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neuland: Der Erstsemester-Blog

Es schmeckt nach Sommer

12. März 2014 | von

Wald„In der Region kletterten die Temperaturen heute bis auf 22°C, das ist der wärmste März-Anfang seit das Wetter aufgezeichnet wird“ tönt es aus dem Autoradio. Es ist 16:00Uhr, Sonntag. Ich kurbel das Fenster etwas runter, während ich der Sonne entgegen fahre. Der Nachrichtensprecher wünscht noch einen schönen und Tag und The Lumineers Ho-en und Hey-en los. Ein breites Grinsen macht sich in meinem Gesicht breit und ich merke, wie sehr ich dieses Gefühl vermisst habe. Dieses Gefühl der Freiheit, der Weite, den Wind in den Haaren und den Geruch von Wald in der Nase. Ich bin zuhause. Und nach den letzten Wochen voller Klausuren, lernen und Enttäuschung tut das so unglaublich gut, dass ich fast vergesse, dass noch zwei Klausuren auf mich warten. Aber das ist mir jetzt egal.
Am Donnerstag Mechanik, natürlich bin ich wie ein verrückter am Lernen, auch wenn es schwer fällt noch daran zu glauben, dass das überhaupt etwas bringt. Ich drehe das Radio lauter, „I don’t know where I belong, I don’t know where I went wrong“, ja das stimmt wohl. Aber genau deshalb bin ich ja jetzt Zuhause. Hier ist alles beim Alten, alles vertraut. Ich weiß, dass wenn ich morgen aufwache, alles ist wie immer. Wie früher! Und das gibt mir Halt, natürlich ist Aachen jetzt auch mein zuhause und auch meine Freundin gibt mir Halt, aber das ist eben nicht das Gleiche. An meinem Schreibtisch in der Rochusstraße habe ich mich in den letzten Tagen gefühlt, als würde mich irgendetwas unter Wasser ziehen. Ich habe mich schwerelos und gedankenverloren und gleichzeitig so voller Panik gefühlt. Ja Panik, das muss ich mir wohl selber eingestehen. Dass ich ein panischer Mensch bin und dass mich das Nichtbestehen von Klausuren in Panik versetzt. Dass ich dem nicht gewachsen bin, dass die RWTH einfach zu viel ist für mich, zu viel von mir will, oder ich mir das zumindest so eingeredet habe.
Meine Freundin ist eine kleines Segelschiff, an dem dem ich mich festhalten kann und was mir Ruhe und Zuneigung schenkt, aber es ist immernoch auf dem offenen Meer, hat selber mit den Wellen und Stürmen zu kämpfen. Mein Zuhause ist eher eine Insel, vollkommen unbeweglich, unsinkbar und ich weiß immer wo sie ist. Egal wie rau das Meer erscheint, von Zuhause aus sieht das Alles meistens nicht mehr so schlimm aus. Dann scheint der nächste Schritt plötzlich schaffbar, die Angst lächerlich. Und darum bin ich hier.
Weil es Zuhause sogar Anfang März nach Sommer und diesem Gefühl alles schaffen zu können schmeckt.

„I belong with you, you belong with me, you’re my sweetheart!“

Ich hoffe ihr habt auch so eine Insel. Wenn nicht, baut euch doch einfach eine. Oder schreibt in die Kommentare, dass ihr keine habt. Das macht nichts, denn auf meiner ist noch Platz!

Liebe Grüße,
Philipp

2 Antworten zu “Es schmeckt nach Sommer”

  1. Hans Lukas Dörrie sagt:

    Glaubst du, wir haben so wenige Leser, dass die alle bei dir zu Hause Platz hätten? 😛 Sehr schöner Text wieder, kann ich alles total nachvollziehen. War auch schon in der Heimat während der Klausurphase… 🙂

  2. Stefan Rosauer sagt:

    Hier meldet sich deine unsinkbare Insel. Du weißt schon dass wir immer noch deine Maulwürfe zu versorgen haben??? In diesem Sinne liebe Insellose Ahoi.

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