{"id":1004,"date":"2016-12-08T15:06:39","date_gmt":"2016-12-08T13:06:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/?p=1004"},"modified":"2016-12-08T15:09:42","modified_gmt":"2016-12-08T13:09:42","slug":"im-aachener-regen-der-sonne-entgegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/im-aachener-regen-der-sonne-entgegen\/","title":{"rendered":"Im Aachener Regen der Sonne entgegen"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1004 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1004')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1004').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Die Reportage ist unserem Seminar <a href=\"http:\/\/www.zks.rwth-aachen.de\/go\/id\/inft\">Journalistisches Schreiben<\/a> entstanden und wurde auch in der AStA-Zeitschrift relatif ver\u00f6ffentlicht. Vielen Dank f\u00fcr den tollen Text!<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p>Sonnenwagen Aachen e. V. \u2013 ein Auto, 40 Studierende. 3022 km durch das australische Outback, mit 70 km\/h. Der n\u00f6tige Antrieb? Die Sonne. Es geht um die World Solar Challenge, eines der weltweit h\u00e4rtesten Rennen f\u00fcr Solarautos. Ein Team aus Studierenden der RWTH und FH Aachen will n\u00e4chstes Jahr eines der h\u00e4rtesten Rennen f\u00fcr Solarautos bestreiten.<\/p>\n<div id=\"attachment_1005\" style=\"width: 475px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2016\/12\/Sonnenwagen.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1005\" class=\"wp-image-1005 size-full\" src=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2016\/12\/Sonnenwagen.png\" width=\"465\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2016\/12\/Sonnenwagen.png 465w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2016\/12\/Sonnenwagen-300x164.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 465px) 100vw, 465px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1005\" class=\"wp-caption-text\">Modell des &#8222;Sonnenwagens&#8220;<\/p><\/div>\n<p><strong>Team Sonnenwagen<\/strong><\/p>\n<p>Die Idee, an der World Solar Challenge teilzunehmen, kommt den Studierenden um Hendrik L\u00f6bberding in der Klausurphase. Nach einem langen Lerntag sitzt man zusammen in Hendriks WG und unterh\u00e4lt sich \u00fcber die World Solar Challenge. Bei diesem Autorennen f\u00e4hrt man mit einem selbstgebauten Solarauto mehrere Tage durch die australische W\u00fcste. Schnell denken die Studierenden dar\u00fcber nach, warum sie nicht einfach selbst teilnehmen \u2013 wenn auch nur spa\u00dfeshalber.<\/p>\n<p>Kein ganzes Jahr sp\u00e4ter steht Hendrik auf der B\u00fchne bei \u201eAachen goes Electro\u201c am Elisenbrunnen, einem Aachener Elektromobilit\u00e4tsevent. Er ist jetzt Vorsitzender des Teams <em>Sonnenwagen Aachen<\/em>. Ein eher unscheinbarer Typ; etwas schlaksig, gro\u00df, leicht gekr\u00fcmmte Haltung, kurzes blondes Haar. Maschinenbauer eben, mag man sich denken. Aber Hendrik steht mittendrin in einem gro\u00dfen Projekt, das \u00fcber den klassischen Maschinenbau weit hinausgeht und Teams aus aller Welt gepackt hat.<\/p>\n<p>Team und Zuschauer stehen mit Regenschirmen vor der B\u00fchne. W\u00e4hrend Hendrik das Projekt vorstellt, regnet es in Str\u00f6men. Er und sein Team wollen eigenst\u00e4ndig ein Solarauto bauen und damit die World Solar Challenge in Australien bestreiten: eine Rallye, die Auto und Fahrer an ihre Grenzen bringt. An Selbstbewusstsein daf\u00fcr mangelt es dem Team nicht. \u201eWir sind hier in Aachen. Wir sind hier besser\u201c, h\u00f6rt man einen von der B\u00fchne aus sagen.<\/p>\n<div id=\"attachment_1006\" style=\"width: 938px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2016\/12\/Team-Sonnenwagen.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1006\" class=\"wp-image-1006 size-full\" src=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2016\/12\/Team-Sonnenwagen.png\" alt=\"team-sonnenwagen\" width=\"928\" height=\"406\" srcset=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2016\/12\/Team-Sonnenwagen.png 928w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2016\/12\/Team-Sonnenwagen-300x131.png 300w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2016\/12\/Team-Sonnenwagen-768x336.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 928px) 100vw, 928px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1006\" class=\"wp-caption-text\">Team Sonnenwagen<\/p><\/div>\n<p><strong>Die Challenge<\/strong><\/p>\n<p>3022 km m\u00fcssen auf \u00f6ffentlichen Stra\u00dfen quer durch die australische W\u00fcste gefahren werden: einmal von Darwin im Norden bis Adelaide im S\u00fcden. Das hei\u00dft auch, 5 Tage in der W\u00fcste wild campen, denn so lange braucht man in etwa f\u00fcr die gesamte Rennstrecke.<\/p>\n<p>Die Energie zum Fahren darf ausschlie\u00dflich aus der Sonne gewonnen werden. Entweder sie wird direkt genutzt oder sie l\u00e4dt die Batterie, die als Unterst\u00fctzung im Auto verbaut sein darf. Um eine m\u00f6glichst hohe Sonneneinstrahlung auszunutzen, wird jeden Tag von 8.00 bis 17.00 Uhr gefahren. In der Mitte eine Stunde Pause mit Fahrerwechsel \u2013 das Mindeste wohl f\u00fcr den Fahrer, wenn man bedenkt, dass es im Cockpit bis zu 50\u00b0 C warm wird. Lediglich die Batterie darf au\u00dferhalb der Rennzeiten noch voll aufgeladen werden.<\/p>\n<p>Das Team Sonnenwagen startet in der <em>Challenger Class<\/em>, der Hauptklasse des Rennens, in der sich Teams aus aller Welt messen. In dieser Klasse darf nur der Pilot im Wagen sitzen. F\u00fcr diesen hei\u00dft es jedoch nicht einfach voll auf das Gaspedal dr\u00fccken. Gerade weil nur die Sonnenenergie genutzt wird, sind die Fahrstrategie und das Energiemanagement f\u00fcr alle Teams unabdingbar. F\u00e4hrt das Auto durch St\u00e4dte sei es unklug zus\u00e4tzlich die Batterieleistung zu nutzen, denn man d\u00fcrfe dort nicht so schnell fahren, erkl\u00e4rt der Fahrstratege Martin. Diese feinen Details entscheiden am Ende, wer das Rennen gewinnt.<\/p>\n<p><strong>Die Vorbereitung<\/strong><\/p>\n<p>Sie gehe gar nicht gerne campen und im \u00dcbrigen habe sie auch Angst vor Spinnen, erz\u00e4hlt Johanna, Leiterin des Teams Elektrotechnik. Vielleicht nicht die optimale Voraussetzung, sollte man meinen, doch Johanna ist Feuer und Flamme f\u00fcr das Projekt und m\u00f6chte das Rennen vor Ort unbedingt begleiten: \u201eDas wird dann schon irgendwie gehen.\u201c Schlie\u00dflich schafft sie es auch, sich gegen die vielen Jungs im Team durchzusetzen. Als eines von wenigen M\u00e4dchen muss sie einige Jungs gelegentlich daran erinnern, dass sie nicht nur f\u00fcr Marketing-Zwecke im Team ist, sondern bei der Elektrotechnik die Teamleitung \u00fcbernimmt.<\/p>\n<p>Auf die Frage ob sie sich denn vorstellen k\u00f6nne, das Auto durch die W\u00fcste zu fahren, winkt Johanna ab. Das m\u00fcsse eine Qual sein, bei der Hitze im Cockpit zu sitzen. Noch steht nicht fest, wer diese unangenehme Aufgabe \u00fcbernehmen wird. Viel wichtiger ist im Moment, das Auto fertigzubauen, denn noch gibt es nur eine 3D-Druck-Version. Diese ist so gro\u00df wie eine Handfl\u00e4che und sieht aus wie ein Spielzeugauto. Dennoch ist klar: Die Fahrer werden sich auf das Rennen k\u00f6rperlich vorbereiten m\u00fcssen \u2013 \u201emit Sauna-G\u00e4ngen oder so\u201c, erwidert einer bei Nachfragen w\u00e4hrend einer Informationsveranstaltung.<\/p>\n<p><strong>Packesel in Stromlinienform<\/strong><\/p>\n<p>Das kleine Modell des Sonnenwagens erinnert eher an ein Ufo. An ein Auto denkt man erstmal nicht. Keine Reifen sind zu sehen, nur eine glatte gew\u00f6lbte Fl\u00e4che mit einem kleinen Cockpit oben drauf. Schaut man sich Wagen aus vergangenen Rennen an, scheint dieses Modell wohl im Trend zu liegen, optimal um gute Rennzeiten zu erzielen.<\/p>\n<p>4-m\u00b2-Photovoltaik-Module sind nach dem Regelwerk zugelassen; das ist so gro\u00df, wie ein Bett in einer Jugendherberge. Zur Unterst\u00fctzung ist eine Batterie, in die das 300-fache einer normalen Handy-Akkuladung passt, zugelassen. Der Motor hat 1000 Watt Leistung \u2013 nicht mehr als ein \u00fcblicher Staubsauger. Das Fahrwerk vereint Lenkung und R\u00e4der. \u201eBatterie, Motor, Reifen, Lenkung \u2013 alles muss von der Tragstruktur zusammengehalten werden. Wir nennen sie unseren Packesel!\u201c<\/p>\n<p>Damit dieser Packesel schnell fahren kann, muss er m\u00f6glichst wenig Reibung haben. Daf\u00fcr zust\u00e4ndig ist das Team Aerodynamik. Sebastian, der Teamleiter, erz\u00e4hlt vom so genannten c<sub>w<\/sub>-Wert: dem Str\u00f6mungswiderstandswert. \u201eWir wollen ihn sehr niedrig halten.\u201c Um herauszufinden, was \u00fcberhaupt ein niedriger c<sub>w<\/sub>-Wert ist, hat er sich im Tierreich umgeguckt. Den besten nat\u00fcrlich vorkommenden c<sub>w<\/sub>-Wert hat der Pinguin. \u201eUnser Wagen soll den c<sub>w<\/sub>-Wert des Pinguins erreichen!\u201c<\/p>\n<p>Die Aerodynamik ist wichtig, um schnell zu sein. Doch sie sch\u00fctzt auch Fahrer und Auto. Die Rennstrecke ist ein einfacher Highway. Regelm\u00e4\u00dfig werden dem Sonnenwagen auch Trucks entgegenkommen. Damit diese den Wagen nicht von der Strecke schmei\u00dfen, muss die Str\u00f6mung gut \u00fcber ihn verteilt werden.<\/p>\n<p><strong>Besser als die anderen<\/strong><\/p>\n<p>Sonnenwagen e. V. nimmt als erstes Team aus Aachen an der World Solar Challenge teil \u2013 ein Nachteil im Vergleich zu anderen Teams, die schon mehrere Male teilgenommen haben. Diese Teams verbessern ihre Wagen nur noch. Das Aachener Team jedoch entwickelt einen komplett neuen Solarwagen. Keiner von ihnen hat so etwas je gemacht. Ein bisschen Formeln gepaukt im Studium haben sie, aber was hilft das schon, wenn man ein Auto bauen will. Doch Hendrik und Johanna lassen sich davon nicht einsch\u00fcchtern.<\/p>\n<p>Mit der Unterst\u00fctzung zahlreicher Institute der RWTH und FH Aachen versuchen sie, in ihrem Wagen neueste Materialien zu verwenden. Das Geh\u00e4use soll nicht aus Stahl, sondern aus leichten Folien sein, die auch f\u00fcr den Flugzeugbau verwendet werden. Als Tragstruktur wird ein ultraleichter Hybridrohrrahmen verwendet. Sie wollen sich als Neulinge direkt von den anderen Teams abheben.<\/p>\n<p>Ohne Sponsoring f\u00fcr diese Materialien k\u00f6nnen die Studierenden die Kosten f\u00fcr den Bau des Autos nicht stemmen. Deswegen pr\u00e4sentieren sie sich beim Aachener Elektromobilit\u00e4tsevent am Elisenbrunnen mit Huawei, einem von vielen Sponsoren.<\/p>\n<p><strong>Martin \u2013 kein begeisterter Renn-Fan, aber Spezialist auf seinem Gebiet<\/strong><\/p>\n<p>Selbst die besten Materialien n\u00fctzen nichts, wenn beim Rennen nicht mit geringstem Energieaufwand schnell das Ziel erreicht wird. Martin hat dazu eine Fahrsimulation entwickelt. Jedoch sieht man auf dem Bildschirm seines Laptops kein Miniatur-Auto herumflitzen, sondern ein Diagramm f\u00fcr die verschiedenen Funktionen seines Programms. Klickt man auf die einzelnen Komponenten, \u00f6ffnen sich weitere Diagramme mit roten, gr\u00fcnen und gelben Graphen. Sie zeigen, wann die Sonne wie viel scheint, wie schnell das Auto ist, wie viel Energie gebraucht wird, wie viel Leistung der Batterie genutzt wird.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr Autorennen interessiere ich mich eigentlich gar nicht so\u201c, meint Martin. Das Rennen dauere schlie\u00dflich nur f\u00fcnf Tage \u2013 nichts gegen die \u00fcber zwei Jahre Vorbereitungsarbeit. \u201eDas Team motiviert mich und als Energietechniker ist das genau mein Gebiet!\u201c<\/p>\n<p>Die Simulation kennt jeden Meter der Strecke mit Ampeln, Kreuzungen und Abzweigungen. Alles fein s\u00e4uberlich von Martin bei Street View abgegangen und im Code dokumentiert. In Zukunft soll das Programm den Energieverbrauch optimieren. Nur wenn die verf\u00fcgbare Leistung auch an bew\u00f6lkten Tagen optimal ausgenutzt wird, kann das Auto das Rennen in Bestzeiten fahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Auto, 40 Aachener Studierende, 3022 km quer durch das australische Outback. 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