{"id":807,"date":"2015-08-03T13:56:54","date_gmt":"2015-08-03T11:56:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/?p=807"},"modified":"2015-08-03T13:56:54","modified_gmt":"2015-08-03T11:56:54","slug":"brueder-und-schwestern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/brueder-und-schwestern\/","title":{"rendered":"Br\u00fcder und Schwestern"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_807 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_807')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_807').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. N\\u00e4heres erfahren Sie durch einen Klick auf das <em>i<\\\/em>.\",\"settings_perma\":\"Dauerhaft aktivieren und Daten\\u00fcber-tragung zustimmen:\",\"info_link\":\"http:\\\/\\\/www.heise.de\\\/ct\\\/artikel\\\/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html\",\"uri\":\"https:\\\/\\\/blog.rwth-aachen.de\\\/kreativesschreiben\\\/brueder-und-schwestern\\\/\",\"post_id\":807,\"post_title_referrer_track\":\"Br%C3%BCder+und+Schwestern\",\"display_infobox\":\"on\"});}});\n\/* ]]> *\/<\/script><\/div><p><a href=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2015\/08\/K\u00fccken.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-medium wp-image-808 aligncenter\" src=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2015\/08\/K\u00fccken-214x300.jpg\" alt=\"K\u00fccken\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2015\/08\/K\u00fccken-214x300.jpg 214w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2015\/08\/K\u00fccken.jpg 457w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Pfannkuchen, Nudeln, Torten oder einfach als schlichtes Spiegelei. In unheimlich vielen Lebensmittelprodukten sind Eier verarbeitet. Doch woher kommen diese Eier eigentlich? Und was passiert mit den m\u00e4nnlichen K\u00fccken, die keine Eier legen k\u00f6nnen? Steckt vielleicht doch mehr hinter dem so oft als &#8222;Hippstergehabe&#8220; verp\u00f6hntem veganen Lebensstil? Constanze Schreck hat in unserem <a href=\"http:\/\/www.zks.rwth-aachen.de\/go\/id\/infp\">Oberseminar: Texte in Arbeit<\/a> diese gesellschaftskritische Debatte einmal aufgegriffen. Sie erz\u00e4hlt von:<\/p>\n<p><strong>Br\u00fcder und Schwestern<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWill er dann auch mit meinen Sachen spielen, wenn er da ist?<em>\u201c, <\/em>fragt Pia, die auf der R\u00fcckbank sitzt, w\u00e4hrend sie an ihrem Apfel nagt.<\/p>\n<p>\u201eDas sehen wir alles, wenn er bei uns ist, mein Schatz. Du kannst ihm dann zeigen, was du schon kannst. Aber zuerst hast du ab n\u00e4chster Woche Sommerferien und da fahren wir zu Oma auf die Insel.\u201c<\/p>\n<p>Sie scheint, mit dieser Antwort zufrieden zu sein. Wir sind da. Pias Lieblingserzieherin Katja begr\u00fc\u00dft uns mit einem herzlichen L\u00e4cheln auf dem Flur der Kita. Auch ich habe sie sehr gerne. Sie hat uns in schweren Zeiten schon viel geholfen.<\/p>\n<p>\u201eGuten Morgen ihr Zwei. Alles gut bei Euch?\u201c<\/p>\n<p>Ich nicke z\u00f6gerlich und blicke ihr in die Augen.<\/p>\n<p>\u201eGibt es Probleme?\u201c, fragt sie und zeigt besorgt auf meinen Bauch.<\/p>\n<p>\u201eNein, nein! Das nicht. Es ist nur&#8230; Pia, geh doch schon rein. Ich hole dich nach der Arbeit ab!\u201c<\/p>\n<p>Ich nehme sie in die Arme, dr\u00fccke ihr einen Kuss auf die Stirn und sehe ihr noch kurz nach, wie sie zur T\u00fcr ihrer Gruppe reingeht. Ihre gr\u00fcn-gelben Gummistiefel sind ihr eigentlich schon viel zu klein. Aber f\u00fcr neue reicht das Geld zurzeit nicht.<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df nicht, wie ich es noch l\u00e4nger auf der Arbeit aushalten soll. Es wird immer anstrengender, aber ich kann es ihnen nicht sagen. Sonst bin ich raus.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIrgendwann musst du es aber tun, Linda. Die Fabrik ist kein Ort f\u00fcr eine Frau, die ein Kind erwartet.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu hast ja Recht, Katja. Wir werden sehen. Bisher geht es noch.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWirst schon wissen, was du tust\u201c, sagt sie achselzuckend.<\/p>\n<p>\u201eBis sp\u00e4ter!\u201c Nachdenklich gehe zu meinem Wagen und fahre weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Angekommen auf dem riesigen Parkplatz stelle ich fest, dass ich schon vor zehn Minuten h\u00e4tte da sein m\u00fcssen. W\u00e4hrend der gesamten Fahrt war ich mit meinen Gedanken woanders. Ich krame meine Handtasche aus dem Kofferraum und gehe eilig zum gro\u00dfen Eingangstor. Der Mann an der Pforte muss neu sein, zumindest habe ich ihn hier noch nie gesehen. Er wirft einen kurzen Blick auf meine Karte und nickt, bevor er sich wieder seiner Bild-Zeitung zuwendet. Nach dem Umziehen schlie\u00dfe ich meine Tasche im Spind ein.<\/p>\n<p>\u201eNicht nachdenken, Linda\u201c, sagt eine Stimme in meinem Kopf.<\/p>\n<p>Durchatmen.<\/p>\n<p>Gedankenlos steuere ich auf die erste Schleuse zu. Duschen, desinfizieren. Die zweite Schleuse. Duschen, desinfizieren. Helge sieht mich und kommt auf mich zu.<\/p>\n<p>\u201eMoin, Lisa. Du bist sp\u00e4t. Du bist heute in Halle 4.\u201c<\/p>\n<p>Die dritte Schleuse. Duschen, desinfizieren. Dann stehe ich in Halle 4. Das Rattern der Flie\u00dfb\u00e4nder kann ich mittlerweile ganz gut ausblenden.<\/p>\n<p>Ich schaue mich um, und eine grauhaarige Frau zeigt mir mit einer Kopfbewegung, wo heute mein Platz ist. Direkt neben ihr. Ich habe ihren Namen vergessen. Ich bin selten in dieser Halle. Zum Gl\u00fcck!<\/p>\n<p>\u201eWie war das nochmal?\u201c, frage ich sie.<\/p>\n<p>\u201eDie Guten nach links, die Schlechten nach rechts.\u201c Die Schlechten? Mir wird kurz \u00fcbel bei diesem Gedanken. Ich lege meine Hand auf den Bauch und schlie\u00dfe die Augen. Nur f\u00fcr einen kurzen Moment. Hoffentlich hat es niemand gesehen.<\/p>\n<p>\u201eKann\u2018s losgehen?\u201c, br\u00fcllt Helge von oben. Wir nicken. Dann geht es los. Schweigend stehen wir nebeneinander und machen unsere Arbeit. Was anderes ist es nicht. Nicht mehr und nicht weniger. Zumindest dann nicht, wenn es mir gelingt, an etwas anderes zu denken. In Gedanken richte ich das Zimmer meines ungeborenen Sohnes ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Anfang fiel es mir schwer, mit einem Blick zu erkennen, ob das, was ich in der Hand halte, nach links oder nach rechts geworfen werden muss. Au\u00dferdem habe ich mich zun\u00e4chst geweigert, sie zu werfen.<\/p>\n<p>\u201eAnders geht es aber nicht\u201c, meinte Helge damals kopfsch\u00fcttelnd, \u201esonst dauert es viel zu lange. Das k\u00f6nnen wir uns nicht leisten.\u201c<\/p>\n<p>Als ich zum ersten Mal durch die Hallen gef\u00fchrt wurde, blieb ich in Halle 5 wie angewurzelt stehen, als ich sah, was mit denen passiert, die sie die \u2018Schlechten\u2018 nennen. Sie werden von riesigen rotierenden Messern geschreddert. Dann werden sie mit Schaufeln wie Schnee auf einen Haufen geschoben und in M\u00fcllcontainer verladen. Das war meine Aufgabe am ersten Tag. Von diesem Moment an, habe ich nie wieder ein Ei geschweige denn Fleisch gegessen. \u201eEiner muss es ja machen\u201c, hei\u00dft es hier immer. Und in der Mittagspause essen sie wie immer ihre Brath\u00e4hnchen und Spiegeleier in der Kantine.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie in Trance ziehen acht Stunden und das Flie\u00dfband an mir vor\u00fcber. Meine F\u00fc\u00dfe schmerzen. Keine Ahnung wie viele Wochen ich noch durchhalten kann. An der frischen Luft geht es schon wieder besser und ich werde zum ersten Mal an diesem Tag hungrig.<\/p>\n<p>In der Kita kommt Pia direkt auf mich zu gerannt, als ich zur T\u00fcr reinkomme.<\/p>\n<p>\u201eMama, Mama! Heute Mittag haben wir Pfannkuchen gegessen. Ich liebe Pfannkuchen! Die haben aber ganz anders geschmeckt als zu Hause.\u201c<\/p>\n<p>Ich lege meine Stirn in Falten und ziehe meine Augenbrauen hoch. Katja, die direkt neben uns steht, sieht mich \u00fcberrascht an.<\/p>\n<p>\u201eWas ist los, Linda?\u201c<\/p>\n<p>\u201eKatja, du wei\u00dft zwar wo ich arbeite, aber ich denke, dir ist nicht klar, was wir dort tun.\u201c<\/p>\n<p>Verwirrt sch\u00fcttelt Katja den Kopf.<\/p>\n<p>\u201ePia, holst du bitte deinen Rucksack?\u201c<\/p>\n<p>Sie verschwindet.<\/p>\n<p>\u201eJeden Tag, werden in der Fabrik neunzigtausend weibliche K\u00fcken \u00fcber Flie\u00dfb\u00e4nder in gro\u00dfe Kisten verfrachtet und \u2018versandfertig\u2018 gemacht. Ihre neunzigtausend Br\u00fcder werden geh\u00e4ckselt. Nur wenige Stunden nach dem Schl\u00fcpfen. F\u00fcr sie gibt es keine Verwendung. Ich will nicht, dass das f\u00fcr mich getan wird. Zu Hause essen wir keine Eier und kein Fleisch. Nicht mehr, seitdem ich das gesehen habe.\u201c<\/p>\n<p>Katja stutzt und sieht mich mit gro\u00dfen Augen an.<\/p>\n<p>\u201eDas&#8230; das wusste ich nicht. Aber Kinder brauchen das doch. Zum Wachsen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu siehst ja, dass es auch anders geht.\u201c<\/p>\n<p>Pia kommt zur\u00fcck und h\u00e4lt mir ihren blauen Schmetterlings-Rucksack entgegen. Ich klemme ihn mir unter den Arm, nehme Pias Hand, und wir verabschieden uns.<\/p>\n<p>Und Katjas Blicke folgen uns bis sich die T\u00fcr hinter uns schlie\u00dft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfannkuchen, Nudeln, Torten oder einfach als schlichtes Spiegelei. In unheimlich vielen Lebensmittelprodukten sind Eier verarbeitet. Doch woher kommen diese Eier eigentlich? Und was passiert mit den m\u00e4nnlichen K\u00fccken, die keine [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":264,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"c2c_always_allow_admin_comments":false,"footnotes":""},"categories":[1,28,25],"tags":[],"class_list":["post-807","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-bloggen","category-schreiben-im-studium"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/807","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/users\/264"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=807"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/807\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":811,"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/807\/revisions\/811"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=807"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=807"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=807"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}