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neuland: Der Erstsemester-Blog

Mal ungefähr ALLES über Literatur- und Sprachwissenschaft

20. März 2014 | von

Mit Literatur- und Sprachwissenschaft landet man in einem kleinen, gemütlichen Studiengang, dessen Absolventen – so zumindest die landläufige Meinung – übergangslos vom Bachelor in die Arbeitslosigkeit marschieren. Wie das erste Semester gelaufen ist und ob nicht auch in euch ein verborgener Linguist schlummert, lest ihr hier!

 

Anforderungen

14-12_buecher_ahSchon in der ersten Woche riet uns unser Tutor, dass sich diejenigen, die nicht gerne lesen und trotzdem für diesen Studiengang entschieden haben, lieber ganz schnell wieder exmatrikulieren sollten. Unrecht hatte er nicht, denn der Leseaufwand hat es wirklich in sich : Von verschiedensten Werken in Seminaren über viele Fachtexte bis hin zu kompletten Büchern, die begleitend zu den Vorlesungen gelesen werden sollen, ist alles dabei – und nicht selten sind die zu lesenden Texte alles andere als Gute-Nacht-Lektüre. Um den Anschluss nicht zu verlieren, sollte man stets zumindest ein wenig am Ball bleiben – ansonsten könnt ihr euch eine Woche später unter dem ganzen Papierkram einbuddeln.

Doch laut Tutor solle man nicht nur gerne lesen, sondern wenigstens auch keine Scheu vor seinem öffentlichen Auftreten haben – denn er könne sich nur wenige Berufe vorstellen, für die man sich mit Literatur- und Sprachwissenschaft qualifizieren könne und in denen man nicht selbstsicher vor Menschen auftreten müsse. Seine Empfehlung: Selbstsicherheit entweder mitbringen oder während des Studiums lernen!

 

Das erste Semester

In meinem ersten Semester beschäftigten wir uns in erster Linie mit Literatur, Linguistik und Grammatik. Zusammenfassend mal eine kurze  Übersicht aller Veranstaltungen, die ich mit meinen Komponenten Deutsch und Englisch (quasi zwei Studienrichtungen, für die man sich direkt zu Beginn des Bachelors entscheiden muss) belegen musste:

 

Literatur

Eine Vorlesung und ein Seminar auf deutsch sowie eine Vorlesung und eine Übung auf englisch – damit macht der literarische Part zu Beginn noch den größten Anteil eures Stundenplans aus. Während ihr in der deutschen Vorlesung etwas über grundlegende Konzepte und Begriffe lernt, ist die englische Vorlesung (mit ihrer entsprechenden Übung) anwendungsorientierter und erklärt literarische Phänomene anhand von Beispielen – meist Gedichte, denn die sind schnell gelesen und analysiert. Dazu gibt es einen historischen Durchmarsch von den Anfängen der englischen Literatur bis hin zur modernen amerikanischen Literatur. In dem Seminar erfahrt ihr etwas über ein freier gewähltes Thema – zum Beispiel über die antike Literatur griechischer Dichter.

Linguistik14-12_gebauede_ah

Denn auch Linguisten dürfen Tabellen auswendig lernen! In Linguistik erfahrt ihr in einer englischsprachigen Vorlesung wie Töne und Klänge entstehen und in ihrem Zusammenspiel verschiedene Sprachen formen. Oder aber auch, wo diese Töne überhaupt produziert werden. Oder, wie sich geschriebene Wörter auseinandernehmen lassen, wie man durch Affixe ihre Bedeutung oder grammatikalische Form verändert, durch welche Prozesse neue Wörter entstehen und und und… Linguistik steht mit nur einer Vorlesung und einem Begleitkurs zwar gar nicht mal so häufig auf dem Plan, ist aber ein ganz schöner Brocken zum Lernen. Extrem hilfreich war da das Studentische Tutorium (genau, mit dem Studenten vom Theater), das uns zwar keine Credits bringt, dafür aber viele Sachen vereinfacht erklärt. Unbedingt hin!

Grammatik

Mochte so mancher schon in der Schule nicht. In einer englischsprachigen Vorlesung plus Übung erfahrt ihr etwas über die grammatische Struktur von Sätzen und Phrasen. In welcher Beziehung stehen Ausdrücke zueinander? Welche Satzteile gibt es? Wie zerstückele ich einen Satz sinnvoll und warum sehen manche einfach schöner aus als andere? Grammatik ist in etwa die Mathematik der Sprachwissenschaftler: Irgendwo logisch und wenn man es mal verstanden hat auch einleuchtend, nur wechselt je nach Buch die Bezeichnung der verschiedenen Konstruktionen.

 

Schon gut, aber wie wars denn nun?

Inhaltlich fand ich mein erstes Semester wirklich gut, auch wenn es natürlich immer mal wieder Themen gab, die nicht ganz so spaßig wie der Rest waren – doch das gibt es vermutlich in jedem Studium. Auf mehr oder weniger alte, aber trotzdem bedeutende Texte zu schauen oder sich zu fragen, wieso es überhaupt einen Sprachwandel gibt… das macht schon echt Laune!

Allerdings gibt es auch eine Kehrseite, denn abgesehen von zwei Veranstaltungen, die ein Lehramtsstudent mehr als ein Literatur- und Sprachwissenschaftler belegen muss, sind beide Studiengänge im ersten Semester identisch. Und irgendwann drängt sich dann auch die Frage auf, ob man sich vielleicht nur für ein abgespecktes Lehramtsstudium entschieden hat. Inwiefern der Studiumsverlauf von Literatur- und Sprachwissenschaft in den weiteren Semestern noch von Deutsch oder Englisch auf Lehramt (für Gymnasien und Gesamtschulen) abweicht, könnt ihr euch in den jeweiligen Prüfungsordnungen ansehen.

Und wie fühlt man sich als Minderheit zwischen den ganzen Ingenieuren? Gar nicht mal so übel. Denn trotz dem Gemunkel über die studierte Arbeitslosigkeit gibt es viele nette Leute und Ansprechpartner. Anders als Mittelenglisch zum Beispiel, denn das sucht man an der RWTH vergebens – weil es hier einfach keinen Professor gibt, der sich auf Mittelenglisch spezialisiert hat. Wer an solchen Themen interessiert ist, sollte sich vor seinem Studium deshalb gut informieren.

 

So, das war ein ganz schöner Brocken an Information! Wer es bis hier geschafft hat, hat zumindest einen Abriss meines ersten Semesters und (hoffentlich) alles Wichtige über den Start mit Literatur- und Sprachwissenschaft erhalten. Falls es doch noch Fragen gibt, die Kommentarbox ist genau hier drunter! 😉

Bald war es das auch schon mit diesem Blog – ein Eintrag kommt noch, danach war es das mit Erstsemester!

Vielleicht gibts zum Schluss nochmal etwas schöneres und nicht ganz so Informationslastiges zum Lesen. Es würde mich freuen, wenn ihr dann noch dabei seid! 🙂

 

Bis dahin,

Alexander

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