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neuland: Der Erstsemester-Blog

Wenn das Finden der Matrikelnummer zum mathematischen Problem wird

06. Februar 2014 | von

Nach einer unruhigen Nacht reiße ich meine Augen auf und schaue schlaftrunken zum Fenster. Desorientiert blicke ich hinaus und habe anfangs Schwierigkeiten das Dunkelblau meiner Gardine vom bewölkten Himmel zu unterscheiden. Hastig schiebe ich die Daunendecke von mir und ignoriere das Frösteln, welches sich durch das Aufstellen meiner Nackenhaare äußert. Barfuß hüpfe ich auf dem Bodenbelag aus Polyvinylchlorid zum Tisch, um meine Füße an die Kälte zu gewöhnen. Dort angekommen, greife ich nach meinem Handy, schmeiße mich erleichtert zurück ins Bett und decke mich mit einem Seufzer der Behaglichkeit zu. Das Display des Handys zeigt „6:45“ – meine innere Uhr hat mich tatsächlich 15 Minuten früher als geplant geweckt. Aus Angst dem Halbschlaf zu verfallen, zwinge ich meinen Körper sich ruckartig aufzusetzen. So verharrte ich wie eine Gottesanbeterin im Sitzen und blinzel mit angeschwollenen Augen ins Leere. Allmählich schien mein Gehirn ebenfalls aus dem Schlaf zu erwachen und wurde sogleich von der Nervosität und Aufregung in Anbetracht von Matrizen und Ungleichungen belagert. Mein Magen röchelt bleiern, ein Hungergefühl bleibt jedoch am heutigen Morgen aus. Die Motorik zäh, der Geist stockend, mache ich mich fertig – während im Hintergrund  Musik läuft. Diese scheint mich jedoch heute penetrant aufzuwühlen, sodass ehe mein Lieblingslied einsetzen konnte, die Lautsprecher bereits wieder verstummten.

Klausur

Eingemummt verlasse dich den Turm, als mir der Wind mit einer klirrenden Brise einen guten Morgen wünscht und mir die Haare verzottelt zu Berge stehen. Die Hände tief in der Jackentasche vergraben laufe ich die Treppen zur Hauptstraße hinunter. Von hier aus erkenne ich das Ampellicht – aus dem gemütlichen Laufschritt wird morgendlicher Frühsport, als ich ins Joggen verfalle, damit ich noch rechtzeitig die Straße überqueren kann – denn zu oft erlebte ich, wie der Bus an mir vorbeihuschte, als ich verbittert auf der gegenüberliegenden Straßenseite dem teuflischen Rot entgegen funkelte. Außer Atem suche ich am Busfahrplan nach der Abfahrtszeit des nächsten Busses, freue mich über die kurze Wartezeit von drei Minuten – bis mir einfällt, dass es Samstag ist und ich ursprünglich für Zeiten unter der Woche nachgeschaut hatte. So stapfte ich in der Dämmerung in Richtung Uni und war eigentlich ganz froh darüber, die Möglichkeit zu haben, im Spaziergang richtig wach zu werden.
Unterwegs entscheide mich für ein bescheidendes Frühstück aus Käsebrötchen und spröder Nussecke, die ich nur mit Müh und Not herunterbekomme.
Dreißig Minuten zu früh, stelle ich beim Blick auf das Handy-Display fest. Alleine und vor allem die Erste war ich wohl dennoch nicht, bemerke ich überrascht, als ich das Kárman betrete. Eine Masse an Kommilitonen stand oder saß verstreut vor dem FO1 und wartet auf gewährten Einlass. Aufgeregtes Geschnatter und ein letzter Tausch an Erfolgswünschen prägen die Geräuschkulisse, dann geht es auch auch schon los. Die Sitzverteilung ist auf Folie an die Wand projiziert, nichtsdestotrotz irre ich planlos in den Reihen umher, auf der Suche nach meiner Matrikelnummer. Panik steigt in mir auf, als ich unterbewusst wahrnehme, dass einige mich mit vorwurfsvollem Blick auffordern, endlich meinen Platz einzunehmen, damit die Klausur doch endlich anfangen kann. Ganz am Rand finde ich endlich das Blatt mit meinem Namen und zugehöriger Matrikelnummer. Dann geht es auch schon los: 90 Minuten Differential-und Integralrechnung – 30-minütige Pause – 90 Minuten Lineare Algebra. Die ersten beiden Klausuren geschafft, der Marathon hat gestartet.

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