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neuland: Der Erstsemester-Blog

Mathe-Vorlesung im Vietnam II.

31. Januar 2014 | von

Mathe-Vorlesung im Vietnam I: noch nicht gelesen?

Mathe-Vorlesung im Vietnam II
Noch immer bestimmt die Hitze das Klima, doch die Luft ist nun so trocken, dass der schwerfällige Griff zur Flasche zur Lebensrettung wird. Nicht viele haben es bis hierher geschafft. Die meisten sind gefallen, haben die Waffen niedergelegt und sind schon längst wieder in ihrer vertrauten Heimat, bei ihren liebsten. Doch ich bin noch hier. Mit knapp 50 anderen Kämpfern, welche nicht aufgeben werden, welche trotz des nicht abbrechenden Beschusses standhalten und in vorderster Front kämpfen. Ich betrachte das Schauspiel aus angemessener Entfernung. Ob ich ein Feigling bin, weil ich soweit weg vom Kampf bin? Nein. Denn die Beweise für Determinanten und „Erklärungen“ inverser Matrizen prasseln auf jeden wie ein Bombenhagel hinab, der sich einmal über die Grenze des Großen Hörsaales im Audimax getraut hat. Ich kann niemandem verübeln frühzeitig aufgegeben zu haben.

Ich versuche mich auf den Feind bestmöglich zu konzentrieren, notiere mir seine Strategien und Verhaltensmuster. Das wenigste davon kommt mir logisch vor, ich kann es mir einfach schwer vorstellen aus 26 Dimensionen angegriffen zu werden. Und ich habe immer noch nicht verstanden, wie ich mich dagegen wehren kann. Mein Blick ist immer noch in Richtung Wand gerichtet, auf der das Abbild der Erklärung von Abbildungen abgebildet ist. Mir wird schwindelig, ich kneife meine Augen zusammen, doch langsam beginnt die Welt vor mir zu verschwimmen, meine Kopf wird unglaublich schwer, langsam sinkt er auf den kleinen Tisch vor mir.

Eine Stunde später schrecke ich hoch, ich höre Applaus. Sie klatschen mir zu, weil ich es geschafft habe, weil ich durchgehalten habe! Ich öffne langsam meine müden Augen. Vor mir leert sich der Hörsaal endgültig. Der Applaus galt wohl doch dem Prof. Oder aber dem Publikum selbst, weil sie alle stolz sind, durchgehalten zu haben. Manche werden behaupten, es wäre kein Problem für sie gewesen, manche, dass sie es jederzeit wieder machen würden. Doch in ihren müden und geschundenen Gesichtern sehe ich, dass sie froh sind endlich nachhause zu dürfen.

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