{"id":1083,"date":"2018-08-15T12:22:41","date_gmt":"2018-08-15T10:22:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/?p=1083"},"modified":"2018-08-15T12:22:41","modified_gmt":"2018-08-15T10:22:41","slug":"es-geht-mir-gut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/es-geht-mir-gut\/","title":{"rendered":"Es geht mir gut"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1083 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1083')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1083').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Nach einer schnellen Dusche, renne ich zum Bus. Endlich schaffe ich es mal rechtzeitig zur Arbeit. Neben der Firma gibt es einen B\u00e4cker, da hole ich mir mein Fr\u00fchst\u00fcck. Zuhause habe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gefr\u00fchst\u00fcckt. Die Faulheit siegt, au\u00dferdem esse ich nicht gerne allein. Beim B\u00e4cker gibt es den zweiten Kaffee und dann geht es mit dampfendem Becher und Donut auf die Arbeit. Im B\u00fcro ist kaum jemand. Vielleicht sind heute alle krank oder\u00a0 unterwegs. Im Moment nehmen viele Urlaub, um mit ihren Familien die Feiertage zu genie\u00dfen. Ich habe nicht einmal eine Freundin.<\/p>\n<p><em>Ich warte auf dich.<\/em><\/p>\n<p>Ich bin wieder im Bus, aber mir ist schlecht. Alleinsein bekommt mir eben nicht. Es k\u00f6nnte nat\u00fcrlich auch an dem Auflauf von letzter Woche liegen, den ich mir heute Mittag aufgew\u00e4rmt habe. Hoffentlich ist es nichts Ernstes. Ich kann gut darauf verzichten, krank zu werden. Mein Gro\u00dfvater ist an einer Lebensmittelvergiftung gestorben, vielleicht sollte ich vorsichtiger sein. Na, dann gibt es heute Abend eben eine H\u00fchnersuppe beim Fernsehen und ich gehe fr\u00fch ins Bett.<\/p>\n<p><em>Ich habe mich schon auf dich gefreut.<\/em><\/p>\n<p>Jetzt bin ich doch vor dem Fernseher versackt. Es ist schon halb eins und ich kann mich nicht aufraffen, die Kiste auszuschalten. Die Suppe steht kalt in der Mikrowelle. Ich habe sie dort vergessen. Was f\u00fcr eine sch\u00f6ne Metapher \u2013 durch mein eigenes Versagen, bleibt mir sogar das kleinste Gl\u00fcck verwehrt. Auch auf der Arbeit, trete ich seit Monaten auf der Stelle. Wenn ich jetzt krank werde, verliere ich schon wieder einen Job und ich kann es meinem Chef nicht mal \u00fcbelnehmen.<\/p>\n<p><em>Ich sehe, du hast mich nicht vergessen.<\/em><\/p>\n<p>Ich schaffe es erst um drei Uhr ins Bett zu gehen. Meine Augen brennen, weil ich stundenlang auf den Fernseher gestarrt habe. Migr\u00e4ne gesellt sich zu der \u00dcbelkeit. Mit jedem Pochen meines Herzens str\u00f6mt das Blut schmerzhaft durch meine Schl\u00e4fen. Der Mond scheint stechend hell durch mein ge\u00f6ffnetes Fenster. Die Furcht, die mir der Vollmond als Kind bereitet hat, habe ich bis heute nicht vergessen. Ein riesiges Auge am Himmel, das mich unentwegt beobachtet. Damals habe ich mich unter meine Decke gekauert und starr vor Angst dagelegen. Auch jetzt w\u00fcrde ich mich am liebsten verkriechen.<\/p>\n<p><em>Du siehst so friedlich aus, wenn du schl\u00e4fst. Ich liebe deine Albtr\u00e4ume.<\/em><\/p>\n<p>Die Stunden schleichen qu\u00e4lend langsam dahin, bis ich endlich einschlafe. In meinem Traum stehe ich vor einem K\u00e4fig, in dem der Hund meines Nachbarn eingesperrt ist. Sein Lefzen zucken mordlustig und ich bete, dass er das offene Tor hinter sich nicht bemerken wird. Ich drehe mich um und sein Knurren hallt aus der Dunkelheit wieder. Es schwillt zu einer unertr\u00e4glichen Melodie an. Ich sp\u00fcre seinen feuchtwarmen Atem in meinem Nacken. Schwei\u00dfgebadet wache ich auf. Mir ist eiskalt. Es ist sechs Uhr morgens.<\/p>\n<p><em>Ich habe einen sch\u00f6nen Ort ausgew\u00e4hlt. Du kennst ihn gut.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich liege schon seit einer halben Stunde wach und kann mich nicht bewegen. Jeder Schatten jagt mir einen kalten Schauer \u00fcber den R\u00fccken. Die Schwei\u00dfausbr\u00fcche h\u00f6ren nicht auf und ich zittere am ganzen K\u00f6rper. Der Wind schl\u00e4gt mein Fenster zu und das Ger\u00e4usch l\u00e4sst mich heftig zusammenzucken. Endlich schaffe ich es, mich aus meiner klatschnassen Decke zu sch\u00e4len. Ich f\u00fchle mich schlimmer, als nach einer Nacht auf Heroin. Ich beschlie\u00dfe, mich zu waschen und zum Arzt zu gehen. Mit schlurfenden Schritten gehe ich\u00a0unter die Dusche &#8211; die Badewanne habe ich noch nie benutzt &#8211; aber das Wasser ist ausgefallen. Nachdem ich mich in die K\u00fcche geschleppt habe, f\u00e4llt mir auf, dass es ohne Wasser auch keinen Kaffee gibt. Mein Kopf dr\u00f6hnt bei dem Gedanken, ohne Koffein auskommen zu m\u00fcssen, bis ich mich um einen Handwerker gek\u00fcmmert habe. In der Stille kann ich h\u00f6ren, wie mein Nachbar seine Dusche anstellt.<\/p>\n<p><em>Lass dir ruhig Zeit.<\/em><\/p>\n<p>Nachdem ich mir m\u00fchsam eine Jogginghose \u00fcbergezogen habe, will ich mich auf den Weg machen, aber die T\u00fcr ist verschlossen. Ich kann mich nicht erinnern, sie letzte Nacht abgeschlossen zu haben. Meine H\u00e4nde fangen an zu zittern und ich kann es nicht unterdr\u00fccken. Mit unsicheren Schritten gehe ich zur Garderobe, um nach meinem Schl\u00fcssel zu suchen. Der Rei\u00dfverschluss der Jackentasche ist offen. Als ich hineingreife, geht das Licht aus.<\/p>\n<p><em>Kannst du das Kribbeln sp\u00fcren?<\/em><\/p>\n<p>Ich habe den Schl\u00fcssel nicht gefunden. Jemand ist in meiner Wohnung, ich wei\u00df es. Ich wage es nicht, zum Sicherungskasten zu gehen, um das Licht wieder einzuschalten. Verkrampft kauere ich in meinem Versteck hinter den Jacken. Zwischen meinen unterdr\u00fcckten Schluchzern h\u00f6re ich leise scharrende Schritte. Ich muss an meine Schwester denken. An den Tag, an dem sie mir mit aufgerissenen Augen erkl\u00e4rte, dass sie verfolgt wird. Ich habe sie damals beruhigt, aber nicht ernst genommen. Vielleicht h\u00e4tte ich das tun sollen.<\/p>\n<p><em>Ich musste lange auf dich warten.<\/em><\/p>\n<p>Ich stehe im Bad. Ich kann mich nicht erinnern, wie ich hierhergekommen bin. Die Badewanne starrt mich an und ich starre zur\u00fcck. Ich habe sie nie benutzt, weil ich damals meine Schwester in unserer Wanne gefunden habe. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie absurd der Anblick auf mich wirkte. Besonders die Farben.<\/p>\n<p><em>Siehst du wie sch\u00f6n es hier ist?<\/em><\/p>\n<p>Die Rasierklinge f\u00e4llt aus meinen schwachen Fingern. Mein Blickfeld verengt sich langsam. Ich warte auf die ersehnte Entspannung &#8211; vergeblich. Die Paranoia bleibt bis ganz zum Schluss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matthias Cherek: Es geht mir gut &nbsp; Entstanden ist der Text im Wintersemester 2017\/2018 in unserem Oberseminar Texte in Arbeit. &nbsp; Ich m\u00f6chte, dass du mit mir stirbst. 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