{"id":1197,"date":"2018-09-19T12:08:50","date_gmt":"2018-09-19T10:08:50","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/?p=1197"},"modified":"2018-09-18T13:10:02","modified_gmt":"2018-09-18T11:10:02","slug":"aachens-erster-insektenburger-ueberraschend-saftig-und-nussig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/aachens-erster-insektenburger-ueberraschend-saftig-und-nussig\/","title":{"rendered":"Aachens erster Insektenburger &#8211; \u00fcberraschend saftig und nussig"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1197 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1197')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1197').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Na, was denn probieren? Ihr Blick schweift vom Papier-Schildchen zu den kleinen braunen St\u00fcckchen, die jeweils von einem Holzst\u00e4bchen durchstochen sind. \u201eDeutschlands erster Insektenburger\u201c, steht gro\u00dfgeschrieben dar\u00fcber. Die Augen der Frau weiten sich, unsicher macht sie einen Schritt zur\u00fcck. Ein letztes Mal blickt die Dame auf die Probest\u00fccke, bevor sie sich angewidert sch\u00fcttelt und in Richtung Kasse fl\u00fcchtet.<\/p>\n<div id=\"attachment_1199\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2018\/09\/Insektenburger_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1199\" class=\"size-medium wp-image-1199\" src=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2018\/09\/Insektenburger_2-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2018\/09\/Insektenburger_2-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2018\/09\/Insektenburger_2-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2018\/09\/Insektenburger_2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2018\/09\/Insektenburger_2.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1199\" class=\"wp-caption-text\">DEUTSCHLAND, KOELN, 09.10.2017, ifood conference 2017 auf der ANUGA, Boris Oezel und Max Kraemer \u00a9 Joerg Sarbach<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Larven des Getreideschimmelk\u00e4fers haben den Weg in die Aachener Superm\u00e4rkte gefunden. Seit April dieses Jahres verkauft Rewe Reinartz in seinen beiden Filialen in Eilendorf und an der L\u00fctticher Stra\u00dfe den Insektenburger. Zwar greift nicht jeder Kunde zur neuen Rindfleisch-Alternative. Dennoch: Schon nach wenigen Wochen war der Burger ausverkauft. Allerdings vergingen Jahre der Entwicklung und T\u00fcftelei, bevor die Larven-Bulette in der K\u00fchltruhe landen konnte.<\/p>\n<p>Die Geschichte beginnt im Jahr 2013 in S\u00fcdostasien: Baris \u00d6zel schlendert mit seinem Sandkastenfreund Max Kr\u00e4mer durch die Stra\u00dfen Bangkoks. Vorbei an H\u00e4ndlern, die ihre Ware am Stra\u00dfenrand verkaufen. Der Duft gebratenen Essens liegt in der Luft. Vor einem Stra\u00dfenh\u00e4ndler halten sie an und blicken in eine Pfanne, randvoll gef\u00fcllt mit Insekten. Die zwei Urlauber sind neugierig, probieren die kleinen Tierchen. \u201eEs \u00fcberkam uns\u201c, sagt \u00d6zel sp\u00e4ter. \u201eObwohl nicht alles schmeckte.\u201c Und so wird dieser Tag die beiden Freunde zu k\u00fcnftigen Gesch\u00e4ftspartnern machen. Zu den Erfindern des ersten Insektenburgers in Deutschland.<\/p>\n<p>Die Insektenzucht sei ein wichtiger Baustein zur nachhaltigen Nahrungssicherung, konstatiert die Ern\u00e4hrungsorganisation der Vereinten Nationen bereits vor f\u00fcnf Jahren. Im Vergleich mit der klassischen Rindfleischproduktion ben\u00f6tigen sie gerade einmal ein Zehntel der Futtermittel und produzieren ein Hundertstel der Treibhausgase, wirbt der Insektenburger auf seiner Verpackung. Besonders in Asien kommen Wurm und K\u00e4fer daher bereits jetzt t\u00e4glich auf den Tisch. Rund zwei Milliarden Menschen ern\u00e4hren sich weltweit von den krabbelnden Lebewesen \u2013 ein Drittel der Menschheit. Warum also nicht in Deutschland?<\/p>\n<p>Zu Beginn ist die Geschichte des Insektenburgers eine Geschichte des Scheiterns. \u00d6zel und Kr\u00e4mer, damals Studenten der Geographie und BWL, bestellen sich essbare Insekten im Internet. Der WG-Mixer soll die Tierchen in einen homogenen Klumpen verwandeln. Auf den Versuch folgt prompt die Entt\u00e4uschung: \u201eUnser Burger sah noch nicht gut genug aus\u201c, erkl\u00e4rt \u00d6zel. Mithilfe des deutschen Instituts f\u00fcr Lebensmitteltechnik gelingt schlie\u00dflich der Durchbruch: Der Insektenburger kommt im Oktober 2015 in zwei belgischen Gastronomiebetrieben auf die Speisekarte, die beiden Freunde gr\u00fcnden das Unternehmen \u201eBugfoundation\u201c. Ein Verkauf in Deutschland bleibt hingegen untersagt. Insekten sind kein Essen, hei\u00dft es. Eine Ausnahmegenehmigung und zahlreiche strenge Auflagen w\u00e4ren beim Verkauf zu beachten. Ein EU-weites Lebensmittelgesetz Anfang des Jahres 2018 \u00e4ndert diese Einstellung. Seitdem d\u00fcrfen auch hier die Krabbeltierchen verspeist werden. \u201eWir haben uns gefreut wie kleine Kinder\u201c, erinnert sich \u00d6zel. Der Weg f\u00fcr Deutschlands ersten Insektenburger war frei.<\/p>\n<p>Schnell wird die WG zu klein und die Larven-Zucht zum niederl\u00e4ndischen Unternehmen \u201eProtifarm\u201c ausgegliedert. Vier bis sechs Wochen liegen die W\u00fcrmchen dort zwischen tausenden Artgenossen in riesigen Beh\u00e4ltern herum. \u201eMassentierhaltung ist f\u00fcr die Larven das Paradies\u201c, erl\u00e4utert \u00d6zel. Schlie\u00dflich sei das ihr gewohnter Lebensraum, sagt er. Nach der Brutzeit werden die Larven in eine K\u00fchlkammer gebracht, wo sie in Schockstarre fallen und sterben. Ein W\u00e4rmebad soll anschlie\u00dfend die verbliebenden Keime abt\u00f6ten. Etwa tausend solcher Larven formen einen Burger-Patty.<\/p>\n<p>Zielgerichtet steuert ein dunkelhaariges M\u00e4dchen auf die Probest\u00fcckchen im Rewe-Markt zu. \u201eBitte probieren Sie\u201c, liest sie und blickt in die Truhe. Insekten also. Die Jugendliche z\u00f6gert kurz, greift dann aber zu. \u201eSchmeckt wie Falafel\u201c, sagt sie grinsend. Ob sie es kaufen w\u00fcrde? Das M\u00e4dchen nickt eifrig. N\u00e4chstes Mal vielleicht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2018\/09\/Insektenburger_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1200 alignleft\" src=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2018\/09\/Insektenburger_1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2018\/09\/Insektenburger_1-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2018\/09\/Insektenburger_1-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2018\/09\/Insektenburger_1-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Der Insektenburger, er schmeckt also. Zumindest waren sich darin sechs Tester und Testerinnen einig. \u201eWir haben den Fokus auf den Geruch und Geschmack gesetzt\u201c, erkl\u00e4rt Erfinder Baris \u00d6zel. Getreu dem Motto: Die Nase isst mit. Neben den Buffalow\u00fcrmern beinhaltet ein Patty unter anderem Soja, Tomatenmark, Ei, Zwiebeln und Gew\u00fcrze. Generell soll es ein hochwertiges und seri\u00f6ses Produkt sein, keine Mutprobe. \u201eEs ist eben kein Lutscher mit sichtbaren Insekten\u201c, betont \u00d6zel. Dschungelcamp und Insektenburger \u2013 das seien zwei v\u00f6llig verschiedene Welten, so der Entwickler.<\/p>\n<p>Und Erfolg scheint der Burger bisher auch zu haben. Die Tiefk\u00fchltruhe im Supermarkt an der L\u00fctticher Stra\u00dfe ist zur H\u00e4lfte gef\u00fcllt. Im April sah das noch anders aus. Der Aachener Supermarkt war der erste Markt bundesweit, der ernsthaftes Interesse an dem Insektenburger zeigte. Und folglich auch dessen erste Verkaufsst\u00e4tte in Deutschland \u2013 die Aufmerksamkeit dementsprechend hoch. Ausgerechnet am ersten April verk\u00fcndete das Unternehmen den Verkauf des neuen Produkts. Ein Aprilscherz? Fehlanzeige. \u201eDer eigentliche Scherz war, dass es kein Scherz war\u201c, erl\u00e4utert Bastian Neumann, Leiter der Filiale an der L\u00fctticher Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>400 Packungen wurden zur Premiere bestellt, innerhalb von zwei Wochen waren sie ausverkauft. \u201eEin \u00fcberragender Wert\u201c, erkl\u00e4rt Michael Reinartz, Betreiber der beiden Rewe-Filialen. Von tiefgek\u00fchlten Rindfleisch-Pattys w\u00fcrden hingegen gerade einmal f\u00fcnf bis sechs Packungen w\u00f6chentlich \u00fcber die Ladentheke rutschen. 5,99 Euro kostet eine Insekten-Packung: gef\u00fcllt mit zwei gro\u00dfen oder alternativ sechs kleinen Pattys. \u201eKlingt erstmal viel\u201c, sagt Neumann. \u201eLiegt aber im gehobenen Rindfleischniveau\u201c. Der Grund: Derzeit sind die Rohstoffpreise der Krabbeltierchen sehr hoch, die Insektenindustrie ist noch klein. Im September automatisiert Z\u00fcchter \u201eProtifarm\u201c seine Anlage \u2013 vielleicht der erste Schritt zu einem preiswerteren Burger.<\/p>\n<p>Der Erfolg in Aachen kommt aber nicht von ungef\u00e4hr. Mit Plakaten warb der Rewe anfangs massiv f\u00fcr das neue Produkt \u2013 am Templergraben, Ponttor, rund um die Universit\u00e4t und generell dort, wo sich Studierende aufhalten k\u00f6nnten. \u201eSie sind eine m\u00f6gliche Zielgruppe\u201c, meint Neumann.<\/p>\n<p>Inzwischen k\u00f6nnen jedoch nicht nur Aachener den Insektenburger im Supermarkt kaufen. Der gesamte Rewe S\u00fcd \u2013 mehr als hundert Filialen \u2013 sind nachgezogen. Auch dort komme der Burger \u00fcberdurchschnittlich gut an, berichten die Entwickler. Ganz ohne Werbung.<\/p>\n<p>Dennoch mag sich nicht jeder an Insekten im Lebensmittelbereich gew\u00f6hnen. Besonders in sozialen Netzwerken h\u00e4uft sich auch Kritik. \u201eEs ist f\u00fcr unsere Breitengrade nicht typisch\u201c, war mehrfach zu lesen. Michael Reinartz l\u00e4sst sich davon nicht beeindrucken. \u201eWas ist denn typisch? Blutwurst?\u201c, fragt er und runzelt die Stirn. \u201eWohl eher nicht.\u201c Schlie\u00dflich z\u00e4hle das vor allem bei den j\u00fcngeren Leuten keineswegs zu den Lieblingsspeisen. Der Erfolg gibt dem Rewe-Betreiber Recht.<\/p>\n<p>Bislang seien es vor allem j\u00fcngere Leute, die den Insektenburger probieren, erkl\u00e4rt Reinartz. Selbst der Filialleiter sieht \u00fcberrascht aus, als eine \u00e4ltere Dame anstandslos auf die Probest\u00fcckchen zusteuert. H\u00e4tte sie zu diesem Zeitpunkt gewusst, was genau dort ausliegt, dann w\u00e4re sie wie viele ihrer Vorg\u00e4nger an den W\u00fcrfelchen vorbeigehuscht, wird sie sp\u00e4ter zugeben. Doch sie probiert \u2013 unwissend. \u201eIch dachte, das sei Schokolade\u201c, lacht sie und bemerkt selbst: \u201eDas war es wohl nicht\u201c. Dass es stattdessen Insekten waren? \u201eSchmeckt man nicht\u201c, sagt sie. Denn der Insektenburger schmeckt \u00fcberraschend. \u00dcberraschend normal. Nussig und saftig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joel Teichmann: Revolution aus der Tiefk\u00fchltruhe &#8211; der Insektenburger Entstanden ist der Text im Sommersemester 2018 im Kurs Journalistisches Schreiben ver\u00f6ffentlicht in der AZ\/AN im Teil Lokales &nbsp; Revolution aus [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"c2c_always_allow_admin_comments":false,"footnotes":""},"categories":[1,37,8,43,20,25,7,42],"tags":[46,26,13,18,19,9,38,4,40,17,6,32,45,14,15,3],"class_list":["post-1197","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-journalistisches-schreiben","category-rwth","category-rwth-aachen","category-schreiben-im-beruf","category-schreiben-im-studium","category-veranstaltungen","category-zeitung","tag-aachener-zeitung","tag-barrierefreie-sprache","tag-beruf","tag-business","tag-business-writing","tag-christoph-leuchter","tag-journalismus","tag-kreativitat","tag-lektorat","tag-praxis","tag-presse","tag-redaktion","tag-rwth","tag-schreiben","tag-schreibkurs","tag-texten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1197","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1197"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1197\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1207,"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1197\/revisions\/1207"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1197"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1197"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1197"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}