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Vivian

Schlagwort: ‘Beijing’

Ein Weihnachtsfest ohne Kekse – Was man in China zu Festtagen isst.

23. Dezember 2015 | von

Während ihr in Deutschland wahrscheinlich fast in einem See an Plätzchen, Lebkuchen und anderen Weihnachtsklassikern versinkt, muss ich dieses Jahr wohl darauf verzichten. Weihnachten ist in China zwar populär, aber kein Feiertag. Nicht, dass man in Peking von Weihnachten nichts mitbekommen würde – Ich meine die Chance auf kitschige Dekoration und eine Entschuldigung für Unmengen an Essen lässt sich hier niemand entgehen.

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Alltägliches/Wundersames für China-Neulinge

17. November 2015 | von

Nach mittlerweile beinahe drei Monaten hier ertappe ich mich dabei, dass mir viele der Anfangs gewöhnungsbedürftigen Unterschiede, kaum noch auffallen. Ich registriere sie bereits ohne einen zweiten Gedanken daran zu verschwenden, dass sie nicht schon seit Urzeiten fester Bestandteil meines Alltags sind. Man ist eben doch erstaunlich Anpassungsfähig.

Dass viele der Ansichten und Lebensgewohnheiten Chinas in Deutschland gar nicht so bekannt sind, wie ich mittlerweile denke (schließlich sind sie ja für mich jetzt offensichtlich), ist mir Letzens bei einem Gespräch mit Freunden daheim klar geworden.

Um euch deshalb einen kleinen Eindruck zu ermöglichen, welche Unterschiede für mich zu Beginn am auffälligsten waren kommt hier meine kleine Liste (Punkt 1-3; Fortsetzung folgt)

Die Toiletten– ja, genau die Toiletten. Manch einer mag sich jetzt fragen, hat sie denn gar nichts mehr zu erzählen, dass sie diese Liste gerade mit Toiletten beginnen muss? Gibt es nicht interessantere kulturelle Unterschiede? Ja, die gibt es mit Sicherheit. Trotzdem waren die Toiletten einer der Punkte, die mir auch jetzt noch immer wieder einen Schauer über den Rücken jagen und ich denke, man sollte darauf vorbereitet sein, dass westliche Toiletten hier eben nicht so verbreitet sind. Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass der Großteil der Menschen hier mit dem Prinzip „Sitztoilette“ doch sehr überfordert ist. Eindrucksvollstes Beispiel hierfür waren die IKEA-Toiletten, deren Brillen ein wildes Muster aus Schuhabdrücken zierte – beachtliche Leistung übrigens, bei der weit verbreiteten Vorliebe für hohe Schuhe unter chinesischen Frauen. Nun die positiven Seiten der Schüsseln im Boden: Nichts zu berühren wird wesentlich einfacher, besonders durch die Betätigung des Abzugs mit dem Fuß – Ich meine, wer setzt sich schon tatsächlich auf eine öffentliche Toilette, oder versucht sich nicht auch in Deutschland in der Kunst möglichst jeden Kontakt mit sämtlichen potentiell Bakterien befallenen Gegenständen zu vermeiden? Trotzdem ein paar kleine Tipps: zum täglichen survival-Paket gehören auf jeden Fall eine Packung Taschentücher, Seife und für empfindliche Nasen wohl am besten auch eine Wäscheklammer um den Geruch zu verbannen.

Die zum Teil große Divergenz zwischen verschiedenen Teilen der Stadt. Während Teile der Stadt durch Parks und wunderschöne historische chinesische Architektur im kaiserlichen Stil geprägt sind, stößt man auch häufig auf Gegenden, die man abends alleine nicht genauer erkunden möchte. Besonders der Blick auf die Wohnungen der meisten Pekinger macht mich immer noch stutzig, wenn ich dieses Bild von winzigen, nicht sonderlich luxuriösen Wohnungen (Wohnungen hier kosten ein kleines Vermögen), versuche in Einklang zu bringen mit ultramodernen überdimensionalen Shoppingcentern, deren Produkte mit deutschen Preisen Schritt halten können, und einem zum Teil von High-tec Gadgets geprägten Alltag, zu bringen – Zahlungen übers Smartphone sind hier die Normalität, auch Taxifahrer können durch einen Klick auf dem Handy bequem bezahlt werden. Insgesamt entsteht für mich der Eindruck, dass Teile der der Stadt sich so rasant der modernen Welt angepasst haben, dass andere Teile keine Chance hatten mit dieser Entwicklung Schritt zu halten.

Den Kellner rufen – Die fehlenden Höflichkeitsfloskeln. Essen gehen ist eines der Lieblingshobbys hier – kein Wunder bei den Preisen, bei denen sich selber kochen kaum lohnt. An den Umgang mit Kellnern habe ich mich allerdings immer noch nicht gewöhnt. Es fehlen mir eindeutig einige der höflicheren Fragen an das Restaurantpersonal – besonders durch eigene Kellner-erfahrung vorgeschädigt, kommt es mir unglaublich rüpelhaft vor, wann immer ich etwas haben möchte lauthals „Kellner“ durch das gesamte Lokal zu schreien. Generell wird nicht viel gebeten. Man sagt eher was man will und alles muss sehr sehr schnell gehen. An sich nicht verwunderlich, bei den Menschenmassen in Peking, Zeit für Höflichkeiten bleibt eher an anderer Stelle. Trotzdem ruft es in Gedanken an eigene Erinnerungen an überfüllte Abende während meiner Kellner-zeit, jedes Mal einen Schwall von Mitleid in mir hervor und sorgt dafür, dass ich viel zu leise immer wieder „Zahlen“ (Mǎidān) durch den gesamten Laden rufe.

So, das war der Anfang meiner „Kulturschock“ Liste. Sie wird in den nächsten Wochen auf jeden Fall noch ergänzt werden, natürlich auch mit Dingen, die ich hier zu lieben gelernt habe. Schreibt mir gerne in den Kommentaren ein paar Punkte, die ihr in nächsten Post aufgegriffen haben möchtet. Vielleicht ein paar Dinge, die ihr mal gehört habt, aber nicht sicher wisst, wie viel eigentlich davon stimmt – einfach Dinge, die euch interessieren.

再见

Chinesische Kunst in Industriekulisse – 798 Artdistrict Beijing

04. November 2015 | von

Bunte Tempel und traditionelle chinesische Architektur sind die ersten Dinge gewesenen, die ich als Neuling in Peking unbedingt sehen wollte. Natürlich wusste ich, dass viele Teile der Stadt mittlerweile ebenso von moderner  Architektur geprägt sind und sich Peking an diesen Stellen mit andern Metropolen der Welt durchaus messen kann. Was mir aber erst hier so richtig bewusst geworden ist, ist, wie wenig ich eigentlich über neuere chinesische Geschichte und Kulturstädten weiß. War mein Interesse doch größtenteils auf das alte China zu Zeiten Marco Polos gerichtet. Der Nachholbedarf an dieser Stelle ist erschreckend groß, wie ich an dieser Stelle nach einem Gespräch mit einer chinesischen Freundin hier erfahren musste.

Es lohnt sich also durchaus neben den traditionellen Sehenswürdigkeiten, wie der verbotenen Stadt und dem Sommerpalast (die auf jeden Fall auch zu jedem Peking Besuch gehören), Städten der neueren Geschichte zu besichtigen. Meine neueste Entdeckung ist der 798 – Artdistrict, der auf einem alten Fabrikgelände entstanden ist – Wahrscheinlich ist diese Entdeckung für die meisten nichts neues, da sicherlich viele Leute bereits davon gehört haben, unbekannt ist er nämlich keinesfalls. Für alle, die aber wie ich, sehr wenig Ahnung von moderner chinesischer Kulturlandschaft haben bekommen nun ein paar visuelle Eindrücke von diesem Viertel (Die eigentlichen Ausstellungen kann ich hier leider nicht veröffentlichen).

Ursprünglich geplant wurde das Gelände und sämtliche Gebäude von Ostdeutschen Ingenieuren vor ca. 50 Jahren. Der Bau beruhte ursprünglich auf einer Kooperation zwischen China und der UDSSR, die zur Planung und Konstruktion allerdings an die DDR verwiesen. Im Nachhinein erntete das deutsche Sicherheitsdenken allerdings einigen Unmut von Seiten der russischen Partner, die die Kosten als zu hoch empfanden – Umgesetzt wurden die deutschen Pläne dank chinesischer Unterstützung allerdings trotzdem.

Die Architektur des Geländes ist größtenteils noch erhalten, es beherbergt aber statt Fertigungsstätten für Elektronik heute zahlreiche Galerien, Cafés und Geschäfte für chinesische Kunstgegenstände.

Es gibt ihn aber doch, den kleinen Haken an diesem Ausflugsziel: die Anfahrt. Beinahe beginnt man sich zu fragen, ob man tatsächlich noch innerhalb Pekings ist, so lange dauert es das Viertel zu erreichen – zumindest wenn man als Startpunkt die Peking Universität hat. Ungeübten Pekingbesucher würde ich raten ein Taxi zu nehmen, da man das Viertel nur über Busse (nicht mit meiner heiß geliebten U-Bahn) erreicht. Bus fahren ist hier definitiv etwas abenteuerlicher, wenn man chinesische Schriftzeichen noch nicht so gut lesen kann. Der positive Nebeneffekt an der Sache ist aber, dass man, wenn man es den beschränkten Sprachkenntnissen – meine befinden sich wahrscheinlich gerade im Bereich eines 3 Jährigen Kindes – dann doch irgendwie schafft sicher am Ziel anzukommen, vor Stolz fast überschwellt. Ein unglaublicher Boost fürs Selbstbewusstsein und endlich mal das Gefühl, dass man tatsächlich was gelernt hat in den ganzen Stunden, in denen man Zeichen um Zeichen aufgemalt hat.

Euch noch eine schöne Restwoche und 再见!