{"id":5502,"date":"2026-09-11T14:02:01","date_gmt":"2026-09-11T12:02:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/elektrotechnik\/?p=5502"},"modified":"2026-09-11T14:16:29","modified_gmt":"2026-09-11T12:16:29","slug":"wie-ein-deutsches-start-up-das-naechste-tech-epizentrum-formt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/elektrotechnik\/wie-ein-deutsches-start-up-das-naechste-tech-epizentrum-formt\/","title":{"rendered":"Wie ein deutsches Start-up das n\u00e4chste Tech-Epizentrum formt"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_5502 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_5502')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_5502').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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Die Geschichte der beiden Br\u00fcder zeigt, wie eng Wissenschaft und Unternehmertum in Aachen miteinander verbunden sind.<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Der historische Kr\u00f6nungssaal des Aachener Rathauses verwandelte sich am 5. September 2026 in eine B\u00fchne f\u00fcr die Zukunft der globalen Mikroelektronik. Zum zw\u00f6lften Mal wurde der renommierte Aachener Ingenieurpreis verliehen \u2013 doch dieses Mal mit einem Novum: Erstmals ging die Auszeichnung an ein Duo. <a href=\"https:\/\/www.rwth-aachen.de\/cms\/root\/wir\/Aktuell\/Pressemitteilungen\/Juni-2026\/~bsjodb\/Ingenieurskunst-trifft-Abenteuerlust\/\">Daniel und Sebastian Schall<\/a>, Gr\u00fcnder des Start-ups <a href=\"https:\/\/www.blacksemi.com\/\">Black Semiconductor<\/a>, nahmen den Preis gemeinsam entgegen und machten zugleich eindrucksvoll deutlich, dass technologische Quantenspr\u00fcnge immer zwei unterschiedliche Seiten einer Medaille erfordern: W\u00e4hrend ein Bruder, Dr. Daniel Schall, als wissenschaftlicher Vordenker den technologischen Erfindergeist verk\u00f6rpert, bringt der andere Bruder, Sebastian Schall, als kaufm\u00e4nnischer Stratege die n\u00f6tige Tatkraft ein, um aus einer komplexen Labor-Idee ein skalierbares Unternehmen zu formen.<\/p>\n<p>Was ihre Aufgabenbereiche nicht \u00fcber das Preistr\u00e4ger-Team verraten, bringt Laudator Professor Max Lemme, Leiter des <a href=\"https:\/\/www.eld.rwth-aachen.de\/cms\/~psfz\/eld\/\">Lehrstuhls f\u00fcr Elektronische Bauelemente<\/a> an der RWTH Aachen und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der <a href=\"https:\/\/www.amo.de\/de\/\">AMO GmbH<\/a>, auf den Punkt:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eSie sind geerdet, ihnen ist nicht der Radar daf\u00fcr abhanden gekommen, was uns Menschen ausmacht.\u201c\u00a0<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Aus diesem stabilen Fundament heraus richten sie ihren Blick nach vorne und entwickeln L\u00f6sungen f\u00fcr Probleme, an denen bew\u00e4hrte Systeme scheitern: W\u00e4hrend die Anforderungen durch datenintensive Softwarearchitekturen und KI-Modelle kontinuierlich steigen, n\u00e4hert sich die Skalierung konventioneller Halbleiterhardware ihren physikalischen Grenzen. Nach dem Motto \u201eMore than Moore\u201c setzen die Schall-Br\u00fcder auf einen Paradigmenwechsel in der Halbleiterindustrie, der diesen technologischen Engpass zu \u00fcberwinden sucht: von der blo\u00dfen geometrischen Verkleinerung hin zu einer funktionalen Diversifizierung. Anstatt die Leistungssteigerung ausschlie\u00dflich \u00fcber die Dichte der Schaltkreise zu erzwingen, werden neue Technologien und komplement\u00e4re Materialien direkt in den Chip integriert.<\/p>\n<p>Als Schl\u00fcsseltechnologie ist die integrierte Photonik bereits heute Realit\u00e4t. Der Prozessor rechnet dabei wie gewohnt elektrisch. Die Daten\u00fcbertragung erfolgt allerdings per Laser \u00fcber integrierte, optische Wellenleiter in Lichtgeschwindigkeit. Diese Architektur eliminiert den elektrischen Widerstand auf den Kommunikationspfaden vollst\u00e4ndig. W\u00e4hrend bei der aktuellen \u201eInsel-L\u00f6sung\u201c die Daten vom elektrischen Hauptprozessor einige Bruchteile eines Millimeters als Strom zum photonischen Nachbarchip wandern m\u00fcssen, um dort in Lichtsignale umgewandelt zu werden, wird diese \u201eBr\u00fccke\u201c in einer 3D-Chiparchitektur vertikal durchlaufen: Hierbei wird der Raum mithilfe modernster Verpackungsverfahren dreidimensional genutzt, um die Wege zwischen elektrischen Rechenchips und photonischen Bauelementen maximal zu verk\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Die direkte, optische Signalumwandlung auf Chip-Level ist nun Black Semiconductor gelungen. Eine Schl\u00fcsselrolle nimmt dabei das zweidimensionale Kohlenstoffgitter Graphen ein. Das Material gilt wegen seiner spezifischen, physikalischen Extremwerte als Schl\u00fcsselkomponente f\u00fcr k\u00fcnftige Halbleiterarchitekturen. Aufgrund der einlagigen, hexagonalen Atomstruktur bewegen sich Elektronen darin nahezu ohne Widerstand, was Graphen eine extreme Ladungstr\u00e4gerbeweglichkeit verleiht. Hinzu kommen eine hervorragende thermische Leitf\u00e4higkeit sowie eine breitbandige, optische Absorption. Doch in der Praxis scheiterte der gro\u00dffl\u00e4chige Einsatz bisher an einer entscheidenden H\u00fcrde: Das atomar d\u00fcnne Material lie\u00df sich nicht fehlerfrei und reproduzierbar in industrielle Fertigungsprozesse integrieren.<\/p>\n<p>Genau diesen verfahrenstechnischen Br\u00fcckenschlag schafft das Aachener Start-up nun und erm\u00f6glicht so eine echte monolithische Integration der Photonik. Die Graphen-Strukturen werden direkt im regul\u00e4ren CMOS-Herstellungsprozess auf den bestehenden Wafer aufgebracht. Durch ihre Schnittstellenfunktion erm\u00f6glichen sie logische Rechenoperationen und Signalwandlung auf ein und demselben physischen Chip. Das erkl\u00e4rte Ziel des Start-ups ist es, Tausende von Halbleitern so zu koppeln, als w\u00e4ren sie ein einziges Bauteil.<\/p>\n<p>Bei den bisherigen L\u00f6sungsans\u00e4tzen der integrierten Photonik m\u00fcssen die Datensignale die elektronische Logikebene verlassen und \u00fcber physische, metallische \u00dcberg\u00e4nge oder vertikale Mikros\u00e4ulen zum photonischen Chiplet wandern. Obwohl diese Strecken kurz sind, entstehen an den metallischen Grenzfl\u00e4chen signifikante Verluste. Diese fehleranf\u00e4lligen Verbindungen sowie die Notwendigkeit nachtr\u00e4glicher mechanischer Montageverfahren bei der Herstellung entfallen k\u00fcnftig.<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eIhre L\u00f6sung ist nichts anderes als eine Revolution\u201c, sagte Professor Max Lemme bei der Verleihung des Aachener Ingenieurpreises. \u201eHalbleiter sind das Gehirn der KI, eine strategische Technologie und kein nice-to-have.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Dass diese Entwicklung in Aachen und nicht im Silicon Valley initiiert wurde, verdeutlicht die enge Verkn\u00fcpfung zwischen wissenschaftlicher Exzellenz und anwendungsorientiertem Unternehmertum im Umfeld der RWTH Aachen. Die technologische Basis f\u00fcr das Spin-off entstand in den Laboren der Forschungseinrichtung AMO GmbH, die eng mit unserer Fakult\u00e4t f\u00fcr Elektrotechnik und Informationstechnik verzahnt ist und von Professor Max Lemme geleitet wird. W\u00e4hrend seiner Promotion fand Dr. Daniel Schall hier die spezialisierte Reinrauminfrastruktur und den wissenschaftlichen Freiraum, um die Grundlagen der integrierten Graphen-Photonik experimentell zu validieren. Das Aachener \u00d6kosystem fungiert hierbei als gezielter N\u00e4hrboden, in dem exzellente Grundlagenforschung und die Translation in marktf\u00e4hige Unternehmensstrukturen Hand in Hand gehen:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eWir hatten immer den Plan zu gr\u00fcnden, als wir genug \u00fcber die Physik wie auch die Technologie wussten und davon ausgehen konnten, dass die offenen Probleme in einer Volumenfertigung mit besten Anlagen l\u00f6sbar sein m\u00fcssten, sind wir nur den entscheidenden Schritt aus dem Labor in die Produktion gegangen.\u201c\u00a0<\/em><\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_5396\" style=\"width: 2570px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5396\" class=\"wp-image-5396 size-full\" src=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/elektrotechnik\/files\/2026\/06\/119_PM_Ingenieurpreis2026_2-scaled.jpg\" alt=\"In einer Fabrikhalle sind Anlagen zu sehen, die R\u00e4ume im Raum darstellen.\" width=\"2560\" height=\"1705\" srcset=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/elektrotechnik\/files\/2026\/06\/119_PM_Ingenieurpreis2026_2-scaled.jpg 2560w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/elektrotechnik\/files\/2026\/06\/119_PM_Ingenieurpreis2026_2-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/elektrotechnik\/files\/2026\/06\/119_PM_Ingenieurpreis2026_2-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/elektrotechnik\/files\/2026\/06\/119_PM_Ingenieurpreis2026_2-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/elektrotechnik\/files\/2026\/06\/119_PM_Ingenieurpreis2026_2-1536x1023.jpg 1536w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/elektrotechnik\/files\/2026\/06\/119_PM_Ingenieurpreis2026_2-2048x1364.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><p id=\"caption-attachment-5396\" class=\"wp-caption-text\">Modulare Reinraumanlage innerhalb der neuen FabONE-Produktionshalle in Aachen-Rothe Erde \u00a9 Heike Lachmann<\/p><\/div>\n<p>Diese strategische Standortwahl ebnet den Weg f\u00fcr die ambitionierte Weiterentwicklung des Unternehmens: Mit F\u00f6rderungen und Investitionen von \u00fcber 254 Millionen Euro treibt das Start-up seine Expansion massiv voran. In der 15.000 Quadratmeter gro\u00dfen Produktionsst\u00e4tte \u201eFabONE\u201d im Aachener Stadtteil Rothe Erde sind inzwischen rund 167 internationale Fachkr\u00e4fte besch\u00e4ftigt. Ihr klares Ziel ist es, die innovative Graphen-Chip-Fertigung aus dem Labor in die industrielle Massenproduktion zu \u00fcberf\u00fchren. \u00dcber den regionalen Erfolg hinaus besitzt dieses Vorhaben eine erhebliche geopolitische Relevanz. In einer Phase, in der globale Lieferketten f\u00fcr Halbleiter technologischen und politischen Interdependenzen unterliegen, sichert die Etablierung einer solchen Schl\u00fcsseltechnologie in Deutschland und damit in der Europ\u00e4ischen Union ein St\u00fcck technologischer Souver\u00e4nit\u00e4t.<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eBlack Semiconductor st\u00e4rkt den europ\u00e4ischen Halbleiterstandort durch seine enge Zusammenarbeit mit der Forschung und seine industrielle Ausrichtung nachhaltig. Das Unternehmen verk\u00f6rpert somit in besonderer Weise innovationsgetriebene Ingenieurleistung, die strategische Bedeutung f\u00fcr Zukunftstechnologien hat\u201c, erkl\u00e4rt der Rektor der RWTH, Professor Ulrich R\u00fcdiger<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist genau diese Kombination aus ingenieurwissenschaftlicher Pionierarbeit und strategischer Tragweite, die die Grundlage f\u00fcr die Verleihung des Preises bildet. Der <a href=\"https:\/\/www.ingenieurpreis-ac.de\/\">Aachener Ingenieurpreis<\/a>, der seit 2014 gemeinsam von der RWTH Aachen und der Stadt Aachen vergeben wird, zeichnet Pers\u00f6nlichkeiten aus, die das Ingenieurwesen nachhaltig pr\u00e4gen. Die Preisskulptur \u201eKreuzende Ellipsen\u201c wird vom <a href=\"https:\/\/www.vdi.de\/\">Verein Deutscher Ingenieure (VDI)<\/a> als ma\u00dfgeblichem Partner der Auszeichnung gestiftet. Mit dem Gewinn reihen sich die Br\u00fcder Schall in eine Riege namhafter Preistr\u00e4ger:innen wie die Nobelpreistr\u00e4gerin <a href=\"https:\/\/www.rwth-aachen.de\/cms\/root\/wir\/aktuell\/pressemitteilungen\/juni-2018\/mikrobiologin-emmanuelle-charpentier-erh\/~quoc\/kreativ-wie-eine-kuenstlerin-disziplini\/\">Emmanuelle Charpentier<\/a> oder der Technologie-Pionier <a href=\"https:\/\/www.rwth-aachen.de\/cms\/root\/wir\/aktuell\/pressemitteilungen\/juli\/~indic\/portrait-sebastian-thrun\/\">Sebastian Thrun<\/a> ein und setzen zugleich ein un\u00fcbersehbares Signal f\u00fcr die Innovationskraft der Aachener Elektrotechnik.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Der Durchbruch der Graphen-Photonik in Aachen ist erst der Anfang einer weitaus gr\u00f6\u00dferen Entwicklung: Um strategische technologische Autonomie zu erlangen, investiert die Europ\u00e4ische Union auch in vielen weiteren Schl\u00fcsselbranchen in <a href=\"https:\/\/graphene-flagship.eu\/\">Graphen und andere zweidimensionale Materialien<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr ihre Forschungsarbeit an der integrierten Graphen-Photonik und den Aufbau ihres Start-ups Black Semiconductor wurden Daniel und Sebastian Schall mit dem diesj\u00e4hrigen Aachener Ingenieurpreis ausgezeichnet. 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