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Vivian

Schlagwort: ‘Kommunikationswissenschaften’

Die Krux der empirischen Forschung

02. August 2016 | von

Nach nun längerer Pause als geplant, melde ich mich um einige Erfahrungen reicher hier zurück.

Erstens: So ein kaputter Arm kann einen ziemlich außer Gefecht setzen. Man ist sich gar nicht wirklich bewusst, für wie viele alltäglichen Dinge man tatsächlich beide Arme braucht… Das beginnt schon beim anziehen. Schon mal versuch einarmig einen Pulli anzuziehen? Das erhält definitiv die Beurteilung „nicht empfehelenswert“.

 

Zweitens: Das Leben als Kommunikations-Bachelorarbeitsschreiberin ist hart. Wie ich zu diesem Urteil komme? Hier eine kleine Einführung in meine Odysee:

Als erstes sollte ich wohl klären, warum ich eine Bachelorarbeit in Kommunikationswissenschaften schreibe und nicht in meinem technischen Fach. Die Erklärung ist hierbei recht knapp. TK-Studenten an der RWTH dürfen lediglich in ihrem Kommunikationsbereich eine Bachelorarbeit schreiben. Bei Wirtschaftsingenieuren sieht das schon wieder gaaaaanz anders aus – aber wir wollen ja nicht anfangen rumzujammern. Nur noch ein paar kleine Side-Facts. Zur Auswahl stehen für uns 4 Institute. Bei der Bewerbung für die Bachelorarbeit darf man Präferenzen vergeben. Und dann darf man hoffen und beten, nicht die letzte seiner Präferenzen zu bekommen. Es ist mir immer noch ein Rätsel, ob die Verteilung tatsächlich, so wie Gerüchte besage gewürfelt wird.

Letzter Fun Fact. Das Thema wird ebenfalls zugeteilt. Ich schreibe übrigens über digitale Daten (Ihr seht die große Überschneidung mit meinem technischen Fach…). Dass ich das Thema tatsächlich ganz interessant finde, ist einschöner, aber nicht notwendiger Bonus.

Forscher-san

Und jetzt zum eigentlichen Problem einer empirischen kommunikationswissenschaftlichen Arbeit. Man schreibt so etwas nicht einfach vor sich hin. Man braucht zwingend und unabwendbar andere Leute, die man mit Fragen bombardieren kann. Die Antworten bilden nämlich den Kern einer solchen Arbeit, ohne Befragte keine Ergebnisse – Ergo kein Bachelorabschluss. Genau diese Leute bilden nun aber das größte Problem. Macht man in seiner Arbeit Experimente, können diese zwar schief gehen, aber dann hat man immerhin noch ein Ergebnis. Muss man Meinungen von Leuten aufnehmen, findet aber keine… ihr seht, worauf es hinaus läuft. Wenig hilfreich ist es, wenn man zudem bereits für diverse Hausarbeiten den eigenen Bekanntenkreis mit Befragungen überstrapaziert hat, oder wie im Fall einer Freundin so etwas exotisches wie: Männer zwischen 40 und 45 sucht.

Auf der Suche nach diesen Teilnahme bereiten Menschen verzweifelt man doch recht schnell. Und darüber hinaus merkt man auch ziemlich bald, dass man seinen kompletten Zeitplan über Bord werfen kann.

Leute hören nur das Wort „Umfrage“ und werden von ihrem natürlichen Fluchtinstikt ergriffen.

 

 

TK-Studium an der RWTH – Was macht man da eigentlich?

27. März 2016 | von

Diejenigen unter euch, die tatsächlich mal einen Blick in  die Personenbeschreibung der Blogger hier geworfen haben, werden wahrscheinlich gelesen haben, womit ich so meine Unizeit verbringe – und es, nach diesem Blick auf den Namen des Studiengang schnell wieder vergessen haben.

Falls ihr zu der ganz neugierigen Sorte gehört werdet ihr euch wohl bestenfalls gefragt haben, was dieses Technik-Kommunikation wohl sein mag und trotz großer Bemühungen bei der Erklärungsfindung eher semibefriedigende Antworten darauf gefunden haben. Glaubt mir, ich bin bereits geübt darin meinen Studiengang zu erklären, bevor überhaupt diese ratlosen Gesichtsausdrücke entstehen, die mir üblicherweise entgegenschlagen,wenn ich einfach nur den Namen nenne.

Zunächst einmal könnt ihr hier vorbei sehen!

Hier also nun der Bericht aus erster Hand und die Antwort auf die drängendsten Fragen der Familie, wenn ihr eröffnet, dass ihr jetzt TK-Studenten seid:

Was zur Hölle ist dieses Technik-Kommunikation?

Ist man hinterher eigentlich Techniker, oder doch eher Geisteswissenschaftler – oder vielleicht keins von beidem so wirklich?

Wie passt diese Kombination (hier speziell meine) überhaupt zusammen?

Was kann man denn dann überhaupt nach 5 Jahren RWTH?

Und das wichtigste für die familiäre Aufklärung: Was werde ich mal damit?

Und damit der Bericht nicht so textlastig wird und ihr zwischendurch eure Augen mit ein wenig Bildchen ansehen entspannen könnt bekommt ihr auch noch einige Bilder meiner Praktikumsstadt Nürnberg zu sehen.

Nürnberger Burg

Hier seht ihr die Burg in Nürnberg. Das Wetter versucht momentan leider Aachen regentechnisch Konkurrenz zu machen.

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Das Fach

Beginnen wir von ganz vorne. Der Studiengang Technik-Kommunikation ist eine Kombination aus einem geisteswissenschaftlichen Fach (Kommunikationswissenschaften) und einem technischen Fach, bei dem man die Auswahl hat zwischen 4 verschiedenen Fachrichtungen (Maschinenbau, Informatik, Elektrotechnik und Werkstofftechnik). Beide Fächer werden von der Anzahl an CP in gleichem Umfang studiert, auch wenn ich aus Erfahrung sagen kann, dass der technische Teil doch etwas mehr Zeit konsumiert. Vom Prinzip kann man diese Aufteilung in 2 Hauptfächer mit dem Studium des Wirtschaftsingenieurs vergleichen. Nur eben nicht mit BWL als Zweitfach, sondern Kommunikationswissenschaften.

Während nun aber der Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Ingenieurwesen für die meisten direkt auf der Hand liegt, höre ich oft die Frage, wie Kommunikation überhaupt zu den technischen Wahlmöglichkeiten passt.DSC03354_lznDSC03352_lzn

Was macht man als Kommunikationswissenschaftler?

Dazu erst einmal die Erklärung, was macht man überhaupt, wenn man Kommunikation studiert? Viel Reden?

Naja, auch im besten Fall – aber eben nicht nur.

Kommunikation an sich ist bereits ein interdisziplinäres Fach und vermittelt neben Sprachwissenschaften, Rhetorische Methoden und  Inhalte aus der Psychologie. Vor allem aber lernt man die Denk- und Herangehensweise der Geisteswissenschaften an eine Fragestellung.

Halten wir also fest: Man lernt Softskills, Methoden und (was ich essentiell finde) man lernt Dinge Zielgruppen gerecht aufzuarbeiten und darzustellen. Sozusagen die Störvariable Mensch in die Gleichung einzubringen.

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Anknüpfungspunkte zwischen Kommunikation und dem technischen Fach

Damit sind wir eigentlich auch schon bei der perfekten Überleitung, warum Kommunikation nicht nur als Kombination mit Informatik Sinn macht, wo es durch Anwendungen wie Webdesign und Gestaltung von Nutzeroberflächen auf der Hand liegt. Ich selber studiere die Kombination mit Werkstofftechnik, was auf den ersten Blick natürlich abwegig aussieht, bei genauem Hinschauen aber gar nicht so abenteuerlich als Kombi ist.

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Warum ich finde, dass es passt:

Zum einen wird jede Technologie in erster Linie für den Endanwender konzipiert und dieser sollte sie nach Möglichkeit direkt verstehen und zwar ohne das technische Fachwissen haben zu müssen. Um eine derartige Anwenderoptimierung umsetzen zu können ist es enorm hilfreich, die Muster der menschlichen Informationsverarbeitung und Herangehensweisen an Probleme (in diesem Fall speziell Anwendung neuer Technologien) verstanden zu haben – oder zumindest im Ansatz verstanden zu haben.

Usability heißt hier das Zauberwort.

Der zweite Punkt ist, das selbst in einer rein technischen Arbeitsgruppe die verständliche Darstellung und Kommunikation von Fachwissen wichtig ist, betrachtet man die zunehmend interdisziplinär arbeitenden Teams. Diesen Punkt merke ich besonders in meinem momentanen Praktikum. Wenn das Team aus Ärzten, Elektrotechnikern, Werkstofflern und Maschinenbauern besteht, wird nicht jeder Sachverhalt des anderen Fachgebiets auf Anhieb verstanden und eine verständliche Aufzeichnung der Ergebnisse erspart viel Zeit.

Kommen wir zur Kommunikation innerhalb eines Unternehmens. Wenn schon in einer Abteilung die Vermittlung zwischen verschiedenen Fachgebieten notwendig wird, wird dies natürlich noch wichtiger, wenn unterschiedliche Abteilungen (z.B. technisch vs. Vertrieb) aufeinander treffen.

Diese Liste kann man natürlich noch weiter führen und alle Aufgaben auflisten, die einerseits technisches Fachwissen verlangen und andererseits eine Darstellungsleistung beinhalten.

Halten wir also fest, man kann als Vermittler fungieren.

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Aber ist man nun Techniker oder Geisteswissenschaftler?

Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass man keines der beiden Fachgebiete zur Gänze beherrscht und in Teilen wird das auch stimmen. Man wird nie auf einen kleinen Teilbereich seines technischen Faches spezialisiert sein. Das Gesamtverständnis des Fachgebiets ist hier wichtiger. Die Vorlesungen und Klausuren aber sind zumindest in meinem Fach die Selben, lediglich einige der Module des reinen Fachs fallen aus dem Studienplan.

[Eine Übersicht der Inhalte findet ihr hier. Und im Vergleich mein technisches Fach und die reine Kommunikationswissenschaften – Ja auch die gibt es seit kurzem wieder an der RWTH]

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So und was kann ich nun nach 5 Jahren RWTH Studium?

Nach 5 Jahren kann ich bestenfalls noch einiges mehr, als ich momentan so vorweisen kann. Nach 2 Jahren ist man jedenfalls fast schon ein Profi im wissenschaftlichen Arbeiten, die Quellenarbeit eingeprügelt durch zahlreiche Hausarbeiten und geübt in empirischen Studien. Auf den technischen Teil bezogen hat man sich nun langsam durch die Basisfächer der Ingenieure durchgequält, (die TK-Informatiker sind hier natürlich ein Sonderfall, über den ich aus Mangel an persönlicher Erfahrung nicht so viel sagen kann), hat die Mathemodule im besten Fall hinter sich gelassen und bekommt (bezogen auf Werkstofftechnik) so langsam eine Ahnung davon, warum man sich im ersten Semester durch die Geometrien von Kristallgittern quälen musste.

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Jetzt die Beruhigung für Familien:

Man kann damit Jobs bekommen, aber wie in jedem Studiengang gibt es natürlich nicht den einen  Job, der am Ende erreicht wird. Ich nenne also nur ein paar der Möglichkeiten.

Arbeit findet man zum Beispiel in folgenden Bereichen:

  • Unternehmenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
  • Fachjournalismus
  • Marketing
  • Consulting
  • technischer Vertrieb oder auch Einkauf kann ich mir auch sehr gut als Möglichkeit vorstellen.

Falls es euch mehr interessiert und der Bericht eure Neugierde nicht doppelt und dreifach befriedigt hat, schaut gerne bei unserer Fachschaft vorbei!