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neuland: Der Erstsemester-Blog

Karneval, Philippval

06. März 2014 | von

Karneval 2014 fand also ganz ohne Philipp statt, oder „Philipp levare“, was so viel heißt wie „Philipp wegnehmen“. Daher kommt wohl auch das Wort „Karneval“ – „Carne levare“ – „Fleisch wegnehmen“. Aber dass es bei Karneval mal um den Beginn der Fastenzeit ging merkt man heute ja sowieso nicht mehr.
Fleischlos geht ja heute gar nicht mehr. Könnte man jedenfalls denken, wenn man so durch die Supermärkte spaziert und die Menschen beim Einkaufen beobachtet. Ich würde gerne mal ein Praktikum, oder einen Minijob als Kassierer im Supermarkt machen, einfach um zu analysieren, wer was kauft. Ich finde das hochinteressant! Hier kauft eine Rolex Pferdefleisch-Lasagne, da eine Gucci-Tasche „Nein!“-Salami. Ich will gar nicht darüber urteilen, ob Fleisch gut ist, bzw. viel mehr welches Fleisch gut ist. Aber wenn ich für ein Kilo Chickenwings zwei Euro bezahle, dann muss ich mich doch fragen „Oh! Wie kann das denn sein?“. Fleisch fällt ja nicht vom Himmel, das waren ja mal richtige Tiere! Ja! Wirklich! Auch wenn das Fleisch so eingeschweißt nicht den Eindruck macht, aber da war mal Leben drin! Und die mussten geboren, gefüttert, gepflegt und geschlachtet werden. Und dann will der Bauer, der Metzger und der Supermarkt auch noch daran Geld verdienen. Und das für 2 Euro? Ein Hähnchen bringt nach ungefähr acht Wochen bis zu zwei Kilogramm auf die Waage, das Verkaufsgewicht liegt dann ungefähr bei einem Kilo. Wenn wir davon ausgehen, dass Supermarkt, Metzger und Bauer jeweils fünf Cent an unserem Hähnchen verdienen wollen, dann bleiben nach 1,70€ für Aufzucht, Futter und Medikamente. Wenn ihr mich fragt, ist das ganz schön wenig. Und die Folge ist, dass die Hühner in erbärmlichen Zuständen leben und sterben, aber darum geht es mir nicht einmal. Mir geht es eher darum, wie wenig das Leben eines Huhns dem Menschen heute wert ist. Für 1,70€ kann ich mir heute nicht mal mehr ein Eis an der Eisdiele kaufen, aber ein ganzes Hähnchen! Und jetzt kommt mir nicht mit „Ich bin doch nicht schuld, dass das so billig ist!“. Freie Marktwirtschaft, Demokratie, das bedeutet, dass wir alles schuld sind. Das ist der Sinn dahinter. Wenn wir bereit sind, mehr Geld beim regionalen Metzger für Fleisch auszugeben, dann wird es wieder mehr regionale Metzger geben. Wenn wir aber weiterhin das Fleisch von Konzernen essen, in Massen die weder gesund, noch in irgendeiner Weise vertretbar ist, dann dürfen wir uns auch nicht darüber beklagen, dass unsere Wirtschaft von eben diesen bestimmt wird.
Als Student kann ich mir das Fleisch vom Metzger um die Ecke nicht leisten, aber dann esse ich eben kein Fleisch, oder nur selten. Fleisch ist ein unglaublich wertvolles Gut. Dafür sterben Lebewesen, dafür werden Unmengen an Getreide und Mais verbraucht, welches man auch direkt essen könnte und damit im Schnitt fünfmal mehr Menschen satt bekommen würde. Fünfmal mehr! Damit hätten wir keinen Hunger mehr auf der Welt. Solange wir nicht den Wert von Fleisch erkennen und bereit sind dafür zu zahlen, müssen es eben andere tun.
Vielleicht denkst Du bei deinem nächsten Steak, welches Du Dir sicher verdient hast, einfach ein bisschen darüber nach, woher das kommt und was alles dafür passiert ist, damit Du jetzt gerade in diesen Genuss kommst. Und vielleicht weißt Du es dann ein bisschen mehr zu schätzen.

Tschau dann erstmal,
Euer Philipp

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