{"id":837,"date":"2016-06-09T14:00:14","date_gmt":"2016-06-09T12:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/?p=837"},"modified":"2016-06-09T14:00:14","modified_gmt":"2016-06-09T12:00:14","slug":"durch-elf-hochsicherheitstueren-in-den-strafraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/durch-elf-hochsicherheitstueren-in-den-strafraum\/","title":{"rendered":"Durch elf Hochsicherheitst\u00fcren in den Strafraum"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_837 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_837')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_837').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Der spannende Spielbericht hat es sogar in die Aachener Zeitung \/ Aachener Nachrichten geschafft \u2013 Herzlichen Gl\u00fcckwunsch!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2016\/06\/Helena-Mertens_JVA_AZAN.jpg\" rel=\"attachment wp-att-838\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-838\" src=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2016\/06\/Helena-Mertens_JVA_AZAN.jpg\" alt=\"Helena Mertens_JVA_AZAN\" width=\"1142\" height=\"916\" srcset=\"https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2016\/06\/Helena-Mertens_JVA_AZAN.jpg 1142w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2016\/06\/Helena-Mertens_JVA_AZAN-300x241.jpg 300w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2016\/06\/Helena-Mertens_JVA_AZAN-768x616.jpg 768w, https:\/\/blog.rwth-aachen.de\/kreativesschreiben\/files\/2016\/06\/Helena-Mertens_JVA_AZAN-1024x821.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1142px) 100vw, 1142px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Durch elf Hochsicherheitst\u00fcren in den Strafraum<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>13 M\u00e4nner entscheiden sich freiwillig f\u00fcr den Gang in die Aachener JVA und lassen sich zwei Stunden f\u00fcr ein Spiel gegen die Gef\u00e4ngnismannschaft einschlie\u00dfen<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Aachen. Es ist ein nasskalter Mittwochabend. Das grelle Flutlicht ist eingeschaltet, und die zehn Spieler der \u201eVilla Kunterbunt\u201c in gelben Trikots und blauen Hosen spielen sich den Ball auf dem Kunstrasen zu. Ein ganz normaler Fu\u00dfballplatz, k\u00f6nnte man auf den ersten Blick meinen. W\u00e4ren da nicht die meterhohen Mauern mit dem Natodraht, die \u00dcberwachungskameras an fast jeder Ecke und schwere Seile, die \u00fcber den gesamten Rasenplatz gespannt sind, damit dort kein Hubschrauber landen kann.<\/p>\n<p><strong>Flapsige Spr\u00fcche <\/strong><\/p>\n<p>Was f\u00fcr die Jungs von \u201eVilla Kunterbunt\u201c, der Fu\u00dfballmannschaft in der JVA, l\u00e4ngst zur Normalit\u00e4t geworden ist, wirkt f\u00fcr Besucher abschreckend. So ergeht es auch den Spielern von \u201eMotex\u201c, der Gastmannschaft, die am heutigen Abend ins Gef\u00e4ngnis kommt.<\/p>\n<p>Unterschiedlicher k\u00f6nnten die Spieler der Mannschaften kaum sein. W\u00e4hrend die einen sie nicht mehr sehen k\u00f6nnen, brennen die anderen darauf, einen Blick hinter die hohen Mauern zu erhaschen. F\u00fcr den Bauingenieur Jan (23) liegt genau darin der Reiz: \u201eWir freuen uns auf ein gutes und spannendes Spiel. Aber wir wollen nat\u00fcrlich auch mal sehen, wie so ein Gef\u00e4ngnis von innen aussieht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMotex\u201c trifft auf die JVA-Jungs, w\u00e4hrend die sich auf dem Platz aufw\u00e4rmen. Man mustert einander und nickt sich zu. Kurz vor Spielbeginn ist noch in der Kabine gescherzt worden, die ernste Situation \u00fcberspielen die \u201eKnast-Neulinge\u201c mit Humor. Flapsige Spr\u00fcche wie \u201eBenehmt euch, sonst bleibt ihr hier\u201c oder \u201eUntersch\u00e4tzt die nicht, die \u00fcben den ganzen Tag\u201c werden mit viel Gel\u00e4chter quittiert. Kameraden, die nicht zum ersten Mal in der JVA spielen, ermutigen: \u201eIhr braucht nicht zu denken, dass die ein Messer dabei haben, also geht ruhig in die Offensive!\u201c<\/p>\n<p>Der Weg vom Haupteingang bis zum Fu\u00dfballplatz ist kein allt\u00e4glicher: Elf Stahlt\u00fcren m\u00fcssen auf und wieder zugeschlossen werden. Umso erstaunlicher, dass auf dem Spielfeld selbst keine Vollzugsbeamten stehen, mit Schlagstock und Pistole. Dass den inhaftierten Spielern Vertrauen geschenkt wird, f\u00e4llt auf: \u201eIn puncto Umgangston und Spielverhalten ist das hier angenehmer als bei manchem Spiel in der zweiten oder dritten Liga\u201c, meint Frank Mingers, der entspannt am Spielfeldrand steht und die Mannschaften mit verschr\u00e4nkten Armen beobachtet. Mingers leitet zusammen mit sechs anderen Vollzugsbeamten den Sport in der JVA. Statt Uniform tr\u00e4gt er einen Jogginganzug.<\/p>\n<p><strong>Feste Regeln, kein Schiedsrichter <\/strong><\/p>\n<p>Ein Schiedsrichter wird nicht zum heutigen Duell erscheinen. Auch wenn das Fu\u00dfballspiel im Knast stattfindet, haben die Regeln der Bunten Liga an diesem Abend h\u00f6chste Priorit\u00e4t: Kein Schiedsrichter, kein passives Abseits, fliegender Spielerwechsel, Einrollen statt Einwerfen, erlaubter R\u00fcckpass.<\/p>\n<p>Apropos Bunte Liga: \u201eBUNTE\u201c steht f\u00fcr Balance, Unterhaltung, Neutralit\u00e4t, Toleranz, Erlebnis. Seit 1982 gibt es diese freie Fu\u00dfballgemeinschaft. Heute sind dort 56 Mannschaften vertreten. \u201eWer hier spielt, hat einfach Bock aufs Kicken\u201c, sagt Vorstand Dieter Jeandr\u00e8e.<\/p>\n<p>Raus aus den grauen Mauern des Gef\u00e4ngnisses geht es f\u00fcr die \u201eVilla Kunterbunt\u201c nur bei \u201eknastinternen\u201c Spielen, z. B. gegen die JVA Siegburg oder K\u00f6ln. Um f\u00fcr die Meisterschaften und Pokalrunden fit zu sein, trainieren die Fu\u00dfballbegeisterten einmal pro Woche, meist am Samstag, dem Sporttag in der JVA. F\u00fcr die Mittwochabende ist in der Regel ein Spiel der Bunten Liga angesetzt. Neben dem Lauf- und Fu\u00dfballtraining k\u00f6nnen Inhaftierte Tischtennis, Badminton oder Volleyball spielen und im Fitnessstudio trainieren. \u201eDas Sportangebot ist sehr wichtig f\u00fcr die Jungs, aber wenn mal Not am Mann ist, m\u00fcssen wir irgendwo anders einspringen. Dann f\u00e4llt Sport als Erstes aus\u201c, sagt Mingers.<\/p>\n<p>18 Uhr: Es geht los. Der Ball rollt. Gespielt wird zehn gegen zehn. Die ersten f\u00fcnf Spielminuten sind ein vorsichtiges Abtasten beider Mannschaften. Dann ein Steilpass aus dem Mittelfeld von \u201eMotex\u201c, der die Abwehrreihe der \u201eVilla Kunterbunt\u201c vollkommen \u00fcberrascht. St\u00fcrmer Jan mit der Trikotnummer 13 l\u00e4uft allein auf den Torwart zu \u2013 Querpass: 0:1.<\/p>\n<p>Nach verhaltenem Jubel wird die Partie fortgesetzt. \u201eMotex\u201c ist die st\u00e4rkere Mannschaft. Durch gelungene Kombinationen erarbeiten sich die Jungs weitere Torchancen und treffen. Die Zweik\u00e4mpfe werden h\u00e4rter. Halbzeit: 2:5.<\/p>\n<p><strong>Keinerlei Fan-Unterst\u00fctzung <\/strong><\/p>\n<p>90 Minuten lang spielt die kriminelle Vergangenheit der Heimmannschaft keine Rolle. F\u00fcr die Jungs von \u201eMotex\u201c sind sie einfach nur \u201eGegner, so wie jede Woche\u201c. Kein Grund also, auf dem Platz nicht alles zu geben. Doch in der Halbzeit gesteht Jan: \u201eAls wir uns vor dem Spiel gegen\u00fcberstanden, da \u00fcberlegt man sich schon, was die gemacht haben und warum die hier sind.\u201c Auf die Frage nach der Fairness des Gegners antwortet der St\u00fcrmer: \u201eKlar, es gibt Fouls auf beiden Seiten, aber die sind v\u00f6llig im sportlichen Rahmen!\u201c<\/p>\n<p>Trotz des unbestreitbaren Heimvorteils fehlt der \u201eVilla Kunterbunt\u201c jegliche Fan-Unterst\u00fctzung. Mitinsassen, die von ihren Zellen aus durch die Eisengitter das Spiel beobachten und mitfiebern, sieht man nicht. Keine Reaktion auf Tore. Kein Jubeln, kein Pfeifen, kein Applaus. Nur das Flackern der Fernsehbildschirme in den Zellen.<\/p>\n<p>Zweite Halbzeit: Die Jungs der \u201eVilla Kunterbunt\u201c geben nicht auf und demonstrieren mit vereinzelt guten Aktionen ihr fu\u00dfballerisches K\u00f6nnen. Der Abwehrchef h\u00e4mmert einen sehenswerten Weitschuss mit gef\u00fchlten 150 km\/h in den Winkel \u2013 4:8. Doch den Jubelnden ist klar, dass es sich nur noch um Ergebniskosmetik handelt. In der Schlussphase ist die Luft raus. Am Ende gewinnen die G\u00e4ste mit 4:9. Doch die geschlagenen H\u00e4ftlinge erweisen sich als faire Verlierer. Alle klatschen ab, wirken zufrieden und ersch\u00f6pft.<\/p>\n<p>Was die Gastmannschaft nach dem Spiel nachdenklich stimmt, ist vor allem das Alter der Inhaftierten. Manche sind gerade Anfang 20 und sitzen nicht wegen Kavaliersdelikten ein. Auf dem Weg zur\u00fcck auf die andere Seite der hohen Mauern, beim erneuten Auf- und Abschlie\u00dfen der elf T\u00fcren, versuchen einige \u201eMotex\u201c-Jungs einen Blick auf die Zellen zu erhaschen. Pl\u00f6tzlich ist die Neugierde gro\u00df.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Justizvollzugsbeamten Mingers ist das nichts Neues: \u201eMeistens will die Gastmannschaft erst nach dem Spiel etwas von den H\u00e4ftlingen erfahren.\u201c Die Frage, warum die Jungs denn eigentlich sitzen, wird auch an diesem Abend mehrfach gestellt. Mingers l\u00e4sst sie unbeantwortet \u2013 wie jedes Mal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis ins Gef\u00e4ngins hat sich Helena Mertens f\u00fcr unser Seminar Journalistisches Schreiben gewagt. Das Thema ihres Artikels ist eine Partie Fu\u00dfball: Die JVA-Mannschaft &#8222;Villa Kunterbunt&#8220; gegen die Gastmannschaft &#8222;Motex&#8220;. 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