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Vivian

Schlagwort: ‘#Auslandsemester’

Die Qual der Wahl – Über die Entscheidung für eine Heimat auf Zeit in einer fremden Kultur

31. Oktober 2015 | von

Vor fast genau einem Jahr befand ich mich an meinem Schreibtisch und habe darüber nachgedacht, an welchen Unis ich mich für ein Auslandssemester bewerbe. Ich kann mich noch gut erinnern, wie unglaublich schwer mir die Entscheidung gefallen ist, schließlich stand für mich zu dem Zeitpunkt lediglich fest: Asien muss es sein und chinesisch als Sprache wäre nicht schlecht, hatte ich zu dem Zeitpunkt doch schon ein Semester in die Sprache investiert (lächerlich wenig, wie mir im Nachhinein bewusst werden sollte).

Falls ihr auch angesichts der nahenden Bewerbungsfristen diese Frage auch immer dringender stellt, hier ein paar kleine Entscheidungshilfen, ob das Studium in China etwas für euch sein könnte und natürlich speziell das Studium an der Peking Universität. Wenn ich mich zurückerinnere, war dies nämlich mein größtes Problem. Ich konnte mir einfach nicht genau vorstellen, was an den verschiedenen Universitäten Alltags- und Fachbezüglich auf mich zukommen sollte und so habe ich Website um Website akribisch nach meinen Kursen untersucht (kleiner Spoiler vor weg, nichts ist gekommen, wie geplant).

Möchte man speziell ins chinesisch sprachige Ausland, ergeben sich neben der offensichtlichen, noch die Möglichkeit Taiwan oder Singapur zu wählen.

 

Singapur bietet hervorragende Universitäten in einer ultramodernen, sehr sauberen Stadt. Dieser Lebensstandard hat allerdings seinen Preis, denn Singapur ist nicht gerade ein günstiges Pflaster. Auch bietet die RWTH nur 2 Plätze pro Semester an, weshalb sehr gute Noten für einen Platz notwendig sind.

Taiwan wird als Ziel oft unterschätz und sollte unbedingt in Betracht gezogen werden. Wagt man sich noch nicht ganz an China heran, möchte aber sein Chinesisch verbessern (oder auch überhaupt erst beginnen zu lernen) so ist Taiwan die perfekte Wahl. Ein Unterschied in der Sprache ist, dass Taiwan noch die traditionellen Schriftzeichen verwendet werden, während in China die vereinfachten üblich sind. Zu Taiwan werdet ihr in den nächsten Wochen bestimmt noch einiges von Benny zu lesen bekommen.DSC01683

Kommen wir zu China und dem Studentenalltag an der Peking Universität. Zunächst einmal ein paar grundlegende Sachen zum Studium in China/Peking (Die kulturellen Aspekte würden an der Stelle für heute sicherlich den Rahmen sprengen).

Wer plant chinesisch zu lernen ist hier genau richtig. Schließlich ist es für alle Studenten, die nicht beinahe auf Muttersprachniveau sprechen können Pflicht die Chinesischkurse zu belegen. Man kann die Kurse umgehen, indem man vor Ort nach einigem Bitten und Betteln die Fakultät wechselt, allerdings spricht das doch eher mickrige Angebot an englischsprachigen Kursen und die nicht so verbreiteten Englischkenntnisse vieler Pekinger dagegen.

Kurspensum an der Peking Universität

Für Anfänger beläuft sich das wöchentliche Kurspensum auf 20 Stunden Chinesisch pro Woche, unterteilt in einen Schreib- und Sprechkurs (Hanzi und Kouyuke). Wer dann noch nicht genug hat – oder aber einer der armen Menschen ist, die CP ihres Hauptfaches benötigen – kann zusätzlich zwei Kurse anderer Fakultäten belegen. Anzumerken ist, dass man es hier etwas genauer nimmt mit der Anwesenheitspflicht. Abwesenheit wird umgehend mit Notenabzügen honoriert – Langschläferfreundlich ist das Ganze auf keinen Fall. Auch Hausaufgaben sind hier üblich. Genauso, wie die Klausuren bereits im Semester geschrieben werden und Test zu einer normalen Uniwoche dazu gehören. Reisen ist also eher nur an den Wochenenden möglich. Dafür kann man sich nach überstandenem Semester auf den Luxus von unglaublich frühen Semesterferien freuen. Die beginnen hier bereits Mitte Januar und man hat eine Menge Zeit, bis in Deutschland der RWTH Alltag wieder seine Pflichten einfordert.

Die letzte Klausurenphase, bevor der Flieger startet

Zur Planung noch ein Tipp aufgrund persönlicher Erfahrungen:

Packt euch das Semester vor dem Aufenthalt nicht mit zu vielen Prüfungen voll. Die Planung für China erfordert eine Menge Vorbereitungen und viele viele Anträge. Außerdem kommt die Zeit, in der man nervlich sehr angespannt wird, weil alles scheinbar um Jahre länger dauert als geplant. Da das Semester in China bereits Anfang September beginnt und man zu diesem Zeitpunkt auch vor Ort sein sollte, plant dies mit ein, wenn ihr euch zu Klausuren anmeldet. Schreibt lieber noch ein paar, wenn ihr wieder nach Deutschland zurück gekommen seid, als zu versuchen in einem Monat sämtliche Klausuren durchzuhauen und direkt danach ins neue Semester zu fliegen und weiter zu lernen. Ich spreche an dieser Stelle aus persönlicher Erfahrung und kann euch sagen, das war nicht gerade eine meiner genialeren Ideen.

Lebenshaltungskosten Peking

Ein weiterer Hinweis zu Peking im speziellen ist, dass es im Vergleich zu anderen chinesischen Städten sehr teuer ist. Während in weniger bekannten Städten die Lebenshaltungskosten geringer sind als in Deutschland, zahlt man speziell an der Beida alleine für ein kleines Zimmer im Wohnheim um die 500-600€ (dafür aber mit allem westlichen Luxus).  Auch Kleidung ist bei weitem nicht so spottbillig, wie man es sich vielleicht erhofft. Lediglich die Verpflegung und alltägliche Bedarfsgüter liegen unter den deutschen Preisen.Zimmer im Wohnheim

So viel zum ersten Einblick in den Studentenalltag hier. Bis zum nächsten Mal!

再见

大家好 – „Warum eigentlich ausgerechnet China?“

26. Oktober 2015 | von

7874,81km Luftlinie und ganze 6 Stunden Zeitverschiebung trennen mich momentan von euch – zumindest, wenn man davon ausgeht, dass die meisten meiner Leser sich im RWTH-Umfeld konzentrieren. Böse Zungen könnten jetzt einwerfen, sofern du überhaupt irgendwelche Leser hast.

Ich habe gehört, dass Aachen euch dieses Semester nicht nur mit dem eigentlich schon obligatorischen Regen bei der Ersti-Rally in der (neuen/alten) Heimat begrüßt hat. Dieses Jahr wollte sich die Stadt anscheinend von ihrer Schokoladenseite präsentieren. Mit Schnee und Temperaturen, die definitiv besser in den Winter als den Herbst passen. Verzeiht mir das bisschen Schadenfreude, das ich an dieser Stelle verspüre, aber die Tatsache, dass ich hier noch in T-Shirts aus dem Haus gehen kann, lässt mich gerade in meinem 9qm Zimmer vor Freude umhertanzen – jedenfalls so viel, wie es der Platz überhaupt zulässt.

Als kleiner Trost für euch: trotz der momentan besseren Temperaturen ist das Gras hier keinesfalls grüner. Eher grauer. Was leider nicht im metaphorischen Sinn gemeint ist.

Nachdem wir jetzt den Aachener „must talk about“ Punkt (das Wetter) abgehackt haben, kommen wir dazu, wessen Geschreibsel ihr hier überhaupt gerade lest.

Mein Name ist Vivian – oder hier in China 薇薇 – normalerweise würde ich nun auch wieder die Aachener Vorlesungen besuchen (zumindest die Ein- oder Andere). Stattdessen sitze ich nun in Peking in besagten 9qm Zimmer, gehe tatsächlich zu jeder Uni-Veranstaltung und freue mich über jeden einzelnen chinesischen Satz, der auch tatsächlich von den Leuten hier verstanden wird. Während ihr gerade ins neue Semester gestartet seid, befinde ich mich bereits mitten drin. Der anfängliche Erkundungsdrang wird angesichts der nahenden Zwischenprüfungen immer weiter verdrängt und das Lernpensum der Chinesischkurse gleicht sich langsam dem Niveau der Einheimischen Studenten an. Es fühlt sich beinahe an, wie Heimat, auch wenn sich der Lerninhalt erheblich von meinem sonst sehr Technik-lastigen Studium abhebt.

 

Warum genau aber ausgerechnet China sein und wieso muss ich dann auch noch darüber schreiben?

Ersteres habe ich mich gerade zu Beginn des Semesters sehr oft selber gefragt, wenn die hiesigen Gewohnheiten mir zu befremdlich vorkamen, oder die Sprachbarriere mal wieder unüberwindbar schien. Die Eine Antwort darauf gibt es wohl nicht, eher sehr sehr viele Gründe, die ich hoffe euch in den nächsten Monaten mit meinen Berichten über China und die chinesische Kultur näher bringen zu können. Ich hoffe, dass ihr am Ende ein wenig von meiner Faszination für dieses Land teilen könnt und viele, der für uns schwer verständlichen Eigenarten klarer werden.

Zweiteres ist schon einfacher zu beantworten: ein Blog ist die perfekte Möglichkeit der narzisstischen Seite in mir Raum zu geben! Ok, Spaß beiseite. Ich mag es einfach zu schreiben und zu fotografieren. Auch habe ich mich bei meinen eigenen Vorbereitungen auf dieses Semester hier oft etwas verloren gefühlt, ohne genauen Plan, was überhaupt auf mich zukommt. Daher möchte ich nun gerne meine Eindrücke und Erfahrungen rund um das Thema studieren im Ausland und natürlich vieles Drumherum mit euch teilen. Wie organisiere ich so etwas überhaupt, wie kann ich es in meinen Bachelor einbinden, ohne zu viel Zeit zu „verlieren“, wie groß ist die Sprachbarriere und besonders wie sieht das Studium an der BeiDa (Peking Universität), Chinas berühmtester Uni, überhaupt aus und was sind die größten Unterschiede zu Deutschland?

So, das waren meine Worte zum Beginn. Wenn ihr einige meiner ersten Eindrücke schon mal nachlesen wollt, schaut gerne auf meinem bereits im September gestarteten Blog vorbei. Ich hoffe ihr findet für euch in den nächsten Wochen das ein oder andere lesenswerte unter meinen Posts.

In diesem Sinne: 再见 Auf Wiedersehen!