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neuland: Der Erstsemester-Blog

Dies. Das. Ananas.

22. November 2013 | von

hohenzollenrMontags, an dem du mit milchigen Augen vor dem surrenden Drucker im Copy Shop in die Leere starrst und der Druck-Nachbar dir augenzwinkernd verrät, dass du zukünftig keine Dateien mehr auf deinen Panda-Stick vom L2P-Lernportal herunterladen musst, weil der Shop über einen Internetzugang vefügt und du dir die Übungsblätter demnach direkt drucken kannst.

Dankend lächelst du ihn an und fragst dich insgeheim, ob er nicht selbst schon mit seiner eigenen Zettelwirtschaft genug bedient ist. Zuhause heftest du sauber und ordentlich deine Blätter ab und befriedigst dein Gewissen mit dem Schein wenigstens etwas für die Uni getan zuhaben. Gleichzeitig schürt das innere Gericht seine Anklage gegen die Faulheit und plädiert auf Verurteilung, auf eine in den Lernräumen zu vollziehende Freiheitsstrafe.

Dienstags, an denen Bluecard-Automaten dich verführerisch von der Seite grüßen und mit ihrer Statur und Unscheinbarkeit nach Geld betteln. Du ihnen unmerklich bestätigend  zunickst und versprichst, es die nächsten Tage nachzuholen – verflucht holen dich die giftigen Augenroller der Kassenbedienungen in den Mensen ein, die genervt auf dein Kleingeld aus den tiefsten Ritzen deines Portmonaies warten.

Mittwoch,  du sitzt an deinem Schreibtisch, der Schreibtisch sitzt vor dir. Du schlägst die erste Seite des Skriptes auf – „Hunger“, steht imaginär zwischen den dir vorliegenden Formeln. Wie eine Marionette gesteuert stehst du wie von geisterhand auf, löst deinen Schneidersitz mit dem du es dir noch kürzlich auf dem hell lackierten Bürostuhl gemütlich machtest und schlenderst den kühlen Gang zur Küche runter. Prioritäten setzen. Mit leerem Magen lernt es sich schlecht.

Donnerstag, an dem du in einem Exkurs des Leonardo-Projekts im „Fall China“ zwischen Dozent und Referent in der ersten Reihe sitzt, weil du atemlos in den Hörsaal platzt und niemanden der reizenden Kommilitonen dazu auffordern möchtest, aufzustehen. Nach Graswurzel und Gebirgsdorf suchst du konzentriert die Sitzreihen hinter dir nach der weißen Anwesenheitsliste, findest diese jedoch entmutigt nicht und wiegst dich mit dem Trost, dir einen Fehltag einzuräumen.
Vor dem Gebäude stellst du frustriert fest, dass dein Bus vor zwei Minuten abgefahren ist und dich  – statt einer 30 minütigen Wartezeit – für einen Marsch auf den Heimweg, entscheidest. Wie das Karma es will – schnellt der gedacht verspätete Bus genau zwischen den Haltestellen vorbei, du kommst zum Stillstand und starrst diesem nur entgeisteter Empörung nach.

Freitag, gratulation – Sie haben das nächste Level erreicht. Zufrieden schleppst du deinen ersten Sixpack Wasser aus dem Bus, der Griff reißt sich von den in Duroplaste-eingehüllten Wasserflaschen und landen in der trüben Pfütze auf dem Pflasterstein.

Samstag, im goldenen Sonnenschein scheint die Flutwelle an Schlössern die Liebe im glitzernden Rhein wiederzuspiegeln. Der Himmel scharlachrot, zwei rote Herzballons fliegen empor – verlassen die Hohenzollernbrücke. Pärchen, die ihre bereits angebrachten Schlösser suchen und frisch verliebte Pärchen, die ihr Schloss neu anbringen. Hufeisen, Fahrradschlösser oder Stoffbänder, die Kreativität auf höchstem Niveau – Streetart vom feinsten.

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Sonntag, wie ich mich nun auch drehe und wende – die Woche ist um. Ich weiß nicht wie es euch geht. Aber langsam werde ich vom ganzen Leistungsdruck doch etwas nervös, weil ich immer eine spannendere Ablenkung als Pauken finde und diese Beweise meinem inneren Gericht erfolgreich vorlege. Sehr geehrtes
oberstes Gericht, hiermit plädiere ich auf Freispruch!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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