{"id":658,"date":"2014-11-11T17:48:01","date_gmt":"2014-11-11T15:48:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/?p=658"},"modified":"2015-03-11T15:22:42","modified_gmt":"2015-03-11T13:22:42","slug":"zks-storys-der-auftakt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/zks-storys-der-auftakt\/","title":{"rendered":"ZKS Story &#8211; Der Auftakt"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_658 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_658')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_658').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Die neue Storyreihe des ZKS l\u00e4sst sich eher mit: Studentisch, kreativ und definitiv lesenswert beschreiben! In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden liefern wir euch ab sofort die sch\u00f6nsten Kurzgeschichten. Und das Beste: alles ist selbstverfasst von unseren Studierenden!<\/p>\n<p>&#8222;Der gef\u00e4hrlichste Flugabschnitt&#8220;, so hei\u00dft die erste unserer Kurzgeschichten von Amelie Bender.<\/p>\n<p>Also: Boarding started &#8211; wenn ihr bereit seid, geht&#8217;s los!<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Der gef\u00e4hrlichste Flugabschnitt<\/strong><\/p>\n<p>\u201ePassagiere f\u00fcr den Flug AB4389 nach M\u00fcnchen bitte zu Gate 13, das Boarding startet jetzt.\u201c<\/p>\n<p>Aufgeregt stellte ich mich in die Schlange am Gate an und konnte es kaum erwarten der Stewardess mein Flugticket zu zeigen. Als ich schlie\u00dflich vorne stand, h\u00e4tte ich es vor Aufregung fast fallen gelassen. Die Stewardess l\u00e4chelte mich freundlich an, checkte mein Ticket und w\u00fcnschte mir einen guten Flug. Durch einen relativ langen Finger n\u00e4herte ich mich dann dem Flugzeug, das mich nach M\u00fcnchen bringen sollte: mein erster Zwischenstopp. Vor dem Eintreten ber\u00fchrte ich kurz mit den Fingern die wei\u00dfe Au\u00dfenwand, sie f\u00fchlte sich stabil und k\u00fchl an. Drinnen war der Flieger schon gut gef\u00fcllt: Deutsche, englische, sogar d\u00e4nische Wortfetzen drangen an mein Ohr. Neben mir auf den Pl\u00e4tzen 14b und c sa\u00df ein junges P\u00e4rchen, das vertr\u00e4umt aus dem Fenster starrte. Minuten sp\u00e4ter rollten wir zur Startbahn. Ich setzte mich gerade hin und versuchte mich auf die Stewardessen zu konzentrieren, die uns Passagiere auf die Sicherheitsvorkehrungen hinwiesen. Doch wir durften noch nicht abheben. Schnell schob ich mir noch ein Kaugummi gegen den Ohrendruck in den Mund und richtete meinen Blick auf die ausgeklappten Bildschirme, welche die Startbahn vor uns zeigten. Unz\u00e4hlige Signale blinkten am Boden. <em>Wer sollte denn da durchblicken? <\/em>Kurz darauf setzten wir uns in Bewegung, erst langsam, dann immer schneller. Die Sekunden zogen sich in die L\u00e4nge, der L\u00e4rm der Turbinen dr\u00f6hnte in meinen Ohren und das Fahrbahnende kam be\u00e4ngstigend schnell n\u00e4her. <em>Heb endlich ab! <\/em>Der Pilot schien auf meine \u00c4ngste geh\u00f6rt zu haben, denn in diesem Moment hob sich die Nase des Fliegers und ich sp\u00fcrte, wie ich in meinen Sitz gedr\u00fcckt wurde. So schnell, als wollte ich ein Wettessen gewinnen, kaute ich auf meinem Kaugummi herum, schob es von einer Mundseite zur anderen und starrte auf den blauen Himmel auf dem Bildschirm. Ich hasste das Gef\u00fchl von einer scheinbar unsichtbaren Macht in den Sitz gedr\u00fcckt zu werden, ich hasste den Druck auf den Ohren und vor allem hasste ich die Ungewissheit, ob wir den Abflug schaffen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Hatte ich aus dem Augenwinkel gerade einen Vogel am Fenster vorbeifliegen sehen? <\/em>Pl\u00f6tzlich ruckelte der Flieger samt Inventar, Crew und Passagieren. \u00c4ngstlich dr\u00fcckte ich gegen meine R\u00fcckenlehne, doch sie hielt stand, sie war nicht abgerissen. Auch der Sitz schien noch fest am Boden montiert und versuchte mir Halt zu geben. Dennoch war der Ruck nicht nur mir durch Mark und Bein gefahren. Wirre Wortfetzen drangen an mein Ohr. Kinder schrien. Irgendwo klingelte leise ein Wecker, den ein Gast wohl im Handgep\u00e4ck verstaut hatte. Erneut durchfuhr mich ein Ruck. Bildete ich mir das nur ein oder h\u00f6rte sich die Turbine an meiner Seite irgendwie ungesund? Ein Blick aus dem Fenster konnte mir jedoch nicht helfen, denn drau\u00dfen herrschte grauer Einheitsbrei. <em>Wo ist das sch\u00f6ne Wetter hin? <\/em>Schnell wandte ich den Blick ab und rutschte unruhig in meinem Sitz hin und her. Auch wenn ich drau\u00dfen nichts hatte erkennen k\u00f6nnen, das Gef\u00fchl in meinem Bauch trieb mir den Schwei\u00df auf die Stirn. Mit feuchten H\u00e4nden umklammerte ich die Lehne und starrte auf den Bildschirm. <em>Sind wir noch schnell genug? <\/em>Allerdings zeigte der Bildschirm weder unsere Geschwindigkeit noch unsere H\u00f6he an. Mein Atem rasselte als w\u00fcrde ich pers\u00f6nlich hinter dem Flugzeug herlaufen und es anschieben. Mein Gef\u00fchl sagte mir, dass wir immer langsamer wurden. War es daf\u00fcr nicht noch viel zu fr\u00fch? Wir konnten unsere Flugh\u00f6he noch nicht erreicht haben. Wieder ruckelte es. Ich wurde heftig im Sitz hin und her gerissen, stie\u00df mit dem Kopf gegen die Kabinenwand und sah erstmal gar nichts mehr. Tr\u00e4nen schossen mir in die Augen, w\u00e4hrend ich nach der Wunde tastete. Um mich herum schrien die Menschen. \u201eWir st\u00fcrzen ab!\u201c Noch bevor mein Kopf die Worte verarbeiten konnte, reagierte mein Bauch. Mein Fr\u00fchst\u00fcck widersetzte sich der Natur und bewegte sich wie eine Lawine meine Speiser\u00f6hre bergauf, denn wir verloren an H\u00f6he. Schnell. Zu schnell. Ich presste meine Lippen aufeinander. Durch den Tr\u00e4nenschleier blitzte es rot auf. Irgendwas Hartes streifte meine Schulter. Ich klammerte mich mit aller Kraft an den Sitz. Der Sicherheitsgurt bohrte sich in meinen Bauch. Der L\u00e4rm schwoll an. Bis alles in einem ohrenbet\u00e4ubenden Erdbeben unterging und schwarz wurde.<\/p>\n<p>Der Wecker klingelte. Sofort sa\u00df ich aufrecht im Bett und schnappte nach Luft. Nachdem ich ein paar Mal tief eingeatmet und wieder ausgeatmet hatte, galoppierte mein Herz immer noch in meiner Brust. Der Flieger war nicht abgest\u00fcrzt, er war noch nicht einmal gestartet. Ich befand mich noch immer in meinem Bett in Hamburg. Ich g\u00f6nnte mir ein paar weitere Sekunden Erholung, bevor ich aufstand, um p\u00fcnktlich am Flughafen zu sein. So stand ich eine Viertelstunde sp\u00e4ter in der K\u00fcche und fr\u00fchst\u00fcckte eine Schale M\u00fcsli. Eigentlich hatte ich gar keinen Hunger vor lauter Aufregung, aber ohne Fr\u00fchst\u00fcck ging ich nie aus dem Haus. Da die Autobahn zu dieser fr\u00fchen Stunde noch kaum befahren war, kam ich schneller als gedacht ans Ziel. In der noch leeren Abflughalle suchte ich mir einen Platz in der N\u00e4he der Fenster und betrachtete die Flugzeuge vor der Scheibe, die im elektrischen Licht wie gro\u00dfe wei\u00dfe Kraniche strahlten. <em>Welches wohl mein Flieger sein w\u00fcrde? <\/em>Wie durch einen Nebelschleier nahm ich wahr, dass sich die Pl\u00e4tze um mich herum langsam f\u00fcllten. Allm\u00e4hlich begann es vor dem Fenster zu d\u00e4mmern, ungeduldig wippte ich mit den Beinen. Ich wei\u00df nicht mehr, wie oft ich auf die Uhr geschaut hatte, als endlich mein Flieger aufgerufen wurde: \u201ePassagiere f\u00fcr den Flug AB4389 nach M\u00fcnchen bitte zu Gate 13, das Boarding startet jetzt.\u201c<\/p>\n<p>Die Schlange am Gate war schon erstaunlich lang, als ich ihr Ende erreichte. Es gab immer genug Leute, die in der Gate-N\u00e4he nur darauf warteten, dass das Boarding begann und sie wie eine Horde wilder Pferde losst\u00fcrmen konnten. Als ich den Kopf der Schlange bildete, zeigte ich mit zittriger Hand dem Bodenpersonal mein Ticket. Die junge Frau l\u00e4chelte mich an, checkte das Ticket und w\u00fcnschte mir einen guten Flug. Ein langer Finger f\u00fchrte mich und die anderen Passagiere zum Flieger. Dieser stand sicher auf dem Boden und wies keine gro\u00dfen Makel auf, wie ich feststellte, als ich seine Au\u00dfenwand kurz ber\u00fchrte. Dennoch war ich unsicher, als ich durch die T\u00fcr eintrat. Ich atmete tief durch und ging zu meinem Sitz 14a. Ich schluckte, setzte mich hin und schnallte mich sofort an. <em>Es war nur ein Traum. <\/em>Mit feuchten H\u00e4nden verfolgte ich wie die Stewardessen die Sicherheitsvorkehrungen durchgingen, nachdem die T\u00fcren geschlossen worden waren, und starrte anschlie\u00dfend auf den ausgeklappten Bordbildschirm vor mir. Das Kaugummi, das ich mir in den Mund schob, hatte keine Chance gegen meine Z\u00e4hne, die zur Hochleistungsbearbeitung des Kaugummis ansetzen. Nebenbei versuchte ich gleichm\u00e4\u00dfig zu atmen und krallte die Finger doch in die Armlehnen. Wir rollten los, aber nur bis zum Ende der Startbahn, dort hielten wir erneut an. Wieder keine direkte Abflugerlaubnis. <em>Ich w\u00fcnschte, wir w\u00e4ren schon da. <\/em><\/p>\n<p>Dann setzte sich der gro\u00dfe, wei\u00dfe Vogel in Bewegung. Um mich abzulenken, stellte ich mir gerne vor, wie wir zuerst ein K\u00e4nguru, dann einen Leoparden und zuletzt einen Geparden \u00fcberholten, bevor das Flugzeug schlie\u00dflich abhob. Parallel zu meinem Gedankenspiel hob sich die Nase des Flugzeugs und wir hoben tats\u00e4chlich ab. Die gef\u00e4hrliche, unsichtbare Macht presste mich in die Polster. Ich schob das Kaugummi von einer Backe in die andere &#8211; Au\u00dfenstehende h\u00e4tten meinen k\u00f6nnen, ein Flummi w\u00fcrde in meinen Backen hin und her springen. Gleichzeitig dachte ich im Gleichtakt mit meinem Atem: <em>einatmen, ausatmen<\/em>. Es ruckelte. <em>Bitte nicht schon wieder. <\/em>Es ruckelte noch einmal. Ich kniff die Augen zu und wartete auf Schreie, doch das Flugzeug beruhigte sich wieder etwas. Weitere Minuten wurden wir leicht durchgesch\u00fcttelt, bevor der Himmel das Flugzeug aufnahm und wir uns ungest\u00f6rt vorw\u00e4rts bewegen konnten. Ich hingegen entspannte mich wesentlich langsamer. Erst nachdem die<\/p>\n<p>Anschnallsignale ausgeschaltet wurden und der Pilot uns begr\u00fc\u00dft hatte, beendete mein Herz seinen Sprint. Wir hatten einen der gef\u00e4hrlichsten Flugabschnitte \u00fcberstanden: den Start. Das M\u00e4dchen neben mir l\u00e4chelte mich mitf\u00fchlend an.<\/p>\n<p>\u201eKeine Angst, der Flug ist nicht lang. Wir sind schneller wieder unten, als du denkst.\u201c<\/p>\n<p>Das waren nicht gerade die Worte, die mich aufmunterten.<\/p>\n<p>\u201eIch glaube, die Stewardess wird unsere Reihe besonders betreuen m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Sie wies auf die zwei jungen Frauen auf der anderen Seite des Gangs. Die Gesichtsfarbe der Rothaarigen war k\u00e4sig, dennoch starrte sie mit funkelnden Augen auf den Bildschirm vor ihr. Ihre Sitznachbarin hingegen hatte keinen Blick \u00fcbrig f\u00fcr das Geschehen au\u00dferhalb des Fliegers, da ihr Kopf in einem Spuckbeutel steckte. Sie machte jedoch keine Ger\u00e4usche. Ich l\u00e4chelte meine Nachbarin an und erz\u00e4hlte ihr mit leiser Stimme von meinem Traum der letzten Nacht. Sie beruhigte mich, dass es nur ein Traum gewesen sei und wir sicherlich gut in M\u00fcnchen landen w\u00fcrden. Ich nickte. Dann wandte sie sich ihrem Freund zu, der auf ihrer anderen Seite sa\u00df, und gemeinsam betrachteten sie breit l\u00e4chelnd die Wolkenformationen vor dem Fenster. Mit den gro\u00dfen Wolkenbergen wollte ich mich jetzt lieber nicht befassen. Mit Wolken verband ich Turbulenzen und an die wollte ich gerade definitiv nicht denken.<\/p>\n<p>Also nahm ich mir meinen Australien Reisef\u00fchrer aus der Sitztasche und bl\u00e4tterte ziellos hin und her. Ich wusste, dass ich mich nicht mit meiner Angst besch\u00e4ftigen sollte. Es w\u00fcrde nur schlimmer werden. Dahingegen stellte der Reisef\u00fchrer etwas Sch\u00f6nes dar, denn er sollte mir helfen das n\u00e4chste Jahr in Australien gl\u00fccklich zu leben. Mein Blick blieb an einem Bild, der gef\u00e4hrlichsten Spinne der Welt h\u00e4ngen, die in Australien lebte. Ich wusste \u00fcber die Gefahren Bescheid, die dieses Land barg: angefangen bei den giftigen Z\u00e4hnen der Spinnen und Schlangen bis zu den kr\u00e4ftigen F\u00e4usten der roten Riesenk\u00e4ngurus. Dennoch f\u00fcrchtete ich mich weniger vor der Natur als vor dem Ungewissen. <em>Wie wird mein Leben dort aussehen? <\/em>Ich allein am anderen Ende der Welt ohne einen Plan f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr? Das war nicht meine Art, aber ich wollte etwas Neues wagen und au\u00dferdem wollte ich schon so lange mal nach Australien, in mein Traumlandparadies.<\/p>\n<p>Die Stewardess riss mich aus meinen Tr\u00e4umen, als sie neben mir mit Papiert\u00fcten raschelte. Erleichtert vernahm ich aber weiterhin keinen unangenehmen Geruch. Das M\u00e4dchen auf der anderen Seite des Gangs hatte die Papiert\u00fcte im Scho\u00df liegen und hielt ein Glas Wasser mit beiden H\u00e4nden fest umklammert. Nachdem die Stewardess weitergegangen war, bot ich ihr meinen Reisef\u00fchrer zum Ablenken an \u2013 ich hatte schlie\u00dflich noch genug Zeit ihn w\u00e4hrend meiner Fl\u00fcge zu lesen. L\u00e4chelnd nahm sie ihn entgegen. Wir redeten kurz \u00fcber unsere Reiseziele, bevor sie sich dem Buch zuwendete.<\/p>\n<p>Ich schloss die Augen und dachte an mein Ziel. Ein leichter Wind wehte. Ich roch das Salz des Meeres, sp\u00fcrte den warmen Sand unter meinen F\u00fc\u00dfen und f\u00fchlte die wohlig warme Sonne auf meiner Haut. Dann nahm der Wind zu, zerrte an meiner Kleidung und schleuderte mir meine vom Salz verkrusteten Haare ins Gesicht. Ich roch Feuer. Schnell riss ich die Augen auf, bevor mein Tagtraum komplett au\u00dfer Kontrolle geriet.<\/p>\n<p>Vorsichtig schnupperte ich. Kein Feuer, aber es roch nach verbranntem Toast und der Wind war auch nicht ertr\u00e4umt, es ruckelte schon wieder. Ich atmete tief ein und wagte einen Blick aus dem Fenster.<\/p>\n<p>Das h\u00e4tte ich besser bleiben gelassen. Es hatte sich nicht nur zugezogen, es war pechschwarz drau\u00dfen. Wir flogen mitten durch ein Gewitter. Die Anschnallsignale blinkten schlagartig auf, was f\u00fcr mich keine Handlung bedeutete &#8211; ich war noch angeschnallt. Wieder krallte ich meine Finger in die Sitzlehnen, die meine Sitznachbarin gl\u00fccklicherweise nicht ben\u00f6tigte, da ihr Freund ihre H\u00e4nde in den seinen hielt. Wir wurden durchgesch\u00fcttelt. Es nahm \u00fcberhaupt kein Ende. Jeder Blick aus dem Fenster hielt mir vor Augen, dass noch keine Besserung in Sicht war. Dann musste sich selbst noch die Crew hinsetzen. Am liebsten h\u00e4tte ich aufgeschrien. Warum war ich ausgerechnet heute bei diesem Wetter in das Flugzeug gestiegen? Vielleicht h\u00e4tte ich meinen Traum als Omen sehen sollen? Nein, ich war nicht abergl\u00e4ubisch. Eigentlich passierte bei Turbulenzen in der Luft auch nur \u00e4u\u00dferst selten was. Start und Landung waren viel gef\u00e4hrlicher. <em>Einatmen, ausatmen<\/em>. Neben mir knisterte es. Ich entdeckte braune Haare, die aus einer Papiert\u00fcte zu wachsen schienen. Die Rothaarige neben ihr hatte ihr eine Hand auf den R\u00fccken gelegt, sah aber aus wie ein Zombie, genauso wie ich mich f\u00fchlte. Mein Reisef\u00fchrer befand sich in Sicherheit in ihrer Sitztasche, wo ich ihn allerdings nicht erreichen konnte, um mich abzulenken.<\/p>\n<p>Mein Traum w\u00fcrde sich erf\u00fcllen, in etwas mehr als einem Tag w\u00fcrde ich erstmals australischen Boden betreten. Ich freute mich auf die Erfahrungen, die Landschaft, die netten Australier \u2013 zumindest hatte ich schon von vielen geh\u00f6rt, wie hilfsbereit die Menschen dort waren. Pl\u00f6tzlich verloren wir ein paar Meter, fielen wie in ein Loch und mein Fr\u00fchst\u00fcck drohte mir aus meinem Magen. Ich schluckte, w\u00e4hrend ein paar Kinder weinten und ihre M\u00fctter versuchten sie zu tr\u00f6sten. Meine Fingern\u00e4gel bohrten sich wie Krallen in den Stoff der Lehnen und stie\u00dfen auf das Plastik darunter. Ich wusste, dass so ein Flugzeug stabil in der Luft lag; w\u00fcrde es hingegen zum Aufprall kommen, w\u00fcrde es wie ein Spielzeug zerbrechen. <em>Keine sch\u00f6ne Vorstellung. <\/em><\/p>\n<p>\u201eBitte bleiben Sie angeschnallt an Ihren Pl\u00e4tzen. Wir setzen nun zur Landung an und es kann turbulent werden.\u201c, ert\u00f6nte die Stimme des Co-Piloten aus den Lautsprechern.<\/p>\n<p><em>D\u00fcrfen die bei den Bedingungen \u00fcberhaupt landen? Ist das nicht zu gef\u00e4hrlich? <\/em>Ich hoffte inst\u00e4ndig, dass der Pilot wusste, was er tat. Andererseits durfte nur ein Pilot mit viel Erfahrung einen derartigen Flug \u00fcbernehmen, ich musste ihm vertrauen.<\/p>\n<p>Hatte ich gerade das Gef\u00fchl, wir w\u00e4ren durchgesch\u00fcttelt worden, so lernte ich nun, was das wirklich hie\u00df. Ich knallte gegen alle m\u00f6glichen Ecken, w\u00e4hrend ich die Grenzen des Sicherheitsgurtes ungewollt austestete, der den wilden Kr\u00e4ften zwar standhielt, mich ihnen aber auch aussetzte. Als ich mit dem Kopf gegen die Kabinenwand knallte, dr\u00f6hnte nicht nur mein Kopf, sondern auch mein Herz. Es schlug so laut wie nie zuvor. Es verdeutlichte mir den L\u00e4rm im Flieger, w\u00e4hrend ich durch einen Tr\u00e4nenschleier kaum etwas sehen konnte. Zum Erholen blieb mir jedoch keine Zeit, da ich bereits wieder nach hinten gerissen wurde. Ungeschickt tastete ich nach meiner Schl\u00e4fe. Der Aufprallort pochte, als s\u00e4\u00dfe mein Herz direkt hinter meiner Schl\u00e4fe, doch Blut f\u00fchlte ich keins. Meine Sitznachbarn hatten sich vorn\u00fcbergebeugt und an ihre Vordersitze gelehnt. Ich kannte die Pose von Bildern. Sie versuchten sich vor dem Absturz in eine sichere Position zu bringen. <em>Nein, nein, nein. <\/em>Um mich herum schrien die Leute. Angst h\u00f6rt sich in jeder Sprache gleich an, ob englisch, deutsch oder d\u00e4nisch. Eine Handtasche streifte meine Schulter und verfehlte meinen Kopf um Zentimeter. Ich zuckte zusammen.<\/p>\n<p>Ein Blitz riss meine Aufmerksamkeit zum Fenster. Drau\u00dfen war es f\u00fcr einen Augenblick heller als drinnen. Doch der Anblick all der Wolken und der zitternden Fl\u00fcgel lie\u00df mich schlucken. <em>Wie will der Pilot bei den Bedingungen die Landebahn treffen? <\/em>Ich zog meinen Sicherheitsgurt enger, auch wenn er sich dann in meinen Bauch bohrte, so verlor ich wenigstens nicht so schnell das Bewusstsein. An Australien denken half nicht mehr, es klappte auch nicht mehr, die Realit\u00e4t beanspruchte mich und meine Gedankenwelt. Im Sekundentakt traf uns eine neue Windwelle und riss das Flugzeug wie ein Schiff auf hoher See gef\u00e4hrlich hin und her. Krampfhaft spannte ich meine Muskeln an und versuchte den Kollisionen mit Flugzeuginventar oder Handgep\u00e4ck aus dem Weg zu gehen. Doch es klappte nicht allzu gut, da mir mein K\u00f6rper nicht voll gehorchte. Ich zitterte. Als ein nasser Fleck auf meinem Bein entstand, realisierte ich, dass mir Tr\u00e4nen aus den Augen liefen. Mit meinem \u00c4rmel wischte ich sie weg.<\/p>\n<p>Wenn ich gesund landen sollte, wusste ich nicht, ob ich jemals wieder in ein Flugzeug steigen w\u00fcrde, auch nicht nach Australien. Neben mir erklangen W\u00fcrgeger\u00e4usche. Auch mein Mageninhalt pochte nun kr\u00e4ftiger gegen meine Speiser\u00f6hre. Ich versuchte ihn runter zu schlucken, doch wir verloren an H\u00f6he, was mein Vorhaben nicht beg\u00fcnstigte. Ich versuchte mir einzureden, dass es normal sei bei der Landung H\u00f6he zu verlieren, aber mein Herz lie\u00df sich nicht beruhigen. Es schlug unglaublich schnell. Zu schnell f\u00fcr meinen Geschmack. Ich presste meine Lippen aufeinander. Irgendwas Hartes streifte meinen Kopf. Ich klammerte mich mit aller Kraft an den Sitz. Der Sicherheitsgurt bohrte sich in meinen Bauch. Der L\u00e4rm schwoll an. Bis alles in einem ohrenbet\u00e4ubenden Erdbeben unterging und schwarz wurde.<\/p>\n<p>Hell und dunkel. Irgendwo musste Licht sein. Rauschen drang an mein Ohr. Ich sp\u00fcrte das weiche Bett unter meinen Fingern. Traum oder Realit\u00e4t? Wortfetzen erreichten mein Gehirn, ergaben aber keinen Sinn. Ich \u00f6ffnete die Augen. Wei\u00df strahlte die Decke im Tageslicht und blendete mich. <em>Warum steckt ein Schlauch in meiner Hand? <\/em>Dann kam der Schmerz und ich presste die Augen wieder zu. Meine Fragen waren beantwortet. Vorerst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Es war einmal&#8230; &#8222;, so klassisch fangen unsere Kurzgeschichten wohl nicht mehr an! Die neue Storyreihe des ZKS l\u00e4sst sich eher mit: Studentisch, kreativ und definitiv lesenswert beschreiben! 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