{"id":3998,"date":"2026-06-11T11:08:49","date_gmt":"2026-06-11T09:08:49","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/akustik\/?p=3998"},"modified":"2026-06-11T16:20:52","modified_gmt":"2026-06-11T14:20:52","slug":"karriere-und-familie-in-der-wissenschaft-geht-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/akustik\/karriere-und-familie-in-der-wissenschaft-geht-das\/","title":{"rendered":"Karriere und Familie in der Wissenschaft \u2013 Geht das?"},"content":{"rendered":"<p>Am 10. Juni 2026 fand im Rahmen vom <a href=\"https:\/\/www.spp2236-audictive.de\/\">Schwerpunktprogramm SPP2236-AUDICTIVE<\/a> ein Lunch Talk zum Thema Karriere und Familie statt. Vier Professor*innen berichteten offen \u00fcber ihre Karrierewege und ihre Erfahrungen mit Familie im Wissenschaftssystem: <a href=\"https:\/\/www.akustik.rwth-aachen.de\/cms\/Institut-fuer-Hoertechnik-und-Akustik\/Das-Institut\/Team\/Medak-Team\/~ebja\/Janina-Fels\/\">Janina Fels (RWTH Aachen University)<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.tu-braunschweig.de\/inad\/institut\/team\/sabine-c-langer\">Sabine Langer (TU Braunschweig)<\/a>, <a href=\"https:\/\/orbit.dtu.dk\/en\/persons\/axel-ahrens\/\">Axel Ahrens (DTU)<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.aalto.fi\/en\/people\/johannes-m-arend\">Johannes M. Arend (Aalto University)<\/a>. Teilnehmende hatten die M\u00f6glichkeit, eigene Fragen zu stellen.<\/p>\n<p>Die Diskussion zeigte schnell: Den einen Weg gibt es nicht. Die Familiensituationen, Karriereverl\u00e4ufe und Priorit\u00e4ten unserer G\u00e4ste waren sehr unterschiedlich. Dennoch zogen sich einige gemeinsame Themen durch die gesamte Gespr\u00e4chsrunde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Familie ver\u00e4ndert nicht nur den Alltag, sondern auch den Blick auf die Karriere<\/h2>\n<p>\u201eOhne meine Kinder w\u00e4re ich vielleicht gar nicht Professorin geworden.\u201c<\/p>\n<p>Familie wird h\u00e4ufig als Hindernis f\u00fcr eine wissenschaftliche Karriere diskutiert. Gleichzeitig berichteten mehrere Teilnehmende davon, dass Kinder ihnen geholfen haben, Priorit\u00e4ten neu zu setzen, Entscheidungen bewusster zu treffen und den eigenen Karriereweg kritisch zu hinterfragen.<\/p>\n<p>Karrierewege seien ohnehin selten planbar. Familie verst\u00e4rke diese Unvorhersehbarkeit zwar noch, k\u00f6nne aber auch helfen, den eigenen Weg klarer zu definieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Wissenschaft braucht noch mehr Vereinbarkeit<\/h2>\n<p>Die G\u00e4ste berichteten von Situationen, in denen famili\u00e4re Verpflichtungen mit den Erwartungen des Wissenschaftsbetriebs kollidierten: sp\u00e4te Meetings, lange Dienstreisen, \u00a0Konferenzen.<\/p>\n<p>Wer Familie habe, k\u00f6nne nicht jederzeit verf\u00fcgbar sein. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich die Kultur an vielen Stellen bereits ver\u00e4ndere. Teilzeit werde zunehmend akzeptiert, Elternzeit werde sichtbarer und die Diskussion \u00fcber Vereinbarkeit finde heute deutlich offener statt als noch vor einigen Jahren.<\/p>\n<p>Dennoch wurde auch berichtet, dass nicht \u00fcberall das gleiche Verst\u00e4ndnis f\u00fcr famili\u00e4re Verpflichtungen herrsche und es manchmal Gegenwind gebe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Muss man f\u00fcr die Wissenschaft st\u00e4ndig umziehen?<\/h2>\n<p>Ein besonders kontrovers diskutiertes Thema war die wissenschaftliche Mobilit\u00e4t.<\/p>\n<p>Internationale Erfahrungen und Ortswechsel gelten in vielen Fachbereichen weiterhin als wichtiger Baustein einer wissenschaftlichen Karriere. Gleichzeitig stellen sie insbesondere f\u00fcr Familien eine gro\u00dfe Herausforderung dar.<\/p>\n<p>Die Erfahrungen der G\u00e4ste waren dabei unterschiedlich. W\u00e4hrend einige Ortswechsel als belastend und karrierehemmend empfanden, beschrieben andere sie als wichtige Chance, neue Perspektiven, Arbeitsweisen und Netzwerke kennenzulernen.<\/p>\n<p>Einigkeit bestand jedoch darin, dass Mobilit\u00e4t heute vielf\u00e4ltiger gelebt werden kann als fr\u00fcher. Internationale Kooperationen, gemeinsame Publikationen, kurze Forschungsaufenthalte oder gezielte Laborbesuche k\u00f6nnen helfen, Netzwerke aufzubauen, ohne \u00fcber Jahre den Wohnort wechseln zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Alleine klappt es nicht<\/h2>\n<p>Ein weiteres zentrales Thema war die Bedeutung von Unterst\u00fctzung durch andere.<\/p>\n<p>Wer empfiehlt mich f\u00fcr eine Stelle? Wer \u00fcbernimmt kurzfristig die Kinderbetreuung? Wer ermutigt mich, eine Chance wahrzunehmen, die ich mir selbst vielleicht nicht zugetraut h\u00e4tte?<\/p>\n<p>Erfolgreiche Karrieren entstehen selten allein. Mentor*<em>innen, Kolleg*<\/em>innen, Freund*<em>innen, Partner*<\/em>innen und Familien bilden h\u00e4ufig das Netzwerk, das Karriere und Familie \u00fcberhaupt erst vereinbar macht.<\/p>\n<p>Ebenso wichtig sind Vorbilder, die zeigen, dass unterschiedliche Lebens- und Arbeitsmodelle m\u00f6glich sind \u2013 sei es Teilzeit, Elternzeit oder ein bewusst begrenztes Reiseaufkommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Wissenschaft oder Wirtschaft?<\/h2>\n<p>Auch die Unterschiede zwischen Wissenschaft und Industrie wurden diskutiert.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in der Industrie h\u00e4ufig eine st\u00e4rkere Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben wahrgenommen wird, bietet die Wissenschaft oftmals mehr Flexibilit\u00e4t bei Arbeitsort und Arbeitszeit. Das kann gerade f\u00fcr Familien ein gro\u00dfer Vorteil sein, beispielsweise wenn Kinder nachmittags betreut werden m\u00fcssen und die Arbeit sp\u00e4ter fortgesetzt wird.<\/p>\n<p>Entscheidend sei jedoch, Erwartungen transparent zu kommunizieren und gesunde Grenzen zu setzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Die Gespr\u00e4chsrunde machte deutlich: Eine wissenschaftliche Karriere mit Familie ist m\u00f6glich, aber selten geradlinig. Unterst\u00fctzende Strukturen, gute Netzwerke, Vorbilder und eine Kultur, die unterschiedliche Lebensrealit\u00e4ten anerkennt, k\u00f6nnen dabei einen entscheidenden Unterschied machen.<\/p>\n<p>Wir bedanken uns herzlich bei Janina Fels, Sabine Langer, Axel Ahrens und Johannes Arend f\u00fcr ihre Offenheit, ihre pers\u00f6nlichen Einblicke und die vielen ermutigenden Gedanken. Ebenso danken wir allen Teilnehmenden f\u00fcr die spannenden Fragen und den offenen Austausch sowie Cosima Ermert und Carolin Breuer f\u00fcr die Organisation der Veranstaltung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 10. Juni 2026 fand im Rahmen vom Schwerpunktprogramm SPP2236-AUDICTIVE ein Lunch Talk zum Thema Karriere und Familie statt. 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