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neuland: Der Erstsemester-Blog

Du schmeckst den Alkohol nicht heraus!

27. November 2013 | von

„Dieser Film ist ein Loblied auf die Schule, aber es ist möglich, daß die Schule es nicht merkt.“,

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so steht es in kursiver Schreibschrift auf der hiesigen Leinwand in der festlichen Aula des Hauptgebäudes geschrieben. Mechanisch klappe ich das Tischlein neben mir hoch und stütze meinen Ellenbogen auf das lackierte Holz. Mit dem Kinn im Handballen überblicke ich den Saal, fühle mich wie bei einer Mischung aus Vorlesung zu Culmann oder dem Superpositionsprinzip und einem Wetteifern amerikanischer  Hochschul-Tanzgruppen, als die Mädchen im pinken, weiß gepunkteten Pettycoat zu Rock’n’Roll über die Bretter im 4/4 Takt springen. Die Menge grölt – erregter, als die Männer in ausgewaschenen Jeans und weißem T-Shirt auf die Bühne treten, hinter mir höre ich jemanden:„Ausziehen! Ausziehen!“,  schreien.

Auch dieses Jahr erfreuten sich wieder viele Schaulustige und vor allem durstige TrinkerInnen zum pünktlichen Startschuss des Aachener Weihnachtsmarktes an der traditionellen Feuerzangenbowle. Mit insgesamt sechs Vorstellungen des deutschen Spielfilms aus dem Jahre 1944 unter der Leitung von Heinrich Spoerl durfte das selbstgebraute (Kult-)Getränk, in allen erdenklichen Variationen – ob in der silbernen Thermosflasche, in der Pfandflasche oder in Plastiktüten, was mich an den zweiten „Hangover“-Film erinnerte – abgefüllt, natürlich nicht fehlen. IMG_9202
In der Aula fand – anders als in den Hörsälen des Kárman-Auditorium – ein vorangestelltes Galaprogramm statt. Nun gut, einen Euro mehr und neben der erwähnten Tanzgruppe, verkündete eine männlich, angeheiterte Glücksfee zuvor die Gewinner der Feuerzangenbowle-Tombola, die sich über ein Blutplasma-Kuscheltier oder Asterix-Comicheft freuen konnten.

Erwartungsvoll lege ich die Füße hoch, als sich das Licht in der Aula dimmt und der schwarz-weiß Film mit der Hauptbesetzung des damalig 41-jährigen Heinz Rühmann einsetzt. Etwas widerwillig nehme ich die wandernde Plastikflasche mit der selbstgebrauten Bowle und trinke einen großzügigen Schluck. Schlagartig bereue ich meine Entscheidung, als mir der Rum ätzend durch die Kehle brennt. Den Satz: „Du schmeckst den Alkohol in der Feuerzangenbowle nicht heraus.“, schlucke  ich ächzend hinterher und versuche durch schmatzende Mundbewegungen den abscheulichen Nachgeschmack zu neutralisieren. Belustigt denke ich dabei an den Vorfall im Supermarkt, als ich eifrig zwei Rotweinflaschen für die Feuerzangenbowle in der Hand halte und mir eine mit Elan aus der Hand fliegt und nicht hätte eleganter auf dem Mamorboden zerspringen können. Dieser Gedanke wird vom Blinken der Taschenlampen und Laserpointer unterbrochen, die parallel zur Szene im Edkunde- und Chemieunterricht, die Aula in eine mystische Lichtkulisse tauchen. Zu weiteren interaktiven Szenen, verteilten Mitarbeiter des Filmstudios kleine Mitmach-Hilfen, wozu alle Bass- bis Sopranstimmen mehr oder weniger die vorgedruckten Liedtexte mitmauscheln.
Leider glich die Akustik nicht annähernd einer zu erwartenden Gala-Vorstellung, wenn das Gebrabbel deines Hintermanns dir ständig in den Ohren liegt. Der Film ist wahrscheinlich auch nicht der aufregendste Blockbuster, im klassischem Sinne als Ersti Pflicht, aber ernsthaft eigentlich doch nur eine Entschuldigung zum Alkoholkonsum ;).

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