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Vivian

Pfingstwoche = Exkursionswoche an der RWTH

23. Mai 2016 | von

Traditionell ist die Pfingstwoche in Aachen den Exkursionen vorbehalten. Das heißt für alle Studenten entweder eine schönes Nichtstun, oder aber mal langsam wieder auf den Stand kommen, dass man in den Übungen nicht mehr wie der letzte Volltrottel ungläubig die Ergebnisse auf der Musterlösung anstarrt. Falls man allerdings das Glück hatte rechtzeitig eine der spannenderen Exkursionen zu finden und es irgendwie schafft, sich rechtzeitig dafür anzumelden, kann man die Zeit auch mal nutzen, um sich Produktionsstätten endlich mal in der Realität anzusehen. Wie schön es doch wäre, alle Exkursionen zentral einsehen zu können und nicht bei jedem Institut ganzjährig nach Angeboten suchen zu müssen.

Rechtzeitig war meine Exkursions-Such Aktion leider nicht. Dafür ist es in meiner Prüfungsordnung fest verankert an Exkursionen teilzunehmen. Da muss man dann nehmen, was man noch kriegen kann. Im Nachhinein kann man sagen, es hätte mich durchaus schlimmer treffen können.

Insgesamt vier verschiedene Unternehmen wurden im Rahmen der Exkursion besichtigt. Mal mit mehr und mal mit weniger Elan auf seiten der Führungsleiter. Eine Station möchte ich hier besonders erwähnen.

Stahl und Eisen ist traditionell das Fachgebiet der Werkstoffler in Aachen (meine technische Vertiefungsrichtung). Besonders Mein Grundstudium legt seinen Fokus ganz klar auf die Eisen und Stahlproduktion, weshalb eine Besichtigung der Produktionsstätten für mich natürlich besonders interessant war.

Eigene Bilder darf ich euch leider nicht zeigen, da für Besuchergruppen ein striktes Fotografieverbot gilt. Stattdessen möchte ich ein paar andere Eindrücke mit euch teilen.

Stillstand im Stahlwerk

Als erstes fällt auf, dass recht wenig Betrieb herrscht in der riesigen Anlage. Die großen Schmelzöfen stehen allesamt still. Was für uns zwar einerseits die Besichtigung besser ermöglicht, da wir so überhaupt erst bis an die Öfen heran kommen, aber andererseits auch aufzeigt, dass die deutsche Stahlproduktion mit der chinesischen Konkurrenz stark zu kämpfen hat. Wenn Stahl teilweise unterhalb des Einkaufspreises von Schrotten auf den Markt geworfen wird, kein Wunder. Auf Nachfrage wurde uns allerdings gesagt, dass ab der darauf folgenden Woche mit dem nächsten Auftrag begonnen werde. Nur ein Dauerbetrieb der Anlage sei wohl auch zukünftig recht unwahrscheinlich.

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Als Frau im Ingenieurbereich

Zweite Auffälligkeit: auf Frauen ist man hier ganz und gar nicht vorbereitet. Klar, einige werden jetzt sagen, das sei ja nichts neues in der Ingenieurbranche. Als Frau sei man da eben ein Exot. Seit Beginn meines Studium habe ich das allerdings lediglich in sehr schwacher Form erfahren. Im Studium selber merkt man zwar einen Männerüberschuss, aber Nachteile habe ich hier bisher nicht durch erfahren. Gerade die Erfahrung in meinem Praktikum im Medizintechnik Bereich hat dieses Gefühl noch weiter bestätigt, dass es gar nicht mehr so untypisch ist Frauen in dem Bereich zu finden. Dementsprechend verwirrt war mein Blick nach der Eröffnung, auf dem Gelände gäbe es keine Damentoiletten und man müsse sich als Frau dann wohl die drei Stunden bei der Führung irgendwie zusammenreißen. Als mir dann ein Schutzanzug in der Männergröße 52 in die Hand gedrückt wurde, war ich bereits gar nicht mehr überrascht. Konsistenz ist hier jedenfalls gegeben.

Auch der Humor ging dann doch ein wenig zu sehr auf unser Konto (Wir waren 3 Studentinnen). Was an sich nicht weiter schlimm wäre, aber auf Dauer und in der Einseitigkeit doch recht unangenehm ist.  Nach dem Motto, du bist eine Frau. Du kannst waschen, kochen und machst bestimmt immer Diät. Wer will schon an seinem Arbeitsplatz immer auf konventionelle Geschlechterbilder reduziert werden.

Die Medien debattieren also über Frauenquoten. Wenig Beachtung findet aber, ob man sich als Frau in dieser Umgebung überhaupt bis zur eigenen Rente wohl fühlen wird.  Fairer Weise muss ich sagen, dass ich mir ähnliches auch für Männer in den typischen Frauenbranchen vorstellen kann. Dieses Gefühl hier einfach nicht reinzupassen, wenn man nicht möglichst schnell alle auffälligen Andersartigkeiten eliminiert und sich anpasst.



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