit. Unsere Zusammenkünfte laufen eigentlich immer recht friedlich ab. Könnte allerdings auch daran liegen, dass wir aufgrund konstanter Nahrungsaufnahme 3 Tage lang vom Parasympathikus gesteuert werden und so für irgendwelche Krisen gar keine Energie da ist.

4a  7  jj

Die Tage „zwischen den Tagen“ verbringe ich dann mit den Freunden, die ich leider sonst nicht besonders oft sehen kann, weil wir ja leider alle kreuz und quer studieren müssen. Da wird man dann unweigerlich nostalgisch und verfällt in das typische Jahreswechselgrübeln. Dabei sind diverse Jahresrückblicke leider sehr hilfreich. Ein junges Mädchen gewinnt den Friedensnobelpreis, während ein anderes sterben muss, weil es sich für andere eingesetzt hat. Ein Travestiekünstler, der den Eurovision Songcontest gewinnt, während seine russische Konkurrenz ausgebuht wird. In Westafrika erkranken und sterben Tausende am Ebola-Virus, während in zu vielen anderen Ländern bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen. Eine Weltmeisterschaft, die uns endlich das langersehnte Sommermärchen bringt, während der man gut vergessen kann, was die FIFA da eigentlich für einen Unfug treibt. Das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls. Verschwunden ist aber nicht nur die Mauer, sondern auch ein Flugzeug. Unfassbar eigentlich, wo man doch heute mit irgendwelchen Apps seine Kinder, Nachbarn und Exfreunde aufspüren kann.

Kriegt man am Ende des Jahres dann all diese Schlagzeilen vorgehalten, bleibt zumindest bei mir, und vielleicht auch bei vielen anderen, erst einmal das Schlechte hängen. Was ist das denn für eine Welt in der wir da leben? Auf der einen Seite wahnsinnig fortschrittlich. Ich meine wir kriegen mal eben so Bilder aus dem All geschickt. Und auf der anderen Seite wie im Mittelalter; ein amerikanischer Journalist, der von IS-Terroristen enthauptet wird.

Ich will die Schrecklichkeit all dieser Ereignisse sicher nicht entkräften oder in Frage stellen, aber um nicht völlig den Glauben an diese Welt zu verlieren, sollte man sich daran erinnern, dass natürlich nur über außergewöhnliche Dinge berichtet werden kann, denn es bleibt ja gar keine Zeit Beiträge über völlig normale Menschen und Ereignisse zu zeigen. Ich will kein Weltverbesserer sein, mir reicht es, dass ich es dieses Jahr endlich geschafft habe, mich für die DKMS registrieren zu lassen und einem kleinen Jungen aus einem lokalen Jugendzentrum einen Spiderman-Film geschenkt habe. In der Hoffnung, dass auch solche Kleinigkeiten wenigstens ein bisschen zu einer besseren Welt beitragen, werde ich mit sowas einfach weitermachen. Was mich vor allem dieses Jahr bei diversen Jahresrückblicken aber am meisten erschrocken hat, ist, dass ich von viel zu vielen Dingen gar nichts mitbekommen habe oder auch einfach keine Ahnung davon habe. Oder im schlimmsten Fall, beides. Das wird einer meiner wenigen „guten Vorsätze“. Mir mehr Zeit für Nachrichten nehmen. Im BWL-Studium war man dazu gezwungen und jetzt bei den Architekten – ja da sind wir wie in unserer eigenen kleinen Seifenblase. Das gefällt mir nicht. Mein anderer guter Vorsatz ist, nächstes Jahr meine guten Vorsätze in Edinburgh zu beschließen. Ich möchte unbedingt Silvester dort feiern. Davon träum ich schon ganz lange und dieses Jahr möchte ich, dass das wirklich wahr wird.

Tja, und wenn dann tatsächlich der Jahreswechsel ansteht, komme ich nicht umhin mich zu fragen, was ich aus dem letzten Jahr mitnehme und was ich mir vom neuen erhoffe. Ich möchte nicht bewerten. Ich will nicht sagen 2014 war besser als 2013. Und 2015 soll noch besser werden als 2014. Das ist doch Humbug und macht einem nur unnötig das Leben schwer. Vielleicht sollte man diesem Silvester/Neujahrs-Druck einfach mal den Wind aus den Segeln nehmen. Die Silvesternacht ist doch nichts anderes als der große Bruder von der Nacht von Sonntag auf Montag. Dann beginnt eine neue Woche und werden wir deswegen jeden Sonntag zum Pyromanen?! Nein.

Ich nutze die Jahreswechselzeit lieber, um mich nochmal an all die schönen Dinge in 2014 zu erinnern und um auf die neuen Ereignisse in 2015 gespannt zu sein. Dem neuen Jahr ist vermutlich ziemlich schnuppe, ob wir uns gute Vorsätze überlegt haben und das vorige Jahr gut oder schlecht fanden – es kommt so oder so.

n

Auf der Suche nach dem Zauber

22. Dezember 2014 | von

Das ist jetzt mein vierter Artikel und dieses Mal musste ich ein bisschen länger überlegen, worüber ich denn eigentlich schreiben will. Und deswegen schreib ich jetzt einfach über’s schreiben.

Regelmäßig über seinen Alltag bzw. über dessen Besonderheiten zu bloggen sorgt nämlich dafür, dass man seine Umwelt viel bewusster wahrnimmt. Und das ist was richtig Feines. Ich habe jetzt die mir selbst auferlegte, aber angenehme Verpflichtung an jedem Tag etwas gut oder interessant zu finden. Schließlich will ich ja nicht über langweiligen Stuss schwadronieren (Ich hoffe, ihr findet das jetzt nicht langweilig 😛 ). Und so laufe ich mit viel offeneren Augen durch die Weltgeschichte und versuche mich über noch so unwichtig erscheinende Kleinigkeiten zu freuen.

Mein Leben ist im Moment so hektisch und rasant, dass ich es total genieße mir zwischendurch die Zeit zu nehmen, über das, was ich erlebt hab, nachzudenken, damit es überhaupt im Kopf und im Herzen ankommen kann. Vor allem dank der Uni ist in meinem Kopf schon April, Aufgaben hängen mir zum Teil aber noch aus dem Oktober hinterher und rein physisch befinde ich mich mitten in der wahnwitzigen Adventszeit. Kein Wunder also, dass mir letztens bei der Vorstellungsrunde im Schwedisch-Kurs kurzfristig entfallen war, wie alt ich bin. Und so geht es sicher nicht nur mir, sondern wohl den meisten Studenten. Vielleicht der ganzen Generation-Y? Zu der gehören wir Twentysomethings nämlich. Laut den Soziologen hinterfragen wir alles und sind auf der Suche. Nach was? Keine Ahnung. Grund dafür ist Ungewissheit, nicht mehr so viele Sicherheiten wie früher und daher ein erhöhtes Aufkommen an Improvisation. Hm. Klingt erstmal logisch. Oder? Wir Ypsiloner befinden uns jedenfalls in den „goldenen“ 20ern. Und weil die, je nach Empfinden, nicht immer so golden sind, muss man sich sie wenigstens silbern machen. Und da wären wir wieder beim sich Zeit nehmen. Einmal kurz reflektieren, was denn da in der letzten Woche eigentlich so passiert ist. Denn all die schönen Dinge, und leider auch die schlechten, nützen einem nichts, wenn man nicht die Zeit hat, sie mal sacken zu lassen. Und vielleicht hilft uns ja genau dieser Prozess herauszufinden, was wir da eigentlich suchen?

Wer das jetzt liest und sagt: „Alles Quatsch.“, der tut mir jetzt bitte einen Gefallen. Denk mal über die letzten 5 Tage nach und nenne wenigstens eine Sache, die den jeweiligen Tag ein bisschen wertvoller gemacht hat. Auch, wenn es noch so banal ist. Am Dienstag war’s bei mir für eine Nacht in die Heimat zu fahren und da mit Mama gemütlich durch den Aldi zu shoppen. Mittwochabend hatten wir vom International Office (da arbeite ich) eine Infoveranstaltung mit anschließendem Umtrunk und da hatte ich ein sehr schönes Gespräch mit meiner Kollegin Ayca. Donnerstag war mein Highlight  definitiv, als meine Cousine Jana auf ‘ner Feuerzangenbowlenparty auf spektakuläre Art und Weise eine ausgeliehene Tasse zerscheppert hat. Freitag lief ich dann, pappsatt von einem lustigen Abend bei meinem Mentee Lauren, nach Hause und sehe gegenüber von meinem Haus den witzigen Dosenpenner. Der hatte dieses Mal aber nicht nur seinen Einkaufswagen mit den ganzen Dosen dabei, sondern zwei Leute, die in Zeitlupe und mit Dosenrüstungen, -schildern und -schwertern gegeneinander gekämpft haben. Naja und mein Highlight des heutigen Tages war folgendes:

(kurz ausholen) Während meines alten Studiums hab ich mich mit der Bella angefreundet. Die Bella hat dann aber auch abgebrochen und ist an den Bodensee gezogen. Glücklicherweise hat sie sich vorher aber noch ‘nen Maschi geangelt. Den Gero (der ist ein ganz netter und gar nicht so klischeehaft!). Der Gero ist ein Freund vom Milan (glaube ich zumindest) und der wiederum ist der Mitbewohner von der Anne (siehe letzter Artikel). Ja und mit der Anne hab ich mich ja in meinem neuen Studium angefreundet. Zur besseren Übersicht, hier ein kleines Diagramm:

10801619_10204362508237312_323995479135027252_n

blablabla

Immer wenn Bella Gero hier in Aachen besucht, steht mir eine kulinarische Zusammenkunft zu. (Dies ist eine unausgesprochene Abmachung, aber ich glaube fest an ihre Existenz und finde sie super.) So kam es, dass wir heute die Anne mit ins Boot geholt haben (da wir unseren Freundschaftskreis schon vor einiger Zeit entdeckt hatten). Also lecker gegessen und dann noch auf den Weihnachtsmarkt, mittlerweile in Begleitung von Gero. Leider hatten alle Büdchen schon zu und so standen wir, ratlos wohin, auf dem Katschhof mit ein paar übriggebliebenen Glühweinverkostern. Ich hatte den Satz „Verdammt, ich weiß nicht worüber ich schreiben soll, wir müssen noch was lustiges erleben.“ noch nicht zu Ende gesagt, da werden wir auf einen Trompeten- und Tubaspieler aufmerksam. Die zwei standen fast kerzengerade nebeneinander, spielten, dem Glühwein geschuldet, aber umso schiefer. Es sammelten sich ein paar Leute um sie und unterstützt von Gitarre, Cajon und Percussions kriegen die auf einmal „Atemlos“ zustande. Da war die Stimmung natürlich schon gut. Vom Glühweinverkäufer, der den Kopf noch durch eine kleine Luke rausgesteckt hat, erfahre ich dann, dass es sich hierbei um einen Junggesellenabschied handelt. Äußerst sympathisch die Truppe. Erst recht, als sie nach „Über den Wolken“ und „Ab in den Süden“ „Drink doch ene met“ anstimmen. Da geht mir als Rheinländerin natürlich et HeCHz op und jeder Tag, an dem ich das Gefühl hab ein bisschen Köln und ein bisschen Karnevalszauber gehabt zu haben, ist sowieso ein guter Tag. Und da hab ich mich spontan dazu entschieden, dass ich wohl auf der Suche nach dem Alltags-Zauber bin. Das ist jetzt vielleicht ein wenig Pipi Langstrumpf – Ich mach mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt, aber jap, das gefällt mir.

Also Leute, Augen auf! Dann findet ihr vielleicht auch hinter der nächsten Ecke, genau wie ich heute, was auch immer euer Zauber ist 🙂

 

„Die leckerste Art neue Leute kennen zu lernen.“

20. November 2014 | von

Junge Leute essen gerne. Am liebsten besonders günstig. Junge Leute trinken gerne. Und auch das gerne für lau. Junge Leute lernen gerne neue Leute kennen. – Sehr gute Grundvoraussetzungen für das (sogar ursprünglich aus Aachen kommende) Event „rudirockt“.

Das letzte Mal hat es am 6. November stattgefunden und vor Weihnachten gibt es bestimmt noch eins. Das Prinzip ist relativ simpel. Man kocht in Zweierteams und isst jeden Gang in einer anderen 6er-Konstellation. Und eben einen Gang kocht man selber. Im Anschluss gibt’s dann noch ‘ne Afterparty. So weit, so gut.

Meine Kochpartnerin Anne und ich beginnen den Abend mit folgender Frage. Wofür steht eigentlich „rudi“? Nach kurzer Überlegung kommen wir zu dem Schluss, dass rudi ein lustiger Name ist und bestimmt ein Kumpel der Erfinder so heißt und dass dieser Rudi ‘ne unheimlich coole Socke sein muss und deswegen eben rockt. Stimmt leider nicht ganz. Im Laufe des Abends werden wir nämlich, sogar vom Veranstaltungsfotografen höchst persönlich, eines Besseren belehrt. Es ist die Kurzform für „running dinner“.  Macht Sinn. Tja und dass es ein running dinner und kein walking dinner ist, stellen wir zwei schon unter Beweis, als wir bereits um zur Vorspeise zu kommen leider zum Bus rennen müssen und leider immer noch 20 Minuten zu spät sind. Aber dann sind wir da – endlich. Denn ich muss gestehen, in 3 Jahren Aachen habe ich es jetzt erst geschafft, mal teilzunehmen.

Unsere Gastgeber Thorben und Milli heißen uns in einer typischen Studenten-WG willkommen und die anderen beiden Mädels Sandra und Silke sind froh, dass wir noch später da sind als sie. Dass Eis ist dank meines Käsehasses schnell gebrochen. Ja richtig. Ich verabscheue Käse. Vor allem geschmolzenen. Durch Sandras Frage, ob ich deswegen nicht total oft gemobbt werde, haben wir gleich ein lustiges Gesprächsthema, während wir unsere Blätterteigröllchen und –pizzastücke (für mich selbstverständlich ohne Käse) mit Salat genießen. Mit ziemlich süßem, aber leckerem Wein und ein paar Runden Sambuca im Magen und einem Wegbier (in Annes Fall zwei) in der Hand machen wir uns gemeinsam auf den Weg Richtung Stadt, um zu unseren jeweiligen Hauptspeisen zu gelangen.

Nach einer kurzen Busfahrt mit scheinbar ausschließlich Rudirockern als Passagieren sind wir fast da. Noch kurz die richtige Eingangstür gesucht und schon stehen wir in Lindas Wohnung, die zusammen mit Kristina Chili con Carne für uns gekocht hat. Auch hier ist Käse wieder ein Thema, da die beiden ursprünglich Lasagne machen wollten. Hier möchte ich allerdings verteidigend einwenden, dass ich in so einem Fall die oberste Schicht einfach weglasse oder abkratze. Jedenfalls stoßen ein paar Minuten später Jana und Eva dazu. Unfassbar. NUR MÄDCHEN! Und das in Aachen. Schnell ein Beweisfoto gemacht und weiter geht das Futtern. Ich muss gestehen, nach Wein, Sambuca, Bier und wieder Wein ist mein Bauch schon ziemlich voll und ich kriege nicht besonders viel von der Hauptspeise runter. Richtig schön gequatscht haben wir 6 in Lindas gemütlicher Wohnung trotzdem und dann heißt es auch schon weiter gehen.

Beweisfoto! (leider ohne Gastgeberin)

Beweisfoto! (leider ohne Gastgeberin)

Glücklicherweise wohne ich nur 2 Minuten zu Fuß von Linda weg, sodass wir sogar pünktlich bei mir ankommen um die Nachspeise startklar zu machen. Es gibt Waffeln. Meine Mitbewohnerin Johanna, die sich mit einem Freund (Philipp) zusammen angemeldet hat, hat auch die Nachspeise bekommen und so erwarten wir 4 Kochpaare. 2 davon haben jeweils noch Menschen als Gastgeschenk mitgebracht. Und einer dieser Menschen ist der bereits oben erwähnte rudirockt-Fotograf. Der Martin. Ein sehr netter Kerl, den wir natürlich auch mit Waffeln und Bierchen versorgen, während er die Sause fotografiert. Dieser glückliche Zufall führt dazu, dass wir alle so ein tolles Bändchen bekommen, womit wir umsonst ins Apollo und in den Tanzpalast können. Nach zwei Stunden löst sich die Runde schon etwas auf. Verena und Hilke verabschieden sich dann auch irgendwann und so sind es nur noch meine Mitbewohnerin und ihr Kochpartner, Anne, unsere letzten beiden Gäste Hanniel und Holger, ihre Freundin Julia und ich. Off Topic: Ich kann mir die Namen in Wirklichkeit gar nicht alle merken, aber die Homepage von rudirockt verrät einem im Nachhinein wie die Mitstreiter hießen. Aus irgendeinem Grund hab ich auch den ganzen Abend lang gedacht, dass jeweilige Mädchen, dessen Name mir gerade entfallen war, hieße Anna.

Gegen halb 1 brechen wir dann, allerdings ohne Johanna und Philipp, auf ins Apollo. Da ist nicht besonders viel los und deswegen zappeln wir da nur kurz rum bevor wir zu einer WG-Party von einem Kommilitonen von Anne und mir weiterziehen. Dort sind einige rudirocker und Architekten. Auch hier halten wir uns nicht so ewig auf. Hanniel, Holger, Julia und ich machen uns auf den Weg zum Tanzpalast und die liebe Anne bleibt zurück. Im Tanzpalast angekommen treffe ich gefühlt halb Aachen und so hab ich die anderen drei schon nach kurzer Zeit verloren. Noch ein Stündchen mit Freundinnen getanzt und dann beschließe ich, dass es spät genug ist, um nach Hause zu laufen. Das mach ich richtig gerne, nachts durch die kalte Luft spazieren. Vor allem wenn mitten in der Nacht noch so viel auf den Straßen los ist. Und wenn ich dann nach einem wirklich lustigen und abwechslungsreichen Abend, fast schon wieder hungrig, zufrieden nach Haus marschiere, denk ich mir: Ich mag dich Aachen 🙂

Morten hört ein Hu

13. November 2014 | von

Ersti-Woche. Tja, was soll man dazu sagen? Die RWTH äußert sich wie folgt: „Ziel ist es, erfolgreich ins Studentenleben zu starten und dabei neben Hochschule und Stadt Aachen auch Kommilitoninnen und Kommilitonen kennenzulernen und einen bestmöglichen Start in das Studium zu ermöglichen.“

Sehr förmliche Wortwahl. Wie es sich eben für eine Eliteuni gehört! Man erhält den Eindruck, es handle sich um eine intellektuelle und perfekt durchorganisiert ablaufende Veranstaltung. Jeder, der diese Woche schon selbst miterlebt oder aber nur von außen beobachtet hat, weiß, dass dies ein Trugschluss ist. Tatsächlich platzt die Innenstadt nämlich aus allen Nähten und es werden literweise Erfrischungsgetränke verzehrt, die maßgeblichen Einfluss auf Laune und motorische Fähigkeiten haben. Wobei sich diese beiden Kurven definitiv antiparallel verhalten.

In diesem Jahr hatte ich die Ehre, als Tutor an der Erstiwoche teilzunehmen. Man bekommt eine Schulung, in der man über viele Dinge belehrt wird, die einem bei gesunden Menschenverstand sowieso schon klar sind und unterschreibt einen Vertrag mit der Hochschule, damit man im Zweifel verantwortlich gemacht werden kann. Dann geht der Organisationsspaß los. Bei den Architekten gibt es eine ganze Menge zu organisieren. Es müssen Schlüssel für unsere Arbeitsräume ausgegeben, Fotos für das fakultätseigene Internetportal geschossen und diverse Räumlichkeiten und Werkstätten gezeigt werden. Dann werden die Erstis noch mit Unmengen an Zeichen- und Bastelutensilien versorgt und bekommen sämtliche Module erklärt. Für den Abend ist dann oft gruppenweise etwas zu planen. Höhepunkt ist natürlich, wie auch bei allen anderen Fakultäten, die Erstiralley. „Die alljährliche Rallye bildet das Kernstück der Einführungswoche. Dabei durchlaufen die Erstsemester zahlreiche spielerische Stationen der 17 Fachschaften sowie zentraler Einrichtungen […].“ Klingt auch wesentlich intellektueller als es ist. Generell sind diese Spiele ganz lustig und man muss sich auch nur gelegentlich zum Affen machen, aber mit einem gewissen Alkoholgehalt im Blut werden diese wirklich zu einer Herausforderung. An dieser Stelle möchte ich meine Erstis einmal loben, die mich nicht stolzer hätten machen können! Eine richtig coole Truppe, die erstaunlich gut durchgehalten hat. Nicht nur das anstrengende Abendprogramm, sondern vor allem den Tag danach. Der kann nämlich auch so aussehen, dass man im Foyer des Reiff Museums Kordel um Stäbe im Boden webt. Ja, genau. Weben. Und das über mehrere Stunden. Äußerst fragwürdig, aber ein guter Einstieg ins Architekturstudium, dass gerne mal gespickt mit sinnlos erscheinender Beschäftigungstherapie ist.

Also liebe Erstis: Herzlich Willkommen und gutes Einleben!

Team No. 11!

Team No. 11!

Webkunst im Reiff

Webkunst im Reiff

Der falsche Ort zur falschen Zeit

05. November 2014 | von

„Nina, WAS machst du hier eigentlich?!“ Wie vermutlich allen anderen ist mir „die innere Stimme“ ein Begriff, nur hatte ich mich bis dato nicht besonders intensiv mit diesem Thema auseinander gesetzt. Doch da war sie auf einmal. Laut und deutlich. „Du bist hier doch total falsch!“ Februar 2013, Statistik II Klausur, FH Aachen. Es war die letzte Klausur meines dritten Semesters von International Business Studies. Noch ein Semester und ich hätte es für das letzte Studienjahr ins Ausland geschafft. Doch dank der versemmelten Statistik-Klausur und noch 2 aufgeschobenen würde daraus nichts werden. Da hatte ich nun den Salat.

Ich war schon das ganze Semester über furchtbar unzufrieden gewesen und hatte mir überlegt, den Rest so schnell wie möglich hinter mich zu bringen, um danach noch etwas zu studieren, wo ich wirklich Spaß dran habe. Viele Freunde aus der Heimat und auch die neugewonnenen im Studium ließen immer wieder anmerken, dass dieser Wirtschaftskram doch gar nicht zu mir passe. Verständlicherweise. Mit Französisch, Englisch, Bio und Psychologie als Abifächer und Malen als größtes Hobby war es durchaus schwierig, einen Zusammenhang zu BWL zu finden. Was für meine Freunde also von Anfang an klar war, dämmerte mir leider erst nach einer ganzen Weile. „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung“ sagt man. Und eben jener Weg besteht darin, ehrlich zu sich selbst zu sein. Sich einzugestehen, dass man mal so richtig ins Klo gegriffen hat. Definitiv nichts, was ich gerne tue.

Aber da stand ich jetzt, mit einem mehr oder weniger halben Studium in der Tasche und Bauchschmerzen bei dem Gedanken an mindestens drei weitere Semester. Eine Entscheidung musste her, das war klar. Und wie für wohl die meisten Anfang-20-jährigen gehörte auch das nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Aber in mir kam immer mehr das Gefühl auf, dass ich geradewegs in eine Sackgasse steuerte. Oder war ich vielleicht schon längst drin? Was waren also meine Optionen? Das Studium weiter durchziehen, vermutlich mit mindestens einem Extrasemester und Extrabauchschmerzen. Und der Aussicht auf einen schlechten BWL-Bachelor, mit dem, seien wir mal ehrlich, ich in der Berufswelt nichts wert bin. ODER: Hier einen Schnitt ziehen, ein Risiko eingehen und etwas anderes von vorne anfangen, ohne die Gewissheit, dass es das dann wirklich ist. Und vor allem: Was wäre dieses „etwas anderes“? Ich war mir relativ schnell darüber im Klaren, dass nur die letzte Option für mich in Frage kommt. Und auch darüber, dass Architektur das Ziel ist. Schließlich wollte ich das schon immer machen, hab es mir mit 17 im Schülerpraktikum aber von ein paar deprimierten Architekten vermiesen lassen. Aber wie würde ich das nun meinen Eltern erklären? Und jetzt müsste ich all meinen Freunden Recht geben, dass sie von Anfang an den richtigen Riecher hatten (Bah!). Es hat mich wirklich eine ganze Menge Mut gekostet, mich diversen skeptischen Fragen, unterschwelligen Vorwürfen und dem Exmatrikulationsantrag zu stellen. Doch wenn ich jetzt, fast eineinhalb Jahre später, bauchschmerzenfrei darauf zurückblicke, dann bereue ich nicht eine Sekunde. Und die Stimme im Ohr ruft mir jetzt zu: „Geile Scheiße, du hast alles richtig gemacht!“

Ich hab's doch eigentlich schon immer gewusst! :)

Ich hab’s doch eigentlich schon immer gewusst! 🙂