{"id":667,"date":"2014-11-20T17:50:09","date_gmt":"2014-11-20T15:50:09","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/?p=667"},"modified":"2015-03-11T15:21:09","modified_gmt":"2015-03-11T13:21:09","slug":"goldener-fisch-zks-storys","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/goldener-fisch-zks-storys\/","title":{"rendered":"ZKS Story &#8211; Goldener Fisch"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_667 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_667')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_667').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Und ein Fischer, der im venezianischen Abwasser nach Fischen sucht? Wie das zusammenpasst, erz\u00e4hlt Lars Heukens in seiner packenden und ironischen Kurzgeschichte &#8222;Goldener Fisch&#8220;, die in unserem Kurs: <a href=\"http:\/\/www.zks.rwth-aachen.de\/cms\/ZKS\/Studium\/Bachelor\/~eyot\/Texte-in-Arbeit-Kreatives-Schreiben\/\">Kreatives Schreiben <\/a>entstanden ist. Wir w\u00fcnschen euch viel Spa\u00df beim Lesen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Goldener Fisch <\/strong><\/p>\n<p>von Lars Heuken<\/p>\n<p>Roberto schnippte seine Zigarette in den Kanal. Sie landete mit leisem Zischen auf der braunen Br\u00fche, sog sich langsam mit Wasser voll und verschwand unter der Oberfl\u00e4che. Fr\u00fcher hatte er auf der Stufe neben der steinernen Br\u00fccke im Osten Venedigs immer Erfolg gehabt. Ja fr\u00fcher hatte Roberto eimerweise Fische gefangen.<\/p>\n<p>Heute lag der einzige Fang des Tages in einer wei\u00dfen Plastikt\u00fcte neben ihm auf dem Boden. Ein kleiner silbernen Fisch war eine magere Ausbeute f\u00fcr einen ganzen Tag angeln, rauchen und schnippen.<\/p>\n<p>\u201eIch habe ein Zimmer reserviert, Fusco mein Name.\u201c \u201eWillkommen im Hotel Venezia Senior Fusco, ach ja die Hochzeitssuite, sehr gerne\u201c, antwortete der hagere Mann hinter der Rezeption auf die Frage des stilvoll gekleideten Mannes, welcher betont l\u00e4ssig an der Empfangstheke lehnte. \u201eDritte Etage links, einen sch\u00f6nen Aufenthalt und angenehme Flitterwochen w\u00fcnsche ich Ihnen.\u201c \u201eDanke\u201c, grummelte der Gast und zog seine frisch angeheiratete Frau hinter sich her in Richtung des luxuri\u00f6sen Aufzugs.<\/p>\n<p>Mit leisem Surren holte Roberto die Schnur seiner Angel immer wieder ein. Auswerfen und einholen, einen ganzen Tag lang. Seine dreckigen klobigen F\u00fc\u00dfe baumelten knapp \u00fcber der Wasseroberfl\u00e4che wie die Wurzeln eines alten knorrigen Baumes. Der modrige Duft des Salzwassers vermengt mit dem Gestank des M\u00fclls und des Taubendrecks der Stadt stieg ihm in die Nase. Die herunterbrennende Abendsonne hatte seinen Armen eine Farbe wie die der beige-braunen Bogenbr\u00fccke neben ihm verliehen. Er stopfte sich lustlos eine neue Zigarette in den Mundwinkel und z\u00fcndete sie an. Das Streichholz schnippte er in Richtung einer schwimmenden Ente, die er knapp verfehlte.<\/p>\n<p>\u201eGuck mal Darling, wie gut mein Ring zum Aufzug passt\u201c, sagte die frisch Verheiratete zu Herrn Fusco. Dabei wedelte sie mit ihrer Hand vor seinem Gesicht. \u201eWenigstens ist er aus echtem Gold, 18 Karat\u201c murmelte er, w\u00e4hrend er versuchte den wei\u00dfen Knopf mit der Aufschrift \u201eDrei\u201c m\u00f6glichst leger zu dr\u00fccken. Die T\u00fcr schloss sich und der Aufzug setze sich in Bewegung. Ihr wei\u00dfes Sommerkleid war am Morgen mit viel Sorgfalt ausgew\u00e4hlt worden und passte perfekt zu ihren Schuhen, welche mit einer kleinen Schleife verziert waren. Auf ihrem Zimmer ordnete sie ihre Haare und formte sie auf kunstvolle Weise zu einem Turm, w\u00e4hrend er den Fernseher testete und ihn voreingenommen als \u201eSchrott\u201c bezeichnete. \u201eBin ich so fein genug f\u00fcr eine Erkundung der Stadt?\u201c, fragte sie, w\u00e4hrend sie aus einer Flasche \u00fcppig Parfum auf sich und um sich verteilte. \u201eMuss ich ja wohl, habe ja mit <em>\u201aJa ich will\u2018<\/em> geantwortet\u201c sagte er und blickte teilnahmslos aus dem Fenster.<\/p>\n<p>Boote waren die Feinde eines jeden Anglers in Venedig. Meist fuhren sie zu schnell und verursachten noch h\u00f6here Wellen, als sie ohnehin schon gemacht h\u00e4tten. Mit ihren Motoren verpesteten sie die Luft, manche hinterlie\u00dfen einen leichten \u00d6lfilm auf dem Wasser. Roberto hasste Boote. Er ging stets zu Fu\u00df durch die engen Gassen, ein Boot hatte er sich nie leisten k\u00f6nnen, aber er h\u00e4tte auch keins gewollt. Immer wenn ein Wasserfahrzeug an der Stufe neben der Bogenbr\u00fccke vorbeifuhr, bildeten sich viele Wellen. Nahezu unaufh\u00f6rlich schwappten sie in Robertos Richtung. Manche waren hoch genug, um seine F\u00fc\u00dfe zu erreichen. Sauberer wurden sie dadurch nicht. Oft blieb ein St\u00fcck M\u00fcll zwischen seinen Zehen h\u00e4ngen, welches er dann zum Ausruf eines Schimpfwortes absch\u00fcttelte.<\/p>\n<p>Wie ein Gentleman half Herr Fusco seiner Frau auf ein kleines Ruderboot an einem Pier hinter dem Hotel Venezia. Ihr entging dabei nicht, dass er w\u00e4hrenddessen nur Augen f\u00fcr eine zierliche Kellnerin im angrenzenden Stra\u00dfencaf\u00e9 hatte. Fast h\u00e4tte er das Gleichgewicht verloren, so sehr ruhten seine Augen auf dem H\u00fcftschwung der Espresso servierenden Sch\u00f6nheit. Sein Gesichtsausdruck war fast traurig, als das Boot ablegte und der Touristenf\u00fchrer es von der Steinkante in die Mitte des Kanals man\u00f6vrierte.<\/p>\n<p>Laut schnatternd sch\u00fcttelte sich die Ente und flog mit schnellem Fl\u00fcgelschlag davon.<\/p>\n<p>Diesmal hatte Roberto mit seinem brennenden Streichholz getroffen. Zufrieden wippte er mit seiner Angel, als ein Ruderboot in einiger Entfernung auftauchte. Direkt erlangte das wei\u00dfe Sommerkleid seine Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>Mit kr\u00e4ftigen Schl\u00e4gen ruderte der Bootsf\u00fchrer das h\u00f6lzerne Boot durch Venedig. Nebeneinander zu sitzen, hatte Herr Fusco mit einem \u201eNee ist mir zu eng so\u201c abgewimmelt, also sa\u00df das Ehepaar getrennt hintereinander. Laut und eindringlich klingelte das Mobiltelefon von Herr Fusco. Hektisch st\u00fctzte er sich nach hinten, um es aus der Tasche seiner immer perfekt sitzenden Anzughose zu holen. Durch die schnelle Bewegung geriet das Boot aus dem Gleichgewicht, es schwankte und \u00fcberraschte den Bootsf\u00fchrer mitten in seiner Bewegung. Die frisch Verheiratete verlor die Orientierung und plumpste unter lautem Geschrei in den stinkenden Kanal. Herr Fusco nahm seinen Anruf entgegen. Wild rudernd versuchte sich seine Frau \u00fcber Wasser zu halten, ihre Frisur war ruiniert und erst ihr Kleid\u2026<\/p>\n<p>Roberto hatte die tragische Szene beobachtet. Er l\u00e4chelte m\u00fcde und erkl\u00e4rte den Angeltag f\u00fcr beendet. Seine letzte Zigarette flammte auf, und er schob seine F\u00fc\u00dfe in ein Paar ausgetretene Badeschlappen. Den Fisch legte er in der T\u00fcte zurecht und begann die Angel einzuholen.<\/p>\n<p>Der Bootsf\u00fchrer ergriff die Initiative und streckte seinen Arm aus, um die Frau zu retten. Herr Fusco sah das nur aus dem Augenwinkel, sein Telefonat hatte h\u00f6here Priorit\u00e4t. Mit gro\u00dfer Anstrengung zog der Bootsf\u00fchrer die nasse Frau an Bord. Ihre Haare hingen ihr ins Gesicht, einige Plastikreste hatte sich darin verfangen. Ihr Blick senkte sich auf ihre Hand. \u201eNeeein, der Ehering ist weg!\u201c, schrie sie erbost. Sie begann zu weinen. Herr Fusco beendete das Telefonat in diesem Moment und antwortete k\u00fchl: \u201eNaja, vielleicht hat es nicht sollen sein.\u201c<br \/>\nDie letzte Zigarette ging zu Ende, Roberto schnippte sie in den vom Sonnenuntergang beleuchteten Kanal. Mit leisem Surren glitt die Schnur durch in die Rolle seiner Angel.<\/p>\n<p>Er griff zur T\u00fcte mit dem Tagesfang und schulterte die Rute. Fast h\u00e4tte Roberto das goldene Schimmern an seinem Haken \u00fcbersehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein frisch verheiratetes Paar, aber ungl\u00fccklich? Und ein Fischer, der im venezianischen Abwasser nach Fischen sucht? 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