{"id":1041,"date":"2017-09-11T11:55:43","date_gmt":"2017-09-11T09:55:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/?p=1041"},"modified":"2017-09-11T11:55:43","modified_gmt":"2017-09-11T09:55:43","slug":"endlich-praezise-ueber-die-weltmeere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/endlich-praezise-ueber-die-weltmeere\/","title":{"rendered":"Endlich pr\u00e4zise \u00fcber die Weltmeere"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1041 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1041')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1041').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Wir freuen uns!<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1042 aligncenter\" src=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2017\/08\/John-Harrison-300x217.jpg\" alt=\"\" width=\"749\" height=\"542\" srcset=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2017\/08\/John-Harrison-300x217.jpg 300w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2017\/08\/John-Harrison-768x555.jpg 768w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2017\/08\/John-Harrison-1024x740.jpg 1024w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2017\/08\/John-Harrison.jpg 1277w\" sizes=\"auto, (max-width: 749px) 100vw, 749px\" \/><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Wer war eigentlich John Harrison? Die spannende Geschichte eines Uhrmachers, der die Seefahrt revolutionierte, indem er das L\u00e4ngengradproblem l\u00f6ste. Der frustrierende Wettkampf gegen einen m\u00e4chtigen Feind und das Ringen um ein Preisgeld.<\/strong><\/p>\n<p>Er wird am 24. M\u00e4rz 1693 geboren, ist Tischler, Erfinder und autodidaktischer Uhrmacher: John Harrison. Mitte des 18. Jahrhunderts l\u00f6st er das L\u00e4ngengradproblem: Als Erster macht der Engl\u00e4nder das Objekt Uhr seetauglich. Das f\u00fcr die Navigation noch ungew\u00f6hnliche Hilfsmittel erm\u00f6glicht die zuverl\u00e4ssige Bestimmung der geografischen L\u00e4nge, was zuvor selbst f\u00fcr erfahrene Seeleute ein Problem war. Sein ganzes Leben entwickelt Harrison die Uhr weiter und tritt in einem frustrierenden Wettkampf gegen einen m\u00e4chtigen Feind und wissenschaftliche Eliten an, die seine Leistung nicht anerkennen wollen.<\/p>\n<p>22. Oktober 1707: Vier britische Kriegsschiffe kehren nach einer Seeschlacht zur\u00fcck nach England. Die Schlacht ist gewonnen, die Freude auf die Heimat gro\u00df. Aber die Orientierung ist verloren, die wahren Positionen der Schiffe sind anders als berechnet. Vor den Scilly-Inseln an der S\u00fcdwestspitze Englands laufen die Schiffe auf Grund. Auf einen Schlag sterben fast 2000 Seeleute. Die Regierungen der Seefahrernationen sind wachger\u00fcttelt. Es muss eine L\u00f6sung f\u00fcr das Navigationsproblem her, wenn n\u00f6tig mit Hilfe von Wettbewerben und ausgeschriebenen Preisgeldern.<\/p>\n<p>Ge\u00fcbte Seem\u00e4nner sind zur Zeit von Christoph Kolumbus (1451-1506) f\u00e4hig, den aktuellen Breitengrad ausreichend genau zu bestimmen. Sie nutzen den Sonnenstand oder bestimmen die H\u00f6hen von bekannten Sternen \u00fcber dem Horizont. Aber die Positionsbestimmung ist komplex: Komplizierte Beobachtungsinstrumente und pr\u00e4zise Messungen sind dabei n\u00f6tig. L\u00e4ngengrade lassen sich anschlie\u00dfend nur mit aufwendigen Berechnungen bestimmen.<\/p>\n<p>In der Folgezeit werden Breiten abgesegelt; oft ungewiss, ob man weiter nach Osten oder Westen man\u00f6vrieren soll. Schiffe verungl\u00fccken oder verlieren sich in den Weiten der Ozeane. Viele Menschen verhungern, verdursten und ertrinken. Der wirtschaftliche Schaden ist gro\u00df. Das britische Parlament schreibt 1714 einen legend\u00e4ren Preis aus: Im Longitude Act werden 20 000 Pfund f\u00fcr eine \u201epraktikable und n\u00fctzliche Methode\u201c versprochen, mit der eine genaue L\u00e4ngengradbestimmung m\u00f6glich ist. Ein einfacher Arbeiter lebt zu der Zeit von zehn Pfund im Jahr.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Uhrmacher und talentierten Feinmechaniker John Harrison ist klar, dass eine pr\u00e4zise seetaugliche Uhr die L\u00f6sung des L\u00e4ngengradproblems sein kann. Mit der mitgef\u00fchrten Zeit des Heimathafens \u2013 etwa der Greenwich-Zeit \u2013 und mit der Ortszeit auf See, die die Seeleute nach herk\u00f6mmlichen Verfahren bestimmen, ist die Position schnell auszumachen. Die Zeitdifferenz l\u00e4sst sich in einen Drehwinkel der Erde umrechnen, die L\u00e4nge bezogen auf Greenwich damit feststellen. Ist die auf dem Schiff bestimmte Ortszeit zum Beispiel drei Stunden hinter der Greenwich-Zeit, so befindet sich die Mannschaft 45 Grad westlich vom Nullmeridian. Denn pro Stunde dreht sich die Erde best\u00e4ndig um 15 Grad weiter.<\/p>\n<p>Harrison t\u00fcftelt \u00fcber Jahre an Pr\u00e4zisionszeitmessern. Er ist der Erfinder des Bimetall-Streifens und verwendet in seinen Uhren neuartige Mechanismen und Federn, die den Rhythmus vorgeben. Manche Konstruktionen m\u00fcssen nicht mehr ge\u00f6lt werden und laufen w\u00e4hrend des Aufziehens konstant weiter. Sie trotzen Temperaturschwankungen und Ersch\u00fctterungen auf See. 1759 pr\u00e4sentiert Harrison der L\u00e4ngengradkommission seine vierte und ber\u00fchmteste Konstruktion \u2013 die H4. Mit knapp drei Pfund Gewicht und einem Durchmesser von 13,2 Zentimetern ist sie besonders kompakt.<\/p>\n<p>Viele Gelehrte stehen Harrisons Idee kritisch gegen\u00fcber. Nur Himmel und Sterne k\u00f6nnen und sollen den Weg weisen, so die Meinung der Mehrheit. Als verhasster Feind steht Harrison der Brite Nevil Maskelyne gegen\u00fcber, der eine Monddistanz-Methode f\u00fcr die Navigation entwickelt: Auch mit vorausberechneten Abst\u00e4nden zwischen Mond, Sonne und Erde f\u00fcr bestimmte Uhrzeiten lassen sich Positionen bestimmen. Das Verfahren ist jedoch aufwendig und erfordert neben akkuraten Messungen viel Zeit f\u00fcr Berechnungen.<\/p>\n<p><strong>Nur f\u00fcnf Sekunden verloren<\/strong><\/p>\n<p>Die erste gro\u00dfe Testfahrt f\u00fchrt die H4 1762 \u00fcber den Atlantik nach Port Royal. Kommissionsvertreter John Robinson stellt die lokale Ortszeit mit seinen Messinstrumenten fest und erkennt, dass die Uhr w\u00e4hrend der 81-t\u00e4gigen Atlantik\u00fcberquerung nur f\u00fcnf Sekunden verloren hat. Bei einer zweiten Erprobungsfahrt l\u00e4sst sich die geografische L\u00e4nge auf zehn Meilen genau bestimmen; die Pr\u00e4zision ist damit dreimal so hoch, wie vom Longitude Act gefordert. Was f\u00fcr ein Erfolg!<\/p>\n<p>Harrison m\u00fcsste den Preis direkt erhalten. Aber alles kommt anders. Statt 20 000 Pfund bekommt er 1500 Pfund. Die Kommission w\u00fcrdigt die Leistung kaum und verkennt den Nutzen der neuen Idee. Es folgt ein bitterer Schlag: 1765 ist es Maskelyne, der zum neuen k\u00f6niglichen Astronom gek\u00fcrt und nun \u2013 als Mitglied der Kommission \u2013 damit beauftragt ist, Harrisons Uhren zu testen.<\/p>\n<p>Den k\u00f6niglichen Astronom interessiert seine eigene Navigationsmethode aber viel mehr: Ab 1765 ver\u00f6ffentlicht er insgesamt 49 Ausgaben seines schon zu Lebzeiten ber\u00fchmten astronomischen Jahrbuchs \u201eNautical Almanac\u201c, in dem die Seeleute berechnete Monddistanzen finden.<\/p>\n<p>In \u201eL\u00e4ngengradgesetzen\u201c \u00e4ndert die Kommission die Regeln des Wettbewerbs mehrfach zu Ungunsten Harrisons ab und nutzt seine Gutm\u00fctigkeit aus. 1730 beugt er sich der Aufforderung, den Zusammenbau seines ersten Zeitmessers kleinschrittig vorzutragen. Sp\u00e4ter soll er alle gefertigten Chronometer abgeben und weitere bauen \u2013 ohne seine Baupl\u00e4ne, die die Kommission bereits an sich gerissen hat.<\/p>\n<p>Ab und zu erh\u00e4lt Harrison geringe finanzielle Zuwendungen, auf die er mittlerweile angewiesen ist. Er verzweifelt zunehmend. Maskelyne steht pl\u00f6tzlich unangek\u00fcndigt vor Harrisons T\u00fcr mit einem Erlass der Kommission. Zornig muss der \u00dcberraschte mit ansehen, wie seine Uhren in Beschlag genommen und rabiat aus dem eigenen Haus abtransportiert werden.<\/p>\n<p>Harrisons Sohn William bittet 1772 den englischen K\u00f6nig George III., die neueste Uhr seines gesundheitlich angeschlagenen Vaters \u2013 bereits die H5 \u2013 zu erproben. Der K\u00f6nig stimmt zu und l\u00e4sst den Zeitmesser an der Sternwarte zehn Wochen lang testen. Das Resultat l\u00e4sst heute noch staunen: Nur eine Drittelsekunde verliert die H5 pro Tag. K\u00f6nig George gibt einen langersehnten Lichtblick: \u201eHarrison, ich werde daf\u00fcr sorgen, dass Ihr zu Eurem Recht kommt!\u201c Der K\u00f6nig verteidigt die Uhr nun vor den Verfechtern der Monddistanz-Methode. Harrison appelliert an die Minister des Parlaments und tr\u00e4gt seinen Wunsch nach Anerkennung vor. Die Wettbewerbskommission bleibt stur, vom Parlament aber erh\u00e4lt er knapp das restliche Preisgeld. Es ist ein schwacher Trost. Maskelyne reibt sich indessen die H\u00e4nde \u2013 die Bedingungen f\u00fcr den L\u00e4ngengradpreis werden erneut versch\u00e4rft. Und der offizielle Preis wird nie vergeben.<\/p>\n<p>Mehr und mehr Seefahrer aber lassen sich vom gro\u00dfen Nutzen der Chronometer \u00fcberzeugen. James Cook f\u00fchrt auf seiner zweiten Reise 1772 eine Kopie von Harrisons H4 mit und berichtet begeistert: \u201eDie Uhr war unser treuer F\u00fchrer durch alle Widrigkeiten des Klimas.\u201c Harrisons Idee gibt den Takt weiter vor und erobert die Welt mit der Seefahrt. Der Autodidakt begr\u00fcndet mit seinen Pr\u00e4zisionszeitmessern das Feinmechanikhandwerk in England, das bei der industriellen Revolution eine Schl\u00fcsselrolle spielt. Es ist ein Grundstein f\u00fcr die heutige wirtschaftliche Macht Europas in der Welt.<\/p>\n<h5><strong>INFOS<\/strong><\/h5>\n<ul>\n<li>Geboren wurde John Harrison am 24. M\u00e4rz 1693 und dann getauft am 31. M\u00e4rz in Foulby im britischen Yorkshire. Der gelernte Tischler war ein Autodidakt und talentierter Feinmechaniker. Schon zu Lebzeiten galt er unter Uhrmachern als Genie. Seine Erfindungen sind auch heute wichtige Bestandteile moderner Chronometer \u2013 zum Beispiel die Bimetall-Streifen oder der \u201eGrasshopper\u201c-Taktgeber-Mechanismus. Harrison heiratete zwei Mal und war Vater dreier Kinder. Am 24. M\u00e4rz 1776 starb er in London.<\/li>\n<li>Mit dem \u00c4quator bietet die Natur eine besondere Referenz f\u00fcr die geografische Breite an: Auf dieser Linie sind die Abst\u00e4nde zur Drehachse der Erde maximal. F\u00fcr die L\u00e4ngengrade gibt es keine solche ausgezeichnete Linie. Erst 1884 einigen sich 26 Nationen auf der Meridiankonferenz in Washington, D.C., darauf, dass die Referenzlinie f\u00fcr die L\u00e4ngengrade \u2013 der Nullmeridian \u2013 durch das englische Greenwich verlaufen soll. Es ist vor allem ein Verm\u00e4chtnis Nevil Maskelynes, der f\u00fcr seine Monddistanz-Berechnungen immer Greenwich als Referenz w\u00e4hlt, den Ort der k\u00f6niglichen Sternwarte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erneut hat es ein Text von unserem \u201eOberseminaler&#8220; Jonas van Bebber in die AZ\/AN geschafft. Wir freuen uns! Wer war eigentlich John Harrison? 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